Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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fönnen wenn fid) au« anberroeitigen ©rünben bie Hnnaqme bon nia)t , unb .Xqeorie ber Konfirmation betreffen, bon «utber bi« Mmiun«
berurfaebten Urfadjen in gefdjöpflidjer Vefäjränfung empfehlen fotlte. M©»uj, aud) ®oet6f 11(10 TOttn"er me «Mfmann t,on.?aa«§!f6!n-

95erateid)en ©rünbe gibt e§ nun atterbing« nach be« Verf. ÜJnfidjt i Sf. 91. b. ©djatf, Detjlertfcfitäget muffen «ur giluftration ihre Seiträg»

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nicht, im ©egentbetl fotl auch bte Erfahrung gegen ben ©ebanfen einer
SBablfreibeit fpreäjen, fofern bie Silbung eine« Eljarafter«, einer ©tetig»
feit be« .fmnbeln« bei bem Sefteljen ber SHJaEjIfreitjeit gar nidjt benfbar
märe; beim entroebrr burdjgängige 95etermination be« S53iHen§ ober ab«
folute greibeit bon allen SJcotiben lautet ©. 31 be« SSerf. SRotto. 95iefe«
leptere ift aber auf« cntfdjiebenfte ju beftreiten. Sei bem ©efdjöpf roirb
bon Sltifang an ber Kreis ber SBettjätigung mäht nur burd) ben 8u«
fammenbang, in ben ber Einzelne mit ber Statur unb ©efetlfdjaft ftetjt,
fonbern aud) burd) bie vluärüftung ber eigenen Snbibibualität ein be<
fdjränfter fein müffen, unb trenn bem SJcenfdjen mgeftanben fein fotlte,
innerbalb biefe« ibm angeroiefenen Sabinen« ber ©ahöpfer feiner eigenen
fittlidjcn Seftintnitbcit ju fein, fo märe auch baran gar nidjt§ berroun«
berlid), roenn am ©tbtuffe feiner Entmirtelung bie einzelne hTtfat wenig«
ften« ibrer fittlitben Seftimmtbeit nach ber nidjt anber« fein fönnenbe

SluSbrucf feine« eigenen fittlidjen SBefen« märe. 95te ^reifjeit märe in j „911« bcr_ eigentlicbe Drganifator be« Katedji«mu§ ift Sugenbagen anju

e

liefern. 95er gefammte ©toff roirb in neun Kapiteln bebanbelt, bon
benen bie erften ad)t bie ©efehiebte ber Konfirmation in ber eoangelifdjen,
namentlich ber lutberifdjeii Kirche bi« pt ©egenroart jutn ©egenftanbe
bähen unb ba« lepte unter bem Jutel „Ergehniffe unb SBünfdje" be«
Verf. eigene SReinung über ba« SBefen ber Konfirmation nebft mandjen
beadjtenSroertben praftifeben SBinfen flur 95arfteÜung bringt. 95a« erfte
Kapitel: „bie Verwerfung be« sacramentum confirmationis"
(©. 1—(!) geigt un«, roie alle Segrünber ber ebangelifrben Kirdje in
biefer Verwerfung eine erfreuliche Einbeüigfeit befunben: ßutber, roelcher
übrigen« ba« fatbolifdje ©aframent ber Konfirmation niemal« zu einem
brfonberen ©egenftanbe ber Volenti! gemacht t)at, SJtelandjtbon, Ealbin,
Srenj. 95a« zweite Kapitel befdjäftigt firb mit bem ,,Katedji«mu«",
b. b. b'er ber georbneten llnterriä)tStf)ötigfeit an ben al§ Kinber ©e«
©etauften bebuf« ©eroinnung roürbiger Kommunitanten (1 Kor. 11, 29).

biefem fyatle nicht negirt, roenn bie einzelne 95ljat roirtlid) nur 9tu«brud
ber burd) ben eigenen SBitlen gefegten Seftimmtbeit roäre.

