Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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des sehr umfänglichen Stoffes in 40 Kapiteln herausgebildet, i
Der vorliegende Bericht aus dem Jahre 1911 ist äusserlioh
ahermals in mässigen Grenzen gewachsen, inhaltlich aber stieg
er um fast 400 behandelte Veröffentlichungen, deren Gesamt-
zahl aus dem Jahre 1911 nunmehr fast 1800 beträgt. Von
den vorgesehenen Gebieten boten diesmal 36 Stoff zu Sonder-
darstellungen, vier sollen im Bericht für 1912 bedacht werden,
da die Jahresausbeute für 1911 zu gering war (neuere Sprachen,
Geschichte, Naturwissenschaften, Braunschweig). Dafür er-
scheinen erstmalig Kap. 11: Höhere Mädchenschule, Kap. 14:
Karitative Erziehung, und 40: Bibliographie. — Das Namen-
und Sachregister ist stark angewachsen und wertvoll bereichert
durch zahlreiche Sammelartikel mit umfassenden Literatur-
hinweisen. Im Kap. IIb von Dr. phil. Gertrud Bäumer ge-
winnen wir einen Ueberblick über die zahlreichen monographischen
Darstellungen einzelner Mädchenschulen, die zum Teil bis in
den Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreichen und unser bis-
heriges Wissen dieser Eutwickelung zwar willkommen ergänzen,
aber nicht grundsätzlich verändern (gewerbsmässiger Privat-
unterricht, philanthropische Stiftungen oder Regierungsver-
anstaltungen). Auch werden die Doch nicht zahlreichen Dar-
stellungen beurteilt, welche das Mädchensohulwesen in grösseren
zeitlichen oder örtlichen Zusammenhängen zu erfassen suchen. —
Abschnitt 14 aber erfahren wir durch Seminardirektor Utten-
dörfer die pädagogischen Veröffentlichungen auf dem Gebiete
der karilativen Erziehung, und zwar besonders der Alumnats-
erziehung, der Bewahranstalten, der Erziehung verwaister und
verwahrloster Kinder, der Anstalten für Blinde, Taubstumme,
Krüppel und Schwachsinnige. Der reiche Inhalt des ganzen
Werkes gewährleistet einen gründlichen Ueberblick über den
breiten Strom historisoh-pädagogischer Forschung des Jahres 1911.

Frenzel-Leipzig.

Kurze Anzeigen.

Bernays, Paul, lieber den transzendentalen Idealismus. Göttingen
1913, Vandenhoeck & Ruprecht. (Sondeidruck aus den Abhand-
lungen der Friesschen Schule N. F. IV Bd. 2. Heft.) 80 Pf.
Eine Apologie dea transzendentalen Idealismus in Fries'scher resp.
Nelsonscher Modifikation möchte der Titel der kleinen Abhandlung
kennzeichnender lauten. Dabei richtet sich diese Apologie ausschliess-
lich an die Adresse des „transzendentalen Realismus", worunter der
„naive" — wie ich lieber sagen würde — Realismus gemeint ist, dem
die sinnenfällige Welt in ihrer gesetzmässigen Einheit das Ganze der
Wirklichkeit bedeutet. Die Modifikationen aber, die der Verf. am reinen
Idealismus Kants vornimmt, beziehen sich auf geringe und doch be-
deutsame Abwandlungen der Antinomien, in denen der Idealismus seit
Kant den indirekten Beweis seiner selbst erblickt hat. Die Studie
ist für sich allein genommen schwer zu verstehen, sie will aus der ge-
samten Bewegung der Fries-Nelsonschen Philosophenschule heraus ver-
standen sein und dürfte zweifellos in diesem Zusammenhang von Be-
deutung sein. Dunkmann-Greifswald.

