Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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(Musterbeispiel: Der Schutzvorbau der Goldenen Pforte in Frei-
berg). 5. Prof. Dr. Berling-Dresden, Die Sonderausstellung
kirchlicher Kleinkunst: erklärende Worte dazu (historische
und neuzeitliche Abteilung) mit praktischen Winken für die
Geistlichen. 6. Prof. Högg-Dresden, Friedhofskunst: ein-
dringliche und höchst beherzigenswerte Grundlinien über Lage
und Einrichtung eines Friedhofs mit dem steten Hinweis darauf,
wie gerade hier echte, künstlerische Gestaltung den religiösen
Sinn mit heben und pflegen kann. Dem 2. und 6. Vortrag
sind am Schlüsse schöne Bildertafeln beigegeben.

Hans Preuss-Leipzig.

Dunkmann, D. K. (Professor der Theologie in Greifswald),
Metaphysik der Geschichte. Eine Studie zur Religions-
philosophie. Leipzig 1914, A. Deichert (70 S. gr. 8).
In dieser aus einem Vortrag erwachsenen Abhandlung
skizziert der Herr Verf. zunächst grosszügig die Stellung der
Theologie zur Metaphysik und meint, dass jene sich jetzt nicht
mehr mit einer Metaphysik der Natur oder der Sitten, sondern
mit einer solchen der Geschichte zu verbinden habe (S. 1—8).
Ansätze zu einer Metaphysik der Geschichte liegen in der
Philosophie der Gegenwart besonders bei Dilthey und Richert
vor (S. 9—20). Die hierauf folgende eigene Deduktion
einer Metaphysik der Geschichte ist noch reichlich mit der
kritischen Besprechung anderer Standpunkte, wie z. B. dem
Cohens, verbunden. Als Resultat erscheint der „eigentümliche
Doppelcharakter der Geschichte . . Weder darf die Ge-
schichte rein individuell verstanden werden . ., noch darf sie
rein naturgesetzmässig zusammenhängend betrachtet werden ..,
noch auch als eigentümlicher Wirkungszusammenhang eigen-
tümlicher homogener Grössen . ." (S. 36). „Wesentlich ist
ihr vielmehr ein eigenartiger Zusammenhang der homogenen
Grössen, also eine eigentümliche Realität, die in den Beziehungen
dieser homogenen Grössen zur Wahrheit wird . . . Dennoch
ist die Geschichte nun nicht die reine Beziehung dieser einander
bedingenden Grössen, sondern diese Beziehungen sind zugleich
vom naturgeseizlichen Zusammenhang der Dinge und damit vom
Prinzip der reinen Individuationen des dinglichen Daseins durch-
brochen" (S. 37). Infolge dieser fehlenden inneren Einheit ent-
steht gerade in „der Geschichte" das Bewusstsein eines Mangels.
Hier setzt die Metaphysik ein, insofern dieser Zwiespalt den-
noch in der Einheit des Bewusstseins erlebt wird: „Nicht eine
objektive Einheit hätten wir in unserem Bewusstsein, sondern
lediglich das Bewusstsein eines Zwiespaltes hätten wir, dieses
aber enthielte in sich eine Einheit eigentümlicher Art . .
Denn das Bewusstsein eines solchen Gegensatzes im Bewusst-
sein transzendiert eigentümlich das empirische Bewusstsein"
(S. 48). Hiermit soll auch die Gottesanschauung gegeben sein:
„Denn eben nur darin erleben wir Gott, dass wir den Total-
umfang unserer geistigen Existenz in ihrer inneren Duplizität
erleben" (S. 61). Das Problem des Verhältnisses dieser Meta-
physik der Geschichte zur Offenbarung will Dunkmann in einer
weiteren Veröffentlichung behandeln.

Eine Kritik am Einzelnen würde dieser eigenartigen und
scharfsinnigen Leistung nicht gerecht werden. Infolgedessen
beschränken wir uns auf die Bemerkung, dass unser Begriff
der Geschichte gerade die Merkmale in den Vordergrund rückt,
die Dunkmann als nebensächlich in dem Satze zurückstellt:
„Diesen Glauben tragen uns die geschichtlichen Formen und
Gestaltungen der Religion entgegen, aber nicht sie sind es, aus

deren Ueberlieferung wir unsere Religion entnehmen, sondern
sie lösen nur die Erfahrung aus, die mit uns geboren wird"
(S. 65). R- H. Grützmacher-Erlangen.

