Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

Zitierlink

85

86

©ßriftenbauS it)tn bantbar fein muß. 5Rid)t in trotfenem ffleleßrtenton,
fonbern in biühenbem Stil unb mit behaglicher »reite Wirb bie ©efmidüe
einer SanbeSfirdje unS gefcbilbert, in welcher permöge beS (SinfluffeS be«
beutenber gürften unb burd) ben »efiß ber Unioerfität £>etmftebt, lange
geit ber einzigen alma mater in ben welpfcßen Sanben, ein überaus
rege« geiftigeS Seben berrfcßte. (Kenn bie gewählte oorwiegenb bio«
grapßifcbe gorm ben ftrengen gortfcßrüt ber (Sntwirfelung bisweilen meßr
als wünfcbenSmertb, gurüdtreten läßt, fo wirb ber Verluft burd) baS
Sntereffe aufgeroogen, roelcbeS bie anfcbaulirben unb abgerunbeten ®e«
ftalten, bie ber Verf. uns oorfüßrt, naturgemäß erroeden. adeö, roaS
an Vorarbeiten borlag: Mehtmener'S Kircbenhiftorie; Stübner'S im 3-
1800 erfebienene „£iftorifa)e »efebreibung ber KircbenOerfaffung in ben
Apergogl. »raunfcbweigdlüneburgifcben Staaten", foroie gahlreidie Wono«
graphien bat ber Verf. forgfäitig benußt. aber er bat eS felbftoer«
ftänblid) babei nicht beroenben (äffen, fonbern 45 Seiten »emerfungen
(S. 674—718). welche bie Oueflennadiweife enthalten, liefern ben VeweiS,
mit wie emfigem gleiß er feit geßn gaßren alles burebforfebt unb ge»
fammelt bat, waS irgenbwie für bie braunfehweigifebe Kircßengefcbicbte be>
beutfam ift: bie Schöße ber archwe, (Regiftraturen unb »ibliotßefen
fomol als bie Veröffentlichungen in ben berfebiebenften ffeitungen unb
ifeitfebriften. — Der Stanbpunft beS Verf. ift ein milb lutberifcher.
5)erfelbe binbert ißn nicht, auch benfenigen ©rfeßeinungen, bie ihm weniger
fbmpatbifd) finb, gerecht au werben, inbem er fie auS bem (Seift ihrer
Seit heraus gu Perfteben fnd)t. greilid) nähert er fieb babei bisweilen
in bebenflieber (Seife bem ©runbfaße: tout comprendre, c'est tout par-
doimer. ©ewiß war bie fbnfretiftifdie »iebtung ber belmftebter gatultät
baran mit fcbulbig, baß gabriciuS, Oiedeidjt bona fide, ben Uebertritt ber
»ringeffin (Slifabetb ©briftine gum KatboliciSmuS beförberte. aber
„Vleitbergigfeü" unb „öfumenifdie ©efinnung" finb unS gu ebte fRamen,
als baß wir fie auf gabriciuS nnwenben möchten, unb mir glauben, baß
ber Verf. felbft hier atlju meitberaig gemefen ift. aud) über ©eorg
Ealijt, obwol bie „Sdjattenfeiten feines StanbpunttS" nicht öerfannt
werben, ift baS ©efnmmturtbeil bod) wol gu bitbbrambifd) gehalten, als
baß eS noeb jeßt auf üuftimmung reebnen fönnte. aber baS finb (Singet«
heilen. Die §auptfad)e ift, baß wir in Vefte'S Vueb ein Viert befißen,
welches niemanben im Stieb läßt, ber fieb über irgenbeinen »unft ber
braunfdjweigifcben fiirebengefebicbte orientiren will, eine grueßt echt
beutfeben ©elebrtenfleißeS, für bie wir bem Verf. öon fcergen banfbar
finb. »• »■

