Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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ebenfalls in {einen einzelnen feilen immer ftärfere Simenfionen ange-
nommen bat, (o mußte ber 93erfuä) gemattet Werben, mieber ein fürzereS
Ertläningowerf jur 6. ©äjrift herzuftellen.

Unb in ber Shat Win tid) biefeS neue SBerf bon ben genannten älteren
SSorgängern gan,-, mefentlidj nur hinficbtlidj ber 9luSführIicbfeit unb in

fäfee ber richtigen fiermeneutif berührenbe 3luSfpraäje bie beibcn uns zur
9lnzeige übergebenen Slbtbeilungen beS „Kurzgefaßren Kommentars" bei
ben Sefern b. 931. einzuführen, als unS auf Einzelheiten ciujulaffen,
ba über folrtje felbftBerftänbliäj fdjon bei manchem Kapitel, gefdjmeige
benn bei einer ülnjabl altteftainentlirber 83üdjer, wie fie in jebem ber

ber bamit nijammenbängenben 93illigfeit unterfdjeibcn. dagegen bin- 1 beiben fcalbbänbe aufgelegt finb, Bielfadje TOeinungSBerfchiebenheiten ber

fiebtlid) ber H?rinji»ien ber ©jegefe befteben zmifdjen genannten SBerfen Interpreten herrfdjen werben. SBtr tonnen aber and), nadjbem wir in

nur Ucuancen bon ^Differenzen, unb ber Unterfdjieb beS äufjerlicben «er« beiben SBänbcn eine große 9lnzabl einzelner 3luffaffungen geprüft baben,

fahrenS, welcher zmifchen bie(en SSerfen eriftirt, i{t nur ein unwefent- bie woblbegrünbete lleberzeugung auSfpredjen, bafj alle biejenigen Wobl

lieber. Senn um bei ben auf baS 31. S. bezüglichen beiben Söerfen flehen
ju bleiben , fo Wirb in beiben Sejtfritif getrieben, gebt man ferner in
beiben Bon ber SSorauSfebung auS, baß bie Siterarfritif aud) auf bem
offenbarungsgläubigen ©tanbpunfte erlaubt fei, Bertritt man fogar in
ber Wid)tigften literarfritifchen {frage unferer Sage Wefentlitb ebenbiefelbe
jßofition (etwa bie Bon SiDmann-Selifefd)), barmonirt man enblid) aud)

beratben fein Werben, weldje fid) für bie betreffenben 93üajer beb 31. S.
junäcbft bie ibnen hier fid) barbietenben fRathgeber erwählen Werben,
©ie werben in fpracblidjer, ard)äologifd)er nnb fpeciell bib(ifd)'tbeologifd)er
Hinfidjt bauptfäcblidj bei ben fdjmierigeren unb religionSgefchichtlidj be-
beutfamen tfkuiien, wie j. 83. §iob 19, 25 ff., HaßeSlieb 8, 6, Biele
©teilen im ©cclefiafteS, Sau. 9, 24 ff. :c. aHeS zur Seutung beS ScjteS

in bem bebeutfamften ©runbgefef} ber altteftamentlidjen ^ermeneutit nötbige {Material unb aüermeift aud) eine folibe 83egrünbung ber Wahr
„Vetus testamentum in Novo patet" unb ift beSßalb ungefähr gleid) weit : fcbeinlichften {Meinung ber SejtfteUe finben. Surften Wir unter ben in

fowol Bon ber S3ereinerleiung wie Bon ber marcionitifdpScbleiermacber'
fäjen fferreifjung ber beiben ^auptftabien ber ©otieSreicßSgefcbicbte
entfernt.

