Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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unb bie fircßenregimentlicßen Anorbnungen bis zum Aus»
gong beS gaßrßunbertS ber SRcformation". Spemniß bat für
bit Ronßrmation ebenfo wenig etwas DeueS beigebracht als ©arceriuS.
Seßterer bat (1559 in feinem „Siaftorale") bie RonßrmatioSfrage aus ber
faffeler Kirdjenorbnung, bie EinfegnungSformel aus ber fölner SRefor*
mation entlehnt (1543), in welcher baS „Dimm hin ben ßeil. ©eift" feinen
erlubitiBen Sßarafter »erloren unb bie ©ebetsform angenommen bat:
„SBir bitten bich, ftärfe" rc. Eßptraeus ift nicht, Wie Bielfacb angenommen
Wirb, Urheber jener ertubittöen gormel; er hat fie aber richtig eBangelifd)
gebeutet unb gerechtfertigt. §bperiuS geht auch hier feinen ©onberweg;
er tritt für bie ©cßriftgemäßbeit unb Dotßwenbigfeit ber .fjanbauflegung
ein. Sie Rirchenorbnungen zerfallen in »Beziehung auf bie Konfirmation
in jwei ©ruppen entfprechenb jenen zwei oben charafterifirten Dichtungen:
bie erftere Auffaffung liegt ben Bon SBrenj unb 2)ugenf)agen oerfaßten
ober beeinflußten Rirchenorbnungen zu ©runbe, bie zweite ben unter bem
Einfluß Slußer'S, Dcelancßtbon'S, EßemnißenS entftanbenen. Ser SSerf.
fchilbert nun junächft, wie ber RatecbiSmuSunterricbt ertßeilt würbe, rein
objettit» nach bem gegebenen Sejt, aber auch trocfen unb mechaiiifch; bann
bie RonffrmationSbanblung (6. 59—70). gn ber nieberfäcbfifeben Orb«
nung finbet fich fctjon, bafj bie Ritiber bem Konfirmator bie §>anb geben.
SaS fecßSte Kapitel ift ber „allmählichen Sinnahme ber Kon«
firmation" gemibmet. ®aju muß bie SabeHe am ©dfluß Berglichen
werbe (©. 172). SRan ftaunt, wie fpät erft an manchen Drten bie öffent«
ließe Ronßrmation aufgefommen ift: 1813 in Dürnberg, 1832 in qjam»
bürg. Ser RatecßiSmuSunterricbt war feßr mangelhaft; baS geglen einer
©lieberung ber Ratechumenen in Berfcßiebene Klaffen machte fich fühlbar;
bie RatecßiSmuSprebigten gingen über bie Köpfe ber §örer hinweg. ®aju
tarnen bie SBirren beS 3ojäßrigen RriegeS. ©o ging benn ber Katechismus«
unterrießt ßier unb ba ein, Wie in ©aeßfen. Aber eS fehlte nicht an
ftrafenber Kritif. 1661 ließ UJaftor ©roßgebauer in Doftod feine „SBäcßter-
ftimme" ausgehen. 3ßm ift bie Kinbertaufe nur Borbereitenber Slft, baS
SBort fott bie Stefeßrung unb SBiebergeburt Wirten. SJaju muß ber
©eiftlicße ©injelbetehrung treiben, unb ein wichtiges SDittel baiu ift bie j
RonßrmationSBorbereitung, unb eben um biefeS h°^n .^WedeS willen i
Wirb bie Ronßrmation fo warm empfohlen. Auf ©pener ift ©roßgebauer j
Bon nicht geringem Einfluß gewefen. Ohne beffen faft baptiftißße Anficht i
Bon ber Saufe ju theilen, bringt er auf Ermedung eines bewußten j
©ßriftenthumS, barauf, baß „ber Ropf ins fjerj bringe". Sie eigentliche
RonflrmattonSceremonie wirb Bon ihm nicht höher geflßäßt als Bon
Eßemniß, unb wenn er aueß nicht eigentlich DeueS über bie Ronßrmation
gefagt ßat, fo ift bod) fein Einfluß auf bie allgemeine Annaßme ber
Konfirmation ein hoeßbebeutfamer. „AIS ber jweite ©rünber ber eBan«
