Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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dem' Evangeliarium Hierosolymitannm (Vat. syr. 19) und ans
der sog. Nillitorgie (Br. Mus. or. 4951).

Jedenfalls haben wir in diesem Band ein ganz prächtiges
Hilfsmittel, den Studenten, die die Sprachen lernen nnd die
Texte lesen, auch eine Anschauung zu geben von der Form,
in der diese Texte überliefert sind.

Lic. Gerhard Kittel-Kiel.

Belser, Dr. Johannes Evaug. (ord. Prof. d. Theol. in Tübingen),
Die Geschichte des Leidens und Sterbens, der Auf-
erstehung und Himmelfahrt des Herrn. Nach den
vier Evangelisten ausgelegt. 2., verbesserte Auflage. Frei-
burg;!. B. 1913, Herder (548 S. gr. 8). 9. 80.

Die zweite Auflage dieses umfangreichen Werkes von Belser
ist zehn Jahre nach der ersten Auflage erschienen. Es ist
überall zu erkennen, dass der Verf. die Ausstellungen, welche die
Kritik an der ersten Auflage gemacht, eingehend erwogen hat. Zu
durchgreifenden Aenderungen und Neuaufstellungen hat das aber
nicht geführt. Vielmehr hat der Verf. an solchen Stellen, die
eine Beanstandung erfahren haben, seine Auffassung noch ein-
gehender begründet. Die ganze Arbeit zeichnet sich überhaupt
durch eine sehr grosse Gründlichkeit aus. üeberall hat der
Verf. sich in die Probleme vertieft und hat es nicht leicht ge-
nommen. Er ist auch bemüht gewesen, bei allen Problemen
eine klare und deutliche Antwort zu geben. Dass diese Ant-
worten nicht auf allseitige Zustimmung rechnen können, ist
klar. Das erwartet der Veif. auch selber nicht. Dazu sind
die Probleme, um die es sich handelt, zu sehr umstritten.

Es wird nun natürlich nicht möglich sein, das Einzelne
eingehend zu besprechen. Ich kann hier nur einige Ergebnisse
anführen, die mir besonders erwähnenswert erscheinen.

Belser gehört zu denen, die eine einjährige Wirksamkeit
Jesu festhalten (S. 154). (Er folgt da besonders van Bebber.)
Trotzdem bleibt er bei der doppelten Tempelreinigung (S. 46).
Nach katholischer Tradition behauptet er unter Berufung auf
Joh. 3, 3 die Taufe der Jünger als sicher (S. 168) und will
die Taufe, welche die Jünger Jesu übten, nicht auf eine Stufe
mit der Johannestaufe stellen, sondern als sakramentale Taufe
auffassen. Joh. 6 soll nach ihm auf das Abendmahl gehen
(S. 208), während man doch höchstens sagen kann, dass
Johannes bei der Wiedergabe dieser Rede Jesu an das Abend-
mahl gedacht habe. Mit Eifer wird die Verwandlung beim
Abendmahl behauptet, und die Stelle Joh. 13, 1 „wie er gelieht
hatte die Seinen ...., liebte er sie bis ans Ende" wird künst-
lich so verstanden, dass hier eine Andeutung gefunden wird,
dass auch Johannes die Hingabe des Leibes und Blutes als
Opfer deute (S. 200 u. 205). Sehr geschickt und auch über-
zeugend stellt Belser fest, dass keine Differenz zwischen den
Synoptikern und Johannes über den Tag des Passahmahles
Bich findet. Er nimmt als den Tag des Passahmahles den
14. Nisan an und begründet das mit gutem Geschick (S. 37.
146. 158. 370. 386). Gut ist auch die Deutung des ooußooXtov
(Mark. 15, 1) auch auf eine Beratung mehr privater Art und
nicht auf eine zweite Ratssitzung (8. 324 ff.). Fraglich scheint
es mir hingegen, ob die Worte: „wir dürfen niemand töten"
(Joh. 18, 31) so, wie Belser es will, auf das Sabbatverbot ge-
deutet werden können (S. 345 f. 379). Gut ist auch die Er-
klärung, wie es kommt, dass Matthäus bei der Anführung des
Zitats von dem Töpferacker sich auf Jeremias, statt auf
Zacharja beruft (S. 331). Viel Mühe hat der Verf. verwandt,

eine Harmonie unter den Berichten über die Auferstehung zu
erzielen; ob es ihm überall gelungen ist, ist mir fraglich.