3n prinzipieller §infid)t fobann nur unWefentlid), obgleid) für bie
praftifebe SJcrmertßung fel)r bebeutfam ift ber Unterfdjieb ber beiben
9Berfe, bafj baS ^irjel'fdje nur bie fdjwierigen ©teilen, aber baS 93ed'fd)e
ben ganzen Srjt in lleberfe&ung barbietet. 9üir müffen, fo ängftlidj
mir audj unfere cBangelifdie Sfjeologenfd)aft Bor S5ernad)läffigung beS
Originaltextes beS 31. S. behüten mochten, bod) bie lefetere Bon ben er-
mähnten beiben 3lbfaffungSarten gutheißen. Senn eine richtige lleberfe&ung
fcbliefjt einen .fpauptttjeil ber ©rflärung in fid), bringt biefelbe oftmals
am flarften jum 3luSbrud, Wirb ben ftrebfamen Sjeologen nicht Bom
©runbtejte megbrängen, fonbern eher ju feiner 83ergleidjung anloden —
ber unftrebfame benußt meift gar feinen Kommentar unb gar nidjt ben
©runbtejt, fonbern nur Suiljer. ©ine Bolle lleberfebung ift baber audj
fdjon in alter fjeit ben gelebrteften Kommentaren beigegeben morben,
man benfe nur an 83itringa'S „Commentarius in librum prophetiarum
Jesajae", ift audj in neuerer „Seit in gar mandjem fdjmergelebrten Kom-
mentar (Cheyne's Isaias etc. etc.) ju finben, unb audj Selißfdj bat feinem j SobeS beS 93earbeiterS fdjien biefer Sbeil ber ©ammlung noch auf lange

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biefen beiben 93änben oereinigten Slrbeiten bie eine ober anbere Boran«
ftellen, fo würben nadj unferem Urttjetl bie ©rflärnng beS |)iob burdj
SSold unb bie beS Saniel burdj {Meinßolb in erfte Sinie geftetlt Werben
müffen, jene ganj erfidjtlidj in grammatifdjer unb tbeologifdjer Beziehung
bie gereifte grudjt langer 93efdjäftigung mit bem granbiofen ©ebiäjte,
biefe eine febr folibe unb burdjfidjtige Aufhellung eines ber bunfelften
aSüdjer beS 31. S. «b. jüöntg.

Corpus scriptomni ecclesiasticorum latinorum, editam consilio
et impensis Academiae litterarum Caesareae Vindoboneneis. Vol. XX:
Quinti Septimi Florentis Tertulliani opera ex receneione Augusti
Eeifferscheid et Georgii Wissowa. Pars I. Wien 1890, Tempsky
in Comm. (XV, 396 S. gr. 8). 15. 60.

ytadjbem Bluguft fReifferfcbeib bie Surdjforidjuug ber 83ibliotbefen
^talienö für bie fjmede be§ Wiener Corpus scriptorum ecclesiasticorum
latinorum beenbet hatte, übernahm er außer bem (bereits erfdjienenen)
3lrnobiuS nodj bie 3luSgabe beS Sertuüian, beren 83eröffentlidjung fdjon
oor längeren Qabren in 3luSfidjt gefteüt würbe, infolge beS plbblidjen

„9?euen Kommentar über bie ©enefiS" eine Bollftänbige Ueberfeßung beS
SejteS einoerleibt. , .

gerfätlt cnblidj bie 3luSlegung bei ben meifteu 33artien beS ©trad-
ijödler'fdien SBerfeS in jWei getrennte 83eftanbtbeile, nämlidj in furje
tejtfritifdje, grammatifdje unb antiquarifdje gußnoten su ben einzelnen
fdjwierigen ©teilen ber ilieibe nadj unb in jufammenbängenbe er«
läuternbc Sieprobuftion ganzer 3ufammenbäuge Bon Se^tgebanten (nur
Kloftermanu bat bei ber ©rflärung Bon ©amueliS unb Könige ben
Ießteren 33eftanbtbeil ganz Weggetaffen), fo ift audj birfc 3lrt beS 33er»
fabrenS feineSwegS fo unmetbobifaj ober gar unmiffenfdjaftlidj, wie eS
nadj unferer Erinnerung in einer Slecenfionüber einen neuteftamentlidjen
Sbeil beS SSerfeS bargeftellt worben ift. Senn eS gibt unftreitig bei
febr Bielen Sejtabfdjnitten einzelne 83egriffe unb 3luSfagen, weldje nidjt
jdjon bei ihrem erftmaligen Sjorfommen Bot! erflärt werben fönnen, weil
man bei biefem 93eftreben ber ©rflärung fpäterer Sejtüjeile Borgreifen
müßte, Weldje infolge beffeu erft nadj ooHenbeter ©inzelerflärung nadj
ihrem näheren unb entfernteren Kontexte in abfdjließenber Sileife beur-

