Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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Das Interesse für die religiösen, kirchlichen, theologischen Zustände
Amerikas ist hei uns im Wachsen begriffen. Die Zahl der praktischen
und akademischen Theologen, die Amerika besuchen und dann von
ihren Eindrücken berichten, nimmt zu. So veröffentlicht soeben Pastor
Le Seur-Berlin amerikanische Beiseeindrücke in seiner neubegründeten
Zeitschrift „Der Hochweg" (Berlin, Vaterländische VerlagsanBtalt).
Bei Privatdozent Lic. Bornhausen-Marburg hat eine Studienreise nach
Amerika zu einem erfolgreichen Antrag an das preussische Kultus-
ministerium geführt, ein Seminar zum Studium amerikanischer Beligions-
verhältnisse an einer evangelisch-theologischen Fakultät (Marburg) zu
errichten. Die begründende Denkschrift ist in dem ersten der beiden
oben genannten Bücher wiedergegeben und dann noch einmal in die
zweite grössere Veröffentlichung als erster Teil übernommen, auf den
dann als zweiter: Skizzen und Eindrücke vom religiösen Leben in
Nordamerika folgen. Sind die ersten Ausführungen auch ein wenig
sanguinisch gehalten, so erkennt der Verf. doch dann von selbst an,
dass die Arbeit „mit vollkommener Ruhe und Mässigung, ohne Ueber-
schätzung ihrer Bedeutung und Wirksamkeit getan sein will" (II, Vor-
wort). Für ihre Notwendigkeit und ihren Reiz bringt Bornhausen
durch eine Skizze der amerikanischen Theologie, bei der die Systematik
und die mit ihr zusammenhängenden Disziplinen wie die Religions-
psychologie besonders berücksichtigt werden, weiter durch einen Hin-
weis auf die besonderen Verfassungsformen wie die Beziehungen der
Religion zum sozialen Leben (Sozialethik) genügendes und überzeugendes
Material bei.

Der Standpunkt des Verf.s, dessen Ideale die Theologie Jülichers
und Herrmanns darstellt (s. II, S. 43), wirkt natürlich auch auf seine
Beurteilung der amerikanischen Verhältnisse und auf die Ziele seiner
Beschäftigung mit diesen ein, die durchaus nicht nur theoretische,
sondern auch praktische sind. Der Unitarismus ist ihm recht sym-
pathisch (II, 62 ff.), während das Urteil über das amerikanische Luther-
tum um eo ablehnender lautet: „Dabei muss erwähnt werden, dass
leider das deutsche Luthertum der Vereinigten Staaten es nicht im
mindesten verstanden hat, sich diesem modernen Friedensgeist der
amerikanischen Denominationen und dem Zurücktreten dogmatischer
Unterschiede anzupassen" (I, 23). Daraus ergibt sich Bornhausen die
praktische Konsequenz: „Nur wenn wir die amerikanischen Kirchen-
verhältnisse voll verstehen, können wir es unternehmen, die deutsche
Kirche drüben energisch zu beeinflussen, sich vom allgemeinen kirch-
lichen Fortschritt nicht auszuschliessen" (29). Wir Lutheraner werden
aus diesen Urteilen und Absichten den Antrieb zu entnehmen haben,
unsere Beziehungen zum amerikanischen Luthertum noch entschiedener
als bisher zu pflegen. Eine günstige Gelegenheit zur engeren Fühlung-
nahme wird sich durch das — wie mir kürzlich brieflich mitgeteilt
wurde — noch in diesem Jahre zu erwartende Erscheinen einer grossen
amerikanisch-lutherischen Zeitschrift „American Survey" ergeben.
Schon die Vorbereitungen zu ihr zeigen, dass das amerikanische Luther-
tum weder so dogmatisch engherzig, noch so sozial uninteressiert ist,
wie es nach Börnhausens Darlegungen scheinen könnte.

