Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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richtig im Slulbrud imperator caelestis eine Eigentbümlicbfeit bei jüngeren
Sfjeile! gu erBIiien. wofür ber öftere Stjeil rex caelestis brauche (§ 12).
SJeßterel ift natürficft bie geläufige Regeidjnung, ber Slulbtuä* imperator
caelestis aber Würbe an ber betr. ©teile bem ©egenfaß gu bem imperator
terrenus gu Siebe gebifbet; Sonftantin fonnte unmöglich) all rex begeidjnet
Werben, wie e! tiinficbtfid) ber römifdjen Herrfdjer in § 12 immerhin
mögfid) war. SBast aber enblid) bie Retomntg ber fofen Rerlnüpfung
burd) Decrevimus itaque et anlangt, fo ift 1. gu fagen, bal bal Con-
stitutum fiel) überhaupt nicht burd) Straffheit bei Zufammenfjangl au!»
geidjnet, unb 2. ift an bie gang analoge Rerbinbung: Construximus itaque
etecclesias imerftenSTfjeil (§13 med.^eumer) gu erinnern; benn baff ba! mit
biefen Worten angehenbe ©tüd eine Interpolation au! ber ,§anb bei
SSerfafferä bei gwetten Sljeil! fei, ift bod), troß ber ©rünbe auf ©. 191,
ein fritifdjer ®ewattftreid).

Wir fönnen un! alfo nicfit gu bem Einbrntf befennen, all ob ber
erfte unb gweite Sljeil um ein gatjrhunbert anleinanbcrliegen müßten.
Saß biefel unfer Urttjetl meßt ungegrünbet ift, wirb fid) am beften »eigen,
Wenn mir in ber Sürge (gugteid) gur befferen Orientirung bei Siefer!)
einen lleberblid über ben ©ebanf'engang bei Constitutum geben.

Ser Saifer wtU berichten Wal (X£>riftuö an ihm burd; feine Slpoftel
Rauht! unb Retru! burd) Rermitteluiig bei öfumenifajen Rapfte!
©ilbefter gethan hat. Zubor aber legt er ein längerei ©Iaubertlbetennt«
niß ab. El folgt bann ber im vlnfajluß an bie ©iloefterlegenbc erzählte
Reriojt, Wie ber Saifer am Slulfaß franf war, fich aber, angefid)tl ber
meinenben Wütter, nicht bagn entfajlteßen fonnte, fia) in Sinberbltit, wie
bie heibnifdjen Rriefter riethen, gu baten. Sa würbe er bei Raa)rl im
®efid)t burd) bie Slpoftel Retrul unb Rauln! auf ben bor bei Saifer!
Rerfolgungen auf ben Rerg ©erapte entflohenen ©ilbefter all Retter
aufmerffam gemacht. Ser herbeigerufene ©ilbefter legt bem Saifer eine
Rußgeit auf, in welcher biefer burd) Waa)en, gaften, Shränen unb ®ebet
bei (Stfrifto Vergebung erlangt, ©obann wirb er getauft unb wäljrenb ber
Saufe bon bem Rulfaß befreit. Safe ber breieinige ®ott ber redjte ©Ott
ift, geht ihm am erften Sage nach ber Saufe auf. lieber ber Rrebigt
Silbefter'l fiept er aber auet) bie Wacht fßetcf ein, Weld)e fid) ihm in ber
Heilung fo herrrlid) bewährt hotte. Sa nun Relru! ber ©teKöertreter
bei ©ohnel ®otte! ift, bie Räpfte aber ©teKbertreter unb Raajfolger
tßerri finb, fo feßt ber Saifer feft, baff bem Rapft gugeftanben werbe
prineipatus potestatis in Weiterem Umfang, all fie bem Saifer eignet.
Sei Saifer! ©ewatt ift bon biefer Erbe, belßalb befiehlt er, ben Shron
Retri über feinen eigenen Shron flu erhöhen (biefel exaltare feljrt un-
gälfligemal Wieber in ben Briefen Stephan'l II. unb befonberl Raul'! I.)
unb iljm faiferlidje SBürbc unb Ehre guguthetfen. Somit ift bie §ol)eit
bei Rapfie! über ben Saifer gum ülulbrud gelangt gnnäajft im ibealen
©inn im |>inbtid auf bie bon ®ottelwegen unb ihrem Wefcn nadj
beiben ©eWalten guftefjenbe EßrenfieKung (§ 1-11).