gelijcßen Konfirmation fann er taum angefeßen werben, wenn auch mtt
meßr Decßt, als mit welchem Eßemniß als ber erfte ©rünber angefeßen
wirb". Sin Dppofition fehlte eS nießt. Dfan witterte in ber Ronßrmation
papiftifcßeS SBefen (ugl. bie ©cßriit beS IBropfteS Slrnfiel in SIpenrabe:
„Sie cßciftl. Ronßrmation ber Katecßumenen" 1693). SlIS $ugeßänbniß an
bie Dppofition ift bie iBriBatfonflrmation ju betrachten (Bgl. ©pener in
granffurt). SlnbererfeitS erfeßien bie Ronßrmation gerabe als ein wirf«
fameS SDittel gegen baS Umficßgreifen unb bie Erfolge ber römifcß«
fatßolifcßen IBropaganba. Sarum auch auf bie Ronßrmation fürftlicßer
Berfönlicßfetten unb beren naeßheriger 33efrßreibung ßoßeS ©emießt gelegt
würbe. 3m fiebenten Kapitel werben bie „»Bemühungen, ben
KonfirmationSaft feierlich zu geftalten", bargelegt. §ier wirb
namentlich bie Stellung beS DationaliSmuS zur Konfirmation gefcßilbert.
3e weniger er ber Kinbertaufe wirflieben .fpeilSwertb beimaß, unb je meßr
er auf bte Erregung frommer Empßnbungen bebaeßt war, befto meßr
würbe ber KonßrmationSatt mit bisher nicht üblich, gemefenen gormen
unb geierlidjfeiten umfleibet: 23lumenfränze, Saubmerf, SBecßfelgefänge,
©locfenläuten, laute SIbbitte ber Rinber Bor ißren Eltern, beren ebenfo
öffentliche S3erjeißungSfunbgabe, ober gar — ©eßwur auf bie »Bibel (wie
in granfen). 3m achten Kapitel geßt ber S3erf. auf bie „proteftan«
tifeßen Sßeologen beS neunzehnten 3aßrßunbertS" ein. SDar-
ßetnefe, Schleiermacßer, ©cßenfel, ©d)meizer, »Biebermann, bann Dtto,
Dißjd), Sorner, 33ecf, §ofmann, Höfling, .fxunad, gezfebwiß &ieh,en B"r
unferem Sluge Borüber. SJefonberS gern Berweilt ber SJefer bei ber auch
ßier genialen Slnfcßauung .öofmann'S (S. 126 ff.). .pofmann trennte ben
Katechismus, unb bie Ronßrmation. Seßtere war ißm „bie feierliche Sluf«
naßme berjenigen, welcße fieß freiwillig in bie felbfttßätige ©emeinbe ein«
reißen laßen wollten". SluS biefer ©emeinbe foüten bie Siafonen unb
93reSbnter ßeroorgeßen. Ser unter ©ebet Boüzogenen £>anbaußegung
feßreibt er auf ©runb ber ©cßrift eine cßariSmatifelje S3egabung zu, eine
SBirfung, bureß welche ber Einzelne befähigt wirb, an ber ©emeinbe unb
beren gefcßicßtlirbem SBerufe mitzuarbeiten. Dur bie fo Ronfirmirten
follen abenbmaßisfäßig fein. ®aS neunte Kapitel enblicß, in maneßer
Beziehung baS intereffantefte, fcßließt mit „Er g e b n i f f en u n b SB ü n f cß e n"
ab. Ser bie Ronßrmation beßerrfeßenbe ©ebanfe ift natß Eafpari bie
Ertheilung beS SlbenbrnaßlSrecßteS. SSon einem KonßrmationSalter fann
nicht hie Debe fein; man feilte ben DeligionSunterricßt fo regeln, „baß
baS Rircßenregiment bei georbneten ScßiilBerhältniffen ben Sermin an-
geben, b. ß. in ber VßrasiS biejenige Klaffe ber SSolfS- ober SDittelfcßuIe
jtamßaft maeßen fann, beren SBefucßer als für bie Ronßrmation reif an«

gefeiten werben bürfen". SBaS ben Ronßrmanbenunterricßt betrifft, fo
erflärt fich ber SBerf. für bie gugrunbelegung beS Keinen Sutßer'fcßen
KatecßiSmuS, unb zwar „nicht um beS DotßftanbeS willen, weil wir zur
fleit lein beffereS (S3ucß) ßaben, fonbern feiner SBortrefflicßfett willen".
