Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

Zitierlink

45

46

möglich au macßen, baß Constitutum alß gegen bie ©riecßen gerichtet
anzufeßcn. »Bei ißrer Kenntniß bet recßtlicßen 33ert)ältniffe unb ißrer
gefcßicßtl. Stellung zu SRom mußten bie ©riedjen bie fjforberungen Bon Born»
ßerein entroeber alß äußgeburten beß ©rößentoaßneß ober alß Säcßerlicßfeiten
bureßießauen. ©ine fo biete äuftragung ber fjarbeu — an bie SLVöglicß«
Teit ber »Berroirflicßung feinet fjsrogrammeß ßat ber gälfcßer natürlid)
felber feinen äugenblid gegtaubt — glaubte man fid) ben fronten
gegenüber erlauben ju bürfen. Unb man fteltte biefeß anfpornenbc
»Beifpiet nimmer ju errcießenber fyreigebigfeit ißnen alß Qbeal bin, roie
man benn in ber SBirfliebfeit nießt mübe tourbe, ben granfen in ben
Obren zu liegen mit ber iSitte um Sßollenbung ber begonnenen exaltatio
ecclesiae. 3d) möcßte nießt mit Krüger fagen, eß fteße mit biefen än»
fprücßen, „als1 roenn eine fRegierung baß »Doppelte Bon bem forbert, maß
fie ju befommen fießer tft" (a.a.O., SB. 459), fonbern bie Ueber«
fcßroänglicßfeit beß ibealen ©eberß füllte, jo ßoffte man, bie mirflidjen
©eber ju mBglicfjft großen ©aben anfporuen unb fie in bauember ©ebe«
luft erßalten.

Seiner Scßrift hat fjriebriö) eine äußgabe beß Constitutum angehängt,
moburd) baß SRaeßfablagen unb »Bergleicßen erleichtert mirb. 3<f) roerbe
auf ben lEejt nicht näßer eingeben, Seiber ift berfelbe nidft in fBara«
grapßen eingeteilt mie in ßeumer'ß ©bition. S. 182 Q. 17 ift ambiganus
boeb mol nur SDrudfeßter. dagegen merben bie bem Siefer fofort in baß äuge
fBringenben fjormen diaconem (S. 185), ber SSatio ipso sanetissimo patri
(S. 193), obtestamus (S. 195) burd) bie Codd. gefeßüfit.

©rlangen. U. Seeberg.

Gesenius', Wilh., Hebräische Grammatik. Völlig umgearbeitet
von E. Kautzsch, Prof. der Theol. an der Univ. Halle-Witten-
berg. 25. vielfach verb. u. verm. Aufl. Mit einer neuen Be-
arbeitung der Syntax. Schrifttafel und Facsimile der Siloah-
Inschrift beigefügt von J. Euting. Leipzig 1889, F. C. W. Vogel
(XII, 548 S. gr. 8). 6 Mk.

©erabe ein ©entennium nach bem großen fReformator ber hebtäijcben
Stubien älbert Scßultenß im 3. 1786 (nicht 1785, mie in ber „fReal«
©ncßflopäbie V, 146 ftebt) geboren, gab SBilßelm ©efeniuß alß jiemlid)
junger 9Rann 1813 eine hebräifefie ©rammatif ßerauß. SBelcßen än»
Hang biefeß „Heine Seßrbucß", roie ©efeniuß eß in feinem 1817 er«
febienenen „Seßrgebäube" (SSorroort, S. III) genannt bat, fanb, mirb
baburd) bemiefen, baß er felbft in ben noeß übrigen 29 fahren feineß
Sebenß 14 äuflagen beraußgeben fonnte. »Racßbem bie nädiften fieben
burd) Emil fRöbiger beforgt roaren, fonnte 1878 bie fBflege beß »Bucßcß
feinen berufeneren fjanben auBcrtrout merben alß benen Bon ©mil Kaußfd),
ber nun mittlerweile auch auf ben Seßrftußl gelangt ift, Bon roelct/em
auß biefeß SBerf einft feinen ©ang nid)t nur in Diele Sfinber ©uropaß,
fonbern and) nad) ämerifa angetreten bat.

