Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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mücbfigen Urfprünglichfeit unb nach bet Sarftedung be? Sliographen ju
bermutßen geneigt fetrt möchte, gür ba? S3erhältniß be? jungen mefter-
burger Kaplan? jum rationoltfttjdjen DrtSpfarrer hätte ©unfc an eine
etwa um Wßngften 1859 »orgefattene S3egebenßeit erinnern rönnen, Welche
bemeift, baß bei äußerlich, gutem ©inöerneßmen ber tiefe innere ffontraft
getegentlicf) einen faft bumoriftifchen AuSbrud fanb. SBenn ber SSiograpb
erzählt, baß Aund, ben er gelegentlich, als unionSfreunblidj bezeichnet, in
SBefterburg nach lutberifcßem SSefenntniß lef)rte, fo lag barin mol ein
Anlaß, früher ober fpäter auf Wind'? S3erbättniß jum Sutßertbum zu-
rücfäufommen. Sicfe? SBerßältniß mar fein ganz einfache?, nicht fdjarf
ausgeprägt, aber auch nicht ableßnenb, Wie er benn im Sutfjerjabre bie
„Freiheit eine? ©hriftenmenfcbcn" al? bie SJerle aller Sutberfcbriften
herausgab unb mit einem tebenbigen SSorroort »erlab,. 55abei fonnte er
fich, unter bem ©inbrud, baß ©egner ihn in bie Enge treiben wollten,
nach berinbibibualiftifchen Seite hin fehr ftarf äußern; fo namentlich in einer
öffentlichen ©rflärung, bie er im 3.1878 bei einem Streit über ff tau?
©arm? al? Seelforger abgab. SBejeichnenbertueife ging in feiner nächften
Umgebung bie Webe, baß bie beften Sutßeraner »on ihrem Sutherthum
bie roenigften SSorte madjten. gm brüten ffapitel tritt ba? Sberrm
„Sehen unb Sffiirien in Frücht" faft ganz in ben ©intergrunb »or ben
lehrreichen unb anüebenben Wittbeilungen über Wind'? Slrbeiten am
naffauifdjen ffolportageüerein, feine SBirffamfeit in ben genügen 1866
unb 1870-71, wie auch über bie gürforge für bie SBlöbfinnigen in ber
Wrooinz ©effen-Waffau. Wamenttich bie SCtjätigfeit auf bem ©ebict ber
inneren Wiffion ift für ben biographifchen Wabmen ju auSgebehnt be«
fdjrieben. dagegen ift einzelne? »on fo lebhaftem Weiz roie bie greuben«
ftunben »om 2. Sept. 1871 (»gl. „Wacßbar" 1880, Ar. 36) mit Unrecht ganz
übergangen, mabrenb anbere?, z-83. bie mannichfaltige Anregung burd) ben
grembenüerfebr im benachbarten ©m? zu allgemein unb zu farblo? ge*
halten ift. Saran reiht fich bann bie hamburger SBirffamfeit, bie fich
au? geringen Anfängen ju ungeahnter ffraft unb SSebeutung erhob, bi?
ba? zerbrechliche ©efäß be? Seibe? ben gewaltigen Anftrengungen erlag.
Um ein fotdieS SBacbSthum im SBirfen annähernb öerftänbtid) zu machen,
fonnten bie gingerzeige berüdfichtigt werben, bie Slebrmann'S ©ebacht«
nißprebigt (»gl. „Wachbar" 1887, Wr. 41) berborßob. Ob e? gerathen
war, bie STtjätigfeit SBilf). SSaur'S mit ber Slrbeit Wind'? zu »ergleichen,
muß bei ber aSerfcf)iebenr)eit beiber Waturen um fo zweifelhafter erfcßeinen,
al? bie thatfächliche Ausführung biefer Waratlele ber wirtlichen Sachtage
Taum entfprechen bürfte. Wind'? S3erbältniß zu WearfaH Smith fdjeirtt
fich bem SSiograpßen etwa? nüchterner geftaltet zu hoben, al? e? anfangs
war. ©in finnentfteKenber Srudfeßler finbet fich S. 126: ©efunoßeit
ftatt ©ebunbenhcit; }u ben ftiliftifdjen Unmöglichfeiten gehört bie SBeu»
bung: „SSorroiegenb in ba? ©ebiet be? ffomifcben ftreifenb gehört eine
anbere Anflöge". Sie zahlreichen Anhänger unb greunbe Wind'? werben
e? bem »iclbefcbäftigten bremifchen Wcebiger banfen, baß er bie großen
©runbjüge in bem SebenSbilbe feine? Schwager? mit rafcßer ©anb ent«
worfen unb mit liebeootlem SSerftänbniß beleuchtet hat. Sabet bleibt für
eine balb zu erwartenbe zweite Auflage gleichmäßigere SBeganblung ber
einzelnen SebenSabfcßnitte, planöollere Sichtung unb Sichtung be? zu
Wenig »erarbeiteten urfunbtichen WaterialS, mehr biograpbifcbe gorm
unb fchärfere? Werfönlicßfeitögcpräge zu Wünfchen. «. (Btnoiren.