3nbem mir auf bie ffrage, roie ber 9Determini«mn« mit bem menfd)«
lieben ©elbftberoufjtfein zu oereinigen fei, nid)t eingeben, roenben mir
un« ju ber fyrage, mie fieb ber Verf. mit bem fittlidjcn Scronfjtfein ab«
finbet. ."pier meint min berfelbe mit ber billigen Unterfcbeibung jroifchen
tbeoretifebem unb SBertburtbeil, gnjifcfbcn faufaler unb teleologifctjer Se«
trachtung burchäufommeii. 9lHein abgefeben oon bem fraglichen Stedjt
biefer Unterfcbeibung überbaupt, muh e« al« fachliche Verfebrung be«
zeichnet roerben, ba« ©eroiffen (äffe e« bei ber SBertbbeurtbeilung be«

feben" (©. 9); aber „auch im proteftantifdjen ©üben rourbe bie gleiche
Einridjtung getroffen". «Da« britte Kapittel geigt ben Urfprung ber
eigentlichen „Konfirmation«l)anblung" auf. 9Dcnn ber jubörberft
geforberte unb eingerichtete Unterriebt in ber reinen ßebre unb bie
Vecbenfäjaft«ablage barüber ergaben immer nodj feine Konfirmation.
95iefe ift juerft in ©trajjburg au«gebilbet im jjufammenbang mit ben
©dhroendfelb'fahen Unruben. ©äjroendfelb, roelcher bie Kinbertaufe ber«
roarf, oerlangte auf einer ©pnobe in ©trafjburg 1533 für bie in ber
Kinbbeit ©etauften tnenigften« einen SBeibeaft. 95oäj begnügte fid) bie
ftrapburgfdjc Kirdjenorbnung bon 1534 noäh mit bem Unterricht unb

roenben, opne fid) um bie fffrage ber Kaufalität p befümmern. ®a« I bem Eramen ber Kinber. dagegen bot SBufeer in feiner ©chrift „Ad

©eroiffen berurtbeilt nid)t bie §aitblung, fonbern benübäter, trifft mich
al« Kaufalität unb fdhlägt mir, roenn id) fBeterminift bin, meine oon

Monasterienses" (1534) baranf bingeroiefen, baf) man bie altfird)liche
Konfirmation roieber einführen fönne, unb in feiner 1548 herausgegebenen

biefem Stanbpunfte au« unanfechtbare Enfähulbigung, bafj meine |)anb« j Schrift „Epitome, h. e. brevis comprehensio doctrinae" roirb fdjon eine

lung lebiglid) ba« ff3robnft irgenbroie gegebener gaftoren fei, unbarm«
berjig au« ber §anb. 3)er Stüdäug auf ben Kantifaheu ©tanbpunft, bafe
bie empirifd) notbroentige §anblung bod) intelligibel frei frei fönne, bie
ganje unflare 9lrt, roie ber SBerf. ®. 37. 38 ben ©ab begrünbet, „greibeit
unb Stottjroenbigfeit in einer unb berfelben .fjanblung roiberftreiten einanber

oollftänbige KonfirmationSpanblung mit Unterricht, ©laubendbefenntnifj,
5>anbauflegung, Kommunion befdhrieben (Ogl. bie Sfflorte: in fide vitaque
ebristiana confirmandos osse). fSa aber bie faffelcr Kird)enorbnung Oon
1539 bie erfte fertige Konfirmation«banblung enthält, unb ba anberer«
feit« naab bem ©dhluß ber äulefjt genannten @d)rift 93iigenbagen'« bie