jjeit binauSgefdjoben. Sa überrafdjte unS auf einmal bie 3lnfünbigung
be§ 20. 83bS. ber wiener KirdjenBäter, welcher ben erften Sbeil bet
©djriften SertuUian'S nadj ber neeeenfion fReifferfdjeib'S unb 833iffoma'S
bringen fotlte. SaS fDcanuffript ber 3luSgabe hatte fidj in bem fltadjlaß
beS erfteren faft brudfertig oorgefunben. Ser 33ruber beS 83erftorbenen,
fßrof. Sllejanber fReifferfdjeib in ©reifSmalb, reBibirte bie Kollationen, bie
83roff. gg. u. fjartel unb ©. Siliffowa Berglidjen ben Sert nadj ben
93apieren beS SBearbeiterS nodj einmal unb halfen audj mit einigen 83er«
befferungen nadj, bie fie tbeilS in ben Sert eingefeßt, größtentbeilS aber
erft im fritifdjen Slpparat Borgefdjlagen haben, ©ine Korrefturlefung,
weldje fßrof. ^»arnad in 93erlin bef orgte, unb Weldje biefem zu einigen tejtfri«
tifdjen 83emerfungen Slnlaß bot, bat bem neuen Sejte eine Weitere ©arantic
ber SeSbarfeit gegeben, foweit eine foldje bei bem nidjt feßr erfreulichen
©tanbe ber banbfd)riftlid)en Ueberlieferung oorläußg zu erreichen fdjien.

fReifferfdjeib hat ben ffjlan feiner SluSgabe nidjt nadj bem Inhalt
biSponirt, fonbern Wollte bie ©ammlung ber ©djriften nach, gewiffen
33ebiugiingen ber äußeren Ueberlieferung norlegen: eS fotlte ber erfte

tgeilt werben fönnen. >). 93. halten wir eS für richtig, bei ber ©rflärung \ 83anb biejenigen 93üdjer enthalten, weldje nur in bem (parifer) Codex
ber ©enefiS ben bom 93erfaffcr im Kap. 1 gemeinten 83egriff beS jöm A(gobardinus), einem TOanuffript beS elften QahrhunbertS enthalten, ober
nidjt fdjon bei 1, 5, fonbern erft hinter 2, 4a eingebenb, mit 93eleudjtung allein burdj bie älteften Srude, BorzugSWeife burdj bie editio Gangneia

aller barüber Borgebradjten 3lnfidjten, feftzuftetlen, unb wer wollte benn
Z. 93. bie fomparatibe 933ürbigung ber bebräifdjen ©chöpfungSbarftellung
im Verläufe ber ©inzelerflärung geben, wer müßte biefelbe nidjt Bor
ober hinter ber ©inzelerflärung anftetlen? SaS §trzeF{dje jjjanbbudj gibt
nun bie zulefet erwähnten zufammenfaffenben ober fomparatioen 83eftanb-

unS übermittelt finb. Ser zweite 83anb wirb biejenigen ©djriften ent-
halten, Weldje außer in A nodj in anberen SDtanuffripten flehen, bie älter
als baS 15. Qabrbunbert finb, ber britte, WaS auS jüngeren SejtqueHen
gefloffen ift. Sie beiben leßten 83änbe Wirb ffkof. SBiffowa bearbeiten,
bem audj ber erfte 93anb manche treffliche Korreftur oerbanft. Ser 3lgo-