Ueberhaupt — ich gehe damit zu einigen bei Belser hervor-
tretenden allgemeinen Gesichtspunkten über — scheint
mir hier ein schwacher Punkt zu liegen. Der Verf. ist zu sehr
bestrebt auszugleichen. ^Gewiss ist eine Harmonisierung, soweit
das ohne Zwang möglich ist, zu erstreben. An einzelnen
Stellen scheint es auch so, als ob Belser bei solchen Versuchen
massvoll vorgeht. Aber dann liest man bei der Besprechung
des Todes Judas Matth. 27 und der Parallele Act. 1, 16 ff.
folgendes: „Vom Standpunkt positiver Schrifterklärung aus
muss ohnehin das Bestreben vorwalten, beide Referate mit-
einander auszugleichen. Denn da ein und derselbe Heilige
Geist den Matthäus und Lukas beim Niederschreiben ihrer
Denkwürdigkeiten inspiriert und geleitet hat, so ist die Annahme
einer widerspruchsvollen Darstellung ausgeschlossen" (S. 334
ähnlich S. 323, 418 und 482). Das heisst doch Harmonisierung
um jeden Preis auf Grund eines starren Inspirationspriuzips!
Hier kann der Verf. nicht über den katholischen Staadpunkt
hinaus. Das wird auch in anderer Beziehung offenbar bei der
Verleugnung Petri, wo mit grossem Nachdruck behauptet wird,
die Verleugnung Petri sei kein Glaubensabfall (S. 243—247).
Dazu ist die Ausführung über Petri Würde und Stellang (S. 314)
zu vergleichen.

Dass Belser sich Zahn anschliesst und mit ihm Johannes
heranzieht, wo es sich um die Festlegung der Chronologie
handelt, sei hier auch hervorgehoben (siehe z. B. S. 106 u. 354).
Auch will ich nicht unerwähnt lassen, dass Belser der Meinung
ist, der hebräische Matthäus sei die erste Evangelienhandschrift.
Die Theorie, dass Markus zuerst geschrieben und dass aus
Markus und der Logosquelle Matthäus geworden, verwirft er.
Belser hat das in seiner Einleitung ausführlich behandelt; hier
wird es nur gestreift (S. 113).

Rudolf Steinmetz-Hann. Münden.

Dalman, Prof. D. Dr. G., Palästinajahrbuch des Deutschen
evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des heiligen
Landes zu Jerusalem. Im Auftrage des Stiftungsvorstaudes
herausgegeben. 9. Jahrgang (1913). Berlin 1913, Mittler
& Sohn (168 S. gr. 8). 3 Mk.
Das Jahrbuch wird um die Weihnachtszeit jedes Jahres von
den Freunden und Forschern der Palästinakunde mit Ungeduld
erwartet, denn es bringt bei der lehrenden Akribie und minutiös
gewissenhaften Kleinarbeit des Herausgebers in jedem Jahrgang
mit schlechthiniger Sicherheit neues Material für die Kenntnis
von Land und Leuten, von Gegenwart und Vergangenheit des
Schauplatzes der biblischen Geschichte. Als ein dankenswerter
Fortschritt wird es in diesen Kreisen empfunden werden, dass
das auf zahlreichen Ausflügen und der bis an die Nordgrenze
Palästinas sich erstreckenden grossen Zeltreise gesammelte
Material nunmehr durch übersichtliche Gliederung und Detail-
lierung des Inhaltsverzeichnisses leichter zugänglich gemacht
worden ist. Die Anlage ist die alte: I. Der anregende und
gehaltvolle Jahresbericht des Vorstehers mit seiner Fundgrub 9
geographisch, topographisch oder geschichtlich und kultur-
geschichtlich werlvoller Notizen. II. Arbeiten aus dem Institut,
unter denen wieder Dalmans Untersuchungen über „Golgatha
uud das Grab Christi" hervorragende Anziehungskraft und
wissenschaftlich fördernde Bedeutung gebührt, wobei wir jene
auch auf die vortrefflichen Photographien und diese auf die
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