Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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Itr.10. fleißig, htnl.Mfa) 1890*

nierMiäßrlief, l^;25 ^; -© (Bx^mi jcör« Zxtiiw.

jlnrErfttinsgElmljr pr. gjcfp. JMtfimlE 3ü }£>f. |

(ExpEbition."
Rüninapraris Hr. 13.

8um Kampf um bie ©ottöeit Efitifti in ber ®enm.
wart. II.

Kranke, Karl Chrn. Frdr., Vorlesungen Ob. das

System der Philosophie.
Kaweran, Frof. D. Gust., De Digamia Episco-

pornm.

SSauin, grbr., Sirdjenocldjidjte für boä ebangel.
Vau«.

CDU)'«, Emil, Sammlung hon geiftlidjcn ftofunD
rcben.

«Olatb, K- 47 Ehrn-, Eine neue SReife nad) 3nbien
SBibelmert für bie ®emeinbe.

fReurüe tlieologiidie Siteratur.
Sd)ulpregramme.
Reitidiriften.
ißeridiiebeneS.
antiquarifnje Kataloge.

a c n-. icukdt nri...:ft: :.. i.. ^„„«.„„m-f S 3" ber eroen *f* gmeifeüog bort ber ©rfeßeinung Seßobaß'g 3ef. 6 gefagt:

j als „bie SBerföniicßfeit, bie er feßaute, mar (unb groar: nur, augfcßließlicß)
@g tßut ung oufriditig leib, fofcfte Süugfteüungen bei einem SBucße J bie »Berfönticßieit beg Soßneg"? 9Inberg auggebrüdt: mürbe 3oßanneg,

morben gu muffen, beffen entfeßiebener ftfiriftqläubiger Stanbpunft unb
beffen offene Spracßc ung fo fßtnpatßifd) ift, ja fogar, bei roclcbem mir
oft facßiid) einberftanben ober bort) für bie gegebene Anregung banfbar
finb, aurb reo mir ba« miffenfrbaftiidje SBerfaßren nid)t billigen fönnen;
gang abgefeben Pon bem großen 5y(eiß, mit roeldjem in einer SBotlfiänbig«
feit, bie fonft faum Porbanben ift, bie SBaten gufammengeftellt finb, Pon
benen aug bie grunbmirbtige fjrrage, bie ©entralfrage ber ganzen Xßeo«
fogie entfdiicben merben mufj. ®ag große SSerbienft beg SBucßeg ift, bafj
eg mit feinen STaten groingt, auf bie fyrage: ift ©ßriftug ber 3eß°m>ß
beg 91 St.? eine Slntmort gu geben, roeltbe meber Börner nod) $äßne bat.
SBer SBerf. feinetfeitg bejabt bie grage, mie mir gefeben, mit aller ©nt*
fcbiebenbeit unb erinnert in Pietem an Slingenborf, namentlidj mit ben
freiließ nirbt au bie bebenfticben Süeußerungen beg lebteren binreirbenben,
aber faft an pßiiofopßifcße Sünfeßauuttgen pon ©ott aig xö 6v u. bgi. er-
innernben 9lugfprücßen über ©ott ben 93ater, baß berfetbe für ung gang
unerreidjbar fei u. bgi. (g. SB. I, 371). SBebauert baben mir, baß ber SBerf.
bei feiner viugfüßrung über bie Sbentität Pon tXtjriftug unb Seßooaß auf
neuere pofitio.tßeologifdje SBeßanblungen biefer fjrage nirbt eingegangen ift;
mir erinnern nur an ©rau, „®ag Seibftbewußtfein 3efit" unb an bie
fiommentarc gu 3oß. 12, 41; 1 Kor. 10; $>ebr. 1 jc, mooon gleicß meßr.

