Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

Zitierlink

137

138

über Luthers Christologie, über seine Erlösungslekre und über
seine Stellung zur Schrift gesagt wird. Alles Gesagte ist Btark
einseitig. Auch halte ich es nicht für richtig, Kinder dazu an-
zuleiten, am Bibel- und Katechismuswort Kritik zu üben. Hier
gilt nicht die persönliche Lehrmeinung des Lehrers, sondern die
Kirche muss hier fordern, dass ihr Bekenntnis voll zur Aneignung
gebracht werde.

Ich will nicht verkennen, dass in dieser quellenmässigen Be-
handlung des zweiten Artikels sehr wichtige Gesichtspunkte
hervortreten, die oft übersehen werden mögen, kann aber nicht
umhin, zu betonen, dass wer sich dieser katechetischen Hilfs-
mittel bedienen will, selbst an ihnen Kritik wird üben müssen.

Aug. Hardeland-Uslar.

Chappuzeau, A. (Pastor in Hannover-Hainholz), O Ihr
Kleingläubigen! Predigten. Hannover 1914, Wolff &
Hohorst Nachf. (119 S. gr. 8). 2. 40.
Diese Predigten — es sind ihrer elf — setzen im Denken
geübte Hörer voraus. Aber auch geistig geschulten Zuhörern
wird manches dunkel geblieben sein. Die Zusammenhänge siud
oft schwer aufzufinden. An guten, fesselnden Gedanken fehlt
es nicht Wertvoll ist, was an ethischem Gedankenstoff ge-
boten wird. Aber in das innerste Heiligtum unseres Glaubens
führen die Predigten nicht Linein. Die moderne Theologie be-
herrscht den P/ediger völlig. Jesus Christus ist nur als Lehrer
und Vorbild gewertet. Der Glaube ist Vorsehungsglaube und
so des spezifisch-christlichen Inhalts entleert. In der Predigt
über das Wort „Habt Glauben an Gott" wird dagegen polemisiert,
dass unser Glaube durch unsere Vorstellungen über Gott be-
dingt sei. Als Schriftbeweis wird das Wort Joh. 14, 9 f. ver-
wendet: „Solange bin ich bei euch .... Glaubst du nicht,
dass ich im Vater und der Vater in mir ist", und so gedeutet,
dass Jesus in diesen Worten die Auskunft über Gott ablehne
und nur sagen wolle: „So wie ich sieht das Lebensbild eines
Menschen aus, der in Gott lebt, und ein Menschenleben, das in
Gott gelebt wird." — Dem Begriff der evangelischen Freiheit
wird in der Reformationspredigt über das Pauluswort „So be-
steht nun in der Freiheit" nicht der paulinisohe und lutherische
Inhalt gegeben. Die Freiheit wird charakterisiert als „die
heilige Macht, dass wir das durchsetzen können, was geschehen
muss. Wo uns der Sinn des Lebens aufgeht also, dass hier
nun alles gewonnen oder verloren ist, da winkt unsere Freiheit.
Können wir uns dann aufraffen und sammeln, loskommen von
uns selber und von allem, was uns hindern und beschweren
will, dann gewinnen wir unsere Freiheit." Eine richtige
Würdigung der Reformation ist nicht möglich, wenn man wie
Chappuzeau die Unterscheidung zwischen rechtem und falschem
Glauben überhaupt ablehnt. H. Münchmeyer-Gadenstedt.

Bericht über die Verhandlungen des Kongresses für
Katechetik, Wien 1912. Herausgegeben von der
katechetischen Sektion der OesteneichiBchen Leo-Gesell-
schaft. Redigiert von E. Holzhansen. I. u. II. Teil. Wien
1913, H. Kirsch (XLI, 345 S. u. 347—649 S. gr. 8).
Der erste katholische Kongress für Katechetik, der dem
Euebaristischen Weltkongress von 1912 voraufging, hat ein
ganzes Schrifttum gezeitigt. An vorbereitenden Sohriften er-
schienen neben dem Verzeichnis über „Kateohetische Schrift-
steller der Gegenwart und ihre Werke" und den „Ordnungen