Oltertag, Dr. Heinr. (Pfarrer in Gleissenberg b. Burghaslach, Bayern),
Friedrich der Grosse (Die Religion der Klassiker 5). Berlin-
Schöneberg, Protest. Schriftenvertrieb (112 S. 8). 1. 50.
Ostertag, Pfarrer in Burghaslach, Bayern, gibt auf 27 Seiten Ein-
leitung Erörterungen über die Frömmigkeit Friedrichs des Grossen, die
psychologischen Wurzeln, das historische Milieu und die genetische
Entwickelung durchsprechend. Es kommt ihm darauf an, die These
zu erhärten, Friedrichs religiöse Entwickelung sei nicht durch Brüche
hindurchgegangen, sie weise vielmehr einen folgerichtigen Zusammen-
hang auf. Alle die Richtungen, welche „das historische Milien" bilden,
Orthodoxie, Wolffianismus und Deismus, gehen nämlich nach Ostertag
von derselben grundsätzlichen Auffassung der Religion aus, nämlich von
einer intellektualistischen. Allen dreien ist Religion Erkenntnis, eine
Ramme von Lehrsätzen. Es ist nur ein Schritt von einem zum andern.
Das zeigt Ostertag, so gut das auf dem kurzen, zur Verfügung stehenden
Räume angängig ist, klar und nachdrucksvoll. Ihm ist Friedrich „ein
geborener Freidenker und ein geborener Gottsucher". Er lehnt den

bekannten Satz ab, dass Friedrich ein viel besserer Kirchenchrist ge-
worden wäre, wenn ihm in seiner Jugend das kirchliche Christentum
liebenswürdiger dargeboten worden wäre. Ostertag meint, das hiesse
doch, seine Umgebung über- und sein eigenes Wesen unterschätzen. Von
S. 36—110 enthält das Heft Zitate aus Friedrichs Werken, die seine
Stellang zur Religion belegen. Hier liegt der eigentliche Wert des
Büchleins, denn aus ihnen kann man unschwer sich ein schönes, reizvolles
Charakterbild des grossen Königs zusammensetzen — gerade gegenüber
den vielen schiefen Urteilen, die der König nach Richtung seiner
Frömmigkeit hin durch öchlagworte erfährt, eine reizvolle und lohnende
Aufgabe für den Pfarrer, der sich nach Darbietungen für Gemeinde-
abende umsieht. Alfred Uckeley-Königsberg.

Neueste theologische Literatur.

Unter Mitwirkung der Bedaktion
zusammengestellt von Oberbibliothekar Dr. Runge in Göttingen.

Bibelansgaben u. -Uebersetznngen. Schrift, Die Heilige, des
Neuen Testaments. Uebers. u. gemein verstand!, erklärt v. Proff. Dr.
Frilr. Maier, Max Meinertz, Ignaz Rohr [u. a.]. Hrsg. v. Prof. Dr.
Fritz Tillmann. 11. Lfg. Tillmann, Prof. Dr. Fritz, Das Johannea-
evangelium, übers, u. erklärt. Berlin, Herrn. Walther (XIIS. u.8.241—292
Lex.-8). 1.20.

Biblisehe Elnleitnngswlssenschaft. Cereseto, p. Johannes Hyacintus,
Introductio generalis in sacros utriusque testamenti libros. Vol. 1, P. 1.
Genuae, I Padri della Chiesa (XXVI, 497 p. 8). 5 L. — Mezzacasa,
sac. Giac, II libro dei proverbi di Salomone. Studio critico sulle
aegiunte greco-alessandrine. Roma, Istituto blblico pontificio (XII,
203 p. 8). — Monnier, Henri, Qu'est-ce que la Bible? (Histoire
abregee du recueil biblique) 2. öd. Paris, Fischbacher (151 p. 8).

Biblische Hilfswissenschaften. Vincent, Hugues, & F. M. Abel,
Jerusalem. Recherche* de topographie, d'archeologie et d'histoire.
T. 2: Jerusalem nouvelle. Fase. 1 A 2. Paris, Gabalda (XX, 419 8. 4
zu 2 Col.).

Patristik. Eusebius, Kirchengeschichte. Hrsg. v. Eduard Schwartx.
Kleine Ausg. 2., durchgeseh. Aufl. Leipzig, J. C. Hinrbhs (VI, 442 8.
gr. 8). 4 Ji — Rackl, Prof. Dr. Michael, Die Theologie des heiligen
Ignatius v. Antiochien. Nebst e. Voruntersuchg.: Die Echtheit der sieben
Ignatianischen Briefe verteidigt gegen Daniel Völter. Theol. Diss. Frei-
burg i. B. 1914 (XXXII, 418 8. 8).