üBarneet, D. ©., Die Stellung ber epangelifchen ÜRifjton gut Sflapen*
frage, ©efcbiebtlieb unb tbeorctifd) erörtert. ©üterSloß 1889, »er*
telSmann (126 S. 8). 1. 50.
Diefe »rofdjüre, ein rechtes SBort au rechter Seit, entftammenb ber
geber eines bewährten SRiffionSmanneS unb gefdreieben gur »eleudjtung
ber rechten SteUnng ber ePangelifcfaen Wiffion gu einer ber brennenbften
gragen ber ©egenwart, ift ein neuer »emeiS bafür, baß bie Wiffion wie
Pon anfang an, jo aud) in unteren Dagen bie (Sobttbäterin ber Reiben»
Pölfer, bie gürfpred)eritt unb fRetterin ber Unterbrüdten ift. DaS bat
fie febon im anfang biefeS gabrßunbertS bei ber pon (Snglanb ausgeben

DomanSf», SBaltber (Vfr. git ®a(bie!t&era = 9ttuftrafen im Sürftenttiiim aBatbeet),
„.fjeilige »erge". geßn »rebigten, »erlin 1889, ©aertner (III, HO S.
gr. 8). 1. 80.

Das Vorbilb, meld)eS ©erot in ber brüten abtßeilung feiner „Salm-
Blätter" gegeben bat, unb ber anblict ber fdjönen, bemalbeten »erge
beS walb« unb bügelreid)en (Kalbed haben ben Verf. auf ben ©ebanfen
gebracht, „baß bie eilicjett »erge wohl Werth feien, aud) in einer
fortlaufenben (Reibe Pott »rebigten beßanbelt gu werben". (Sarum aud)
nicht? ararat, Worija, Sinai, |wreb unb anbere „heilige »erge" reben
eine gewaltige Sprache burd) baS, WaS bort gefdjeben ift. aber bem
Verf. bienen bie gefcßicbtlidien Dfjatfacben nur gur anfnüpfung ber ®e«
banfen, bie er auS ißnen ableitet. „(Sin griebenSgruß Pom »erge ararat,
ober ber fjerr benfet an unS", „eine Stimme Pom »erge Worija, obef
bu fotlft aud) bem $>errn ein Opfer bringen", „ein Donnerton Pom
»erge Sinai, ober t)aft bu auch immer baS oornehmfte ©ebot befolgt?"
Diefe Dtjemata geigen bie Vrt, wie ber Verf. bie heiligen »erge be«
ßanbelt. Sie finb ihm ©leidjniffe für baS VJirfen unb (Kalten ©otteS
im fLRenfchenlcben ober Vorbilber für baS Sehnen unb Streben beS
Wenfcben nad) bem lieben in ©ott. SSaS bem Dichter erlaubt ift, fteßt
nießt immer auch bem »rebiger gu. ©erof'S Sieber Pon ben heiligen
»ergen finb »falmen im höheren ©bor* «ach gnljalt unb gorm wahre
»oefie. Diefe feinen Siebern nacßgebilbeten »rebigten fcßlagen auch
einen höheren Don an, aber ißre poetifeße »rofa erfeßeint gar oft als
baS fJwangSfleib unpoetifeßer ©ebanfen. Der Verf. feßeint baS felbft
gefüßtt gu haben, gn ber erften »rebigt („Die »erge ©otteS", »f. 121)
(abließt er fieß an ©erot'S betreffenbeS ©ebießt felbft im SBortlaute ber
»artition („heilige Stille, ßimmlifche Stifte, ßeilfräfttge Kräuter, ßerr*
ließe 3Beiten") fo eng an, baß bie »rebigt nur eine Umbilbung beS ©e*
bicßtS ift. aud) in ben folgenben »rebigten finben fieß ©erof'S ©e*
banfen unb Verfe meßt feiten mieber, aber ber »rebiger macht fieß bod)
immer meßr Pon bem Dichter loS. gn ber Sinai«»rebigt ift ber Sinai
feßon blofe ©arnitur, baS (Bort beS .fjerrn Pom Porneßmften ©ebot
wirb ber ©runbton. Den „»rebigtberg" braucht ber Verf. nur, um
bort ein „Kleeblatt" (brei Seligpreifungen) gu pflüefen. £>ätte er nicht,
was er jagen wollte, tiarer unb nacßbrüdlicßer auf ©runb anberet
Scßriftterte fagen fönnen? »ßautafie unb ©eftaltungSgabe finb auch,
für bie »rebigt wirffame fjülfSmütel, aber fie bürfen Weber erborgt
nod) erfünftelt fein. Der Verfucß, „eigene SBege eingnfcßlagen unb ben
„©ßauffeeftil" gu meiben", ift bem Verf. nicht gelungen, fonbern bat ißn
nur bagu geführt, an bie Stelle ber naturwüchsigen Sinfalt bie fötanier
gu feßen. Vielleicht bürfen Wir aber ben eigentlichen »eWeggrunb, auS
Welcßem jener Verfucß ßerborging, in ber gelegentlichen aeußerung
ßnben: „Da Wollen alle biejenigen, Welche fid) gar flug unb Weife
bünfen, gleicßfam nur noch mit Jpanbfd)ufjen angefaßt fein, bamit nur
ja nicßtS ißre garten Ohren Perleße, waS fid) naeß bem alten treußergigen
©tauben ber Väter anßört; unb ba muß man allen benen, Welche nießt
meßr wie unfere Vorfahren in ber Schrift leben unb Weben, mit
»übern unb ©leicßniffen fommen, wenn ißre ©ebanfen nicht wäßrenb
ber »rebigt auf allerlei abwege geratßen fotlen" (S. 61). SBir füreßten,
baß bie „»über unb ©leidjniffe", fo wie hier gebraucht, bie ©ebanfen

