Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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Theologisches Literaturhlatt.

Unter Mitwirkung

zahlreicher Vertreter der theologischen Wissenschaft und Praxis

herausgegeben von

Dr. theol. Ludwig Ihmels

Professor der Theologie in Leipzig.

Nr. 6. Leipzig, 13. März 1914. XXXV. Jahrgang.

Erscheint vierzehntägig Freitags. — Abonnementspreis jährlich 10 M. — InsertionsgebOhr pr. gesp. Petitzeile 30«». — Expedition: Königstrasse 13.

Koldewey, Robert, Das wiedererstehende Babylon.
Conybeare, F. C, Rendel Harris, J., and Smith

Lewis, Agnes, The Story of Ahikar.
Haefell, Dr. Leo, Samaria und Peräa bei Flavius

Josephus.

Kühl, D. Dr. E., Der Brief des Paulus an die

Römer.
Soziale Ethik im Judentum.
Buchwald, Georg, Doktor Martin Luther,
von Nostitz-Rieneck, Robert, S. J., Graf Paul

von Hoensbroechs Flucht aus Kirche und

Orden.

Graf von Hoensbroech, Paul, Des Jesuiten von
Nostitz-Rieneck Schrift: „Graf Hoensbroechs
Flucht aus Kirche und Orden."

Grabau, Richard, Das evangelisch - lutherische
Predigerministerium der Stadt Frankfurt a. M.

Schleiermacher, Fr. D. E., Ausgewählte Werke.

Ritter, Dr. Karl Bernh., Ueber den Ursprung
einer kritischen Religionsphilosophie.

Eucken, Rudolf, Grundlinien einer neuen Lebens-
anschauung.

Smend, D. Julius, Neue Beiträge zur Reform
unserer Agenden, insbesondere der deutschen.

Köster, Arnold, Luthers Glaube.

Ders., Quellenstücke zu Luthers Glauben.

Chappuzeau, A., O Dir Kleingläubigen!

Bericht über die Verhandlungen des Kongresses
für Katechetik, Wien 1912.

Knieschke, Lic. theol., Das heilige Land im Lichte
der neuesten Ausgrabungen und Funde.

Weinstein, Prof. D. M. B., Entstehung der Welt
und der Erde nach Sage und Wissenschaft.
Neueste theologische Literatur.
Zeitschriften.

Um ungesäumte Erneuerung des Abonnements ersucht die Verlagshandlung.

Koldewey, Robert, Das wiedererstehende Babylon. Die
bisherigen Ergebnisse der deutsehen Ausgrabungen. Mit
255 Abbildungen und Plänen, davon 7 in farbigem Licht-
druck. 2. Aufl. Leipzig 1913, J. C. Hinriehs (VII, 328 S.
gr. 8). Geb. 15 Mk.
Seit mehr als 60 Jahren haben sieh nacheinander Engländer,
Franzosen und Dentsche bemüht, das alte Babylon, „die Mutter
der Chaldäer" (Jer. 50, 12), aus dem jahrtausendelangen Dorn-
rösohensehlafe zu wecken. Von 1849 an haben Loftus und
Taylor hier systematisch gearbeitet, eine Zeitlang auch Henry
Layard, der Entdecker Ninivehs; der Ertrag der Einzelfnnde
von Fresnel und Oppert ist am 23. Mai 1855 im Tigris ver-
sunken. Eine neue Expedition der Engländer, die 1879 ein-
setzte, förderte alte Wasseranlagen, Pfeiler und Terrassentrümmer
der „hängenden Gärten" zutage und einen sehr wichtigen In-
sohriftenfund: die Zylinderinschrift des Kyros, des Eroberers
von Babylon. Seit Ostern 1899 bis heute hat der deutsehe
Architekt Robert Koldewey im Auftrage der Deutschen Orient-
gesellschaft an der Wiedererstehung Babylons dauernd gearbeitet.
Nach den Berichten sind bis jetzt 100000 Tagelöhne bezahlt
worden, 200 bis 250 Arbeiter sind ständig beschäftigt worden.
Nachdem etwa die Hälfte der Arbeit getan ist, bat Koldewey
das vorliegende Buch geschrieben, um den alten Freunden um-
fassenden Bericht zu geben und neue Freunde zu gewinnen.
Die topographischen Fragen sind befriedigend gelöst. Der
Hügel, der zu allen Zeiten „Babil" hiess, hat die Trümmer
eines Palastes Nebnkadnezars geborgen, der Hügel „Kasr" aber
deckte die Akropolis des alten Babylon. Unter dem Merkes
(„Mittelpunkt") fanden sich die Hauptquartiere der eigentlichen
Stadt. Oestlich von den Resten der alten Enphratbrücke entdeckte
Koldewey die Trümmer des Tempels Esagila, des Heiligtums
Marduks von Babylon. Der Umfang der Stadt wird auf
18 Kilometer geschätzt, die Festungsmauer ist 17 bis 22 Meter
dick gewesen. Die Ad gaben Herodo ts über die Art des Mauer-
bans haben sich bestätigt. Der wichtigste Fund im Manerzng

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ist das Istartor nnd die anschliessenden StraBsenmauern, die die
znm Tempel führende Prozessionsstrasse einfassen. Als Flach-
reliefs sind hier in schöner, bunter Ziegelemaülierung die
mythischen Tiergestalten in Lebensgrösse dargestellt: Löwe,
Stier, der Drache von Babel. Mit der gleichen kunstvollen
Ziegelemaülierung fand sich der Thronsaai der SUdburg aus-
gestattet.

Die geleistete Arbeit ist bedeutend. Der wissenschaftliche
Ertrag für die Erforschung der antiken Architektur ist hoch
anzuschlagen. Er hat uns z. B. zuerst die Kenntnis der Bauan-
lage babylonischer Tempel vermittelt. Wenn uns das Gesamtresul-
tat qualitativ nicht befriedigt, so liegt das an der mangelnden Aus-
beute an Schrifturkunden. Den Archäologen entzücken Mauerzüge,
anderen sind Inschriften wichtiger als Mauern. Dass in Babylon
kein Tempelarchiv zu finden war, war vorauszusehen. Jahr-
hunderte haben am Verfall und der allmählichen Abtragung
von Babylon und der Verschleppung seiner Steine gearbeitet
Strabo sagt, die Stadt sei eine Einöde geworden. Ein glück-
licher Stern hat der Deutschen Orientgesellschaft neben Babylon
den Trümmerhügel der alten assyrischen Reichshauptstadt Assur
beschert. Hier hat auch der Historiker sein Eldorado gefunden
in reichen Schätzen von Schriftdenkmälern. Neuerdings ist
auch das alte Uruk in Angriff genommen worden. Leider ist
hier das Tempelarchiv dem Raubbau znm Opfer gefaüen.

Wir empfehlen das Werk Koldeweys den Altertumsfreunden.
Es ist mit seiner klaren Schilderung, mit seinen 225 Abbildungen
und Plänen sehr geeignet, der unter dem Protektorat unseres
Kaisers stehenden Orientgeseüschaft neue Mitglieder zuzuführen.

Alfred Jeremias-Leipzig.

Conybeare, F. G, Bendel Harris, J., and Smith Lewis,
Agnes, The Story of Ahikar. Second Edition. Cam-
bridge 1913, The University Press (C, 306 S. gr. 8). Geb.
15 sh.

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