Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

Zitierlink

209

210

Was die Uebersetzung betrifft, haben die Heransgeber sioh
offenbar grosse Mühe gegoben. Kierkegaard ist ja recht
schwierig zu übersetzen. Ich habe den Anfang von „Ent-
weder — Oder" mit dem dänischen Text Kierkegaards und mit
der Uebersetzung von Pfleiderer-Schrempf in der Diederichsschen
Ausgabe von Kierkegaard verglichen. Während Pfleiderer-
Schrempf mehr frei und selbständig ist, scheint die neue Ueber-
setzung mehr wortgetreu zu sein.

Alfred Th. Jörgensen-Kopenhagen.

Thudichum, Friedrich (Prof. a. d. ünivere. Tübingen), Darwin
und die Materialisten. Halle a. 8. 1913, Rieh. Mühl-
mann (VIII, 162 S. 8). 1 Mk.
Der Verf. ist Jurist. Er hat die Ausführungen seines Buches
zum Teil schon früher niedergeschrieben, um sich selber Klar-
heit zu verschaffen. Bei freierer Masse fand er nun den Mut,
sie tiefer zu durchdenken, und fühlt die Verpflichtung, seine
Ergebnisse öffentlich vorzutragen (8.156). Bei der ungenügenden
Kenntnis Darwins in vielen, auch gebildeten Kreisen und dem
grossen Selbstbewusstsein seiner Nachfolger erscheint es nötig,
die Lehren Darwins zunächst iu urkundlicher Bestimmtheit dar-
zustellen und die Richtigkeit ihrer Folgerungen zu prüfen.
Vorausgeschickt wird das Nötigste über die Grundlagen der
Weltanschauung nach dem heutigen Stande der Naturwissen-
schaften. Ueberall findet der Verf. Zweckmässigkeit. Daraus
zieht er den Schluss, „dass alles Geschehen auf den Willen
und die Macht einer höchsten Weisheit und Güte zurückgeführt
werden muss" (S. 159 und 14 f.). Insofern ist er ein will-
kommener Bundesgenosse im Kampf gegen den Materialismus.
Manche gute Waffe, manche treffende Baobachtung birgt sein
Buch. Besonders kann es zur raschen Orientierung über Darwins
Lehren und zur Einführung in seine Gedankenwelt wertvolle
Dienste leisten. Zu eng gefasst erscheint mir der Begriff der
Zweckmässigkeit, wenn alles seinen Zweck im Menschen haben
soll (S. 159 f.). Auch damit kann ich mich nicht einverstanden
erklären, dass „es Aufgabe der Wissenschaft bleiben müsse, den
Gottesglauban mit Gründen zu verteidigen" (S. 162). Vor allem
lehne ich den Pantheismus ab, dem der Verf. 8.18 einen den „kirch-
lichen Lehren" gegensätzlichen Ausdruck gibt, und demzufolge
ihm die Erschaffung der Materie aus dem Nichts undenkbar
ist. Die Ergebnisse der Untersuchungen führen vielmehr meines
Erachtens viel zwingender zu dem Glauben an den persönlichen
Gott. Scherffig-Leipzig.

Fischer, Paul (Professor a. D. in Stuttgart), Die kirchliche
Gleichgültigkeit unserer Gebildeten. (Sammlung ge-
meinverständlicher Vorträge u. Schriften aus dem Gebiet
der Theologie und Religionsgeschichte, Nr. 76.) Tübingen
1913, J. C. B. Mohr (VIII, 54 S. gr. 8). 1. 50.
Es ist ein wichtiges Problem, weiches der Verf. zwar kurz,
aber möglichst vielseitig zu beleuchten sucht. Nach der näheren
Bestimmung des Themas werden die Ursachen der Gleichgültig-
keit untersucht und das Beklagenswerte derselben hervorgehoben,
worauf dann besonders Vorschläge gemacht werden, was auf
Seite der Kirche, der unkirchlichen Gebildeten und der kirch-
lichen Laien geschehen müsse, um jene Gleichgültigkeit zu
überwinden. Die Schrift zeugt von einem aufrichtigen Schmerz
um die Entfremdung so weiter Kreise von der Kirche und be-
müht sich, die Schuld daran gerecht auf beide Seiten zu ver-
teilen. Auch von den Mahnungen, die der Verf. ausspricht,