nicht" muthet un« bie Einnahme eine« minbeften« ebenfo unauflöslichen I Konfirmation jur ffeit ihrer Slbfaffung fabon geraume ßeit in ©trabburg
SBiberfprueh« ju, al« ber ©ebanfe ber causa sui. sum SBetoei«, bafj I üblidj getoefen ift, fo roirb bie Konfirmation«l)anblung jroifehen 1534
mit ber Stationalität in biefen ®ingen nicht burrhäufommen ift. 9luf | unb 1539 auf eoangelifahem SJoben jum erften mal eingeführt roorben
bie fdjroierige grage ber Erbfünbe einzugehen, ift hier fein fRaum. E« j fein. SBieHeiabt bab 93ufjer oon SraSmu«, roelcher in feiner SBorrebe jur
ift fdjon beroorgebobeu, bab aud) bie ÜSertbeibiger ber SDSatjlfreitjeit bie« j SJcattbäuS^araphrafe oon 1522 einen 3nitiation«ritu« für getaufte Knaben
felbe al« abfolute unb bleibenbe ju fepen nidjt genötbigt finb unb aud)
nidjt ju fefeen pflegen. SBol aber roäre e« Sadje be« SBerf. geroefen,
auf bie grage ber ©ünbe überhaupt einjutreten. SDenu ba« ift fdjlieblidj
ba« Entfdjeibenbe, bab ber Seterminift bie ©ünbe al« objeftioen Söiber«
fprnd) gegen ©otte« 9BiHen nidjt anjuerfennen oermag. Sßober fommt
e§ benn, bab 'dj mid) im SBiberfprudj mit meinem eigenen SBefen be«
ftimme, roenn biefe ©elbftbeftimmung bodj in Iefcter S3ejiebung ba«
unabänberlidje IRcfultat bon Vorgängen ift, bie jenfeit meine« perfön

forbert, unb Oon ben 93öbmifdjen »Jrübern Anregung empfangen bot,
roeldjen bie Konfirmation al« Slufnabmeaft in bie eigentliche SBrüber«
gemeinbe galt, ©er SBerf. tbeitt einige barauf bejüglidje intereffante
5Dofumente au« bem berrnbutifdjen UnitätSardjio mit, barunter SRanu«
ffripte au« bem 1468 unb 1470 (©. vlnbang ©. 167 ff.) Sjtan er«
fannte auch, bab in ber „girmelung ein guter Kern ftede (©. 27)." Qn
ber Taffeier Kirbenorbnung roirb bie Konfirmation eine facramentale
Eeremonie roie bie Kopulation unb bie Drbination genannt; hier juerft
lidjen 3)afein« liegen? E« bleibt bod) nur bie Eine Kaufalität: ©Ott j begegnen un« al« Oom Bfarrer unter .fjanbauflegung ju fpredjen bie
übrig. Der 3)etermini«mu« bleibt fchlieblich insgeheim im SJautbeiSmu« : SBorte: „Stimm b'" ben b«'- ®eift k.", ohne bab jebodj ber ^anb«
fteden: bie SBelt, roie fie ift, ift bie Erfdjeinung eine« Eroigen, be« j auflegung al« foldjer eine fonberliche SBirfung juerfannt roirb. 95a«
SBiÜenS ©otte«, unb ber religiöfc SSerfebr, ber trotj alle« SJeroubtfein« bierte Kapitel orientirt über bie „SSerpanblungen mit ben
ber Slbhängigfeit, bodj ohne ba« SSetuubtfein einer geroiffen ©leidjbeit be« ! Siömifdjen über bie Konfirmation unb bie Dppofition bon
eigenen ©elbft mit ©oft nidjt wahrhaft möglich ift, mub entroeber in J lutberifdjer Seite". Slnnäberung an bie fatbolifdje gaffung geigt
Blofer Siefignation ober in mhftifajer SSerfenfitng in ©ott auStlingen. j fid) fdjon in ber branbenbnrger Kirdhenorbnung bon 1540, roonadj ber
S)a ber Sjerf. al« «Teterminift aiiSbrüdlid) auf bie KaufalitätSfrage ein« j 93ifdjof ober ein ©tctlocrtreter bie Konfirmation bornebmen fotl. 9ludj
gebt, fo fann er fid) aud) nidjt barauf berufen, bab bie faufalc S3e« | fdjeint hier bie signatio crucis geforbevt ju roerben. 9luf bem SReidjStage
tradjtmig ben El)riften nidjt« angebe, unb e« ift gut, bab er fidj nidjt ju StegenSburg (1541) rourbe tatbolifdjerfeit« bie 93ebeutung be« Unter«
barauf beruft; benn baburdj, bab man an einer grage borbeigebt, hört j riebt« anertannt, ©laubenSbefenntnib unb ©eborfamSgelöbnib geforbert,
fie nidjt auf eine ju fein, unb roenn bie reformirten SSefenntnibfdjriften | aber anbererfeit« bie Söebeutung ber Konfirmation al« eine« ©aframent«
fidj barauf befdjränfen, bie tröftlidje ©eite ber ib'räbeftination beroor« ; feftgebalten, roenn audj zugegeben rourbe, bab bafjelbe nidjt beiUnotTj«
jubeben, fo fonnten fie anbere bodj nidjt binbern ju fragen, roarum J toenbig fei. ®ie Eoangelifdjen tonnten bie ©aframentSbebeutttng ber
benn bie Verlorenen nidjt audj erroäl)lt feien, roenn bie ©ünbe roirflidj J Konfirmation nidjt jugeftepen, ihnen mar bie fatedjetifdje Vorbereitung
©Ott mibfäüig fei. ^trm. Sdjmibl. jum SlbenbmablSgenub bie fpauptfadje. Um fo bebenflidjer mubte e« für