Eucken, Rudolf, Erkennen und Leben. Leipzig 1912,
Quelle & Meyer (V, 164 S. gr. 8). Geb. 3.80.
Das Wort „Leben" ist heute ebenso wie das Wort „Er-
kennen" in aller Munde. Es ist im Prinzip sehr geschickt, dies
beides zueinander in Beziehung zu setzen. Man stellt sich damit
gleich formell auf eine Linie mit dem modernen Menschen. Der
Verf. bezeichnet seine Schrift nur als einen Entwurf, dem eine
nähere Ausführung folgen soll; auf diese werden wir darum
auch zu warten haben, um seine Anschauungen gründlich zu
behandeln. Sympathisch berührt bei Eucken ja stets der Drang,
das Geistesleben von der Macht blosser Naturbegriffe zu be-
freien, wenngleich er den eigentlichen Weg dazu immer sehr
innerhalb der Sphäre des Natürlichen findet. Eingeteilt ist die
kleine Schrift in einen kritischen und einen entwickelnden Teil,
in welchen beiden die Einzelkapitel ziemlich zufällige Titel
tragen: Grenze der Wissenschaft, das Scheitern der Spekulation,
Uebergang zum Lebensproblem, die modernen Fassungen des
Lebens, nämlich der Pragmatismus und der Biologismus usw.
Eucken will hinausführen über die innere Leere bei allem
stürmischen fieberhaften Wirken nach aussen, das für den
modernen Menschen charakteristisch sei. Er will führen zu
einem beherrschenden Mittelpunkt und Lebenskern. Weder das
Denken für sich, noch das Leben für sieh führt zu dem er-
strebten Ziel, so entsteht notwendig die Frage, ob sie nicht
gegenseitig aufeinander angewiesen sind und ob sie nicht aus
dem Verhältnis der Ueber- und Unterordnung in das eines
freien und freundschaftlichen Zusammenwirkens treten können.
Die Herstellung einer inneren Verbindung liegt in beider
Interesse und ist eine dringende Notwendigkeit geistiger Selbst-
erhaltung. Ein Erkennen ist nur möglich, soweit wir an einem
Beisichselbstsein des Lebens teilgewinnen. Dieses muss im
Grunde unseres Wesens wirken, aber zu unserem vollen Eigen-
tum wird es nur mit Hilfe der weltgeschichtlichen Arbeit. Das
Gleichgewicht des Lebens ist zerstört; es ist nur wiederzufinden
durch die Bildung einer neuen Konzentration. Zu ihr gelangen
wir nur in Erhebung über die verworrene Durchsohnittslage
und in der Wendung zu einer neuen Lebensmetaphysik.

Dass Euchens Gedanken sich mit denen der Religion be-
grüssen, ist ja bekannt; spezifisch Christliches klingt in dem
Obigen nicht an. Doch kann es für manche vielleicht eine
Aufforderung in sich schliessen, zu diesem weiter zu schreiten.
Schliesslich darf der Wunsch nicht unterdrückt werden, dass
die Sprache doch weniger mysteriös sein könnte, und manchmal
sehr einfache Gedanken ein so umständlich schwieriges Gewaud.
nicht nötig hätten. Pastor Lic. Fischer-Hamburg.

Schmidt, P. D. Ulrich, Mittelalterliche deutsohe Predigten
des Franziskaners P. Stephan Fridolin. (Veröffent-
lichungen aus dem Kirchenhistorischen Seminar München.
IV. Reihe, Nr. 1.) München 1913, Lentner (E. Stahl) (VIII,
163 S. gr. 8).

Seiner Dissertationsschrift über den Franziskanerprediger
Fridolin, der Ausgangs des 15. Jahrhunderts in Nürnberg ge-
wirkt hat, lässt der Verf. hier eine Auswahl von Predigten des
Mannes folgen, die er einer Handschrift der Berliner K. Bibliothek
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