Sarauf wirb bie Erhabenheit ber römifdjen Ströhe auch über bie
anberen Ströhen unb bei römifdjen pontifex über aüe Rriefter ber Welt
feftgefteüt. Hat bod) ber Refefjl ©rjrtftt nach 9tom ben apoftolifahen
©tuhl Retri berlegt, ber hier ebeufo wie Rautul, Wärtprer würbe. Hier
foKen bie Roller ©tjrifto bem himmlifd)en ftönig bienen, wo fie eine!
ftolgen irbifchen Sönigl Regiment bieuten(§12). Hieran fajließt fid) bie Wit-
theilung, baß ber Saifer bie Saterantirdje gn Rom erbaut habe, unb baß
biefelbe all Haupt unb ®ipfel aKer Sirchen bei Erbfretfel attgufehen fei,
aber aud) bie Sird)e Retri unb Ranli, in welcher bie ®ebeine ber beiben
Slpoftelfürften ruhen, hat ber Saifer erbaut unb gefaj.nürtt unb fie gum
Zwecf ber Rerforgung ber Sampeu reidj botirt (§ 13). Starb abermaliger Er-
innerung an bie Teilung bei Saifer! burd) bie Saufe, Woburd) beutlid)
ein neuer SKnfaß ber Rerleihungen marfirt Wirb, folgt jeßt bie 8luffi'tl)ning
äußerer fichtlidjer Ehren, Welche bem Rapft gutheil werben foKen. gür
Immer Wirb ber Slateranpalaft ihm übergeben, unb entfpred)enb biefer
ihm gugehörenben faiferlidjen Refibeng wirb ihm oerliehen bie faiferlidje
Srone unb bal faiferlidje Rljrhgium gU tragen, fowie allerlei äußerer
faiferlidjer Söjmud unb faiferlidjel ©epränge. Semgemäß muß ber
Rapft audj bon einem faifermäßigen §offtaat umgeben fein. Safür
Wirb burd) bie folgenbe Rerorbnnng geforgt, welche ben ber römifdjen
Strcße bienenben ©eiftlidjen fenatorifdje Ehre unb Wttricier- unb
Sonfntarrang gufpridjt. Sie «JaraKele gum faiferlidjen §eer fowie bem
faiferlidjen ^offtaat wirb int gofgenben feftgehalten, unb ba! bemeift,
baß e! ridjtig ift btefe .öodjfteKung bei Sleru! all Sonfequeng ber päpft-
liajen ftopeit aufgufaffen (gegen griebriaj, ©.122). gn biefem gn«
fammenhang fommt bie biel befprodjene unb beneibete Slnlgeidjnnng bei
römifdjen Slerul oor, ihre iKeitpferbe mit weißen Sdjabraden fdjmüden
gu bürfeu. 2Bie feßr bei biefen 9lu!geidjnungen bie päpftlidje SteKung
im SSorbergrunb fteßt, geigt audj ber Schluß bei 91bfdjnittel, Welcher
bem fflapft ba! fRedjt gufpridjt nadj feinem ®efallen au! bem ©enatoren-
ftanb Slerifer ober Crbenlgeiftliaje gu erwählen (§ 14. 15'.

tfeonharb, Dr. Rubf. (o. ö. ajrof. bet Kei)tt on uniu. niarturn), Rom!
«ergangenfteit unb Seutfäjlanb« »tedjt. Ein lleberblid über bie ®e.
fajidjte bei römifdjen Staate! in ihrem gufanimenhang mit bem

gegenwärtigen SRedjtlleben. Sine geftfdjrift. Ueipgig 1889, SSeit & Eo.
(VIII, 197®. gr.8). 3.50.