iBucßiuder, Dr. th. ffarl (Obertonrtftotiairat in «Düindjen), ©runblinicn ber
fircblichcn ffatecßetif. SÖerlin 1889, Wcuther (VII, 250 S. gr. 8). 4 Wf.
(Her »erbiente SSerf., beffen Beitfäben für ben d)riftlichen Weligion?»
Unterricht in ber SSolfSfcbulc, beffen ©rflärung be? fleinen Suther'fchen
ffatechiömuS anregenb, förbernb, theilweife epochemachenb in weiteften
ffreifen gewirft haben, gibt in »orliegenbem SBerfe ben theotogifcben (fr«
trag eine? ber ffird)e unb Schule gewibmeten längeren AmtSleben? mit
ber Abficht, bie in feinen Sehrbüdbem befolgte 9L7iett)obe Wiffenlchaftlich ju
rechtfertigen unb zu begrünbcn. Ser S3erf. fleht auf fidjerem fird)lich lutberi«
fchem ©runbe; fein innerfteS Streben ift aber bei biefem feinem foufeffionetl
lutherifrhen Stanbpunft, bie Wcfultate firchlicher Sßeologie nach feiten eine?
gefnnben ©rfenntnißfortfcßritteS, Wie fie ihm namentlich in ben Arbeiten ©of»
mann'? zu Sage liegen, für bie firchliebe WrariS, inSbefonbere bie ffatedjefe
ZU »erwerthen. Sa? »orliegenbe SSerf fcßeint un? bei feinem fieberen theo«
logifchen Aufbau, ber ebten, ungemein flaren, theilweife ferjönen Sar-
ftedung, bem Sehen unb SBeben in ber ©efrhid)te, nicht blc? ber ©eil?«
gefc&icrjtc, b« bem SJerf. mit Wed)t bie ©runbtage unb ©runbfefte aller
fatechetifchen Shätigfeit ift, fonbern aud) in ber an un? öorüberziehem
ben, bie gnnenfeite firchengefchichtlicher ©ntwidelung Wiberfpiegelnben
©efchichte ber »on ifjm bebanbetten SiSciplin, ber glüdlichen SSerbinbung
»on £beo"e u"b $rari? aller SBeachtung Werth Z" f«n. Selbftberftänb«
lieb fann bei einer fo reichhaltigen Schrift auch manche? beanftanbet
werben, ffein bie Spuren biblifch=firchlicher Anfchauung »erfolgenber
ffatechet wirb aber biefclbe au? ber §anb legen, ohne Stärfung, 35e«
frudjtung, wirflirhc ©rhebung für eine Arbeit gewonnen zu haben, bie
»on ber ©efdjichte ber ffirdje al? eine befonber? gefegnete pribilegirt
faum in einer fleit wichtiger fein bürfte al? ber gegenwärtigen. AI?
befonber? gelungen möchten mir nod) bezeichnen, Wie ber SSerf." au? bem
aSerljältnifj »on SSefenntnif) unb Schrift ba? SBerbältniß »on ffatechiSmu?

