Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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beutung ihrer üueüenfdjriften unb ihrer Rebattton, fetner SSorauSfeßung
ganj genau (©. 464—548). S^-Wea biefen Betben, uns Borneßmlid)
intereffirenben Abfcbnitten fteßt ein mittterer (6. 235—463), welcher fidt)
mit ber ©rflärung ber gefunbenen Queaenfdjriften Befdt)äftigt. 3n leß«
terem Xtjeile, namentlid) in ber Auslegung aBer ber f. g. chriftlichen Ur-
apofalbpfe jugemiefenen Rerifopen, finbet fich manches für bie Auslegung
recht ReachtenSwertße, wenngleich ©pitta auch in biefem SEbeite ohne alle
Jtritif gegen feine SSorauSfeßungen Oerfätjrt. 9Ran lann eben feine Partie
ber neutefiamentlichen Offenbarung recht würbigen, wenn man als ben
eregetifcßen ©runbfaß für beren Auslegung auffteEt, bafj ju ihrem 83er«
ftänbniß baS 81. SE. weniger beitrage als bie jübifdtje Apofalnptif. uTcöcfjte
ber SEßeolog boch ben Kritifcr einmal anleiten, tiefer über ben Unterfcßieb
bon Offenbarung unb Statur nachjubenfen, wie er Dffenb. 21, 6 unb
2 Kor. 5, 7 einmüthig angebeutet wirb.

©pitta'S ©rgebniß ift nun furj biefeS: Qu bem neuteftnmentticßen
Ruche ift eine chriftliche Apofalbpfe enthalten, welche, Bon ihm als U be»
jeichnet, 1, 4-6; 9-19; 2, 1 — 6, 17; 7, 9—17; 8, 1; 19, 9. 10; 22,
8—21, wenn auch "üfit ganj in biefer Drbnung umfafjte, außerbem aber
noch bon Dielen, bem Rebaftor jugemiefenen fleineren S3eftanbtheilett
burcßfeßt ift. SEiefelbe foH, bu für ihre Abfaffung ber terminus a quo
in ber ©efangenneßmung beS RauluS ca. 58, ber terminus ad quem aber
burd) 6, 9 bat? Refteßeu beS 33ranbopferaltareS in 3erufalem unb bie
Ricßtermähnung beS ErbbebenS in 2aobicäa im 3- 61 angegeben fei, bor
ber Reronifcßen 93erfolgung, unb jmar (unter Erneuerung ber einstigen
Sinnahme £)ißig'8) bon QohanneS 9RarfuS Berfafet fein, gür Reiben«
djriften beftimmt, fei fie auch ßeiben« unb felbft römerfreunblid). ©ie
brohe nicht ®erid)t, fonbern ermahne nur bie ©laubigen jur SEreue unb
berßeiße ihnen beren Slnerfcnnung felbft bei ben 3uben, ihren bisherigen
Sßerfolgern, unb bereittft ben Kranj beS SebenS.

daneben finb in ber lebten Schrift beS 9?. %. jmet jübifctfe Apofalbpfen
(Jl u. J2) berarbeitet. SEie erftere, fpätere, flammt auS ber Seit btS KaiferS
Kaligula. ©ie umfaßte urfprünglicß 7,1—3; 8, 1—9. 7; 11, 18.19; 12,
1 —14, 11; 16, 13-20; 19, 11 — 20, 13; 21, 1. 5. 6, abgefehen bon
chriftlichen RebaftionSein fchiebfeln. ©ie würbe oeranlaßt burd) bat?
Verlangen beS KaiferS, baß auch bon ben Quben in ihrem Tempel ju
Sferufalem feine ©tatue angebetet Werbe, bei welchem Reftreben er bon
einem Sauberer, Dielleicht ©inton 9JlaguS (8lpg. 8), unterftüßt würbe. SEer
in ihr rebenbe jübifctfe Apofalbptifer foB im Unterfcbteb bon anberen aus
berfelben SErangfatSjeit, auf welche fich 9Rattf). 24, 16—28 unb 2 SEßeff. 2
jurüdfüßrten, erwarten: Qfrael werbe unter feinem wahren Rropßeten
©amaliet fich unter allen Rölfern atletn bem SSiberfpenftigen miberfeßen,
unb bie berühmte Stätte SRegibbo werbe, wenn fich bann alle Rölfer Der«
fammeln würben, um Qfrael ju bernichten, burd) ben SJteffiaS unb baS
§eer beS Rimmels fid) ju einer ©tätte ber Rernicßtung geftalten, worauf
bann nach einftweiliger geffelung beS ©atanS unb ^erfteüung eines
taufenbjährigen glüdliehcn Reiches fid) bie ©cene mefentlid) wieberholen
werbe, um mit bem ©nbgericht aBjufehließen. SBa nun aber bie ©efcßiehte
anberS berlief, als ber Apofalbptifer eS fid) gebucht haben foB, fo muß
biefe jübifche ©cßrift um baS 3- 40 gefcßrieben fein unb für baS 3. 41
ben Eintritt ber Ereigniffe erwartet haben.

