Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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der Apologie und der Schrift über die Auferstehung, die der
Augsburger Lyzealprofessor Anselm Eberhard geliefert hat.

Der zweite Band der Apologeten bringt eine Uebersetzung
der drei Bücher des Theophilus von Antiochien an Autolycus
und der „Verspottung" des Hermias des Philosophen in der
Weise, dass die in der ersten Auflage der „Bibliothek der
Kirchenväter" erschienene Uebersetzung von J. Leitl durch den
Freiherrn di Pauli durchgesehen und verbessert wurde. Alfons
Müller, Kaplan in Stuttgart, lieferte eine Uebersetzung des
Octavius des Minucius Felix. Derselbe bietet auch eine erste
deutsche Uebersetzung der eigentümlichen Schrift des Firmicus
Maternus „de errore profanarum religionum" aus den Jahren 346/8
im wesentlichen auf Grund des neuen Zieglerschen Textes.
Müllers Bemerkung, dass neue Untersuchungen des wertvollen
Büchleins wünschenswert seien, finde ioh sehr gerechtfertigt
und kann ich nur lebhaft unterstützen. Den Sehlens des Bandes
macht eine von Gerhard Kauschen stammende Uebersetzung
„echter" alter Märtyrerakten. Er hat deren acht übersetzt: das
Martyrium des heil. Polykarp, das des Justin und seiner Ge-
nossen, das des Karpus, Papylus und Agathonike, das Kauschen
in die decische Verfolgung verlegt, das Leiden der scilitanischen
Märtyrer, das Martyrium des heil. Apollonias, die Akten der
hl. Perpetua und Felicitas, des heil. Pionius und seiner Genossen
und die „prokonsularischen" Akten des heil. Cyprian. Das
Martyrium von Lyon und Vienne von 177 wird wohl deshalb
nicht geboten, weil es ja in der Kirchengeschichte des Eusebius
mit übersetzt wird.

Ich kann nur meine volle Anerkennung über das bisher in
der Neuauflage der „Bibliothek der Kirchenväter" Geleistete
aussprechen. Hermann Jordan-Erlangen.

Müller, Lic. Konrad (Pastor an St. Trinitatis in Breslau),
Studien des Wissenschaftlich-Theologischen Vereins.
Seinem Vorsitzenden Herrn Kircheninspektor Propst D.
Decke zum 19. Oktober 1913 überreicht vom Wissenschaft-
lichen Verein zu Breslau. Breslau 1913, Wilh. Gottl. Korn
(XV, 230 S. gr. 8). 4. 50.
Der 70jährige Geburtstag seines Präses hat dem hiesigen
Wissenschaftlich-Theologischen Verein willkommenen Anlass ge-
geben, eine Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten aus dem
Kreise seiner alten Herren zu veröffentlichen als Zeichen des
Dankes für die grossen Verdienste des Jubilars um den Verein.
Der stattliche Band, in dem 16 Aufsätze vereinigt sind, fast alle
aus der Feder schlexischer Theologen, ist ein schöner Beweis
der wissenschaftlichen Kegsamkeit und Vielseitigkeit, die dem
Wissenschaftlich-Theologischen Verein eigen bt, ein Dokument
erfolgreicher Arbeit, ebenso ehrenvoll für die Veranstalter der
Festschrift wie für den damit Gefeierten. Die Beiträge ver-
breiten sich über die verschiedensten theologischen Disziplinen.
Dem Neuen Testament gelten die Studien von K. Köhler
über den „Spruch vom Auge" (Matth. 6, 22 f.; Luk. 11, 34—36),
in der mit methodischem Geschick der Sinn und die ursprüng-
liche Gestalt dieses schwierigen Stückes der synoptischen Ueber-
lieferung aufgedeckt wird; von F. Berger über den „Prolog
des Johannesevangeliums" mit origineller Exegese und dem
Versuch, aus dem Prolog den „praktisch-mystischen exoterisch-
theosophisohen" (!) Charakter des vierten Evangeliums nach-
zuweisen; und von W. Frommberger, „Die unliterarisohen
Funde aus hellenistischer Zeit in ihrer Bedeutung für die alt-
christliche Forschung", der im Anschluss an Deissmann den