R. H. Grützmacher-Erlangen.

Haccius, D. Georg, Erlebnisse und Eindrücke meiner zweiten Mis-
sionsreise durch das Hermannsburger Missionsgebiet in Sudafrika
1912/13. Hennannsburg 1913, Missionshandlung (152 8. gr. 8). 1.80.
Die Briefe, die Verf. über den Verlauf seiner Reise geschrieben
hat, erscheinen hier überarbeitet, ergänzt, vermehrt und mit Bildern
und Karten ausgestattet. Wohl vorbereitet trat D. Haccius seine Reise
an. Die bei seiner ersten Anwesenheit vor 25 Jahren empfangenen
Eindrücke sind durch fortwährende Verbindung mit dem Missions-
gebiet frisch erhalten. Da gibt denn die zweite Reise gute Gelegen-
heit, die Weiterentwickelung zu sehen. Das Verkehrswesen ist
durch den Ausbau des Eisenbahnsytems wesentlich erleichtert worden.
Erfreulich war der Besuch bei den deutschen Gemeinden im
Kaplande. Durch Fleiss und Arbeitsamkeit zeichnen sie sich aus.
Viele Landflächen haben sie urbar gemacht und durch Bewässerung
prächtige Farmen geschaffen. Buren und Engländer ziehen sich vor
der Tätigkeit der Deutschen zurück. Es ist ein Sprichwort geworden:
„Man kann einen Deutschen auf einen Stein setzen, und er macht
einen Garten daraus." Diese Deutschen — vielfach aus dem Osna-
brücker und Lüneburger Lande stammend — halten aber auch an
ihrem Christentum fest, besuchen treulich die Kirche und haben Haus-
andacht. — Betrüblich ist der Abfall der Gemeinde Bethanien
von der Hermannsburger Mission. Der Grund liegt nicht in Differenzen
der Lehre, sondern in dem Verlangen des bisherigen Missionars und
der Gemeinde nach einer Sonderstellung in der Verfassung. Befremd-
lich muss erscheinen, dasB die Berliner Mission diese Gemeinde mit
ihrem Missionar aufgenommen hat. Die äussere Macht des Heiden-
tums kann bei den Sulu und Betschuanen in der Hauptsache als g<"

das Institut des Kirchenvorstandes zu pflegen, die Gemeindeversamm-
lungen beraten und verhandeln zu lassen, einen Zusammenschluss zu
Synoden herbeizuführen. Gut ist es, dass nicht zu früh mit Heran-
bildung eines einheimischen Pastorenstandes begonnen ist. Aber all-
mählich kann man jetzt aus bewährten Lehrern und Vorstehern ge-
winnen. Sinnig hat die Frau eines Kirchenvorstehers in Afrika die
Frau Missionsdirektor auf eine Schriftstelle hingewiesen, die den
Christen in der Heimat sollte über die afrikanischen Christen gesagt
werden: Act. 11, 23: „Da Barnabas hingekommen war und sähe die
Gnade Gottes, ward er froh und ermahnte sie alle, dass sie mit festem
Herzen an dem Herrn bleiben wollten." Die neue Zeit mit dem Geld-
verdienen auf den Goldfeldern und mancher anderen üblen Neben-
erscheinungen macht sich stark bemerkbar, aber nicht zu ver-
kennen ist die hebende und bewahrende Macht des Evangeliums bei
denen, die es wirklich angenommen. Lohmann-Hannover.

Neueste theologische Literatur.

Unter Mitwirkung der Redaktion
zusammengestellt von Oberbibliothekar Dr. Runge in Güttingen.

Bibliographie. Jahresbericht, Theologischer, hrsg. v. Proff. Drs.
G. Krüger u. M. Schian. 32. Bd., enih. die Literatur u. Totenschau
des J. 1912. l.TI. Des ganzen Bds. III. Abteiig. Das Alte Testament.
Bearb. v. Westphal. Leipzig, M. Hemsius' Nachf. (VI S. u. 8. 305 —400
gr. 8). 4.55.

Exegese u. Kommentare. Beitrage zur Förderung christlicher
Theologie. XVII. Jahrg. 1913. 6. Heft. Werdermann, Pred -Sem.-
Sludieninsp. Lic. Herrn., Die Irrlehrer des Judas- u. 2. Petrusbriefes.
Gütersloh, C. Bertelsmann (149 S. 8). 3 Jt — Dieterich, Albr.,
Nekyia. Beiträge zur Erklärg. der neuentdeckten Petrusapokalypse.
2. Aufl. Leipzig, B. G. Teubuer (XVI, 238 S. 8). 6 Jt — Nieber-
gall, Prof. I). theo). Frdr., Praktische Auslegung des Neuen Testa-
ments f. Prediger u. Religionslehrer. 2. Aufl. Tübingen, J. C. B. Mohr
(VII, 608 S. Ltx.-8). 11.50. — Schriften des Institutuin Judaicum in
Berlin. Hrsg. v. Herrn. L. Strack. Neue Aufl. Nr. 13. Dal man,
Prof. D. Dr. Gust. IL, Jesaja 53, das Prophetenwort vom Sühnleiden
des Gottesknechles, m. besond. Berücksicht. der jüd. Literatur erörtert.
2., umgearb. Aufl. Leipzig, J. C. Hinrichs (IV, 59 8. 8). 2 Jt —
Schriften, Die, des Alten Testaments, in Auswahl neu übers, u. f. die
Gegenwart erklärt v. Dr. Hugo Gressmaun u. a. I. Abtlg.: Die Sagf-n
des Alten Testaments. 2. Bd. Die Anfänge Israels (von 2. Mosis bis
Richter u. Ruth) übers., erklärt u. m. Einleitgn. versehen v. Prof. Hugo
Gressmann. Mit Namen- u. Sachregister u. 1 (färb.) Doppelkarte.
II. Abtlg.: Prophetismus u. Gesetzgebung des Alten Testaments im
Zusammenhange der Geschichte Israels. 3. Bd. Das Judentum. Ge-
schichtsschreibung, Prophelie u. Gesetzgebung nach dem Exil, übers.,
erklärt u. m. Einleitg. versehen v. Priv.-Doz. Max Haller. Mit
Namen- u. Sachregister. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht (VII,
292 8.; XVIII, 310 S. Lex-8). 4.60 u. 4.80.