ben »efämpfung beS SflanenßanbcIS unb ber großen SflaPenbefrciung n.ur no* ™& auf abwege füßren. Um ber 5&3id)tigfeit beS gu ©runbe

bemiefen, gu welcher fie an ißrem Dßeile Piel beigetragen ßat. Der
^auptgweef ber Schrift liegt in ber wohlgemeinten ernften Viarnung Bor
allen jaifchen Schritten gur Söfung biefeS gorbifeßen KnotenS, Bor allen
Dingen Bor ber Unterftüßung ber gweijelßaften Vorfcßläge beS KarbinalS
Saoigerie, ißn mit bem Schwerte gu gerbauen. Sie gerfälü in gwei
Dßeile: ber erfte banbelt oon bem Stlaoenßanbel unb ben heften SRitteln
unb SBegen gur »efeitigung biefer ©eifel ber afrifanifeßen Völferfcßaften.
§ier wirb befonberS bie Saoigerie'fcße gbee eines KreuggugS Pon feiten
ber SRiffiDn gegen bie Sflanenßänblcr in gnneren non äfrifa als anti*

liegenben »ringipS willen beben hnr noeß einen Saß auS: „(SS fann ja
nießt jeber folcß' einen »eruf fieß erwäßlen, bei Welchem er gänglicß in
ben Dienft beS §errn tritt, aber man fann bod) fo manches für feinen
©ott unb §errn tßun, fei eS burd) Unterftüßung Bon allerlei Siebes«
werten, fei eS aud) nur burd) einen frommen SBanbel, Welcher anberen
gum Vorbilb bient" (S. 4u). Sutßer ßat eS flar geftellt, baß jeber ©ßrift
in feinem »erufe gang in ben Dienft ©otteS treten fann. SBogu biefe
bie ©ewiffen Berwirrenbe einmifeßung beS römifdjen SittlicßfeitSibealS ?

