Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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entnommen hat Sie sind grösstenteils im Jahre 1492 bei den i
Klarissen in Nürnberg gehalten und geschrieben im Jahre 1501
durch eine Nonne des Klaraklosters zu Söfflingen bei Ulm.
Der Herausgeber hofft, „damit einmal einen interessanten Bei-
trag zu der mittelalterlichen Predigtliteratur zu liefern, dann
aber auch dem germanistischen, apologetischen und aszetischen
Interesse Rechnung zu tragen, das gewiss diesen Predigt-
erzeugnissen des ausgehenden Mittelalters zukommen dürfte".
In der Tat ist diese Probe einer Predigtweise, die so nahe
vor dem Aufkommen der reformatorischen Predigt steht, auch
für den Protestanten sehr lehrreich. Mitgeteilt wird eine Predigt
über die Vorbereitung zum Chorgebet, zum Verständnis der
Psalmen, über den Hymnus Jam lucis orto sidere, über den
Psalm Dens in nomine tuo und über die ersten 32 Verse dos
Psalms 118 (119). Die Lektüre ist trotz grosser Breite und
ständiger Wiederholungen ein Gewinn. Man begegnet einem
Manne, desson seelsorgerliche Ratschläge zur Gewinnung der
rechten Andacht wie zum gottseligen Gebrauch der Schrift
teilweise ebenso innerlich fromm wie psychologisch brauchbar
erscheinen. Man vergleiche z. B., wie empfohlen wird, die
Worte der Psalmen sich praktisch zuzaeignen optativo modo
oder so, dass alles in Begierde verwandelt und das, was der
Psalmist von sich im Präteritum aussagt, in futurum tempus
verlegt wird als Bitte und Gelübde (S. 10 ff.). Vor allem
spricht hier ein jesusliebendes Gemüt, das nicht müde wird,
ihn vor Augen zu malen: „Eya .... ker dich zu dem aller
mynigklioksten gegenwurf, der über alle ding, die in himel
und in erden sind, lustlich und frödenrich und alein gantz be-
girlieh ist, dz ist zu dem herren Jesu" (S. 103). Seine mensch-
liche Gestalt und Art wird mit manchen feinen Einzelzügen
ausgemalt. Er allein, im besonderen sein Leiden und Sterben,
ist der Grund unserer Rechtfertigung, in den die Betrachtung
sich mit allen Fasern der Seele versenkt. Das „Für uns" kommt
in fast evangelischer Klarheit zutage, während das spezifisch
Römische nnd Mönchische in diesen Predigten ganz zurücktritt.

Lic. M. Peters-Hannover.

Gebser, Dr. jur. F. (Konsistorialrat), Die Verwaltung des
Ephoralarntos in den sieben östlichen Provinzen
der preussischen Monarchie. Berlin 1913, C. Heymann
(XII, 398 S. gr. 8). 10 Mk.
Gebser ist durch seine zuverlässigen Editionen und guten,
ausserordentlich brauchbaren Kommentierungen von kirchlichen
Verfassungs- und Verwaltungsgesetzen allen preussischen Pfarrern
aufs beste bekannt, sollte es wenigstens sein. Was er hier
vorlegt, wendet sich an den engeren Kreis preussischer Superin-
tendenten. Alles, was nach der verwaltungstechnischen Seite
hin ihnen zu wissen nötig ist, bietet dies Handbuch in grosser
Deutlichkeit und sehr guter Auffindbarkeit. Das Buch füllt
wirklich eine Lücke aus, denn die einzige Arbeit, die sich über
öäes Thema erschöpfend ausgelassen hat (J. Schmidt, Der
Wirkungskreis und die Wirkungsart des Superintendenten in
der evangelischen Kirche, 1837), ist natürlich total veraltet und
unbrauchbar; und das kleine Schriftehen von A. Petri (Das
Ephoralamt, 1908) gibt nur „Beiträge und Winke". So hat
sich Gebser mit diesem Buche wirklich ein neues Verdienst
erworben, und der ausgezeichneten Arbeit ist weite Verbreitung
zu wünschen. Gerade wenn es wahr ist, dass das Superin-
tendentenamt viel Bericht- und Schreibarbeit in sich berge,
dürfte es sich für den, der es innehat, dringend empfehlen,

