Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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freiwilliger in der Kaserne — eine Unterbrechung erlitten, die
gewiss meinen englischen Kollegen ebenso bitter wie mir ist,
und die die wissenschaftliche Arbeit beeinträchtigt. Aber der
Staat geht voran. Die deutsche Wissenschaft ist mit Deutschland
eins. Caspar Rene Gregory-Leipzig.

Mezzaeasa, Giacomo (Dr. d. theol. u. hl. Schrift, Priester), II
Libro dei Proverbi di Salomone. Studio critico sulle
agguinto greco-alessandrine. Rom 1913, Istituto Biblico
Pontificio (XII, 204 S. gr. 8). Lire 5. 20.
Die in bekannt opulenter äusserer Form ausgestattete Mono-
graphie des gelehrten Salesianers, einer Sammelunternehmung
scripta pontificii instituti biblioi angehörig, in der z. B. Deimels
Vet. Test. Chronologia erschien, führt den Untertitel: Kritische
Studie über die griechisoh-alexandrinisohen Zusätze, mit Recht,
was den Anspruch auf Kritik angeht. Denn eine ausführliche
Einführung in das Problem des masoretischen und vormasore-
tischen Textes ist, bei allem Respekt vor der kirchlichen Text-
gestalt nnd den patristischen Nachrichten über sie, mit um-
sichtiger Sachkenntnis, gut vorgetragenem Material und be-
sonnenem Urteil beigegeben; sie ist mehr ein Kapitel der all-
gemeinen Einleitungswissenschaft in die Bibel mit Nutzanwenduug
auf die „Proverbien". Selbst mit Franz Delitzschs Empfehlungen
zu Bärs Textausgaben, die allzu unbedingt den masoretischen
Text verherrlichen, setzt sich diese kluge Leistung der Bibel-
wissen sohaft der offiziellen römischen Kirche mit Glück aus-
einander und steht dabei auf dem historisch freieren Stand-
punkte. Unterlassen Bind natürlich alle dogmatischen Be-
trachtungen, die seinerzeit die methodisch ähnlich gerichteten
„Modernisten" unmöglich gemacht hatten. — Mezzacasa be-
zeichnet seine Veröffentlichung als umgearbeitete Doktordisser-
tation. Sie ist wohl bestimmt, der römischen Kirche als ein
auf den neuen Stand der Wissenschaft gebrachter Lagarde
(Anmerkungen zur griechischen Uebersetzung der Proverbien)
zu dienen; Lagardes aus dem Buchhandel verschwundene Arbeit
trug ohnedies nur den Charakter eines ersten Wurfs. Den
unerfreulichen längeren Znsatz zu 24, 22 über den Tyrannen
erklärt Mezzacasa (S. 71—73) aus einer selbständig gewordenen
Häufung von Varianten zu Mas. 30, 1 = LXX 24, 24; 24, 21
und 22; eine Strecke weit leuchtet dies in der Tat ein. —
Wer sich um die Herstellung des Textes der Proverbien be-
müht, wird einen grossen Teil der Vorarbeit bei Mezzacasa
getan finden. Prof. Dr. Wilh. Caspari-Erlangen.

Heinisch, D. Paul (ord. Prof. d. Theologie an der Univ.
Strassburg i. E.); Griechische Philosophie und Altes
Testament. II. Septuaginta u. Buch der Weisheit. (Bibl.
Zeitfragen, 7. Folge, Heft 3.) MünBter i. W. 1914, Aschen-
dorff (38 S. 8). 50 Pf.
Das Gesamtergebnis der Untersuchung geht richtig dahin,
dass im alexandriDischen Judentum ein fortschreitender Helle-
nisierungsprozess sich vollzogen hat. Während LXX von
griechischer Philosophie unbeeinflusst ist, hat sich der Verf.
der sap. Sal. ihren Einflüssen nicht entziehen können; indes
fehlt auch ihm eine durch eingehendes Studium gewonnene
gründliche Vertrautheit, wie Bie Philo eigen war.

P. Krüger-Leipzig.

Hanke, D. Leop. Friedrich, Bilder aus der Geschichte des
Papsttums. Mit 16 Abbildungen. München 1914, C. H.
Beck (VII, 410 S. gr. 8). Geb. 4. 50.