©ine Jubilarin pflegt man aüerbingß immer zu begtüdtnünfeben; aber
biefe Berbient eß auch im Bollen 9Raße. 25enn Kaußfd) bat Biel SÖRtühe
barauf Berroenbet, um bie 3ubelaußgabe mit Bielen Spuren ber potlften
Sebenßfraft unb mit einem reichen fyeftgeroanb ju feßmüden. Qeneß bat
er getban, inbem er mit ßößft lobenßroertber literarifdier ©ereebtigfeit
alle ärbeiten Perroertbet bat, bie über Biete fünfte ber ßebräifcßen ©ram»
matif aueß feit 1885 roieber erfeßienen finb, unb inbem er fid) nod) meßr
alß fd)on in ber 24. äuflage au ber SDißfuffion betßeiligt hat, ju roelcßer
bie ÜJrobleme ber ßebräifcßen Spracßentmidelung änlafj geben, ©inen
geftfeßmud ber Jubilarin müffen mir aber bie flfeubearbeitung ber
Sputaj nennen, moburd) er biefem »Eßeile beß SBucßeß, ber nod) in ber
24. äuflage nur 104 Seiten umfaßte, einen Umfang Bon 200 Seiten
gegeben bat. Raffen mir bie neuen ©aben beß.SBerf. nun im einzelnen
inß äuge!

äuf bem eigenen großen ©ebiete beß fpebräifcßen unb ben roeiten
^Regionen, an bie eß grenzt unb mit betten eß immer zufammengefdjaut
fein min, gibt eß faum eine rcießtigere Specialarbeit, bie Bor bem SDrud
ber neuen äuflage feßon erfchienen unb bod) nießt berüdfießtigt märe,
äufgefatlen ift unß nur, baß, naeßbem einmal Schriften über ben
fRßßtßmuß ber ßebräifcßen fBoefie in biefer ©rammatif ©rroäßnung ge«
funben haben, nießt bie neueren ärbeiten über biefen ©egenftanb ge-
nannt finb (S. 14); ber SBerf. hätte ja bie Bon SBidell mit einer äßnlicßen
marnenben 9fote, roie auf S. 6 ein SBerf Bon Senormant, außftatten
fönnen. Ueber bie babplonifcße Bunftation bürfen mir auf S. 39 bod)
mol ben ftinineiß auf TOerr/ß „Chrestomathia Targumica" Bermiffen,
bie im grüßjaßr 1888 erfeßienen ift unb bie eine reiche Quelle über ben
ermähnten Niqqüd babli finb. So fönnten mir mol noeß fortfahren;
aber mir finb bod) feßon mit ben bißßerigen äeußerungen ungerecht ge«
roorben. 2Denn befiüen mir aueb baß SRecßt, Bon biefer ©rammatif eine
erfcßöpfenbe SBorfüßrung ber Siteratur »u oerlangen? äuß welchem
©runbe wollten bann, roenn baß S8ud) oon ©efeniuß«Kaußfcß abjolut
atleß leiftete, mir felbft ein ßiftorifcß-fritifcßeß Seßrgebäube ber ßebräifcßen
Sprache feßreiben?

«ibenbaffelbe müßten mir fogleid) felbft unß einroenben, roenn mir
nun Weiter bemängeln Wollten, baß in bem SBurßc bie SRonograpßien
über einzelne nTlaterien ber ßebräifcßen ©rammatif faft immer bloß ein«
fad) citirt, aber ißr 3nßalt nießt im einzelnen angegeben unb ißre