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unb biblifcher ©efchichte, beibe »on ihrem ©entrum au? beleuchtet unb
beShalb in ihrer ©inheitlichfeü barftetlt. Sie Wtettjobe ift, obwol bie
53erfönlichfeit be? ffatecheten z" ttjrer »ollen töebeutung fommt, Weber
überfchäßt noch unterfchä&t, befonber? bie inbuftiöe, genetifd)e nach ihrem
bilbenben Aierthe gemürbigt.

Orgel, Die. Monatsschrift für Orgelmusik und Kirchengesang. Unter
Mitred. v. Jak. Gruber red. v. F. Lubrich. Ev. Ausgabe. 1. Jahrg.
1889 —90. 12 Hefte. Leipzig, Klinner (gr. 4). ä 1 Mk.
Sie 33erlag?hanblung will mit biefer SWonatSfchrift ein gachbtatt für
Drganiften unb ffantoren in? Sehen rufen. Wiufifbeilagen foKen „neben
ben bebeutenbften ©rzeugniffen ber ©egenmart auch bie Schöße ber alten
ÜWeifter nach unb nad) zu9ä»9lid) machen". Sa? leßtere wirb bei ber
großen gütle biefer Schäße unb bem immerhin befeßränften Waume
fotdjer ültufifbeilagen mol feine Schwierigfeiten haben. Sie bem erften
§efte beigegebenen zwei SOcufifbeitagen enthatten nur neue Stüde tbeit?
für Orgel, theil? für©efang; fie finb bon mittelmäßigem SBerthe. Auf-
fällig erfcheint in ber fleinen SWotette für gemifchten ©hör: „Wachet bie
Sßore weit" »on ©. ganfemiß bie ziemlich auSgiebige SSermenbung be?
AJorte? „Sela" al? ©efangStert. ©in SBort, ba? al? mufifalifcßeS «eichen
angefehen zu werben pflegt, in ben Sert eine? firchlicben ©efangSftüde?
mit aufzunehmen, bürfte mol eine neue ©rfefietnung auf mufifalifchem
©ebiete fein. Sa? un? »orliegenbe erfte §eft trägt z»fl'e'd) ben Sitel
„©»angelifche Ausgabe", hiernach feßeint aud) eine „ffatßolifcße Au?«
gäbe" in AuSficßt genommen ju fein. Db ba? bazu beitragen wirb,
biefer neuen WonatSfcßrift ein cßarafter»oIle? ©epräge zu geben, will
un? feßr fraglich erfeßeinen.

Wötßig, S3ruuo, Ser eoangelifcht ffireßengefang unb beffen Pflege. SBom
praftifeßen ©eficßtSpunfte au? beleuchtet unb al? eine Anregung zur
©rünbung »on ©pßoraloerbänben ber ffireßenchöre in ber fäd)fifchen
SanbeSfircße »eröffentlieht. Weißen 1889, Säcßf. Scßulbuchh. ».
^aefer (27 ©. gr. 8). 25 IBf.

Ser SBerf. Will bureß biefe? Scßriftcben Zur ©rünbung »on ©pßoraloer-
bänben ber ffirchencßörc anregen. Au? warmem, für ben ffireßengefang
begeiftertem ©erzen ift alle? gerebet, unb praftifeße SBinfe Werben reichlich
bargeboten. _

Heue Sdjriftnt.

(Unter i)ie(er IRubrit seigen mir un« jugebenbc Sd)rifteu, neue außagen ic. an, obne bie?
lebod) immer im Sinn einer befonberen ®m))fcblung ju ti)un. Sie Selbrecbung einjelner
Sdjriften beljaiten mir un« bor.)

ffübel, SJSrof. Dr. W., lieber ba? SBefen unb bie Aufgabe einer bibet-
gläubigen Sßeologie. 2. neu bearb. u. »erm. Aufl. Stuttgart 1890,
Steinfopf (88 S. 8). 1 Wt. Siefe Schrift be? SSerf. ber „©ßriftl.
föebenfen »on einem Sorgenbotlen" (1. —3. Aufl.) ift in biefer
2. Aufl. ftarf »ermeßrt, weiter unb populärer ausgeführt. Ser ernfte
©egenftanb ift: ob bie cßriftliehe ©emeinbe ißren'feften ©runb habe
in bem ©tauben ber Apoftel »on ©Ott unb Offenbarung, ober ob
fie umgetrieben werben bürfe »on ber llnruße einer mit jebem
Wenfcßenalter »erönberten „Smiffenfcßaft".

