Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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fommcn; wie benn aud) et ©. 81 f. mehrere Sege aufgeigt, um in bet
Biel berufenen ©teile 2 Kön. 15, 30 f. 3otf)am unb fßefaeb gufammen«
gubringen. ©S fcbcint itjm entgangen gu fein, baß burd) bie 33telheit
ber als möglich gegebenen Sßfuugen gwar bet 39efpeft tot bet Kunft
beS ©bronologcn gemehrt, aber baS -Bertrauen auf bie ©icberfjeit feinet
99efultate erheblich geminbert roirb. Die gebotenen chronologifdjen
Tabellen (S. 100 ff. unb 122ff. 9lnm.) finb baber trofc aller aufgeroenbeten
SJühe giemlid) roerthloS. 3n noch höherem ©rabe gilt bieg ton ber
©rflärung ber Stelle ©g. 4, 3 ff., roelebe bet Boraufgegangenen chrono*
logijrben Slufredjnung nur „bireften göttlichen 93eftätigung" bienen fod;
in Sirflidjfeit roirb Unmöglicbeg in ben Dert hineingetragen, ©benfo
roenig übergeugenb finb bie 9lugeinanberfef5ungen in § 21-23, roo auS
ber ifraelitifd)en 3obelperiobe 93eroeifc für bie Siiahtigfeit ber geroonnenen
chronologifcben SRefuItate gegogeu roerben. füber bie Auslegung ton
3ef. 37, 30 fteht auf febr frhroacben güfjen; ßuf. 4, 21 ftet>t ton einem
roirflicb ftattgebabten 3obeIjat)re frhlechterbingg nichts gu lefen, unb ber
chronologifrhe ©ebraucb ber 3obelperiobe bleibt fo lange ein bödjft
prefärer, als bie grage unentfrhieben ift, ob bag gobeljapr mit bem
fiebenten ©abbatjahr gang ober tbeilroeife ibenttfd), ober ob eg ein
50. gafjr ift, melrheg über bie fieben Sabbatctjflen pinauSfädt unb be«
fonberg gegäf)lt roirb. .fporoarb'S eigene fttpottjefe, baß bag gobeljahr
gttar als bag 50. hinter fieben tolle ©abbatjahrctjflen gu ftehen fomme,
felbft aber bag erfte gapr eineg neuen gahrjiebentg fei, frheitert baran,
bah bann jeber achte ©abbatjat)rct)tlug nicht blog an feinem ©nbe,
fonbem auch an feinem Anfange je ein 3at)r ohne ©aat unb ©rnte
gehabt hätte, mag burchaug gegen ben Sortlaut Bon Set. 25, 3 terftöfjt.

