Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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wurde. Also ist das Prinzip: Rekonstruktion des Textes des
codex Lucullancs, Hinzufügung der griechischen Zitate und
der Zitate des Hieronymus und anderer. Hinzugefügt sind
sehr sorgfältige Stellen-, Namen-, Wort- und Sachregister.
Gotthold Gundermann, Erich Klostermann, Carl Schmidt, Carl
Weyman haben aile Druckbogen mitgelesen.

So gewinnt man nach allem den Eindruck, dass, was mit
dem gegebenen Material zu leisten war, geleistet worden ist
und die neue mühevolle Ausgabe einen ganz erheblichen Fort-
schritt über alle ihre Vorgänger darstellt.

Hermann Jordan-Erlangen.

Kaufmann, C. M., Handbuch der christlichen Archäo-
logie. 2., verm. u. verb. Aufl. Mit 500 Abbildungen, Rissen
u. Plänen. Paderborn 1913, F. Schöningh (XVII, 814 S.
gr. 8). 15 Mk ; geb. 16. 20.
Kaufmanns Handbuch liegt nach acht Jahren in zweiter
Auflage vor. Schon äusserlieh ist das Buch gewachsen, der
Text um 182 Seiten, die Abbildungen sind auf die Zahl 500
gebracht (nicht alle von gleicher Schärfe!). Die Einteilung in
sechs Bücher ist geblieben, nur ist die Epigraphik an den
Schluss gerückt, erfreulicherweise jetzt mit einem Anhang über
Ostraka und Papyri.

Dass angesichts der grossen Schwierigkeiten das Handbuch
von 1905 eine Tat war, die wahrlich nicht gering einzuschätzen
ist, sei auch hier ausgesprochen. Ist dem vielversprechenden
Anfang ein entsprechender Wertzuwachs gefolgt? Dem ver-
dienten Verf. waren in dem verflossenen Zeitraum die be-
deutenden Ergebnisse der Menasexpedition beschieden. Dass
gerade diese Forschungen einen erheblichen Niederschlag in
dem Handbuche gefunden, ist verständlich und dankbar zu be-
grüssec. In allen Teilen ist Aegypten sehr eingehend berück-
sichtigt. Auch sonst sind neue und neueste Forschungen ein-
gearbeitet: Roms Katakomben vervollständigt einschl. Trebius
Justusgruft, desgleichen Sizilien usw. Dass Malta nicht mehr
betücksichtigt werden konnte, bedaure ich um der Sache willen
(S. 132 über das Baldachingrab ungenau; der S. 111 genannte
Autor heisst Mayr und der S. 605 A. 7 genannte Abela). Der
protestantischen Forschung wird manches hohe Lob gespendet.
(Von den Behauptungen S. 74 f. und S. 77 — vgl. dazu jetzt
V. Schnitze im „Christi. Kunstblatt" 1913, S.61ff. — entspricht
nicht alles den tatsächlichen Verhältnissen. Ein bedeutendes
Gipsmuseum jetzt in S. Germain-en-Laye!) Auffällig bleibt frei-
lich, dass auch in dieser Auflage das Werk des französischen
Protestanten Roller (zwei Folianten!) mit Stillschweigen über-
gangen wird. Doch fehlt auch sonst manche Literaturangabe,
z.B. Birt, Clausnitzer, Deissmann (Licht vom Osten), Esperandieu,
Lamberton, Müller (Monteverde), R. Michel (»S. Costanza), Ober-
man, G. Schmid, Schönewolf, Publikation der Sieglin-Expe-
dition usw. Gewiss, ein Handbuch kann nicht alles bringen.
"Wie steht es nun mit der wissenschaftlichen Struktur?

Oft fragt man sich, für wen Kaufmann eigentlich schreibt
Dem „Fachmann" wird nur Bekanntes knapp gesagt, der
„Student" erhält Resultate, deren Herleitung ihm dunkel bleibt,
die Probleme sind nicht herausgearbeitet Nur ein Beispiel.
Dem Spotikruzifix sind abgesehen von einerBemerkung auf S.261,
die als sehr wahrscheinlich bezeichnet wird, meines Erachtens sehr
unwahrscheinlich ist, nur S. 747 f. volle 27 Zeilen gewidmet
(Aberkioskschrift über 8 Seiten kleiner Druck). Ueber Onolatrie
ein Satz mit , bekanntlich". Gnosis abgelehnt. T gehöre kaum

der Darstellung an. Ein Satz mit „allerdings" und einer mit
„gegebenenfalls". Dann 7 Zeilen der Fidelis graffito (nach
Hülsen aber Fälschung!); Literatur: Kraus und Wünsch. Nichts
von Hülsen, Reich (Mimus) usw.