SSag aber feine Sünfcßauung felbft betrifft, fo märe eg ein unricßtiger
©inbrud beg SBigßerigen, roenn man meinen wollte, ber SBerf. benfe fid)
biefe Sbentität ©firifti mit 3eßobaß in lebiofer SBeife, melcße eine ©nt«
mideiung beg Offenbarungggotteg fsifc venia verbo) augfcßließe. SRein,
man mi'rb mandimai an granf'g fflnfcßauung Pom SÜSerben einer SRenfeß«
ßeit ©otteg u. bgi. erinnert, roenn man Stellen lieft mie fotgenbe (1,125 f.
u. 151): „$er SRame ift (im 91. ST.) bie Porerft nocß im SBorbereitungg«
ftabium begriffene, aber in ©iauben unb Hoffnung gtoeifeliog erroartete
©rfeßeinung beg Soßneg ©otteg, eg ift bie mit bem ©amen 9ibraßam'g
eingegangene SBerbinbung beg Soßneg ©otteg b. ß. ber ©ßriftug . . .
©>er ©ßriftug fcßlnmmerte nacß feiner TOenfeßßeit in bem SBolf Sfraei. . .
3nbem ber SlRritfrßenfoßn (nadjßer ßeißt eg: bie menfcblicße Seite beg
©ßriftug), bag böcßfte unb ebelfte SJ3robuft ber gefammten äRenfcßßeit, ficß
auf allen ©ntroideiuitggftufen unter bem beftänbigen SBarüberfcßroeben,
SBeben unb ©inroirfen beg Soßneg ©otteg befunben ßatte, mar ber
©ßriftug immer fdjon bageroefen, er ßieß bamaig ber Süame. Siber alg
nun ber cigeuttidte fDienfcßenfobn unter ber intenfiPften, gleicßfallg
frßBpferifdjen ©inroirfung ©otteg in bie ©rfdjeinung getreten mar unb
ber Soßn ©otteg eine perföniirße SBereinigung mit biefem SDcenfcßen-
foßn eingegangen ßatte, ba mar nun ber ©ßriftug alg eine firßtbare
SPerfon ba". Cb in biefen SJBorten eine fiar Pon^ießbare, ob nießt min«
befteng eine ftarf neftorifirenbe ©ßriftoiogie ßeraugfoßaut, iaffen mir ba«
ßingefteüt, unb fügen Porerft nod) bie Stelle II, 271 ßinju: „©ßriftug
ift ^eßooaß auf ben perfeßiebenen Stufen feineg ©ingeßeng in bie
sjrieufcßßeit, er ift ber menfeßroerbenbe unb menfeßgeroorbene ^eßoPaß"
(bgi. II, 43). Jln allen bergieießen SHugfüßrungen beg SBucßeg ift bie
9Irt beg miffcnfcßaftiicßen Sßerfaßreng feine geminnenbe; mit Säßen, mie
j. SB. II, 195: "3ß Seßobaß nitßt ber, meießer im 91. 1. ber ©ßriftug
ßeißt, Wer ift er bann? bann ift ^eßobaß nießtg, unb bann ift and)
©ßriftug nidjtg" werben Wol manrße Scfer eßer abgeftoßen; aber troßbem
muß man mit ben barin entßaltenen faeßiießen Sünfrßauungen fid) aug«
einanberfeßen.

®ie SBebeutung beg SBucßeg, Wir roteberßoien eg, liegt barin, baß eg
ung imingt auf bie fürage über bie gbentität ober SRicßtibentität beg neu«
teftamentiirßeu unb beg aitteftamentiießen Offenbarungggotteg ung fiar
fdjiüffig in madjen. 9Jtag eg mit ber SBeßauptung, baß bie SBemeife für
bie SBejaßung biefer Srage im SR, I. „>n faft unfontroüirbarer SWenge"
fid, finben (11,85), fteßen, wie eg wolle - mx Wtn ba* ©eflentßeil
für rirßtig - jene ^auptfteUeu, Wie 3oß. 12, 39 ff (II 227 ft),1 Kor 10
(11, 3()l ff.), £ebr. 1 unb fonft (II, 350 ff.) muffen fiar gefteiit merben.