bie epangelifdje ©adje roerben, roenn im augSburger Interim bie ^)eil3-
notbroenbigfeit biefe« ©aframent« anerfannt rourbe. SJManäjtbon fab

Caspari, W. (Dr. „. i.rof. der Theol. in Eriaugen), Die evangelische
Konfirmation, vornämlich in der lutherischen Kirche. Erlangen
und Leipzig 1890, A. Deichert Nachf. (IV, 179 S. gr. 8). 3 M.
95er Verf. Perftebt feffelnb ju febreiben: feine Sprache ift fnapp unb
präci«, aber prägnant, frei hon jebem SBortgeflingel unb Pbrafenbafter
©efpreijtbeit. 95er Son ift ebel unb befdjeiben: bie'95arfteHung Permeibet
gefliffentlid) afic SIbfdjroeifung, unb bie Volemif gegen anbere «Refultate
beroegt fidj in ben engften ©djranfen. 95iefer 9lrt entfpridjt e«, bab •>«
SSetf. feinem Vudje feine Vorrebe borgefept bat — er roitl bie ©adje
offenbar felbft ihre SBiajtigfeit bezeugen Iaffen — unb bab er auf jebe
Sinleitung Perzidjtenb ben Sefer ohne «eitere« in mediam rem einführt.
Slber biefe plaftifdje Kürje roeift auf eine tüdjtige Oueüenarbeit unb eine
freie Veberrfdjung be« reidjen Stoffe« jurüd, roeldjer beranjujieben roar.
95aoon jeugen audj bie trefflidj geroäblten Eitate, roeläje bie ©efdjidjte

biefe Verfdjärfung roobl, bod) roollte er um be« grieben« roiHen „nicht
janfen", unb Vugenbagen roollte „foldje« eine« jeben eigenem Vefennt«
niffe unterwerfen". 95a« leipziger 3nterim beftimmt: bie girmung foH
bon ben Vifdjöfen ober bon ipren ©teübertretern gehalten roerben unb
im ©lauben«befenntnib, ßoöfagung, Vefräftigung in iprem ©tauben
„mittelft ©nabe unter .fjanbauflegung unb djriftlidjen ©ebeten unb
Eeremonien befteben". STcit Sledjt roiberftanben bie ftrengen Sutberaner,
an ihrer ©pipe giaciu«. Valb rourbe audj jenen Kompromiffen infolge
ber politifajen Ereigniffe ein Enbc gemadjt. groei SRidjtungen finb alfo
ju unterfdjeiben: bie eine bleibt bei bem Katedji«mu«unterriajt unb einer
ülrt Vrüfung ftejen, bie anbere bat fidj bon ber Erfpriefjliajfeit ober gar
ber Scotbroenbigfeit eine« befonberen Konfirmation«afte« überzeugen Iaffen.
95a« fünfte Kapitel bringt nun „bie tbeologifdjen Erörterungen
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