damit es besser werde, kann man vieles unterschreiben. Jeden-
falls ist alles aus einer warmen Liebe zu Christentum und Kirche
geboren und von dem ernsten Bestreben getragen, den unver-
gleichlichen Wert ihrer Güter den Gleichgültigen wieder zum
Bewnsstsein zu bringen. Darin aber können wir ihm freilich
nicht folgen, dass wir das Göttliche in Jesus zugunsten seiner
„vollen Menschlichkeit" zurücktreten lassen. Denn gerade das
erstere ist ja die Kraft zur Errettung unserer Seele. Wenn eB
verschwiegen oder gestrichen wird, so ist niemand wahrhaft
geholfen. Aber allerdings kommt es zur Erkenntnis dieses
seines Wesens nur dadurch, dass man seine „Wohltaten" an
sich erfährt, von denen deshalb immer in erster Linie zu
predigen sein wird. — Die Schrift wird jedem mannigfache
Anregung zum Nachdenken bieten und sei deshalb als ein Bei-
trag zur Lösung jenes schweren Problems empfohlen.

D. Joh. Steinbeck-Breslau.

Zauleck, D. theol. Paul, Vom lieben Heiland. Kinder-
predigten für alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres
mit Liedern und Gebeten. Gütersloh 1913, C. Bertelsmann
(IV, 124 S. gr. 8). 1.80.
Von der Kinderpredigt wird noch verhältnismässig wenig Ge-
brauch gemacht. Der Kindergottesdienst ist mehr oder weniger
SonntagsBohule geblieben, aber er streift seine englischen Fesseln
mehr und mehr von sieh, wenn er auch bei weiterer Dnrchbildung
neben homiletischer Art die katechetisohe Frage nie ganz auf-
geben sollte. Der auf dem Gebiet des Kindergottesdienstes
weitbekannte Verf. bietet uns eine neue wertvolle Gabe. Hat
er sich bisher mehr in der katechetischen und liturgischen Be-
handlung kindergottesdienstlicher Arbeiten hervorgetan, so be-
deutet es ohne Zweifel einen neuen Schritt in der Entwickelung
und eine Bereicherung der Kindorgottesdienstliteratnr, wenn er
diese „Kinderpostille" seinen zahlreichen Schriften hinzufügt.
Er weiss konkret zu reden und den biblischen Text seinen
kleinen Lesern sehr anschaulich nahezubringen, er liest deutlich
in der Kinderseele und regt die Phantasie an. Er scheut sioh
zuweilen auch nicht, in Nebendingen etwas über den Bericht
der Bibel auszuschweifen. So läset er bei Behandlung der
Tempelreinigung Jesum „den Schafen und Ziegen Kläpse geben,
damit sie hinausliefen und ihre Herren dann von selbst hinter-
herliefen". Vielleicht beurteilt er die kindliche Selbsterkenntnis
etwas zu günstig, wenn er in der zweiten Adventspredigt über
Phil. 4, 4 „Freuet euoh!" schreibt: „Manches Kind denkt: Ich
hab's gar nicht verdient, dass ich zu Weihnachten etwas kriege",
aber am Ende sind auch solche dem Kindersinn zunächst noch
etwas fernab liegende Gedanken recht wirksam in der anzu-
strebenden Selbsteinsohätzung. Ein ergiebiger Gebrauch ist von
unseren Chorälen gemacht, die zum Singen beigegeben sind;
dazu ist jede Predigt mit einem kindlichen Gebet abgeschlossen.
Hinsichtlich der Liedertexte bemerken wir: Wir Bind nicht für
allzu eifrige Aenderung alter Formen, aber wo bereits in
unseren Gern ein degesangbüchern so treffliche Abänderungen
sprachlicher Form vorliegen und sich eingebürgert haben,
sollte man Kindern gegenüber in der Beseitigung auffalliger
Archaismen nicht zu ängstlich verfahren.

D. Kaiser-Leipzig.

Brederek, Emil (Pastor in Wankendorf, bisher in Breklum),
Predigten über Texte des Alten Bundes. Leipzig
1912, A. Deichert (133 S. gr. 8). 2. 50.
loading ...