Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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der Teilnahme der ganzen Nation auf der Reise, bei seinem
Verschwinden auf der Wartburg und bei seinem Wieder-
erscheinen in Wittenberg. Die Glaubenstreue der im Interim
entlassenen Prädikanten angesichts der grössten Not im Winter
nnd die Glaubeusfestigkeit der Gemeinden hätte auch einen
Historiker begeistern dürfen, zumal im Bliok auf die Haltungs-
losigkeit der katholischen Priester nnd Mönohe bei der Refor-
mation, die ein so streng katholischer Schriftsteller wie Kon.
Rothenhäusler anerkannte. Ebenso dürfte die Verfassungs-
änderung in den Städten durch den Kaiser (Hasenräte!), die
wie ein Meltau die Blüte der Städte vollends mit ihrer Vetterles-
wirtschaft vernichtete, gegeisselt sein. Wiederholt liest man von
Faber statt Fabri. Zu S. 323: In Ellwangen gab es 1609
keinen Abt mehr, sondern einen Propst. S. 287 sollten die
dynastischen Interessen beim Tod des Don Carlos und der Ge-
mahlin Philipps IL, welche über Maximilians IL religiöse
Interessen siegten, näher bezeichnet sein. Das sind wenige
Ausstellungen gegenüber dem gehaltreichen Buch.

G. Bossert-Stuttgart.

Zeitschrift deröesellschaft für niedersäohsischeKirchen-
gesohichte. 1913. 18. Jahrgang. Braunsohweig 1913,
A. Limbach (IV, 285 S. gr. 8).
Der neue Band dieser Zeitschrift bringt zunächst in einem
dem Göttinger Konsistorium, das während der Zeit der Fremd-
herrschaft bestanden, gewidmeten Artikel eine Säkularerinnerung.
Wir gewinnen einen Einblick in die schwierige Lage, in der
diese Behörde 5 Jahre lang gearbeitet hat, und verstehen es,
wie ihr am Ende niemand gedankt. Schwerlich wird Tiefurt,
wie D. Knoke, der Verfasser, meint, seine Tätigkeit mit einem
olim et haec meminisse invabit beschlossen haben, wenigstens
kann das kaum vom ersten Aktenstück gelten, dem vom 9. Januar
1808, in dem das Konsistorium ein Dankfest für die neue Ge-
staltung der Dinge ausschreibt.

Wir lernen dann in einer von Dr. Regula verfassten Be-
sprechung das Regierungshandbuoh kennen, das die Herzogin
Elisabeth, der Südhannover die Durchführung der Reformation
verdankt, für Erich II. geschrieben, und das P. Tsohackert als
Beilage 1 seiner 1899 erschienenen Biographie der edlen
Fürstin erstmalig aus der Silberbibliothek der Universität
Königsberg veröffentlicht hat. Regula gibt Auszüge mit kurzer
Besprechung.

In den nordöstlichen Teil der Landeskirche Hannovers führt
uns W. Merz mit Mitteilungen aus der Generalkirohenvisitation
in der Altländisohen Präpositur. Wir befinden uns hier unter
schwedischem Szepter.

F. Bünger, der Verfasser der Entwickelungsgesohichte des
lutherischen Kateohismusgebrauohs in Hannover, ist nunmehr
in der Lage, über die Katechismusarbeiten des Hektor Mithobius
genauere Nachricht zu bringen, als er sie a. a. 0. S. 214f. ge-
geben, wobei wohl die wörtliche Wiederholung des hier Ge-
sagten besser durch eine selbständige Fassung der früheren
Nachricht ersetzt wäre, s. S. 119. Sonst hätte die Wiederholung
als solche ersichtlich gemacht sein müssen.

Ref orination8gesohichtlicb.es in höchst interessanter B eleuohtung
bringt Dr. Löffler in niederdeutschen Aufzeichnungen eines west-
fälischen Klosterbruders, des Klosterrentmeisters Göbel aus dem
Augustinerchorherrnstifte Böddeken bei Paderborn, und Dr. von
Damm in Erinnerungen an seinen Vorfahren Bertram v. Damm

zu Braunsohweig, den gelehrten und redegewandten Arzt, den
Zeit- und Streitgenossen Luthers.