8lelter unb weit weniger fanatifd) ift bie anbere jübifche Apofalbpfe
aus ber geit beS RompefuS. 3hre SSeftanbtbeile (10, 8—11; 11,1—18;
14, 14—18; 16, 1 — 19, 8; 21, 9-27 unb 21,1 — 3, 15) btiden mit Ruße
auf 3fraelS Unterwerfung unter bie römifdje §errfd)aft. SEaS SutunftS«
ibeal biefeS ApofalbptiferS fei baS heilige Rolf unter bem König ©Ott.
SEer größte Slnftoß für ihn fei bie Entweihung beS Stempels burd) haS«
monätfehe Rriefter unb bie fittlidje Entartung ber SSeltftabt Rom. 35a«
rum hofft er auf eine Born fjimmel jur Erbe fahrenbe ©tabt, bie felbft
ber Tempel fein wirb, ba ©ott unter feinem 33o(fe wohnt, unb auf ein
$5euergerid)t über Rabel>Rom wie einft über ©obom unb ©omorra. 9luS
Rom follen beShalb alle 3uben ausgehen, um jum neuen 3eru[alem ju
fommen, in bem aud) Reiben nad) Reinigung unb Opferung ihrer ©cßäße
weilen bürfen. SEie 9Rögli<ßfeit einer foldjen Anfcßauung für jene gtit,
welche nad) ©pitta'S Urttjeil ben chriftlichen Anfcßauungen befonberS naße
fteßt (©. 472), Wirb aufs beftimmtefte in Sibrebe ju fteMen fein unb
tann auch burch bie erhabenften ©teilen ber f. g. Rfalmen ©alomo'S nicht
belegt werben.

35er Rebaftor beS ©efammtbucßeS enblid) lebte ju einer weit fpäteren
geit, in welcher bie Ehriften bereits nicht mehr Bon ben 3uben, fonbern
Dom chriftlichen fRom blutige SJerfolgungen 0u erbulben hatten. SBeil
3erufalem bereits gerichtet ift, fo beUeßt ber fRebaftor aDeS, was oom
5£empel urfprünglid) gefagt war, auf bie Ehriftentjeit unb baS SBilb beS
SCBierS aus J', welches er auS ber Unterwelt auffteigen läßt, auf ben
Ehriftenmörber fRero, ber nad) feiner fRüdfeßr aus fRadje gegen feine
geinbe fRom mit geuer oernichten werbe, felbft aber Bon EhriftuS, bem
Samme, befiegt werbeu wirb, worauf baS fReid) ber .fjerrlid)feit beginnen
foKe. 3)urd) fünftlidfe ®eutung ber §örner beS Xßi«eS rechnet ©pitta
bie fRegierung Srajan'S als Seit ber fRebaftion beS ©efammtbucheS
heraus, fßer fRebaftor fennt bie meiften neuteftamenttid)en Schriften; in
feinem Suche finben fid) Biete Sejiefmngen auf biefelben. 9lu8 biefem
Seitpunft ber fRebaftion unb ben unBerfennbaren 3ohanneifd)en Einßüffen
foll fid) bann, jumal ber fRebaftor furj nad) beS SlpoftelS 3oßanneS lobe

arbeitete unb im ©eifte beS tefjteren ju Berfaßren wäßnte, bie fircblidje
Slnnaßme beS 3ohanneifd)en UrfprungS BoBauf erflären. Mn.