Dieselbe enttäuschende Kürze bei den Sarkophagen, denen
nur 21 Seiten gewidmet sind (&l/2 mehr als 1905); gerade
hier würde man nach der Arbeit der letzton Jahre mehr er-
warten.

Von der Bedeutung der jüdischen Kunst für die altchrist-
liche ist Kaufmann mit Recht überzeugt. Um bo auffallender,
dass kein einziges jüdisches Denkmal (gr. Oase ehr. Einschlag!)
aufgeführt wird. Hier liegt zweifellos ein Mangel vor gegen-
über Leclercq und selbst dem populären Katakombenführer von
Schmid.

An Fehlern im Detail notiere ich: Dieselbe Szene der
Lipsanothek wird S. 363 ais Jesus (guter Hirt) und Samariterin,
S. 555 al« Jakob und Rahel gedeutet. (Auf dem Schema S. 555
fehlen wiederum die Seitenstreifen der Schmalseiten mit Baum,
Wage, Ständerlampe, lat. Kreuz.) Peinlicher noch ist, dass der
Bassus-Sarkophag innerhalb von vier Seiten einmal als alexan-
drinisch und einmal als kleinasiatisch gewertet wird (498 contra
502). — S. 14 Z. 2: Aringhi-Baumann nach meinem Exemplar
1668 gedruckt. — S. 255 Fig. 89: coemeterium malus, nicht
V. Massimi. — S. 299: Moses b als Zahl 70—72. — S. 310
Z. 10 Revers: Quellwunder. — S. 312 Z. 11 f.: „und die ver-
folgten Israeliten" streichen. — S. 312 Z. 2 v. u.: aus Arles. —
S. 329 Z. 2: Sektor statt Segment. — S. 356 Z. 18: nicht
Variante, sondern Nain! — S. 390: Die Missdeutung der Szene
Mariä Verkündigung am Quell scheint unausrottbar. (Vgl.
Fig. 220 Mailand.) — S. 431 Z. 15: Paris 1891—92. — S.434
A. 3: A. Jacoby. — S. 455 (A. 5) Z. 1: 1902. — S. 603 Z. 19:
Aus dem Neuen Testament z. B. Lazarus! — Zu S. 605 vgl.
meine Berichtigung in der Konstantin-Festschrift S. 164 f., zu
S. 632 A. 1 ebenda 188 f. und zu S. 338 ebenda 165 f.

Wortbildungen und sprachliche Härten stören mitunter:
S. 33 Z. 9: nachderossisehen. S. 436 f.: das rangliche prae.
S. 414 Z. 6 v.u.: Kultursprung (!). S. 331 Z. 15 v.u. (S. 398
Z. 5 v. u.): einschläglich. S. 405 Z. 11: zeitgenöasigen. S. 674
Z. 21 f.: „man stört sich weniger an die ... Reihenfolge" (!).

An Druckfehlern sind zu verbessern: S. 10 Text Z. 3 lies:
sotterranea. — S. 18 Z. 16: „hand" streichen. — S. 57 Z. 6
lies: letztere. — S. 63 Z. 11: sepulchra. — S. 74 Z. 19: Er-
richtung. — S. 102 Z. 7 v. u.: vigna. — S. 103 Z. 14: G. Bona-
venia. — S. 277 Z. 22: Exultetrolle. — S.278 Z. 1: El-Kargeh.
— S. 302 Ueberschrift: cyklus. — S. 427 A. 1: Marncchi. —
S. 548 Z. 3 v. u.: zerstreute. — S. 670 A. 3: Grabsteinen. —
S. 693 A. 1: Neroutsos. Ausserdem mehrfach Buchstaben ab-
gesprungen, z.B. S. 134, 181, 298, 384, 457 usw.

Möge in einer dritten Auflage recht vieles von dem, was
hier aufgeführt wurde, Berücksichtigung finden. Den genannten
Mängeln stehen hohe Vorzüge gegenüber. Eine Fülle von
Material (Tabellen!) und ein reicher Schatz auch von weniger
bekannten Abbildungen ist hier mit einem Achtung gebietenden
Fleiss zusammengetragen, und darum bleibt dieses Handbuch
ein nicht zu entbehrendes Hilfsmittel.

Dr. Erich Becker-Naumburg a. Queis.

Theologische Arbeiten aus dem Rheinischen wissen-
schaftlichen Predigerverein. In Gemeinschaft mit den
übrigen Vorstaudsmitgli: Lxn herausgeg. v. Prof. D Simons.
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