3e mehr 93ebenen gegen beS 3Serf. fDcetpobe unb Siefultate laut
merben muhten, befto angenehmer ift cS bem 99ef., ber Kritif beS affrjrio«
logifchen WaterialS in manchen ffunften guftimmen gu fönnen. .fjoroarb
hat gang richtig gefehen, bah bie feilfrhriftlichen Kacpricbten nicht feiten
hiftorifch unguoerläffig finb, unb bah fie einer genauen ©idjtung bebürfen.
3m ©ingelneu ift freilich auch hier tieleg fct)r anfechtbar, mag {»oroarb
fritifch beanftanbet; bie fritifchen Sfemerfungen finb nicht feiten im ©e-
banfen abenteuerlich, unb in ber gorm roenig roürbig, g. 33. ©.36, roo
ton Diglath ÜJilcfer gefagt roirb, „eg mühte benn fein, bah er fiep in
ben legten ßebenSjapren innerlich gebemüthigt unb für fem tieleg Singen
unb 9luffd)neiben, womit er fich aOegeit breit gemacht, auch burd) ©in«
giehnug ber langen Sittiche beS KamenS SBufje gethan hätte". Dah
$oroarb bag 91ffpriologifd)e anfeheinenb nur auS fefunbären Quellen, roie
©d)raber unb Diele, fdjöpft, roärc an fich nicht tabelngroertt); wenn eg
ihm nur gefallen hätte, feine Quellen jcbeSmal gu citiren! Die Unter»
laffung ber Quellenangabe erfrhroert aber bie SPenubung beS 93ud)eS
Überaug. Sierool bie SJclegftcdcn meift torreft nach ©ebraber abgebrudt
finb, Tommen bennoch mehrere fehler tor. ©o taffirt eg g. 93. bem
Uterf. S, 276, auf ©runb einer bei Srhraber irrthümlirhen 9Ingabe, bie
übrigeng alö folrhe leicht fennttieb ift, 9lfurbanipat in unbegreiflicher
Seife mit Saigon gu terroeelifeln. ©benfo auffällig ift ber terfehrte
Ülbbrucf beg SorteS „SReterg" auf ©.269; bie ßifte muh baburch bem
ßaien Bötlig unterftänblich roerben. lug ber (ehr grohen $abl Bon
©ingelheiten, bie gu moniren Wären, fei einmal bie unrichtige SSorftellung
Born 33egriff beg i?s (S. 245) unb fobann bie tonfequente Umfehreibung
beg - mit gh herausgegriffen; festere ift aber oft, g. 93. bei bem ©tamme
yss, bireft falfdj. Die angeroenbete Orthographie ift höchft rounberlich,
unb bie ftiliftifrhcn Kühnheiten beS Sierf. erregen nicht feiten ©rftaunen.
©o roirb benn, fürchten mir, ber SScrf. feine ajfüpe im grohen unb gangen
tergeblidj aufgeroenbet haben.

»erlitt. $■ »tfiltr.

Zahn, Dr. Adf., Abriss einer Geschichte der evangelischen
Kirche in Amerika im 19. Jahrhundert. Stuttgart, J. P. Stein-
kopf (127 S. 8). 1. 60.

Wer bag Schmierige unb WühetoUe folrher ©tubieu rennt, wirb baS
93fldjlein gerecht unb billig beurteilen. ©S ift fehr leicht in bemfelben
gehler uaebguroeifen, roie bieg ber „©hriftlirhe 93otfrhafter", Organ ber
©tangelifrhen ©emeinfebaft in Eletelanb, in roher Seife gethan hat: ge*
fränft, roeil ich bie Qat)i ber ©emembeglieber ber ©emeinfebaft gu niebrig
angegeben habe, ©egenüber einer flei&tgen unb mit Biel 9lnftrengung ber»
bunbenen 9lrbeit foOen mecenfioneu nicht fdimähen, fonbern Dienfte leiften,
bah baS SBurb Berbeffert roerben fann. Wan fann auch in SImerifa ge*
recht unb billig urtheilen. Das habe id) auS einer Slngeige in „The New-
York Evangelist" gefehen, einem pregbhterianifchen 93latte. ©o Biel fann
id) meiner Slrbeit felbft gum ßobe jagen: fie ift geeignet, fid) in bem Sirr»
roarr jenfeit ber grohen Saffer gureebt gu finben. 3d) habe roirflicb, ge«
than, mag id) fonnte. ffliögen anbere mid) benutzen, um 93effereS gu leiften.
93ei ader Riirgc unb Knappheit fcheint mir bod) baS 93üd)lein nicht lang»
Weilig gu fein. Siiedeicpt barf ich baS fagen, ohne jemanb gu ergürnen.

it. Jtaljn.

