Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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Hr. 9. &tmH, fo" 28. Mxut 1890.

Iljeoloijifdies £tatutblittt

Praa »iErlrlfäßrlinj 1 IM. 25 Pf.
UnfErfinnsgEbüßr pr. gE|p. JMifiEÜE 3<> 13f.

(SrrdiEtnt jeden Freitag. O-

(ExpEbtfton:
ßöttißepraBE Hr. 18.

8um Kampf um bie ©otttjcit (Ebrifti in ber ®tgen-
matt. i.

Knudtzon, I. A., Om det saakaldte Perfectum

og Imperfektum i Hebraiek.
SBefte, 3ob«., ®efd)id)te bet btaun(djroeiBi(d)en

Siaubcstitdje.

Söarnetf. D. ®., Sie Stellung bet e». TOifflon.
Düinnnfifn, fflialtber, „.»eilige Berge".
SP® uff, TO. eins ift nonY
Sbcngler, Set fleine ißilgerftab.
acbeiiäetinnetnngen eines beutfifjen TOoietS.

iTieneite tbeologitcbe ßitetntut.
Uniberfltätäfdjriften.
»eit(d)tiften.
Sjerfdiiebene«.
füntiquarifdje Kataloge.

Mm lam„f «m Me «ottljrit Wf» in ber 05e9en«,art. J.gr* ^^£n »« * ^g^bÄS

ift burcß unb burcß cßriftliche Beßre (3.4); eS ßanbelt in allen (einen

I.

Wach Kaftan („RaS SBefen bet cßriftl. Weligion". 2. ülufl., 3. 333)
ift bie göttliche, SBürbe ber t>iftorii"cx>ert Werfen dßrifti bie Karbinalfrage
beS dhriftenthumS. RaS ift ein SUort, ba8 un8 nur freuen fann. Wan
fietit baran, baff bie moberne Rheologie ba8 dentrum ber cßriftlidien

Rßeilen bon dßrifto (3. 15), ift a unb de Christo. Renn ©bfiftu? ift
ber QehoDaf) be8 Ä. R., ber Siater unb ©eift haben fid) nicht geoffenbart,
e8 gibt nur (Sine Offenbarung unb (Sinen DffenbarungSgott, ben Soßn
(©.42). ^weiter hX^eit: ba8 jleugniß ber sq. Schrift unb ber Kirche.

SBahrheit in Angriff nimmt; ber Stampf, ber gefämpft roirb, geht heut- «bfcgnitt : ba8 fjeugniß dßrifti unb ber SIpoftel ober 9Jeweife au8

inlage nicht meßr bie außenwerfe, fonbern bie innerfte 33urg beS ©grifien- i bem g£, f£. 9(ud) hier werben färnrntlicße Schriften be8 W. R. auf bie

tßumS an. aber ein heißer Stampf ift es, unb biejenigen pofitioen unb
fonferoatioen, biblifch-firrhiichen Rbeologen, toelche nüchterne 9Jiffenfd)aft
mit roärmftem fyefthalten be8 alten ©laubenS p Derbinben furhen, finb
gegenwärtig in ber Sage, nicht blo8 nach linfS, fonbern auch nad) red)tS

hierhergehörigen Raten unterfud)t unb befonberS goß. 12, 39 ff. (ber Werf,
fcßreibt immer Stabot ftatt Stabob, 8oej«), fomie bie ©teilen betont, roo
altteftamentliche, auf Sahne bezügliche auSfagen ohne weitere« aI8 bon
dhrifto ßanbelnb genommen werben, befonberS 1 Kor. 10, 1 ff., $>ebr. 1 tc.

fid) ju wehren. Raß bie Wrt bon göttlicher Söürbe, welche Kaftan ober | gjj,^ ^:er rojrb ausführlich p zeigen berfucbt, baß ber „unfer Water" be8
Witfehl ober Sq. ©chulß über Weßfeblag u. a. unferem $errn binbiciren, j .fjerrengebet« dhriftuS fei (S. 98-136); ganz merfmürbig ift bie Re«
tbenfo wenig ber Schrift aI8 ber Beßre unb ber fyrömmigfeit ber Kirche ; bufnon ©. 129 ff., baß bie ©teilen, wonach ©Ott ber Water angerufen

gerecht wirb, barüber ift unter ben üiofitinen fein Streit unb fann nie-
mal« Streit fein. Db fie igrerfeitS mehr in analgtifcher (Sntmicfelung
ber hiblifchen SeljranSfagen bon dhrifto, wie Werf, ©eß, 9tef. u. a. ober
mehr in ber SBeife ber firchlich-fguthetifchen Seßrgeftaltung, wie Wßtlippt,

werben foK, bod) eigentlich auf ben Sohn gehen: „eS ift zwar ©Ott ber
Water, bie erfte Werfon in ber ©otttjett gemeint, ihm follen mir banfen.
aber baß ber ®anf bireft unb unmittelbar an ihn gerichtet werben fode,
baS fann nicht gemeint fein, unb ift auch nidft gemeint". STHcht blo8