_ 81). f.

enangeUfd, unb gwedwibrig Berworfen. Sine anbere Sache ift baS Sin« : m^ smm a»artin, Sin« ift notß! (SnangelifcßeS ©ebet«, »eicht«

unb Kommunion=»ud), inSbefonbere für Konfirmanben. (Sine »cit«
gäbe für'S Sehen, greiburg i. Sd)t., Seiber (IV, 216 S. 16 mit
einem Staßlftia)). ©eb. 1. 20.

gnbaltlid) mannicßfaltig unb jebem etwas bringenb, empfiehlt fid)
baS »ua) in erfter (Reiße als KonßrmationSgefcßenf. abgefeßen baPon
wirb baffelbe aud) als »litgabe für'S Seben um fo meßr greunbe
finben, als eS gugleid) ein allgemeines ©ebetbua) erfeßen foU unb in

greifen ber SBeltmäcßtc; aber auch fie ßat nur bann auSficßt auf nad)«
haltigen (Srfolg, wenn eS gelingt, bie »unbeSgenoffenfcßaft ber afrifaner
gu erwerben. DieS ift aber nur bann möglich, wenn bie afrifaner »er*
trauen gu ben europäifeßen Wächten haben. Diefe VertrauenSfteUung ber
eingeborenen gu ben Suropäern wirb burd) nichts fo feßr beförbert, als
burd) bie SLRiffion. Der gmeitc Dßeil ßanbelt oon ber »efeitigung ber

S^^^l^^t^^-J^^^J^ S8et?0la bieH ^ QU* unb^benbanbaeßten in oier*

ffifLÄae marat b« «JTh « 8 Z,m , " sn? 1 ™öd)entlicßer abwecßSlung, geftbetraeßtungen unb ©ebete für Berfcßiebene
Sflaoenfrage warnt Ber Verf. oor ädern rabtfalen, reoolutionaren Vor« i SebenSlagen bringt,
geßen unb cmpßeßlt, baß aud) bie heutige Wiffion in (Rachabmung beS '

apoftolifcßen VorbilbeS burd) ihre langfame, baS Volf innerlid) erneuernbe ] Spengler, Jöcinr., Der «eine »ilgerftab. Worgen« unb abenb*anbad)ten
©ebutbSarbeit in Seßrunterweifung, in auSgeftaltung eines rechten cßrift* nebft ©ebeten für befonbere Reiten unb Verßältniffe beS SebenS. Viele*

ließen ©emeinbelebenS, in Sb3ertßfd)äßung ber arbeit unb wo nötßig, 1 felb u. Seipgig 1890, Velßageu & Klafiug (VIII, 396 S. gr. 8). 2.50.
aud) ernfter ©emeinbegudjt gegen auSfcßreitunqen licblofer fiärte bie 1 k ®te'.eJ Meine »ilgerftab" ift nießt etwa ein auSgug unb abbrud aus
fchlicßliche »efreiung ber SflaBen burd) bie Staatsgewalt innerlid) Bor« \ bem.8«6eren »ilgerftab" fonbern eine neue arbeit beS Verf., ßerBor«
bereite Der L w,.f,«nn heinetcinte OiiTwennnAm.ia ^ ' . . "7 fT gerufen burd) ben wüberholt an ißn herangetretenen 3Bun a), ein äßn.
Schri^ einige feltene ma af)er bidigereS (Bert für weniger bemittelte Sefer gu erßaüen. ©eine

rfon »«Df'aubig abgebrueft finb, maeßt baS Scßriftcben nod) wertß* , »efäßigung fowol in auSWaßl beS »eften aus bem großen ©ebiet ber

et- —m— ©rbauungSliteratur wie in §ingufügung Pon (Sigenem ßat ber Verf. in

___ I feinem obengebaeßten größeren (Kerfe („»ilgerftab, Worgen« unb abenb*

anbaeßten für baS gange 3aßr"), baS in geßn gaßren aeßt auflagen er*
lebt ßat, bewiefen, unb es genügt baßer, auf biefe neue arbeit ßinguweifen.
loading ...