Biblische Geschichte. Grundries der theologischen Wissenschaften,
bearb. v. + Achelia, Baumgarten, Benzingor u. A. Neue Aufl. 14. Ab-
t=ilg. sr II. Tl. 3. Bd. Guthe, Prof. D. Dr. Herrn., Geschichte des
Volkes Israel. 3., vielfach verb. Aufl. Tübingen, J. C. B. Mohr
(XVI, 373 8. gr. 8 m. 5 Abbildgn. u 4 Karten). 9 Jt — Studien,
Biblische. Hrsg. v. Prof. Dr. O. Bnrdenhewer. XIX. Bd. 1. Heft.
Benz, Dr. Karl, Die Stellung Jesu zum altes tarnen tlichei Gesetz.
Freiburg i. B., Herder (VII, 73 8. gr. 8). 2.40. — Wellhausen, .1.,
Israelitische u. jüdische Geschichte. 7. Ausg. Berlin, G. Reimer 1372 8.
gr. 8). 10 Jt

Biblische Hilfswissenschaften. Land, Das, der Bibel. Gemein-
verständliche Hefte zur Palästinakunde. Im Auftrage des deutschen
Vereins zur Erforichg. Palästinas hrsg. v. Prof Lic. Dr. G. Hölscher.
I. Bd. 1. Heft. Schwöbel, Pfr. Dr. Valentin, Die Landesnatur
Palästinas. 2. Heit. Procksch, Prof. Dr. Otto, Die Völker Ait-

paläetmas. Leipzig, J. C. Hinrichs (56 8.; 41 S. 8). Je 60 _

Schmollet1, fDek. Otto, Handkonkordanz zum griechischen Neuen Testa-
ment. 4. Aufl., neubearb. v. SUdtpfr. Dr. Alfr. Schmoller. Gütersloh
C. Bertelsmann (rV, 501 8. 8). 5 Jt

Patristlk. Rauschen, Gymn.-Relig.-Lehr. Prof. D. Dr. Gerb.., Grund-
ries der Patrologie ru. besond. Berücksicht. der Dogmengeschichte. 4. u.
5., verm. u. verb. Aufl. Freiburg i. B, Herder (XII, 274 8 8)' 2 50
Keformationsgeschiehte. Boehmer, Prof. Heinr., Luther im Lichte
der neueren Forschung. 3 , verm. Aufl. (Aus Natur u. Geisteswelt.
113. Bdchn.) Leipzig. Teubner (VI, 170 S. 8). 1 Jt — Hann, Prof. i. R.
Reg.-R. Dr. Frz. G„ Klagenfurt u. seine evangelische

gelische Gemeinde im Zeit-
alter der Reformation. Ein Beitrag zur Geschichte dea Protestantismus.
Festrede. Kiagenfurt, J. Heyn (27 8. 8). 90 /i9.

Sekten. Handtmann, Karl, Die Adventisten vom 7.Tag(8abbatisten)
Eine Daratellg. ihrer tieschichte, Lehre u. Ausbreitg. Gütersloh, C.
Bertelsmann (68 8. 8). 1.50. '

Orden u. Heilige. Schnitzer, Prof. Dr. Jos., Savonurola im Streite
m. seinem Orden u. seinem Kloster. München, J. F. Lehmann's Verl
(VII, 108 S. 8). 3 Jt uinannsven.

Christliche Kunst n. Arehliologie. Dengel, Prof. Dr. Philipp Palast
n. Basilika Sau Marco in Rom. Aktenstücke zur Geschieht«' T.,r«.
brechen gelten. bre.Uch muss ,n Unterwmsung und Erziehung noch Baa. u. Kunstgeschichte des Palazzo di San Marco genannt

viel Arbeit geschehen. Der sich regende Selbständigkeitstrieb Palazzo di Venezia, u. der Basilika v. San Marco in Rom Hrsg u '
der Eingeborenen bedarf noch sehr der Leitung. Das Gewiesene ist, I erläutert. Rom, Loescher & Co. (XVIII, 115 S. 4 m. 8 Ta'f.). W Jt
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