menn er in uuferer (ogifeßen Stugbrudgroeife fid) erginge, ßier ein aut aut
anerfennen ober, wenn man lieber roiH, ein non ~sed? SBürbe er bie
grage: frßaut Qefoja entweber ben SBater — ober ben Soßn? fo be«
antworten: nießt ben SBater, fonbern nur ben Soßn frßaute Siefaja? ©g
ift ung jroeifeHog, baß Soßunneg nießt fo perfaßren, nießt fo antworten
mürbe, ©in foicßeg aut—aut, bejm. non — sed roiberjpräcße feiner gangen
ülnjrßauung, beren ßierßergeßöriger §auptfaß ift: ber SBater bureß ben
Soßn, ober beffer ©ott (o 8eo;) bureß ben öogog unb im Sogog. gg
ift ung groeifellog, baß bie Raffung jener Stelle, mie fie Pon jeßer bie
pofitiPen Sßeoiogen Pertreten ßaben, bie rießtige ift. Sffienn j. SB. Sutßarbt
bei Rödler gu goß. 12,41 (pgi. aueß ffieiißjd) ju 3ef. 6) fagt: „odejav airoö
b. ß. ©ßrtfti in feiner aitteftamentiießen SBoraugbarfteüung", fo meint
er bag fießer nießt im Sinne unfereg SBerf., nämlicß fo, baß ber erfeßei«
nenbe Saßoe ber präejiftente ©ßriftug unb nur biefer geroefen fei, fon«
bem rooi mit ung in folgenbem Sinne: alle ©rjrßeinung ©otteg (beg
SBaterg) erfolgt bureß ben Soßrt^ (ben Sogog), unb bieg oon ülnfang ber
SuJeit an; bie altteftamentlirße erßeeßina fobann ift eine fpecieße Sffieife
ber Selbftbarfteüung ©otteg bureß ben Soßn, worin feßon in porbereiten»
ber SSJeife etroag Pon bem Seben gum Siugbrud unb gur SBarbietung
tommt, bag bann im SR. St". ©Dtt bureß ben SDIenfcßgeroorbenen Poll er»
fdjloffen ßat. Unb begmegen ift bie ©rfeßeinung QaßPe'g Qef. 0 beibeg
in ©inem, ©rfeßeinung beg SBaterg unb beg Soßneg, unb gefaja ßat
©ßrifti §errließfeit eben fo, mie fie überßaupt bamaig gu feßauen mar, b. ß.
gufammen mit ber beg SBaterg gefeßen. ©Sag aut-aut eriftirt nießt. 3a,
mir fönnen aueß bie Sacße fo barfteüen: ber offenbare ©ott ift immer
ber Soßn. vlber ber Soßn ift nie oßne ben SBater; eine fogufagen äußer«
ließ Pom SBater fdjeibbare SBerfon war er erft feit feiner fWenfcßroerbung,
unb boeß fagt aueß ber tRenfeßgemorbene 3oß. 14, 9: „SBer rnieß fießt,
fießt ben SBater"; unb 3oß. 10, 30: „3cß unb ber «ater finb eing".
SBoüenbg wer ben nod) nießt menfeßgeroorbenen Soßn feßaute, mie 3ef. 6
nacß 3oß. 12, feßaute ben SBater. SBaß ßier ©eßeimniffc beg ©ottegmefeng
unb ©ottegiebeng boriiegen, bie, gumai bei ber feßon Pon SHuguftin be«
fannten Ungulängiicßfeit unfereg SBcgriffg $ßpoftafe, ßlerfönticßfeit ic. für
©ott, für ung auf ©rben eben ©eßeimniffe bleiben merben, braueßen mir
gewiß nießt erft gu Jagen. Süßer menn bie SBibei „Sater", aueß „unfer
SBater" fagt, fo meint fie nießt ©ßriftnm. Specieü bie aitteftamentiießen
Scßriftftetten, mie Sefaja in Sfap. 0, menn fie oon 3aßbe, bem ©ott
Sfraeig ic. reben, fo miffen fie nießt, baß bie Offenbarung beffeiben bureß
ben Soßn ergeßt, bie Jfjerrlidifeit Seßooaß'g in gemiffem Sinne bie beg
Soßng ift. SRan fann an einigen Steflen Sflßnungen biefeg ©eßeimniffeg
finben, aber roenn bie aitteftamentiießen Seßriftfteüer „SaßPe" zc. fagen,
o meinen fie ben ©inen ©ott, ben wir ©ßriften ben SBater nennen unb
roeleßer fons et pnneipium deitatis ift. Unb Wenn ber SBerf. fagt, alle
©ottegoereßrung Oon Sünfang an fei ©ßriftugoereßruiig gemefen, ein
Sübraßam, ein $aoib ic. ßaben ©ßrifto gebient, fo ift bie feßr reiatibe
SBerecßttgung biefer neuteftamentiießen Deutung aitteftamentließer SBer«
ßäitniffe bureß bag ©efagte moi genügenb erßedt. ©ewußt ßabeng biefe
2Ranner jebenfailg nießt, baß fie bem Soßne ©otteg bienten, obgleieß
Steilen mie SBf. HO tnaßrfcßeinlicß bie Sißnitng oon göttlicßer ^oßeit beg
funfttgen SLReffiag entßaiten. ©nbtieß bie lieuteftamentlicßeii SeßriftfteUer
meinen unter „®ott" „bem SBater" „unferem SBater" eben ben, ben bie
Stircße bie erfte SBerfon in ber ©ottßeit nennt. Unb obgicieß fie aueß
©ßriftum göttlicß anrufen, ißre gemößiitirße SIBeife ift, mie g. SB. SBaulug
an ber Spifce faft aUer feiner SBriefe tßut(g. SB. SRöm. 1, 8; 1 Sor. 1, 4;
2 Sor. 1, 3; @pß. l, 3; SBßil. 1, 3), ©Ott bem SBater bureß ben Soßn gu
banfen, ebenfo ißn angurufen. SÖJtr ßoffen, baß bureß bag ©efagte aueß
unfere Sünfcßauung über 1 Sor. 10, bie Stellen beg ^ebräerbriefeg u. a.
(g- SB. feßon SLRarf. 1, 2 bgi. mit SRot. 3,1), mo bie aitteftamentiießen
bon 3aßoe ßanbeinben SHugfprücße oßne roeitereg alg ©ßriftum be«
treffenb Permenbet finb, beutlicß fein wirb; pgi. beg SJief. fiommentar gu.
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