JhomafiuS, ffiahni«, Sutharbt, ^ranf u. anbere ober mehr in Sin- | bag nj_ j-^ ^ sg gjau[ug ^at bl,n Cpcrtn cj,ejum g(,riftum/ a6er nur aW

näherung an bie 3Rgftif, wie Schöberlein u. a. borgehen, ob fie auch mehr j (jjotI/ iiUn(eten SSater" genannt (3. 131), fonbern auch, „ein Sfraclit hat

ober weniger fenotifchen gbeen fRaum laffen: in ber ffefthaltung ber n,e }u ®ott gebetet, fonbern nur zu bem geoffenharten ©Ott, SSepobab,

wefenhafteu, jctjt f. g. metaphhfifrhen ©ottheit beS ©ohne« finb fie einig, | bcm vfiamm fjehobah'S, b. I). dhriftuS" (S. 240). gmeiter «bfchnitt:

SIbcr nunmehr ift eine Ueberfpannung biefer orttjobojen «Jofition auf- bag ^engniß ber Stirdje ober SBemetfe auS bem a. SC. i'baS fotl heißen •

getreten unb fünbigt fid) mit dnergic als bie einzig echt biblifcbe «egre 0u8 bem Sßerftänbnifi beS S. %. in ber Stirdie). ®ie Stircbe hat Weniger

an, unb wirb bon 9Inbängcrn bereits (ngl. ben unten angeführten SSor- in ihren Spmbolen al« (sie) in ben iBibel.iparanelen.benSfapitelüberfchriften

trag ©. 33) als ein neue« Sogma promulgirt, eine Oluffaffung, bie an
ffinzenborf erinnert unb in bem ©ab gipfelt: dbriftuS-3ehooab. Wag
ben Sßofitiben, wie zweifellos ift, ber ©eift, ber in foldfen anfehauungen
rebet, auch fbmpathifcher fein als ber beS alten unb neuen Stationalis-
muS, fie müffen biefelbe als ebenfo frhriftmibrig wie unfird)tich ablehnen,
©ibt bie rationaliftifche dhriftologic zu wenig, fo gibt biefe dhriftologie
ZU niel. ®ie angebeutete anfehauung bertreten folgenbe Schriften,
bie Wir nicht fomol wegen ihrer eigentlich miffenfchaftlichen als wegen
ihrer fpmptomatifchen 93ebeutung nun näher befpredfen.
Wömhelb, S3fr. Ür. darl QuI., Theologia sacrosaneta. ©runblinien

ber biblifchen ®heoIogie für SUaljrheit furhenbe Uefer ber tp. Sdjrift

nachgemiefen. 1. 93b. ®er SRame ©otteS. 2. 93b. dhriftuS-gsehobah.

©otha 1888-89, Sd)loeßmann (Vin, 526 u. XIII, 616 ©. gr. 8).

17 Wf.

®ie ©runblinien ober bie zwei ©runbgebanfen ber biblifchen Rheo-
logie finb bie Dom „Warnen ©otteS", welcher dhriftuS ift, unb bie Don
dhriftuS als bem 3ef)0Daf); eS fjanbelt fid) alfo eigentlich nur um dine

unb bcfonberS in igren Siebern bezeugt, baß fie unter bem cjehooab, be8
a. SC. dhriftum berftanb. Rritter abfd)nitt: noch zwei ffeugniffe au8
bem 9t. SC: 2 Sor. 3 unb 3oh- 7, 37 ff. Rritter SCheil: dnbergebniffe.
9Jlicf in bie ©egenmart unb fpfunft. Wicht auf ben SCt)ei8muS (ber a(8
blofer SCheiömuS z"nt atheiSmuS führt), nicht auf baS abftraftum
„dhriftenthum", nicht auf bie Kirche, ©ittlichfeit ?c, fonbern nur auf ben
lebenbigen dhriftuS.gjeöobab hat (ich bie ©emeinbe z" ftüfjen unb auf
ihn zu hoffen.