Der verehrte Verf., ein Brudersohn des grossen Geschichts-
forschers, bis zu seiner Pensionierung HauptpaBtor und Senior
in Lübeck, hat in der Müsse des Ruhestandes vor einem inter-
essierten Damenkreise Vorträge über das Papsttum gehalten und
gibt dieselben nun heraus. Er will dadurch dem Mangel ab-
helfen, dass man in weiten Kreisen viel zu wenig von den
Päpsten weiss und von dem gewaltigen Einflnss, den sie auf
die Kulturwelt ausgeübt. Auf selbständige Forschung verzichtet er,
er will nur eine lesbare Darstellung der wichtigsten Tatsachen
und der merkwürdigsten Persönlichkeiten auf Grund der wissen-
schaftlichen Arbeiten anderer geben.

Leider wird aber die neueste Literatur nicht berücksichtigt.
Hauptquellen sind Gregorovius, die Werke Leopold von Rankes
und Egelhaafs Geschichte der neuesten Zeit. Ausserdem wird
anf Einzolartikel der Herzogschen Realenzyklopädie Rücksicht
genommen. Ich vermisse u. a. die Arbeiten von Grisar, Haller,
G. Krüger, L. Pastor. Lesbar ist die Darstellung gewiss, was
den Stil anlangt. Aber es wirkt unendlich ermüdend, dass der
Verf. beinahe auf jeder Seite irgend eine seiner Vorlagen
wörtlich zitiert. Und wenn es sich dabei immer um wichtige
Urteile handelte! Aber vielfach erfahren wir nur, mit welchen
Worten Gregorovius oder sonst jemand ganz äusserliche Tat-
sachen geschildert haben. Dann kann ich auch nicht finden,
dass der Verf. gerade die wichtigsten Ereignisse und Persön-
lichkeiten berücksichtigt hätte. So widmet er Leo I. nur 2,
dem Kampfe Gregors VII. mit Heinrich IV. nur 8, den ganz
unbedeutenden Päpsten des 30jährigen Krieges dagegen fast
50 Seiten! Hiermit im Zusammenhang steht der Hauptmangel
des Buches, dass wir keinen Einblick in die Entwickelung des
Papsttums bekommen. Zwar will der Verf. nur Bilder aus der
Geschichte des Papsttums geben, aber was nützen uns Bilder,
wenn wir nicht aus ihnen ein Bild gewinnen. Und am Schluss,
S. 397, meint er doch selbst, die Folgerichtigkeit, mit der sich
die Idee des Papsttums durchgesetzt habe, müsse uns mit Er-
staunen erfüllen. Aber das Buch weist die einzelnen
Etappen dieser Entwickelung nicht auf. Die muss der Leser
selber herausfinden. Mit den Einzelbemerkungen beschränke
ich mich auf das 19. Jahrhundert. Hier wird u. a. Gregor XVI.
ganz ungerecht beurteilt. Dass die preussische Regierung im
Cölner Kirchenstreit sehr viel versehen, tritt nicht hervor. Im
Kulturkampf erscheint Fürst Bismarck ganz als das Werkzeug
Falks, bis er sioh schliesslich von diesem Tyrannen losmacht.
Die grosse Bedeutung der wirtschaftlichen Fragen für den Ab-
bruch des Kulturkampfes wird nicht gewürdigt. Das Urteil, die
Kirche sei als Siegerin aus dem Kampfe mit dem Staate her-
vorgegangen, bleibt unbegründet. Weshalb wird Pius X. nicht
berücksichtigt?

Sollte das Buch Erfolg haben, bo wird es denselben u. a.
seiner Ausstattung verdanken — ich erwähne, dass es 16 zum
Teil recht gute Abbildungen hat — nnd dem Umstände, dass
tatsächlich ein Bedürfnis nach einer Darstellung vorhanden ist,
wie der Verf. sie vielleicht beabsichtigt, aber zweifellos nicht
erreicht hat." Jedenfalls müsste eine zweite Auflage ganz neu
gestaltet werden. Lic. H. Appel-Kastorf.

Richter, Dr. Gregor (Prof. an der philos.-theol. Lehranstalt
zu Fulda), Die Schriften Georg Witzeis bibliographisch
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