üjeile ber ©jegefe gewöhnlich Bor ber ©fplifatiou ber Einzelheiten, ba- j barbinuS enthielt urfprünglidj 21 ©djriften, Bon benen aber fünf mit
gegen baS ffled'fdje 933crf hinter berfelben: nur barin im ©runbe liegt j bem zweiten Sheil ber ©anbfdjrift oerloren gegangen finb. 9lber audj
hinfidjtlidj ber zufammenfaffenben Partien ber ©jegefe ber Unterfdjieb ber erhaltene Sheil beS ©ober, hat fdjwere äußere ©djäbigung erlitten,
beiber SSerfe. Uns nun fdjeint es, weil bie ©eele naturgemäß gern bom ; unb befonbcrS ift bie Sdjrift „Ad nationes" arg mitgenommen unb bietet
Einzelnen zum ©anzen fortfajreitet, unb weil erft bie einzelnen 93aufteine : nur nodj einen lüdenhaften Sejt. fReifferfdjeib hat fidj bie größte SRüße
Bor ihrer Bufammenfügung unb fomparatioen Sajirung herausgegraben I gegeben, feftzuftellen, WaS im ©obej lesbar ift unb was nidjt, audj mit-
unb behauenjein müffen, baß bie in bem ©trad-ßödler'fchen Kommentar j zuheilen, WaS frühere Herausgeber, ©otßofrebuS, 93aluziuS unb Hübe«

branb nodj zu ihrer $eit gelefen haben; benn ber ©djaben am fötaterial
fdjeint früher nicht fo fdjlimm gemefen zu fein, als er fidj jeht barfteKt.
Ser gemiffenhafte H-rauSgeber hat baS fUtanuffript nidjt Weniger als
breimal foüationirt, um in jeber Sffieife fidjer zu gehen, gür ben erften
83anb fommt nodj bie 3luSgabe beS goanncS ©angneiuS (ffJariS 1545)
in 93etradjt, in ber zweifellos audj A benußt ift. Siefer Herausgeber
muß aber noch ein anbereS Wanuffript oor fidj gehabt haben, zumal er
©djriften Bon SertuUian bringt, bie in A gar nidjt oorhanben gemefen
finb. ©. Klußmann hat fdjon früher bargetßan, baß ©angnet) baS uns

beBorzugte H'nterfteHung ber zufammenfaffenben 93eurtb,eilungen eine
natürliche fei. SLBtr fpredjen nur ben SBunfdj auS, baß bie ©infledjtung
zufammennchmenber 9luSeinanberfeßungen nidjt fdjablonenhaft geübt,
fonbern foldje Partien nur ba ber ©rflärung beS einzelnen nadjge«
fenbet werben, wo wirflidj -Begriffe unb 3luSfagen bloS burdj Bufammen-
faffnng unb 93ergleidjung genau feftgeftetlt unb gemerthet werben fönnen.
3lud) biefer ©runbfaß ift aber bon ben TOtarbettern am „Kurzgefaßten
Kommentar" in ber {Regel Befolg*-, wie fidj bieS audj au ben unS jefet
Sur -Seurtheflung Borgelegten 3lbtheilungen zeigt, inbem z- 93. in ber

(Srriärung Bon ©rjronifa, Efra, fReßemia nur foldje gragen in ber zu- I unbefannte 9Ranuffript (= B bei SReifferfdjeib) fogar zu ©runbe legte
fammenfaffenben ©rflärung aufgeworfen finb, Weldje fcbmerlidj ober nur unb A nur zur VtuStjülfe heranzog. Beiber War ©angnerj Wenig geübt
unnatürlich ftörenb an einen Siunft ber ©inzelejegefe hätten angefnüpft | im Sefen ber EobiceS unb nur zu fejjr geneigt, mit eigenen Konjefturen

werben fönnen

933ir haben es für erfprießlidj gehalten, burdj eine meßr bie ©runb

einzufpringen. ©in ähnliches 9Jtanuffript wie B mag ber ©obej beS
©igiSmunb ©eleniuS gemefen fein; Bielleicht baffelbe. gur einen Sßeil
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