©turhaßn, Vjkftor l-8on öerobeS bem ©roßen bis ,nm Kriege mit
ben fRömern. SJilber auS bem jübifchen fßolfe jur Seit 3efu Efjrifti
unb feiner Slpoftel. 3)etmolb 1887, ©d)enf in Eomm. (IV, 211 ©.
gr. 8). 2 9Rf.

3n jeßn Sluffäfeen gibt ber SSerf. eine popnlarifirte Seitgefd)id)te beS
9t. 5£. Er wiü unftubirten, nicht theologifdjeu fBibellefern in aBgemein«
Berftänblicher Sprache 8luffd)Iüffe über bie politifchen unb religiöfen 83er«
bältniffe geben, in welche bie ®efd)id)te Ehrifti unb ber Slpoftel Bielfach
nerßod)ten ift. 3m aBgemeinen Berbient fein Unternehmen unb bie Slrt
ber SluSfüßrung Slnerfennung; fo bei ber öfteren fRüdfichtnahme auf
geiftig«fittlid)e Strömungen unferer Sage, auf uiaraBelen 9wifdjen unferer
Seit unb bem Slbenb ber gried)ifd)«römifchen Rulturwelt. Sjon Einjel«
ßeiten fei bemerft, baß Ueberfcbrift unb Snhalt beS ^weiten SluffaßeS bod)
ju biet bietet, wenn „SlrdjelauS, heto°e§ SlntipaS, Sjilatuö, Sußänbe im
üanbe, 3ohanneS, 3efuS EhriftuS" im lofen 8"fammenhange Bereinigt
werben. 3!ie 3oIge ift, baß j. 18. beS fläuferS Sierfon unb „fReformen"
ganj flüchtig unb in entfafeibenben ffiunften unflar geftreift werben.
9lid)t feiten finb fchiefe Urtpeile. Ueber 3efu Siarabeln, bie ©. 76 nur
genannt werben, hätte bei ber lenbenj beS SSerf. meßt gejagt werben
müffen, wie fie 1 Kor. 13,12» Berwirfließen unb „aBeS Sjergänglidfe jum
©leichniß" unb ©innbilb einer höheren 88elt uuS erheben. SofepbuS ift
jwar Biel benußt, boa) in ber Slrt feiner S3ermcrtl)ung war Bon §auS«
rath ju lernen: beS 3ofept)uS 93Iaftif fommt oft nicht jum SJuSbrud.
83eim 83au beS herobianifchen SEempelS mar ju bemerfen, baß ber König
mit burd) $>agg. 2, 8-10 fid) beftimmen ließ; er felbft moBte alS 9Ref»
fiaS gelten (ogl. 9Ratth. 2, 1 ff.). ©. 11 fehlt eine 9totij über ben §aupt-
grunb, ber ben .öerobeS jur Epe mit ber SRariamne trieb: er moBte ben
9Rafel feiner eigenen ibumäifrhen Slbftammung burd) baS föniglid)e S3(ut
' ber JpaSmonäerin Berbeden. ©. 200 bebnrfte ber „©fei" einer 9lote, ber
griebenSfürft jießt ein auf bem SEfuere, baS ben grieben bebeutet. SErud«
fehler finb jahlreid): j. 83. ©. 4, g.D u.; ©. 6, S. 6 u.; S. 16, jj. 3 c;
©. 18, g. 17 o. «■ .«■