sprachgeschichtlichen, literargeschichtlichen, kultur- und religions-
geschichtlichen Ertrag der neueren Papyrus- und Ostrakafunde
für den Theologen lebendig schildert. Einen bemerkenswerten
Beitrag zur Geschichte der Wertung des Alten Testaments
liefert der Herausgeber, der die Frage behandelt: „Wie be-
nutzte Klopstock das Alte Testament?" und dahin beantwortet:
Das Alte Testament hat im Leben des Dichters der Messiade
als Fundgrube für seine Werke, als Sammlung für seine Ver-
gleichungen, als Lehrmeisterin für seine praktische Form und
als Urkunde für die Einzelgestaltung seiner Schilderungen einen
grossen, von religiöser Verehrung und dichterischer Hochsohätzung
getragenen Wert besessen, trotz Klopstocks unzureichenden
sprachlichen und religionsgeschichtlichen Verständnisses der
hebräischen Schriften. Lokalkirchengeschichtlichen Stoff be-
handeln K. Förster, „Ein goldenes Amtsjnbiläum vor
121 Jahren" (schildert die Feier des 50jährigen Amtsjubilänms
des Landeshuter Kircheninspektors und Pastors prim. J. G.
Napierski am lö.April 1792); H.Meyer, „Samuel Dambrowskis
Postille" (orientiert über die Persönlichkeit und die homiletische
Eigenart dieses bedeutenden, noch heute geschätzten polnischen
protestantischen Predigers, t 1625); K. Raobiger, „Das evan-
gelische Schweidnitz und der Reichstag zu Regensburg 1652—54"
(gibt ein packendes Bild von den verheerenden Wirkungen der
Gegenreformation auf schlesischem Boden), und E. Tschersich,
der interessantes Material mitteilt „aus der mittelalterlichen Ge-
schichte von Domanze und Umgegend". Die religionsphilo-
sophische Skizze von K. Jerke, „Grundlagen zur Bildung des
Kantischen Gottes- und Religionsbegriffs", versucht zu zeigen,
wie Kant das Bedürfnis nach einer Festlegung transzendenter
Begriffe dazu geführt hat, in das rein verstandesmässige Denken
Gefühlsmomente zu mischen, und zwar derart, dass die gefühls-
mässigen Begriffe als verstandesmässige Denknotwendigkeiten
erscheinen sollen. In die moderne Goistesbewegung führen
K. Weideis temperamentvoller Aufsatz über „Richard Wagners
„Jesus von Nazareth"" (Wagner hat Jesus ohne einen Funken
von Verständnis für seine geschichtliche Eigenart zum Volks-
redner der Feuerbachschen Philosophie und zum Träger seiner
eigenen sozialreformerischen, anarchistischen, kommunistischen
Ideale aus der achtundvierziger Stimmung gemacht); R. Kiefer,
„Nietzsche als Theologe" (eine Sammlung und kurze Würdigung
der Aussprüche Nietzsches über Gott, Jesus, Bibel, Wahrheit,
Religion, Christentum usw.), und K. Lillge, „Ueber Gerhart
Hauptmanns Roman „Der Narr in Christo Emanuel Quint""
(tritt der Auffassung des Romans als einer blossen realistisch-
psychologischen oder -pathologiechen Studie entgegen und sieht
in ihm das Bekenntnis eines modernen Dichters, der seiner Zeit
zeigen will, was er am Christentum noch für den modernen
Menschen für haltbar hält). Einen Beitrag zur Kenntnis der
modernen Sekten liefert P. Ziegert in seinem „Umriss der
Lehre der deutschen Mennoniten unter Vergleichung mit der-
jenigen der deutschen Baptisten". Eine Prinzipienfrage der
praktischen Theologie rollt W. Lorenz auf in seinem Artikel
„Reinheit als Prinzip der christlichen Gemeinde"; er behauptet:
das Gemeindeprinzip der Reinheit, die Forderung der Kirchen-
zucht ist unchristlich. Sachkundig und anspreohend unterrichtet
H. Bunzel über „Missionsregungen in der deutschen Studenten-
weit" von 1630 bis zur Gegenwart (akademische Missions-
vereine, Studentenbund für Mission, Missionsstudienbewegung).
Zur Methodik des Religionsunterrichts steuert K. Feischer,
„Altes und Neues Testament im Unterricht höherer Lehr-
anstalten", Beachtenswertes bei (tritt entschieden ein für die
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