Kohlbrügge, Dr. th. ,§erm. grbr. (tveil. USaftor btt nteb»tIänbi!cf)*t»formi»tten
Wemehie ju Ctttrfetb), 93afffon«*98rebigteu 93erlag ber nieberlänb.*
reform, ©emeine. ßeipgig 1889, ©uftorff (IV, 295 ©. gr. 8). 1.50.
„Diefe gange ©efehichte greift tief in baS Sehen hinein, Wirft ade
Klenfchen, gromme unb ©ottlofe, ffrembe uttf, j^reunbe, auf einen
Raufen; fie geugt, mag eS mit ber ©ererhtigfeit aHeS ftfleifcheS auf fich)
hat, Wag bie ©rbarinung ©otteS in ©hrifto 3efu über ffdeifcb, ift, unb
roie er allein gnäbig unb gut, auch allein heilig ift" (©. 82). SaS
Kohlbrügge hier ton ber SeibenSgefdjiebte fagt, bie er prebigt, baS ift
ber ©runbtou aller feiner IfJrebigt. SÖTit fchneibenber ©dfärfe bringt er
auf ©elbftgerid)t, bah man „bie §anb in ben eigenen 93ufen fteefe",
roeil in bem, roaS 3efuS ton ©ünbern erlitt, ade föcenfehen als Ber*
lorene Sünber gerichtet finb. 3n boden Dänen preift er bie göttliche
©nabe, bie adein roieberb,erftedt, mag baS „ffleifch" terberbt hat. Daß
bie ßieöe gu ©Ott adein, ber ©laube an ihn (benn baS ift beS ©efefceS
3nhalt) roieberhergeftedt werbe (3. 13), barin befteht ihm bie SBerföljnung.
Der 93erföhner ift ber „Sieberberfteder" (3.85); benn er hat ben
„©lauben", nämlid) ben „naeften ©ehorfam" gegen ©Ott in fich felbft
roiebergebracht (3.50). 9Eßirb ber tljätige ©ehorfam, ben ber §eilanb
„®ott barbringt" (3. 55), auch befonberS hertorgehoben, fo roirb bo<6
aud) ber leibenbe nicht tergeffen. ©Ijriftuö ift gang unb gar ber ©ted«
tertreter ber fünbigen Wenfchen unb als fold)er ber ©rlöfer. Der heilige
©rnft, mit bem ber 93erf. bie ßeibeuSgefcbicbte behanbelt, bie ffüde bog«
matifd)er unb ethifcher ©ebanfen, welche ihm aus biefem unerfcböprtidjen
Oued aufiprubeln, machen feine fBrebigten nicht nur angiefjenb, fonbern
[ auch ergreifenb. Die Sprache ift Bod Kraft unb Erhabenheit, befonberS
läfjt ber 93erf. bie ©egenfäfce roirfen (bgl. ©. 158 ff ), guroeilen finben
fid) unbeholfene ©afcgefüge, roie ©. 36: „Dah id) biefeS 93rot gebe, unb
bah 'hr baton effen fodt, gefd)ieht barum, auf bah itfr, roenn ihr baS
untereinanber tt)ut, eingeben! feiet, bah id) mid) felbft für euch gegeben,
unb bah tl)r f° wahrhaftig ©lieber an mir, bem .Raupte, ber fid) für
j euch in ben Dob gegeben, feib". 3" her Tkebigt tont Ulbenbmabl Ber«
\ leugnet Kohlbrügge fein reformirteS 93efenutnih nidjt. 91uf bie ©etfemane»
j lärebigt mit ihrem gewaltigen ©chluffc unb auf bie Ikebigt über UJetri
93erleugnung mit ihrem phi(ofothifd)en Diefblide machen mir befonberS
| aufmerffam. Sie roahr ift eS bod) unb roie roenig roirb eS bebadjt, roaS
mir in ber leiteten lefen: „Senn man fid) befeb,rt, belehrt fid) bie Seit
1 unb ber Deufel mit, unb gieljen ade ein frommes Kleib au unb werfen
fid) auf bie Kniee" (3. 121). TOan !ann ton bem SScrf. Biel lernen,
©eine ©ebantengänge finb groar nicfjt immer fd)riftgemäh, aber faft ftetS
eigenartig unb barum geeignet weiter gu führen. Dah bie Sentimentalität
gang auSgefd)(offen ift, roiffen wir bei Ikffiongprebigten befonberS gu
fdjäpen. _ 21). f.

