Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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wähne, er müsse vom Martyrium fernbleiben, da die Möglich-
keit gegeben ist, es zu erbitten (Matth. 7, 7). Durch Gebet
sei man bereit zum Martyrium! „Hast du wahrer Heiligung
nicht nachfolgen können, weil du vorher verheiratet warst, so
kann doch wenigstens nach der Erlösung, die dir die Taufe
verliehen, ein Kämpfer (agonista) von dir nachgeahmt werden"
(371—373). Gedenke an Paulus: es war vordem ein Ver-
folger der Gemeinde, nachher empfing er, wie er selbst sagt,
geistliche Gabe (die Enthaltsamkeit scheint gemeint und darauf
Gal. 1, 13 bezogen zu sein: continuo non consensi carni et
sanguini); an Davids Wort Ps. 119, 1; an Off. Joh. 14, 4; an
Sprüche der Weisheit (Weish. 6, 10. 21—22 u. a.). Diese
Weisheit ist eine Mauer gegen den Krieg des Teufels. Sie
sichert den Auserwählten Gottes ihre Plätze. Schreitet denn,
voll Glaubens und Hoffnung, vorwärts, dass ihr zur Herrlich-
keit gelanget. Möget ihr allzumal gekrönt zu Gott kommen!
„Gedenket nur dann unser, wenn man euch die himmlischen
Belohnungen zuzusprechen anheben wird!"

G. Wohlenberg.

Hunger, D. Joh., u. Lamen, D. Hans, Altorientalische
Kultur im Bilde. Herausgegeben u. mit Erläuterungen
versehen. Mit 193 Abbild, auf 90 Tafeln. (Wissenschaft
u. Bildung, 103.) Leipzig 1912, Quelle & Meyer (64 S. 8).
Geb. 1.25.

Den beiden Bändchen über griechische und römische Kultur
hat der Herausgeber der schönen Sammlung ein solches über
den alten Orient folgen lassen. Die beiden Verfasser haben
viel Mühe und Liebe auf Beschaffung des grossen Bildermaterials
verwendet, und der Verlag hat für eine wirklich schöne und
künstlerische Reproduktion Sorge getragen. Für wenige Zehn-
pfenniger ist hier ein populär-wissenschaftliches Bilderbuch ge-
schaffen, das in der guten alten Zeit hätte Goldstücke kosten
müssen. Die beigegebenen Erläuterungen sind gut und sehr
geeignet, den gebildeten Laien in das Verhältnis der alten
Kulturen vom Nil und Euphrat einzuführen. Vielleicht ent-
schliesst sich die Verlagsbuchhandlung, bei späteren Auflagen
die Gebiete in zwei Bändchen zu trennen und den Bilderschatz
zu verdoppeln. Alfred Jeremias-Leipzig.

Murad, Fr., Die Offenbarung des Johannes in einer alten
armenischen Uebersetzung nach 2 Handschriften zum ersten
Mal herausgegeben, mit dem griechischen Text verglichen und
mit einer Einleitung und Anmerkungen versehen. III. Ein-
leitung. Jerusalem, Buohdruckerei des armenischen Jakobs-
klosters (VIII, 525 S. gr. 8 nebst 7 Tafeln).
Vorstehendes Buch wurde dem Unterzeichneten seinerzeit
von dem verewigten Nestle mit der Bitte zugesandt, für ihn
die Besprechung in dieser Zeitschrift zu übernehmen. Ander-
weitige Verpflichtungen verhinderten mich an der sofortigen
Erfüllung der Bitte. Nun ist inzwischen Nestle heimgegangen,
ohne dass er die Einlösung meines Versprechens erlebt hätte,
und mir bleibt nur der Ausdruck lebhaften Bedauerns über
diese Verzögerung. Dem Textabdruck der neuaufgefundenen
altarmenisohen Uebersetzung der Apokalypse, der 1905 er-
schienen ist und dem 1906 Anmerkungen folgten, schickt Murad
nach fünf Jahren die Einleitung nach. In ihr sind eingehend die
beiden Handschriften (Berol. Orient. 4. Nr. 805 und Hierosol. conv.
S. Jacobi 326) besprochen und nach ihrem Inhalt analysiert.

