Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

Zitierlink

41

42

Diettrich, Lic Dr. G. (Pfarrer der Reformationsgememde in
Berlin), Mose. Der Prophet und sein Werk. Ein Lebens-
bild in 7 geistlichen Reden. Gütersloh 1913, Bertelsmann
(99 S. gr. 8). 1. 50.
Es sind sieben in der Reformationsgemeinde zu Berlin ge-
haltene Bibelstunden, die vor unseren Augen ein Bild von der
gewaltigen Persönlichkeit des Moses erwachsen lassen. Einige
Ueberschriften mögen, was hier geboten wird, andeuten: „Das
Gotteseilebnis des Moses in seinem geschichtlichen Zusammen-
hange." „Die Gotteaerkenntnis, die Moses gebracht hat." „Der
betende Moses ein Vorbild in siegreichen Kämpfen." „Die vier
Grundforderungen MoBis für die Anbetung Gottes in der Ge-
meinde." Die Betrachtungen wollen der gläubigen Gemeinde j
dienen. Diesen Zweck erfüllen sie, wenn sie in die rechten
Hände kommen. Für den Durchschnittslaten sind sie zu hoch;
dem geistig geförderten bieten sie viel. Sie führen an ihrem
Teile gut ein in die Welt des Alten Bundes, aber auch hinaus
in das Neue Testament, ohne doch spezifisch christliche Ge-
danken in das Alte Testament hineinzutragen. Der Unterschied
beider Testamente wird, wo sich die Gelegenheit bietet, klar
aufgezeigt. Der Verf. hat eine treffliche Lehrgabe, weiss aber
auch die Gewissen anzufassen. Ich wünsche darum diesem Buche
weite Verbreitung in der Laienwelt, daneben auch viele Loser
unter den Pastoren, denen es für den Gebranch des Alten
Testaments in der Gemeinde viele Anregung bieten kann.

H. Münchmeyer-Gadenstedt.

Jugendprlegearbeit. L Teil: Der Kieler Jugendpflegerkursus
1912 in Vorträgen und Berichten, herausgegeben vom Orts-
ausschuß für Jugendpflege in der Stadt Kiel. Leipzig 1913,
B. G. Teubner (195 S. gr. 8). 2 Mk.
Der Kieler Jugendpflegerkursus 1912 bildet den ersten Band
eines Handbuches für Jugendpflege, das durch weitere Vorträge
und Berichte zu einem wertvollen Sammelwerk über die nord-
deutsche Jugendarbeit zu werden verspricht. Die Kieler Jugend-
arbeit ist vorbildlich für die norddeutsche, vorwiegend national
gerichtete Jugendpflege. Von einer sozialen Fürsorge, wie sie
in Süddeutschland besteht, finden sich in den vorliegenden Vor-
trägen und Berichten nur vereinzelte Ansätze, so ein Vortrag
über den gewerblichen Jugendsohutz und in einem anderen ein
Hinweis auf das Wohnungselend der heimatlosen Grossstadt-
jugend. In dieser Richtung wie in der Behandlung der weib-
lichen Jugendpflege wird der nächste Jugendpflegekursus wertvolle
Ergänzungen bieten können. Wünschenswert wären ferner Be-
sprechungen im Anschluss an die einzelnen Vorträge gewesen.
Einige Behauptungen wie die von der „religiösen Schonzeit"
der Schulentlassenen wären nicht unwidersprochen geblieben.
Eine sorgfältige Behandlung haben die Jugendpsychologie und
die wirtschaftliche Notlage der modernen Jugend gefunden. Das
wird einzelnen Vorträgen, besonders dem über „die nationale
Wehr- und Arbeitspflicht auf dem Gebiet der Jugendpflege", über
„geistige Jugendpflege" und „Heimat und Jugendpflege" bleibenden
Wert verleihen. Der letztgenannte Vortrag gibt u. a. treffliche
Beispiele an die Hand, unserer Jugend durch anerzogene Heimat-
liebe verlorene Gemütswerte wieder zu gewinnen. Da auf die
anderen Vorträge hier nicht näher eingegangen werden kann,
sei nur der Vortrag von Pastor Schiöder-Kiel kurz erwähnt.
Was darin vom Wert geistiger Jugendpflege gesagt wird, ist
in der Begründung richtig, darf aber in den Folgerungen nicht
unwidersprochen bleiben. Der Vortragende will die Religion

als Grundlage für seine Jugenderziehung nicht entbehren, aber
die Pflege des Religiösen — auch andere Vortragende des Kieler
Kursus äussern sich übrigens ähnlich — steht hintenan. Pastor
Schröder verlangt eine grössere Wechselwirkung zwischen Kirche
und Jugenderziehung und zur Erreichung seines Ziels beweg-
lichere Formen der kirchlichen Jngendversammlungen, aber von
einer Weckung kirchlichen Interesses in seinem Verein hören wir
nichts. Der Bericht über den Besuch des von Pastor Schröder
geleiteten „Jugendvereins auf Gemeindegrundlage" bietet daher
auch lediglich das Bild eines neutralen Jugendvereins.