der Verhandlungen des Kongresses" vor allem die „Grundfragen
der Katechetik" und die „Referate des Kongresses für Katechetik''
in je drei starken Heften (vgl. Theol. Litbl. 1913, Nr. 3, Sp.64f.)
in der Absicht, zwecks Entlastung und Befruchtung der Kongress-
arbeit über die wichtigsten pädagogischen und didaktischen
Voraussetzungen Einvernehmen herzustellen und die schriftlich
bearbeiteten, umfassenden Referate den Teilnehmern bereits
zuvor zugänglich zu machen. Die eigentliche Korgressarbeit
sollte dann vornehmlich an der Hand eines kurzen mündlichen
Referats und der aufgestellten Thesen der Beratung gewidmet
sein. Diese Organisation hat sich nach dem vorliegenden „Be-
richt" über den Verlauf der vier Kongresstage aufs beste be-
währt, denn es ist ein erstaunliches Mass Arbeit geleistet, das
vorgesehene reichhaltige Programm bewältigt worden, und die
Debatte bewegte sich nach dem allgemeinen Eindruck zumeist
auf einer anerkennenswerten Höhe und macht dem Ernst der
Vorbereitung der Debatter auf die Themen wie der Sattel-
festigkeit der Referenten Ehre. Der erste Teil bringt neben
dem Einleitenden die Verhandlungen der I. Sektion, die in
14 Sitzungen allgemeine Cateohetica (z. B. Zeitschriften, Hilfs-
bücher, Führer und Bibliographie, Professuren und ein enzy-
klopädisches Handbuch nebst der Vorbereitung des zweiten
Kongresses) und den Religionsunterricht in der Volksschule
nach seiner geschichtlichen wie systematischen Seite auf den
verschiedenen Stufen behandelte. Dass auch für den Unterricht
der Schwachsinnigen Lehrplanvorsobläge ihre Stätte und Er-
ledigung in dem Arbeitsprogramm gefunden haben, beweist, wie
gründlich die Sache angefasst ist. Der zweite Teil enthält neben
eingehenden Registern die Sitzungsberichte der IL Sektion, die
die verschiedenen Disziplinen des religiösen Unterrichts am
Gymnasium und an der Realschule behandelte, und der
III. Sektion, die sich mit methodischen und Lehrplanfragen an
der Lehrerbildungsanstalt einschliesslich der praktischen Uebungen
befasste. Für die einzelnen zur Verhandlung gelangten Themen
kann auf die Besprechung der „Referate" (s. o.) verwiesen
werden, in denen natürlich alles weitere basierte; für das Ge-
schick in der Anlage und Durchführung des gesamten, be-
deutenden Unternehmens spricht auch die übersichtliche An-
ordnung dieses „Berichts", der die Thesen der Referenten und
die in der Debatte beantragten Aenderungen durch Kursiv-
schrift heraushebt und die angenommenen Leitsätze und Reso-
lutionen am Schluss des Buches nochmals als das unmittelbare
Ergebnis des Kongresses deutlich zusammenstellt. Sucht man
dies Ergebnis, das nun durch den literarischen Niederschlag
weitere Kreise der katholischen Seelsorge und Katechetik erreicht
und beeinflussen wird, kurz zu umschreiben, so ergeben sich etwa
folgende Kennzeichen: Enges Einvernehmen mit der kiichlichen
Obrigkeit und Wertschätzung der Tradition, Benutzung der ge-
sicherton Ergebnisse der modernen Psychologie, Pädagogik und
Didaktik, Berücksichtigung des modernen Sohulbetriebes und
Einheitlichkeit der Terminologie, innigste Fühlungnahme einer
guten katechetisohen Theorie mit der Praxis des Religions-
unterrichts. Und die Pflege katholischer Frömmigkeit wird
von dieser Grundlage aus wohlberateu sein.

Eberhard-Greiz.

Kurze Anzeigen.

Eniesohke, Lic. theol. (Oberpfarrer in Peitz), DaB heilige Land im
Lichte der neuesten Ausgrabungen und Funde. (Biblische Zeit-
und Streitfragen. 9. Serie. 5. Heft.) Berlin-Lichterfelde 1913
Edwin Runge (32 S. gr. 8). 50 Pf.
loading ...