®aS originelle, frifd), lehenSbofl unb fromm gefchriebene 93uch wenbet
(ich nicht an ben fpeeißfehen, theologifcp-miffenfchaftlichen KreiS; unb baS
mag feine Dielen SBieberholungen, feine große SJJeitfchmeißgfeit, feine
Wifchung Don lehrhaften unb erbaulichen WuSführungen (ber 9Jerf. fügt
Z. 93. öfters ganze Sirchenlieber in extenso zwifahen feine Erörterungen
ein) entfchulbigen, ja biefe digenfehaften ber SCarfteuung, welche bie
Seftüre etwas ermübenb machen, fönnen bielleicht fogar manchmal für
ben fjwect, ben ber 93erf. »erfolgt, förberlich fein. aWandje ber praftifeh-
chriftlichen abfehnitte unb djfurfe finb feb,r fdjön, einbringlid) unb leb,r-

a3ahrheit: dhriftuS ift ber eigentliche 93ibelgott (II, 41 ff.). RieS weift reich. Rer 55erf. ift ftreng bibelgläubig, hält fid) aber mehr in ber

nun ber 93erf. in folgenber WuSführung beS Wärjeren nad): 1.
Rer Warne ©otteS. 1. hXrjeil: ©ewinnung einer Unterlage für bie ftor«
fchung; ober: Dom Warnen ©otteS im h Rauffaframenr. Rie beiben
gormein „taufen in ben Warnen beS SBaterS, SohneS unb ©eifteS" unb
„taufen in ben Warnen dbrifti" finb ibentifd); benn „3efuS dhriftuS ift
ber Warne beS breieinigen ©otteS" (©.36). 2. Rfjeit: ber Warne ©otteS
in ber £>. Schrift. WlteS Reftament: „ber Warne" ift = ber offenbare
©Ott; biefer aber ift Don ®en. 4, 26 ab dhriftuS; dhriftuSbereßrung ift
bon änfang an unb burd) baS ganze a. R. ber dine waßre ©otteSbienft
(S. 67). Rer SSerf. befprießt ©cßrift für Schrift, ©teile für Stelle unb
bringt ein gerabezu riefigeS Waterial für bie fyrage Dom „Warnen ©otteS"
bei. WeueS Reftament: auch hier ift ber Warne ©otteS, ja felbft „unfer
»ater" (im Unterfchieb bon „93ater dßrifti") dßriftuS (©. 357 u. fonft),
ihm gilt bie Wnrebe im SBaterunfer (S. 367); ben »ater im Warnen Sefu
bitten heißt Sefum als ben Warnen beS IBaterS bitten, Qefum als ben
dßriftuS anrufen (©. 365). ©elbft ber Warne beS neuen gjerufalem
(©. 487), ber Warne beS 9iater8 beS SammeS ift dßriftuS (S. 495); benn
baS Samm, ber SWenfcbenfoßn, iß 3«fu*' ber ®otteSfoßn unb ©ott unfer
»ater in 3efu ift dßriftuS (»gl. ©. 357). 2. 93b.: dhriftuS-Seßobaß

Sinie ber pietiftifeßen als ber orthoboj-fircßlicßen anfeßauungen, bgl.
I, 208 f. 379 u. 393; II, 163 ff. dr fagt ). 9J.: „Rie officieHe Kircße ßat
(befonberS mit tßrer WechtfertigungSleßre) ba« Rogma abgeflärt unb e«
bann als „bie reine Seßre" gehütet. Ramit ßat fie bie aDerbingS aueß
notßwenbigen Sampen bewahrt, aber baS Oel ber bom ß. ©eift unter«
ßaltenen 3efuSliebe hat fieß in ben oft neben ber officiellen Kirche ßer«
geßenben Keinen Kreifen erßalten" (I, 379). Rer SBerf. wünfeßt 93erpflicß.
tung ber ©eiftlicßen nur auf baS apoftotifum (II, 415 f.), er fchilbert bie
©efaßren beS mobernen rßriftl. SBefenS, aueß ber inneren Wliffion u. bgl.
(II, 329. 548. 579 ff.) unb gibt feßr beßerzigenSwertße Wiaßnungen unb
SSorfcßläge in biefen unb anberen praftifch-cßriftlichen 93ezießungen. Weit
bem großentßeilS erbaulicßen dßarafter feiner WuSfüßrungen mag e8
aueß zufammenßängen, baß er ßier unb ba meßr, als bie eigentlich wiffen«
fcßaftliche Rarlegung geftattet, mit apobiftifeßen 9J3enbungen, wie z 93.:
„wie follte eS anberS fein fönnen"? u. ä. oerfäßrt unb ein „dntweber —
Dber" ftatuirt, auch wo bie exclusio tertii gar nicht fo ßanbgreißicß ift.
<£o z- 93. in bem ©aß, ber un8 in ben biblifcß-theologifcßen ©tanbpunft
beS 93ucßeS ßineinfeßauen läßt (II, 43): „Ras 1. R. ift nichts, wenn nirßt
ber Seßobaß ber neuteftamentlicße dßriftuS ift; baS W. R. ift nicßtS, wenn
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