unrichtigen äuffieuungen nießt mit SBemeißgrünben miberlegt finb. SBir
müffen oielmeßr, mie Wir feßon anerfennenb ßerBorgeßoben ßaben, unß
beffen freuen, baß Kaufefd) an einer ganz bebeutenben fjaßl «mn Stellen
in eine Erörterung ber frßroebenben fragen eingetreten ift. SBenn ba«
burd» ßat er unß nießt nur ©elegenßcit Berfcßafft, bie ©rünbe feiner
©ntfeßeibungen ju prüfen, fonbern Wirb er aueß in ben Streifen ber
Seßrer beß ßebräifcßen an ©ßmnafien unb ber ©eiftlicßen immer meßr
baß Streben anregen, fid) ein erpliciteß SBemußtfein Bon ben Urfacßen
ber ßebräifcßen Spracßerfcßeinungen ju erwerben unb an ber äufßetlung
ber nod) oorßanbenen SDunfelßeiten fid) ju betßeiligen.

®aß SIBicßtigfte, maß unß Kaußfcß in biefer äuflage gebracht ßat, ift
aber natürlich bie lang oerfproeßene unb lang erwartete iReugeftaltung
ber Sßntaj. Unß mar feßon baß bebeutfam, baß er überhaupt biefelbe
für möglich geßalten ßat. «Denn 1887 fdjrieb fein ©eringerer alß
äuguft SJlütlcr in ber „ßeitfeßrift ber Xeutfcßen morgenlänbifcßen ©e«
fellfcßaft", S. 726 f.: „SBie foTJ man ßentjutage eine Sßntaj einer
Spracße feßreiben, beren SDofumente in einer gänslid) Berroaßrloften ®e«
ftalt Borliegen? ©efeniuß fonnte baß, inbem er treulid) oerxeießnete, maß
baftanb; ©malb mürbe burd) feine fßßantafie über bie Scßranfen Hein»
ließer pßilologifcßer SBebenfen, oftmalß jum ßeile ber SBJiffenfcßaft, ßin«
roeggeßoben; aber jeßt geßt baß nießt meßr. @ß ift möglid), burd)
unerfeßrodene ®ura)füßrung beß äccufatiouß abBerbialiß unb beß
äppofitionßBerßältniffeß über Bieleß ßinroegjitfommen, maß im mafore«
tifeßen SEejte ben femitifcßeit SBßilologen unangeneßm berüßrt; aber Bon
fidierer roiffenfcßaftlicßer ©rfenntniß fann man ba nießt reben, folange
nießt bie äüfgabe gelöft ift, an bie Stelle beß äbbrudeß eineß beliebigen,
ober aud) eineß faftigirten ©jemplareß ber maforetifeßen SBulgata einen
nad) pßilologifcßen ©runbfäßen fonftituirten Jejt tu fefeen". 9J3enn bem
gegenüber Staußfd), ber aud) etroaß oon Stertfritif oerfteßt, boeß bie äuß»
arbeitung einer ßebräifcßen Sßntas unternommen ßat, eße ber nette SEert
beß ä. i. Tonftmirt ift, nun bann braudien aud) mir nießt barauf su
roarten.

äber aud) ber ärt, roie Sfaußfcß bie übernommene SBearbeitung ber
Sßntaj bureßgefüßrt ßat, fönnen mir unferen lebßaften SBeifaK nießt
oerfagen. 2Bir greifen jeßt nur einen fpauptpunft ßerauß, ber für bie
neueren SDißfuffionen über femitifeße Sßntaj mol ber roefentlicßfte ift, bie
fyrage, ob ber Unterfcßieb Bon fRominalfaß unb SBerbalfaß fo einfeßneibenb
ift, bafj er jum beßerrfeßenben äußgangßpunfte ber Saßleßre gemaeßt
werben muß, roie SRüßlau bei feiner .fjabilitation bie SEßefe auffteüte:
Qui syntaxin lingnae hebraicae tractare vult, ordiri debet a discrimine
quod intercedit inter enunciationes quae dienntur nominales et ver-
bales. SBir glauben, foroeit untere Unterfucßungen bereitß jum äbfeßluß
gelangt finb, eß nur gutheißen ju fönnen, baß Staußfd) im ©egenfaß jur
22.-24. äuflage jeßt bie ftrenge ^Definition oon SRomtnal« unb Serbab
faß, roie fie Bon ben arabifeßen SRationalgrammatifern aufgefteUt mirb,
alß für bie ßebr. Sßntaj unroefentlid) in ben §intergrunb ßat treten laffen.