Vorteilhaft vervollständigt werden die Vorträge durch Be-
richte über praktische Vorführungen und Besuche der Kieler
Jugendheime. P. Buddensieg-Leipzig.

Kurze Anzeigen.

Stark, Alonzo Roeecrano, The Christology in the Apostolioal Fathers.

A Dissertation Bubmitted to the Faculty of the Grad-iate Divinity
School in Candidacy for the Degree of Doctor of Philosophie.
Chicago (Illinois) 1912, The TJniveisity of Chicago Press (XII,
(60 S. gr. 8).

Die kleine Aibeit ist eine philosophische Doktordissertation von der
durch John Rockefelltr gegründeten Universität in Chicago und als
solche interessant; sonst bringt sie kaum etwas Neues und ist doch
recht anfängerhaft. Wie kommt der Verf. darauf, den Brief an Diognet
neben dem Barnabasbrief und dem Hirten des Her-nns zu behandeln?
Die grosse dogmengeschichtliche Literatur über den Gegenstand scheint
der Verf. doch nur recht sporadisch zu kennen.

Hermann Jordan-Erlangen.

Jahrbuoh der Sächsisohen Missionskonferenz auf das Jahr 1913.

XXVI. Jahrgang. Leipzig, H. G. Walimann (208 S. kl. 8 mit

3 Noteobeilagen und 1 Bild). 2 Mk.
Längst bedürfen die Jahrbücher der Sachs. Missionskonferenz keiner
Empfehlung mehr. Man möchte beinahe sagen: sie werden immer
reichhaltiger, interessanter, groaszügiger. Sie gehören jedenfalls zu den
besten Orientierungsmitteln auf dem Gebiete der evangelisch-lutherischen
Mission. Nach einer höllischen Abhandlung über Luk. 5, 10 von M.
Pohonc berichtet der Vorsitzende der Konferenz, Kirchenrat D. Klein-
paul, über vier in Sachsen veranstaltete Missionspredigtreisen und über
die Feier des 25jährig^n Bestehens der Konferenz am 2. bis 3. Sep-
tember 1912. Die Missionegeschichte der Heimat kommt zu Wort in
einem Aufsatz von Lic. Dr. Bönhoff über Otto den Grossen und in
einer für die örtliche Missionsgeschichtsverwcrtung geradezu muster-
gültigen Anspreche von Pastor Reichel. In die Bedurfnisse der Heimat
führt uns auch Schuldirektor Heinicke mit seinem Aufsatz „Mission
in der Volksschule". Die Leipziger Mission ist vertreten mit zwei
über Indien berichtende Arbeiten von Miss. Fehlberg und dem hei od.-
gegangonen Senior Handmann und mit einer Abhandlung Miss. Müllers
über neue Probleme in Deutsch-Ostafrika, während Miss.-Insp. Weis-
haupt das Bild der Kirche von Mamba erklärt. Allgemeines Interesse
fordert Dr. Kupfernagel, der die ärztliche Mission empfiehlt, und Pastor
Michael mit einer Stoffdarbietung zur Apologie der Mission. Auf ein
fremdes Arbeitsgebiet, auf dem Siege errungen worden sind, weist
Kirchenrat D. Kauze und auf das der Judenmission Pastor Levertoff.
Besonderer Dank gebührt Pastor Dr. Siedel für seinen auf wenige
Seiten zusammengedrängten und doch umfassenden Rundblick über den
Stand der deutschen evangelischen Mission, den Pastor Zinsser mit
Tabellen über die deutsch-evangelischen Missionsgesellschaften ergänzt.
Wertvoll sind auch die Jubiläumstage aus der Missionsgeschichte (Pastor
Heydrich), Mitteilungen über Missionsliterator, die deutschen Missions-
konferenzen, Missionsadressen. Vielleicht könnten Kassenbericht und
Mitgliederverzeichnis künftig dem Buche nur lose beigefügt werden,
so dass man diese Beigaben nicht mit aufheben muss.

Scherffig-Leipzig.

Sarasin, Alfred, Kaufmannsstand und Christenheruf. Vortrag, ge-
halten in der Aula des Museums in Basel. Basel 1912, Verlag
der Basler Missionsbuchhandlung (32 S. 8).

Man kann sich denken, dass die Freunde des Verf.s, die diesen
Vortrag des Bankiers Sarasin auf der Aarauer christlichen Hludenten-
konferenz gehört haben, den Wunsch hatten, ihn gedruckt zu sehen.
Liegen doch die Probleme, die das Thema umschliosst, dem Christen
nnserer Tage unmittelbar am Herzen. Da tut ein solches Büchlein
wie das vorliegende mit seiner fachmännischen Sachkenntnis auf beiden
Gebieten, sowohl dem des Kaufmannsstandes wie auch dem des Christen-
loading ...