Sann freiließ fann ber KatecßiSmuS Sutßer'S nicht woßl ©cßulbuch fein; bazu
ift er aber aueß feßon in fpracßlicßer S3ezießung nießt geeignet, abgefeßen
baoon, baß er nießt alle Stüde ber Eßrifienlehre enthält, gür bie
©cßulen „genügen unfere guten ©prueßbücher unb biblifrßen ©efeßichten".
Socß fießt ber S3erf. bie praftifeße llnbureßführbarfeit biefeS SSorfeßlagS
ein; er bleibt baßer babei fteßen, baS 4.-6. .^auptftüd bem KonßrmationS-
unterrießt zuzuweifen. Sin ©tette beS üblichen ©elübbeS „laße man lieber
eine furze 33ermaßnung treten". Ser S?erf. fcßließt mit ber Sefinition:
„Sie Ronßrmation ift bie Ertßeilung beS SlbenbmaßlSrecßtS an bie als
Deugeborene ©etaufte; barauf werben fie bureß ben ganzen bazwifeßen
liegenben KatecßiSmuS Borbereitet; biefer wirb bureß ben Ronßrmanben-
unterricßt abgefeßloffen, bie S3erecßtigungSerflärung erfolgt am Konßr«
mationStage unter §anbaußegung unb ©ebet, unb bie mürbigfte geier
befteßt in ber erften Kommunion ber Ronßrmierten".

_ e>. thoßlenberg.

Kögel, D. th. Dub. (tgl. DbertjofnreMger in sBerliu), Ser S3rief be« 3afobu«
in fünfunbjwanjig IBrebigten ausgelegt, iöremen unb Sieipzig 1889,
SDüüer (VIII, 340 ©. 8). 4 SDf.

SBenn man aueß weßren möaßte, baß nicht bie glutß praftifeß-erbau-
licßer Auslegungen, wie fie bie legten 3aßre gerabe aueß für gafobuS
gebracht ßaben, zu groß werbe, fo muß man boeß bem furzen SBormort
beiftimmen: „Sßemata ber ©egenwart" finb bie meiften Sßemata biefeS
SBriefeS; unb fobann nehmen wir ja eine ©abe biefeS SDeifterS fircßlicßer
Debe mit um fo freubigerem Sanfe bin, wenn fie fieß wie fein nor-
liegenber gafobuSöricf fo trefflich, ben Borangegangenen Drebigtcn über
ben erften DetruS- unb ben Dömerbrief anreißt. SBir ßaben eS ßier aueß
mit einer Auslegung zu rßun, bie nießt bibelftunbenmäßig fortfeßreitet,
fonbern auf ©runb ber einzelnen, balb längeren, balb fürzeren Abfcßnitte
$rebigten barbietet. Siefelben finb an beftimmten, meift angegebenen
Sagen beS RircßcnjaßrS, boeß nießt in ununterbrochener Deißenfolge, ge-
halten, eine aueß bei Eröffnung beS SanbtageS (über 3, 13—18). ©ie
[ tragen fämmtlicß ein fafueüeS ©epräge, fnüpfen oielfacß an ©onntagS«
j Epiftel unb Eoangelium an |unb berühren fjeitereigniffe unb fjeitfragen.