SBerfen mir aber jum Scßluß nod) einen jufammenfaffenben SBlid auf
bie ganje unß borliegenbe Seiftung, fo feßeint unß nunmeßr baß SBud)
nod) meßr alß feßon früßer geeignet, ben nad) ejafter Kenntniß beß ä. SE.
ftrebenben SEßeologen ein bleibenber SRatßgeber ju fein. ®enn bie fjormen«
leßre feßeint aua) unß jn einem relatio gefießerten äbfeßluß gelangt ju
fein: bie angeroanbte ßiftorifeße ©rflärungßmetßobe ift ja alß bie richtige
ermiefen unb aud) in ©injelßeiten mirb eß faum nod) einen fyortfeßritt
geben, weil man fid) nur nod) nießt über fßuntte geeinigt ßat, roelcße »um
großen SEßeil für immer problematifa) bleiben müffen. ®ie Sßntaj aber
bietet für bie formale ©rflärung beß ä. 5E. einen reichen Scßaß, ber burd)
bie ganj außfüßrlicßen fRegifter nur nod) nüßlicßer gemaeßt ift.

Ctb. ßtönig.

fianbbucß ber tßeologifcßen 2Biffenfdiaften in encßflopäbifcßer SBarfteUung
mit bef. SRüdfießt auf bie ©ntroidelungßgefcßicßte ber einzelnen ®iß«
»iplinen, ßrßg. Bon fßrof. Dr. D. Bödter. 3., forgfältig burd)«
gefeßene unb roefentlid) erweiterte äufl. 2. SBb. .fiiftorifcße SEßeologie.
9Rit 2 fircßengefcßicßtlicßen Karten u. 33 SEeptabbilbungen. SRörb-
lingen 1889, S8ed (XI, 825 S. SeE.«8). 13 äRf.
3n britter äuflage tritt nunmeßr bieß „§anbbucß ber tßeologifcßen
aBiffenfcßaften'' aud) in bem ber ßiftorifeßen fEßeologie gemibmeten SBanbe
ßeroor, ein geießen Bon bem ©ingang in weiten Kreifen, ben eß gefunben.
©erabe biefer fEßeil ßat in ber neuen äuflage eine roefentlicße »Bereicherung
erfahren unb legt baßer ein geugniß ab Bon bem SSemüßen, bieß §anb«
bud) ben an ein folcßeß p fteüenben änforberungen entfprecßenb p ge-
flohen, ©auj ßinjugefornmen ift bie ©efeßießte ber tßeologifcßen Siteratur,
ein SBerf mieber beß fo bielfeitigen unb tßätigen §eraußgeberß. Sie
mirb pgleid) alß fßatriftif bezeichnet, aber biß auf bie neuefte ßeit fort-
geführt, nur baß oßne mir erficßtlicßen ©runb bie nod) lebenben SEßeo«
logen außgefeßloffen ju fein feßeinen. SReu ift aud) bie ©infüßrung oon
Fußnoten jur 9Rittßeilung roießtigerer OueHencitate; nießt minber sroecN
bienlid) bie »Beigabe zweier folorirter Karten über bie Kircßenprooinzen
unb 93ißtßümer um 1500; gilt eß bod) entfeßieben, bie fireßließe ©eograpßit
meßr alß zumeift üblid) für baß fircßenßiftorifcße Stubium z" oerroertßen.
3)ie SDarfteKung ber allgemeinen Kircßengefcßicßte umfaßt nunmeßr
270 Seiten gegenüber ben 207 ber 1. äuflage. freiließ nod) immer ein
loading ...