'JJelijacuS, 2. (9i«h»omuait in paitnooer), EßriftuS unb EBangelium in
moberner 'Beleuchtung Bon 93rof. Earriere, 93reb. Schwalb, ©tabtpfr.
SJrüdner. ©ebilbeten Eßriften aBerScßattirungen gewibmet. .fjannooer
1889, Söeiahelt (64 ©. gr. 8). 1 9Rt.
9Rit tüchtigen tt)eotogifd)en Kenntniffen unb auS ber perfönlid)en
©laubenSerfaßrung ljerauS weift tytx ein 3«rift, im SEienft ber luthe-
rifchen Kirche freimiBig fämpfeub, philofophifcße, aufflarerifche unb aBe«
gorifirenbe 8lbftt)wächuugen ber EgriftuSgeftalt unb beS DffenbarungS«
inßalteS jurüd. SEaS 9cebeneinanber unb meßr noch bie Reihenfolge ber
auf bem SEitel ©enannten befrembet. SBenn ©chmalb, Wenn überhaupt
In bieS SEriumoirat gehörig, hat an leßter SteBe ju fteßen, unb fein be«
Iannter 83ortrag im bremer ilroteftantenoereine oerbiente Weber eingeßenbeS
Referat noch turje SBiberlcgung. 8?iel ernfter ift 83rüdner'S (in Kar(Sruße)
Slrbeit „Ueber ben gegenwärtigen ©tanb ber Eoangelientritif" ju neßmen.
Rad) SBeiße'S Siorgang faßt 83rüdner nur ju biele SEßaten unb SBorte 3ef"
als 83ilberfprad)e, als ber geiftigen Ausbeutung bebürftige ABegorie
auf. Auf bie feltfamften 9lbmege ift er ba geratßen, wo er, feines
neueften gunbeS fid) rüßmenb, baS RcattßäuSeBangelium als antipauli«
nifeße ©treitfeßrift mit angeblichen ©pifeen gegen 'JJauli Rerfon ausgibt.
®iefe AuSlaffungen 83rüdner'S, fowie bie über ben angeblichen rabbi«
nifeßen SEoftrinariSmuS ber 'JJaulinifchen Rechtfertigungdleßre ßätten
fcßärfere Abweßr Berbient. ©ingeßenb oerweitt ber 83erf. bei Earriöre'S
neuefter ©cßrift: „EßriftuS unb baS SSiffen ber ©egenmart", bie umfonft
fid) müßt, ber ©cßBa beS ß3antßeiSmuS unb ber EßarnbbiS beS SEciSmuS
ju entgeßen, oßne bod) für ben biblifdjen SEßeiSmuS beftimmt fid) ju ent«
feßeiben, unb bie babei über einen geiftreid) bargefteüten bbnamifeßen USan-
tßeiSmuS nicht ßinauSfommt. SEaß E. fid) gelegentlich bem (Bon Earri^re
energifd) befämpften) RtaterialiSmuS nähere, ift ©eßein- unb Rtißoer«
ftänbniß. SEaß aber Earriöre bie Rräejiftenj Eßrifti leßrt unb bie
inbiBibueüe Unfterblicßleit preisgibt, ift beibeS fjolge pantßeiftifcßer
©runbanfeßauungen. 3m wefentlicßen trifft bie Kritif beS SSerf. baS Rechte;
Einjelßeiten finb ju beanftanben. So ift ©. 32 bie grage feßief: „8Ber
ßätte je baS 83emußtfein ©otteS als EßriftuS neben ©ott gefteüt"? SEenn
Auguftin unb bie ©cßolaftifer haben memoria, intellectus, voluntas als
trinitarifeße 'Analogie. SEie imago dei ift ©. 12 abgefd)mäd)t, unb ©.15,
3 ff. ift 2 Retr. 1, 4 nergeffen. Unpaffenb ift ©. 16, 8- 12. Da ju per«
fönlid). SErudfeßler ift ©. 3: §aafe ftatt .fjafe. )t).

Offenbarung, SEie, ©t. 3oßanniS beS SEßeologen unb baS SEßier 666.
SBieSbaben 1889, 2imbartß (62 ©. gr. 8). 1 9Rf.
SEie anonßme ©cßrift bietet juerft in 4 Abfcßnitten, gemäß ben An-
nahmen Spitta'S über Entfteßung unb S"fammcnfeßung ber Apotalupfe,
ben ©onberabbrud a. ber angeblich auS ber pompejanifeßen Seit (63 Bor
Eßr.) ftammenben „ßebräifehen Apotalppfe" (Fragmente auS Oßb. 10. 11.
14.15. 16.17.18. 19. 21. 22), b. ber bunbert 3aßre fpäter, BieBcicßt unter
Ealigula, entftanbenen „griecßifch«jübifd)en Apofalßpfe" (144,000 »erftegelte.
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