Ein 2. Kapitel stellt ausführlich die Aeusserlichkeiten, Ortho-
graphica u. a. zusammen, die im Apparat mit Recht übergangen
wurden. Nach einem kurzen Abschnitt über die Vorlage unter-
sucht Murad sorgfältig die Beschaffenheit der griechischen Vor-
lage, um dann das Verfahren des Uebersetzers bei der Wieder-
gabe des Textes zu prüfen. Wer sich mit armenischen Ueber-
setzungen griechischer Texte zu befassen hat, wird hier viel
brauchbares Material in bequemer und übersichtlicher Zusammen-
fassung finden. Der 2. Teil der Einleitung untersucht die Frage
nach dem Ursprung und Alter der Uebersetzung, Verhältnis zu
Nersas von Lampron sowie nach ihrem Wert. Ein Schluss-
abschnitt behandelt die jüngeren Uebersetzungen. Ein reich-
haltiges Verzeichnis von Verbesserungen und Nachträgen schliesst
den mit 7 hübschen Tafeln, eine Seite der Handschrift sowie
Miniaturen enthaltend, ausgestatteten Band.

Der Verf. hat sich mit seinem bescheidenen Material redlich
Mühe gegeben. Aber die Beschränkung, die nicht ein Er-
gebnis wissenschaftlicher Untersuchung der handschriftlichen
Ueberlieferung, sondern nur ein vielleicht durch die Arbeits-
bedingungen erklärbares Spiel des Zufalles ist, hat verhindert,
das Problem dieser Uebersetzung auch nur nach seiner text-
kritischen Seite hin der Lösung näher zu führen. Murad hat
sich mit 2 Handschriften begnügt. Wenn Conybeare (The
Armenien Version of Revelation, London 1907, S. 76) recht
hat, wie ich glaube, so ist die Berliner Handschrift aus der
Jerusalemer geflossen, hat daher gar keinen selbständigen
Wert und könnte textkritisoh höchstens da in Betracht kommen,
wo ihr Schreiber Fehler seiner Vorlage verbessert hat. Wie
die Untersuchungen von Conybeare zeigen, lassen sich die inter-
essanten Probleme der altarmenischen Apokalypsenübersetzung
an der Hand des Hieros. nicht einmal erkennen, geschweige denn
lösen. Und so wertvoll diese Handschrift auch für die Be-
urteilung des Archetypus dieser Uebersetzung ist, so wenig
darf man sie doch als dessen treues Abbild ansehen, da in
ihr das Ergebnis einer eindringenden, auf Grund einer griechi-
schen Vorlage vorgenommenen Revisionsarbeit vorliegt. Auch
die Frage nach dem Umfang der Einwirkung des lateinischen
Textes und die Erklärnng dieser auffallenden Erscheinung lässt
sich mit so knappen Mitteln, wie sie Murad zur Verfügung
stellt, nicht einmal angreifen. Innerhalb der Grenzen, die er
sich gesteckt hat, wird man dem Verf. Fleiss und peinliche
Sorgfalt gerne nachrühmen. Nur wird der Umstand, dass sein
Buch durchweg armenisch geschrieben ist, leider verhindern,
dass mancherlei nützliches Material, das hier mitgeteilt ist,
im Westen weiteren Kreisen bekannt wird. Aber als ein er-
freuliches Zeichen für den Ernst, mit dem die Armenier wissen-
schaftliche Studien treiben, mag diese Arbeit auch bei uns
willkommen geheissen werden.

Erwin Preuschen-Hirschhorn a. Neckar.

Zuckermandel, Dr. M. S. (Rabbiner), Zur Halachakritik.
Zugleich als 3. Bd. des Werkes: Tosefta, Mischna und
Boraitha in ihrem Verhältnis zueinander oder palästinensische
und babylonische Halacha. Ein Beitrag zur Kritik und
Geschichte der Halacha. (Gesammelte Aufsätze. 1. Teil,
2. Hälfte.) Lief. 1. Frankfurt a. M. 1913, J. Kauffmann
(XXVIII, 144 S. gr. 8). 4 Mk.
In gottbegnadetem Alter noch immer rüstig für die talmudisohe
Wissenschaft fortarbeitend, hat der greise, im 79. Jahr stehende
Verf. einen neuen Band seiner halachischen Untersuchungen er-
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