Seßnebermann, Sic. Dr. ©eo., Sa? moberne ©hriftentßum, fein Wedjt
unb fein Unrecßt. ©in SSortrag, auf ber SreSbner SSaftoralfonferenz
geß. unb auf »ielfacße? SSerlaugen naeß bureßgängiger lleberarbeitung
unb ©rmeiterung in ben Srud gegeben. 2. Abbrud. Seipzig 1890,
©inrieß? (46 S. gr. 8). 80 SBf.

SBort, ©in, zum grieben in bem confeffionellen ffampf ber ©egenmart
»on einem e». Sßeologen. 2. »erm. Aufl. (Siebente? Saufenb).
granffurt a. W. unb Suzern 1890, goeffer Wacßf. (II, 64 S. gr. 8).

©d»mib, em. Waftor U. W., Sa? SBefen ber SSurfcßenfchaft auf gefeßicht»
licßem ©runbe unb mit ©ilfe öieler Originalbeiträge für ade ©e-
bilbete, infonberßeit ©Item, ©rzießer, ©ßmnafiat- unb llnioerfität?-
leßrer unb Stubenten. 2. neu bearb. Aufl. (4. AuSq.). gena 1890.
Woßle (226 S. gr. 8). 2. 40.

Ireutnwnn, Dr. W., ©ebücßtnißrebe zum 6. Wo». 1889, bem SobeStage
be? ffönig? ©ufta» Abolf »on Schweben unb bem StiftungStage be?
©ufta»=Abotf.SSereinS. ff um SSeften be? ©ufta» Abotf-SSerein? bem
Srud übergeben. Wiarienburg, ©iefom (16 S. 8). 20 Wf.

Scßwarj, Dr. Wemb, (ffömgi. tpfarceri, Sie Aufgabe be? gciftlicßen Amte?
gegenüber einer ffeit, wie bie unfrige. gnftadationSprebigt, geß. in
ber Stabtfircße zu ©efree? (S3at)ern) am XXII. S. n. Srin. 1889.
Auf »ielfacße? Verlangen bem Srud überlaffen. flauen i. SS. 1889,
Weupert (in S. gr. 8). 20 Wf.

gride, S. A3, (qjaftor u. SBorfteßer be? Stepßanälttft«), ©in SSÜcßlein »om
heiligen ©ßeftanbe unb ma? bazu gehört, ©ine Auslegung be? feeßften
©ebot? für SSraut- unb ©helente, auch für ba? lebige SSolf. 2. Aufl.
©anno»er 1889, SSucßbr. be? StepßanSftift? (71 S. 8). 50 Wf.
(mlb, A. («eltor in Saflei), Sie ©rzießuug ber gugenb zur Sittticßfeit.
©in SBort an ©Item, ©rzießer unb gugenbfreunbe. SSeilage:
„Offene? Waßnmort an bie SSäter!" Wittenberg 1890, W. ©errofö
(15S.gr. 8). 15Vßf. V

©erf., Wolfsbilbung?«, SSolf?erziehung?«unbS3olf?mohlfahrt?beftrebungen.
©in Aufruf an WoltSfreunbe. ©bb. (16 S. gr. 8). 15 Wf.

tCerf., Sie gortbilbung ber Wiäbcßen nach ber Schulzeit. SSortraq. 4. Aufl.
©bb. (16 S. gr. 8). 15 Wf.

Sur geierftunben. ©r?g. »on A. ©ilb, Weftor in ©affel, unb gr. tyoXaä,
ffreiSfcßulinfpeftor in SBorbiS. 3. gaßrg. 1890. ©bb. (»iertclj. 3 ©efte,
80 Wf.). SSidige? Sefematerial für SSolf?. unb Scßülerbibliothefeii.
SSeim ©erannaßen ber Konfirmationen fei auf folgenbe Scßriftert

aufmerffam gemaeßt:
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