©o werben fie namentlich benen, bie fie gehört ßaben, eine banfenSmertße
Erfüllung beS SBunfcßeS gewefen fein, baS gehörte SBort bleibenb zu be«
fißen. siiiclleicßt ift eben bieS unmittelbare SSorfüßreu beS gefproeßeneu
SBortcS genau fo, Wie eS gefproeßen warb, bem Scfer, ber nießt §örer
mar, bisweilen etwas ftörenb. SBenn man aueß weiß, baß eS wirf ließ
gehaltene Brebigten finb, man ftößt beim üefen ober SJorlefen boeß an,
wenn eS auf einmal heißt: „Ser heutige Slbenb fotl oßne Sroft nießt
fcßließen" (©. 55), wenn Bon „unferem" Sjiebe (©. 145) bie Debe ift, ober
Bon bem „Seftament unfereS entfcßlafenen KaiferS" (©. 155; man fragt
bod): melcßeS, ba fürzlich ztuei beutfeße Kaifer entfcßlafen finb), ober Bon
bem „©uftaB-Abolf-SJerein, ber foeben in fjalle fein geft gefeiert ßat"
(©. 156). gnbeffen, ben ©enuß, ben ein folcßeS S3ud) auch bem Siefer
bereitet, wirb bergleicßen ßöcßftenS auf einen Augenblid beeinträchtigen;
bann füßlt man immer Bon neuem fieß angeregt, emporgetragen unb be«
friebigt. Rögel'S Slrt ift ja befannt genug, ©ie erforbert gefammelte
Aufmerffamfeit; man fpürt bie Arbeit beS ©eifteS, aber man empfängt
Erquidung unb ©tärfung. ftier unb ba entbeßrt eS ber SJefer fcßnierz-
licß, baß baS lebenbig gefproeßene SBort feinem SSerftänbniß nießt zu
§ülfe fommt, unb fann bisweilen nur fdjmer ben eigentlichen ©inn beS
oft fo prägnanten AuSbrudS faffen. SS ift fehmer für einen fcßlichten
Eßriften, ©äßen zu folgen, wie er fie ©. 123 (bie fachlich fo ausgezeich-
nete ©teile über SaBib'S ©ünbe) ober ©. 126 «Ritte (wo ber Spauptfaß
auS bem einzigen Söorte „bann" befteßt) zu lefen befommt; unb eS ift
nießt beutlid) genug, wenn eS beifpielSßalber ©.41 heißt: „Au ber ©ünbe
beießtet bieS Sieb (nämlich: „Acß ©ott unb $err") unfere ©cßulb". Socß,
Wie gefagt, baS aüeS Wirb weit aufgewogen Bon einem Deicßtßum beS
©eifteS unb ber ©ebanfen, ber aus ber Siefe ber ©cßrift unb aus ber
güüe ber Erfahrung gefcßöpft ift unb bureß ben füßnen glug einer oft
ßinreißenb fcßönen SJerebfamfeit ben tiefften Sinbrud maeßt. SBir möcßten
befonberS ßinweifen auf bie feeßste Drebigt Born „.jjören unb Deben".
SBic intereffant unb wie waßr: „gft nießt ber ßeil. ©eift „feßnett zu
ßören", wenn baS heutige Eßangelium Bon ißm Berrünbigt: nießt aus
fieß felbft wirb er reben, fonbern was er ßören wirb . . beSglcicßen ber
©ohn: wie id) ßöre, fo richte icß". SBeiterßin: „Unfer .fjerr ift nießt auf
bie Erbe gefommen, um bie Seute loS zu werben, fonbern um fie zu er-
löfen". Söie finnig bie Auslegung beS äRiffionSbefehlö: „tauft bie Slölfer
im Damen beS SBaterS" tc., „taueßt fie in bie ©otteStiefeu, wiffe, bu Ein-
zelner, wenn bu in biefe Siefen täglich niebertaueßft, fo wirft bu nießt
wie bisher Bon ßmeifeln triefen, fonbern Bon feiigen Erfaßrungen ber
©emeinfeßaft ©otteS unb ber SBaßrßeit feines SBorteS". SBie fein bie
SBeoßacßtung: „Dirßt ben qpoßenpriefter 3efum nur foUft bu anfeßauen
unb bein ©emiffen ftiüen, aueß bem Könige Eßrifto fotlft bu ßulbigen
unb beinen SBiden bem feinen unterwerfen. Aus bem SDangel ber An«
erfennung beS föniglicßen AmteS unfereS §errn ftammt bie §albßeit unb
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