Senger, 99. (*fr. in j5»inritti«bab), ©otteS IBrünnlcin t)at Saffer« bie
ft-'iiUe. Dägliche $>auganbad)ten. ©alro u. Stuttgart 1889, ißereinS*
buchh- ©t. ©aden, 93itrhh. ber ©t. ©efedfd)aft (500 ©. gr. 8). 4. 80.
Dag torliegenbe löndi bietet für jeben Dag beS 3abreS eine ©dirift-
| betrachtung, roeldje regelmähig in ein furgeS ©ebetSroort auslauft unb
j mit einem ßieberterfe fd)lteht. 9US Dejte finb entroeber eingelne Sdjrift«
i roorte, gumeift 1—2 SSerfe gewählt, ober eS finb gufammenhängenbe 91b«
fdfnitte terSroeife auf einen längeren fjeitraum uertheilt. Die ©djrift«
fteden finb balb bem 9llten balb bem 9i. D. entnommen unb folgen roenn
auch mit Freiheit bem ©ange be« Kirchenjahres. Die 93etrad)tungen
felbft finb tnapp, meift fid) eng au baS toranftehenbe 93ibelroort an»
jd)liehenb, roie eS benn bem 93erf. tor adem um ©cbriftauglegung gu
thun ift. Unb roie roirb bie Schrift auggelegt! ©S ift ßebenSroajfer au«
| ©otteS 33rünnlein, baS hier hoch unb nieber, jung unb alt, ben ffröh»
liehen unb ben Draurigen geboten roirb. Sag auS ben Diefen ber gött
liehen Sahrheit gefd)öpft ift. roirb in lebenStoder Unmittelbarfeit auf
ade SJerhältniffc beS menfrblichen SebenS angewenbet; nidjt feiten wirb
auf bie fragen, SJebürfniffe, ©rfd)einungen ber ©egenroart innerhalb
unb aufjerhatb ber Kiraje 93egug genommen. Ueberad offenbart fich eine
in ber ffudjt ber göttlichen Klarheit ftefjenbe croripooüvr;, unb baS 91uge
ift adein auf 3efum ben Sünberbeilanb gerichtet, in bejfen Kamen wir
adein foden feiig roerben. ©S würbe gu roeit führen, roodten mir
©ingelneS Bon bem -Bielen aufgäben, roaS ba erfajütternb bie Seele
trifft, bort in heiliger Schönheit bie bergen himmelan gieht. Stüde,
Welche biedeiajt nicht jebem gufagen, roie bie Snmbolif ber Hahlen 1—12,
anfdjliehenb an ältatth. 10, 30 unb 93f. 40, 6, wobei aud) ber 9Serf. felber
j feinem SJnngip ber ©chriftauSlegung untreu geroorben ift, fann man
babei gern in Kauf nehmen. 9Jud) fönntc bie SabI ber ©djriftfteden
Biedeidjt manchmal etroaS gu bunt erfaheinen, roenn man nicfjt roühte,
bah ber 9Serf. burd) „fein 91nbad)tgbuch, am Wenigften baS torliegenbe,
| baS ßefen ber 93ibel Berbrängt" roiffen roid, unb bah er roeit baton ent
| fernt ift, baS 93ibedefen, baS ja rool in ber ftform ber lectio continaa
bem .ffauggotteSbienfte am angemeffenften ift, beeinträchtigen gu rooden.
9Iber baneben roerben nidjt nur bie gablretchen ffteunbe Bon .fpeinrid)««
I bab mit greuben in biefen täglichen 93etrad)tungen bie ©emeinfdjaft beS
©laubcnS erneuern, fonbern eS Wäre gu roünfdjen, bah oud) bie ©hriften
in Weiteren Kreifen, bie ihr Dagewerf gern burd) ein Sort ©otteS
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