Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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•würde: dies ist jedoch nur mit Massen und gelegentlich dor
Fall, und das Motto ist keineswegs alles beherrschend. Das
ist kein Schade, denn jedesmal wirklich zum Thema gemacht,
würde es monoton wirken, und gegen jene ziellose Ausartung
ist direkte Polemik jedenfalls nur mit Vorsicht anzuwenden.
Der Zeitgemässheit und praktischen Bedeutung jenes Mottos
wird dadurch nichts abgezogen. Lic. M. Peters-Hannover.

Wurm, Dr. Alois, Grundsätze der Volksbildung. M. Glad-
bach 1913, Volksvereinsverlag (125 8.8). Kart. 1.20.
Der rührige katholische Volksvereinsverlag entfaltet auf dem
Gebiet der Volkserziehung und des sozialen Lebens eine treff-
sichere Wirksamkeit im Sinne der christkatholischen Welt-
anschauung, von der auch die obige Schrift eine Frucht ist.
Die konfessionellen Gesichtspunkte sind hier fast ganz aus-
geschaltet, da Wurm die Grundsätze der Volksbildung über-
haupt allgemein feststellt und in einem zweiten Teil diese an-
wendet auf die beiden konkreten Gebiete der Volksbildung:
die Volkshochschulknrse und die Volksbibliotheken. Von der
Presse als einem dritten Faktor der Volksbildung ist hier ab-
sichtlieh Abstand genommen. In knappem Rahmen ist sach-
kundig eine Fülle von Fragen erledigt, über die das Sach-
register Auskunft gibt. Es ersetzt durch seine sorgfältige Aus-
arbeitung den Mangel einer schärferen und übersichtlicheren
Gliederung. Eberhard-Greiz.

Hollstein, H. (Pfarrer in Cassel), Krankenseelsorge. (16. Bd.
der Praktisch-theologischen Handbibliothek, herausgegeben
von D. Friedr. Niebergall.) Göttingen 1914, Vandenhoeck
& Ruprecht (170 S. 8). 3 Mk.

Die Arbeit ist ausgezeichnet durch die Beurteilung der bei
der Krankenseelsorge in Betracht kommenden Fragen auf Grund
einer umfassenden theologischen Bildung. War die ältere Weise
der Anleitung anf diesem Gebiet wesentlich kasuistisch, so ist
hier von einheitlicher Grundanschauung aus das ganze Gebiet
beleuchtet und dem Kasuellen, von dem sonst zum Vorteil der
Darstellung recht ergiebiger Gebrauch gemacht wird, lediglich
die Bedeutung des Beispiels zugewiesen.

Fast der vierte Teil des Ganzen ist der theoretischen Er-
wägung der Frage gewidmet, welche Bedeutung die Krankheit
für den Christen habe. Hier liegt dem Verf. daran, die Ver-
bindungsmöglichkeit christlicher Weltanschauung mit wissen-
schaftlicher Welterklärung und ihre gegenseitige Bereicherung
wenigstens auf einigen Punkten zu erweisen. Er führt dies in
der Darstellung der günstigen Einwirkungen ans, welche Krank-
sein erfahrungsmässig auf zerstreuendes Weltleben ausüben
kann. Ich vermisse hier die Beurteilung der Frage an der
Hand der Schrift, in der die sich aus der Krankheitshemmung
des inneren Lebens ergebenden Probleme doch so oft berührt
werden, dass ein Eingehen auf die hier gegebenen Lösungen
kaum von der Hand zu weisen war. Es hätte auch nicht so
ganz von der Geschichte der Krankenseelsorge abgesehen werden
dürfen, da sich doch aus der besonderen Art der christlichen
Frömmigkeit, wie sie in den einzelnen Konfessionen vorliegt,
auch eine besondere Art der Beurteilung des Uebels in der
Welt, insonderheit auch der Krankheit ergibt. Ich vermisse
ferner in diesem grundlegenden Kapitel eine ausführlichere Dar-
stellung der schädigenden Wirkungen, welche die Krankheit für
das Seelenleben mit sich bringt, und die doch gegenüber den

fördernden, welche eigentlich nicht sowohl Wirkungen der Krank-
heit selbst wie des sie als Schickung Gottes erfassenden Glaubens
sind, als die primären angesehen werden müssen. S. 36 geschieht
dies in zu grosser Kürze.

Auch der Geistliche, der nicht der gleichen theologischen
Richtung huldigt wie der Verf., wird aus dem Reichtum von
gesundem Urteil zeugender Ratschläge viel Nützliches ent-
nehmen können, eine gern ausgesprochene Anerkennung, die
ich aber nicht auf das ausdehnen kann, was hier als Lesestoff
für Kranke empfohlen wird. In dieser Beziehung habe ich
vielmehr einen starken Dissensus zn betonen. Nicht bloss finde
ich hier sehr Heterogenes zusammengestellt, was doch nicht
damit erklärt werden kann, dass das Lesebedürfnis der Kranken
auch kein einheitliches sei; ich muss auch beanstanden, dass
überhaupt Kranken Lesestoff seitens deB Seelsorgers geboten
werden soll, der selbst den Gesunden in schwerste Konflikte mit
Schrift und Kirche da bringen müsste, wo er nicht schon in
solchen Konflikten stünde, und in diesem Fall auch nur zur
Vertiefung des Gegensatzes führen könnte. Eine Gemeinde-
bibliothek für Kranke müsste nach meiner Ansicht ein ganz
anderes Aussehen haben, als es der Verf. für wünschenswert
hält. August Hardeland-Uslar.

Neueste theologische Literatur.

Unter Mitwirkung der Redaktion
zusammengestellt von Oberbibliothekar Dr. Runge in Gottingen.

Lexika. Bumpus, John S., A Dictionary of ecclesiastical terms.
Cheaper ed. London, T. W. Laurie (328 p. 8). 6 s.

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