In Analekten, Miszellen und unter dem Rubrum „Literarisches"
findet sich fast noch mehr des Anziehenden als in den Haupt-
artikeln, bei denen — wenigstens gilt das von den vier ersten
— für die Verfasser bei der Beschränktheit des für sie zur
Verfügung stehenden Raums und auoh bei der Unergiebigkeit
ihrer Quellen die Unmöglichkeit bestanden hat, einzelnes in
reicherer Fülle zu bieten. Aug. Hardeland-Uslar.

Silacara, Bhikkhu, Das Ichproblem im Buddhismus.

Ein Vortrag. Uebersetzt von Alfred Eichelberger. Breslau,

Walter Markgraf (27 S. gr. 8). 40 Pf.
Zunächst wird der buddhistische Seelenbegriff geschildert,
natürlich, was bezeichnend ist für indisches Denken, mit Hilfe
einer Analogie, die dann aber unter der Hand die Bedentung
eines Beweises bekommt. Eine ewige, unveränderliche, un-
abhängige Grösse, die der Brahmanismus Atman, Selbst, Seele
nennt, gibt es nicht. Wie der Wind Wogen bildet und sie als
scheinbar für sich existierende Einheiten von einem Ende des
Meeres bis zum anderen treibt, so bildet das Karma aus den
einzelnen Elementen Wesen wie die Menschen, Götter usw.
Infolge der Betätigung dieser Wesen verändert sich die Zusammen-
setzung der Elemente fortwährend, so dass die Wesen in zwei
aufeinander folgenden Augenblicken niemals dieselben sind, ob-
gleich sie als dieselben erscheinen, geschweige denn in zwei
aufeinander folgenden Geburten. Die einzige Identität ist die
Identität der Kraft, die isie von Augenblick zu Augenblick in
ununterbrochener Folge in Erscheinung treten läset, die Identität
des Windstosses Karma. Zur Bekräftigung dieser Anschauung
werden dann die Elemente, aus denen die Wesen bestehen
sollen, Körperlichkeit, Empfindung, Wahrnehmung, Unter-
scheidung und Bewusstsein, daraufhin untersucht, ob in ihnen
irgend ein selbständiges Wesen wie ein Atman verborgen ist,
ein Verfahren, das an den Anatomen erinnert, der den Leichnam
nach einer Seele untersucht. Die Aussagen Buddhas und der
buddhistischen Schriften, in denen von einer Seele als einer
selbständigen Grösse gesprochen wird, werden — wohl mit
Recht — als der Anpassung an die Umgangssprache ent-
sprungen erklärt. Zum Schluss endlich wird die sittliche Be-
deutung der buddhistischen Seeienauffassung hervorgehoben.
Sie erwecke das Gefühl der Verantwortung für das Ganze;
denn die Zusammensetzung der die Einzelwesen bildenden
Elemente hänge ab von dem Tun dieser Einzelwesen.

Eine wissenschaftliche Begründung oder Verankerung des
buddhistischen Seelenbegriffes wird nicht geboten oder versucht
Das Büchlein gewährt aber einen nicht uninteressanten Ein-
blick in die Vorstellungswelt der Buddhisten und sei daher

allen zur Lektion empfohlen, die mit buddhistisch Beeinflussten_

und derer gibt es in Deutschland viele — zu tun haben oder
zu tun bekommen können. Lic. Sohomerus-Leipzig.

Opitz, H. G., Der Erlösungsgedanke im Lichte der
Philosophie und der Religion. Gütersloh 1914,
C. Bertelsmann (26 S. 8). 80 Pf.
Der Verf. steht als hervorragender und einflussreicher
Parlamentarier mitten im öffentlichen Leben, ist aber zugleich
auf dem philosophischen Gebiet als scharfsinniger Schriftsteller
bekannt und als solcher, der sein Wissen und Können in
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