sich mit allen zulässigen Verkürzungen und Erleichterungen,
die es auf diesem Gebiete gibt, eingehend vertraut zu machen.
Eine bessere Hilfe dafür als das achtsame Studium des Gebser-
schen Buches wüsste ich nicht anzugeben. Der Verf. entwickelt
nach sechs einleitenden Paragraphen den „Wirkungskreis der
Superintendenten als kirchenregimentlicher Beamten" (Aufsichts-
rechte, Urlaubsverhältnisse, Verwaltung der Pfarrstellen bei der
Vakanz, Einführungen, Visitationen, Konforenzen u. a. m.), so-
dann bebandelt er den Superintendenten als „Vorsitzenden der
Kreissynode und des Kreiasynodalvorstandes", um zuletzt ein-
gehend „die nebenamtliche Tätigkeit als Kreisschulinspektor"
auf Grund der massgebenden Gesetzesbestimmungen und be-
hördlichen Verordnungen zu erörtern. Eine Reihe von Muster-
formularen für Archiveinrichtung, Einnahmen der Vakanzkasse,
Terminsprotokolle, Pfarrwahl und vieles andere bildet den Be-
schluss des schönen, inhaltreichen Buches.

Alfred Uckeley-Königsberg.

Schneller, D. Ludwig, Credo. Das apostolische Glaubens-
bekenntniss in achtzehn Predigten. Leipzig 1913, Wall-
mann (254 S. gr. 8). Geb. 3 Mk.
Bei der grossen Unklarheit, die über das apostolische
Glaubensbekenntnis herrscht, und den vielen Angriffen, denen
es ausgesetzt ist, leistet dieser Predigtband ausgezeichnete
Dienste. In achtzehn Glieder auseinandergelegt, wird das ehr-
würdige Bekenntnis durchgesprochen, von den Worten „loh
glaube" an bis zu dem „Amen". Selbst die Worte „unter
Pontius Pilatus" erfahren eine eigene Behandlung. Jeder Predigt
ist eine Schriftstelle als Text gegeben, und dieBe Stellen sind
treffend und fein gewählt, z. B. für „Gelitten" Luk. 12, 49—50-
Auffällig ist, daBS die Worte „unsern Herrn" mit der Empfängnis
vom Heiligen Geist zusammengenommen sind: sie böten ja
Stoff genug zu einer besonderen Predigt. In der ersten Predigt
vermisse ich eine Darstellung dessen, was glauben heisst. Das
Leben Jesu finde ich ausser in dem Worte „gelitten" wieder
in dem Titel „Christus" und in dem Nebeneinander von „seinen
Sohn und unsern Herrn". Ausserordentlich wohltuend berührt
die zarte Behandlung so empfindlicher Stücke wie das „Empfangen
vom Heiligen Geist". Vielleicht werden allerdings manche eben
um dieser Zurückhaltung willen nicht ganz befriedigt sein;
physiologische Fragen bleiben unbeantwortet. Denn der Verf.
hebt überall den religiösen Gehalt der Worte heraus, und
das tut er durchaus bekenntnismässig und doch mit milder
Weitherzigkeit. Eine schöne Sprache empfiehlt das Buch der
Lektüre moderner Zweifler, die sich hier verstanden und zurecht-
gewiesen fühlen. Auch die nette Ausstattung des Bandes ver-
dient Anerkennung. Der grösste Vorzug ist die christozentrisohe
Erfassung des ganzen Bekenntnisses. „Eine Predigt, die nicht
zu Jesus führt, ist unter allen Umständen eine verfehlte Predigt"
(S. 209). Scherffig-Leipzig.

Kurze Anzeigen.

Buchenau, Artur (Bibliotheca Philosophorum Vol. 1), Descartes,
Meditationes de prima philosophia. Lipsiae 1913, Felicia Meinen
(IV und 68 S. 8). 1.50.

Der rührige Leipziger Verlag Meiner, deaaen „Philoaophische
Bibliothek" — enthaltend die philosophischen Hauptwerke aller Zeiten
und Völker, darunter die nichtdeutschen in Uebersetzungen — bereits
zu einer aehr stattlichen Reihe angewachsen ist, eröffnet als Parallele
hierzu soeben die „Bibliotheca Philosophorum", worin eine Anzahl aus-
ländischer Philosophen im Originaltexte zu Worte kommen soll. Als
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