Allgemeine Kircheugeschichte. Susta, Jos., Die römische Kurie
u. das Konzil v. Trient unter Pius IV. Aktenstücke zur Geschichte
des Konzils v. Trient. Im Auftr. d. hist. Kommission der kaiserl.
Akad. d. Wissensch, bearb. 4. (Schluss-)Bd. Wien, Holder (XX,
617 8. Lex.-8).

Kulturgeschichte. Kühn, Hugo, Kulturgeschichtliche Bilder aus
Thüringen, m. Buchschmuck v. Alb. Andresen. Leipzig, Dieterich
(VIII, 335 S. gr. 8). 6 Ji

Reformationsgeschichte. Lutherhefte. (Glockenstimmen bezw. Vor-
boten zum Reformations-Jubiläum 1917.) Nr. 61 u. 62. Melanchthon
u. Amsdorf üb. Luthers Leben u. Schriften. Nr. 63. Tröstliche Ge-
danken Luthers üb. den Winter. (Auslegung des 147. Psalms.) Nr. 64.
Luthers Auslegung des 120. Psalms. (Trostbrief an die Miltenberger
wegeu Vertreibg. ihre3 Predigers.) Nr. 65. Also hat Gott die Welt ge-
liebt. (Eine Predigt Luthers üb. den Spruch Joh. 3, 16.) Nr. 66.
Luthers Sermon v. Bereitung zum Steiben. Nr. 67 u. 68. Lutherworte
v. der Beichte. Nr. 69. Luthers Schrift v. Kaufshandlung u. Wucher
1524. 1. Tl. Nr. 70. Luther üb. die stellvertretende Genugtuung
Christi. (Aus seiner Erklärg. v. Jes. 53.) Zwickau, J. Herrmann
(318.; 16 S.; 16 8.; 16 8.; 16 S.; 32 S.; 16 S.; 16 S. 8). Je 10 /ij.
— Bivari, Dr. Enr., La mente e il carattere di Luttero. Considerazioni
psicologiche, con prefazione del piof. Raffaele Brugia. Bologna, Beltrami
(XIX, 265 p. 16). 3 L.

Kirchengeschichte einzelner Länder. Bussy, Charles de, L'Eglise
8aint-Nicaise de Rouen, d'apres les archives et des documents modernes.
Rouen, Impr. A. Lainö (126 p. 8 u. 8 Taf.). — Erläuterungen u. Er-
gänzungen zu Janssens Geschichte des deutschen Volkes. Hrsg. von
Ludwig v. Pastor. X. Bd. 1. u. 2. Heft. Götz, Stadtpfr. Distrikts-
schulinsp. Dr. Joh. Bapt., Die religiöse Bewegung in der Oberpfalz von
1520—1560. Auf Grund archival. Forschgn. Freiburg i. B., Herder
(XVI, 208 S. 8). GJt — Lehmann-EussbUldt, Otto, Der geistige Be-
freiungskrieg durch Kirchenaustritt. 4. Aufl. v. „Trennung v. Kirche u.
Staat, erzwungen durch Kirchenaustritt". (14.—23. Taus.) Berlin. Frank-
furt a. M., Neuer Frankfurter Verlag (32 S. gr. 8). 10 /ij.

Christliche Knnst n. Archäologie. Ebersolt, Jean, A Adolphe
Thiers, Les Eglises de Constantinople, avec un album de 58 planches.

SMonuments de Part byzantin. 3.) Paris, Leroux (VII, 296 p. 4). —
segris, nbbe" A„ L'Eglise d'Eu et la Chapelle du College. Notice hist.
et descript. Paris, E. Champion (XIII, 166 p. 8 & grav.). — Bodin,
Auguste, Les Cathödrales de France. Introduction par Charles Morice.
Paris, A. Colin (CIX, 172 p. 4 A 100 Taf.).

Dogmengeschiellte. Harnack, Prof. Ad., Manuale di storia del
dogma. Prima versione italiana. Vol. 5. Mendrisio, Casa ed. Cultura
moderna (425 p. 8). 6 L.

Dogmati k. Zastrow, Amtsricht. Const. y., u. Dos. D. Th. Stein-
mann, Die Geheimreligion der Gebildeten. 3„ unveränd. Aufl. [Aus:
„Relig. u. Geisteskultur".] Göttingen, Vandenhoeck A Ruprecht (66 S.
gr. 8). 1 Ji
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