Siefe gebanfenootte unb geiftreidje ©djrift, ©imfon gu feinem «Ojäb-
rigen Softorjubiläum gemibmet, greift audj hinübet in bal ®ebiet ber
Sirdjengefchich^ benn oon SBeltredjt unb ©hriftenthum hanbelt ihr 4.,
Oon bem ajriftlidjen SBeltreich ihr 5. Ülbfdjnitt. gene geit um 200, in
welcher wie überhaupt ber Einfluß bei Worgenlanbel, fo audj ber bei
Eheiftenttjum! fidj in Rom bemerflidj gu madjen beginnt, begeidjnet gu»
gleich ben ^öhepunft ber Rechtlwiffenfdjaft, bie StSirffamfeit eine! lllpian,
ben Woincnt, ba ba! romifaje fRedjt wirflidj gum Rleltredjt wirb. Sie
®eiftelftrömung, weldje in ihrer S3erfdjmelgung ber 33ö(fer unb ihrer
Religionen bem ®hr'ftc-nthum ben Weg bahnte, hat audj auf bie Senfart
ber oorguglweife orientalifdjen SBegrünber bei römifdjen Redjtl ein»
gewirft. greilirh audj ein lllpian ift Vertreter ber Ehriftenberfolgungen,
unb SJohn unb gurdjt finb ihm bie Wittel bie Wenfdjheit rewtlirh gu er»
giehen. 216er aud) nicht in feinem gangen Umfang ift ba! römifdje Recht
eine! Ulpian für ba! Redjtlleben ber chriftlidjen Rölfer maßgebenb ge-
worben, fonbem nur jener Sern, welcher fidj ben oerfdjiebenften Sieben!-
bebingungen, namentlich audj ber Ummanblung bei Staate! in einen
djriftlidjen, angupaffen oermodjte. Refonberl bie ©efeßgebung guftinian'l
hat ba! Redit bei noaj heiDnifdjen Rom in diriftltdjem Sinn gefäubert
unb umgeftaltet. Sie göttliche Wilbe nad)guat;men begeidjnet guftinian
all bie Rufgabe feiner ©efeßgebung. Rur ben mächtigen ©roßen gegen-
über feinbfelig, fudjt fie bie Siemen unb ©djmadjen gu fdjüßen. „Srei
Sulturfdjidjten . . geben bem ©efeßbudj ber Welt feine ©runblagen.
guerft fdjuf ba! altrömifdje Redjt einen ©efdjledjterftaat, ber bie fittlictjen
©runbbebingungen ber Red'tlbilbungen auf ba! fdjärffte aulprägte, ©o-
bann errichteten bie beborgugten ©eifter ber gangen Wenfdjheit ben Söau
bei hoibnifdjen Saifcrredjt!, ber ben hödjften ©ebantenreidjthum in fidj
fdjloß. Enblidj fdjaffte ba! djriftlidje Weltredjt Slarheit unb ©ereajtig»
feit in biefen Sßau hinein, inbem e! feinen gußalt oereinfadjte unb audj
ben Wühfeligen unb fMabeneu einen Eintritt in feine ©djußmauern ge-
: währte." Rewogen aber hat ben Rerf. gu bem Unternehmen, bem Uc-
i fprung unb Entwidelunglgang bei römifdjen Redjt! nachgugefc-en unb
! feine beftintmenbe Einwirfung auf ba! Redjt bei djriftlidjen Seutfdjlanb
gu geigen, bie Uebergeugung, baß heüonifdjel Zartgefühl unb altrömifdje
j ©ewiffenhaftigteit, germanifaje Sßatfraft unb bie Rruberliebe bei Eoan-
l gelium! „fidj in bem Weer unferer heutigen Weltanjdjauung gn er-
I freulidjem ©efammtergebniffe frieblidj geeint haben". U. ^onroetfit).

Roehrich, Mme Ernest, Le Ban-de-la-Roche. Notes historiques
et Souvenirs, avec 2 portraits, 3 vues, des autograpb.es , une carte
et quelques sermons et fragments de serroons inedits d'Oberlin.
Paris 1890, Piscbbacher (221 p. 8). 3.20.

Wit biefen gefdjidjtlidjen Rotigen unb Erinnerungen über bal ©tein-
ttjal im Elfaß nnb beffen berühmten Rfarrer Dberlin hat bie Rerf. ben
1 ebangelifdien ©laubenlgenoffen eine treffltaje ©abe geboten. Reu unb
befonberl intereffant an bem Ruaje ift beffen erfte ipätfte, weldje auf ©runb
[ gueKengefchiajtliajer gorfdjungen über bal ©teinthal bor unb währenb
' bem breißigjährigen Sriege aulfüßrlidiere Wittheilungen bietet all bie bil»
herigon Riographien Cberlin'l, auch biejenige oon Robemann. Selbft«
oerftänblidj bilbet aber ben Hauptinhalt bei Ruaje! Dberlin'l Sieben, burd)
beffen mehr benn öOjähr. Wirffamfeit ba! Steinthal, biefer liebliche Rogefen-
ftridj, Weit über bie ©rengen bei Elfaffe! ber gangen ebangelifdjen Epriften»
heit betannt geworben ift. Rudj Dberlin'l Sieben ift hier trefflich wieber»
! gegeben; er wirb all Wenfdj, all Eiottifator, all Rfarrer furg gefdjilbert,
unb befonberl wirb, wie man biel oon grauenpanb wol erwartet, Ober»
fin'3 ©attin in einem befonberen Sapitel gebührenb befproajen unb be»
i rüdfidjtigt. ©ehr banfenlwerth finb bie Reigabcn ber Oortreffliajen Rilb«
niffe Oberlin'l unb feiner ©attin, fowie bie bilher uugebrudten Rruüj»
ftüde odu Rrebigten Dberlin'l, bie unl einen tiefen Rlitf in ba! Herg
biefel Wäljrenb ber Rnfflärunglgeit fo glaubenlfeften unb liebewarmen
Wanne! tljun laffen. Wan wünfrbte nur mehr foldjer ?lulgüge in bem
I Ruaje gu finben. gmmerpin hat bie Rerf., eine all ©ebriftfienerin längft
i rühmlich belannte elfäffifdje ffSfarrfrau, ihrer Heimat bem ©teintljal mit
ihrem Ruaje ein fdjöne! Senlmal gefeßt. Riebt nur elfäffifdje ober fran»
i göfifdje, audj beutfdje Siefer unb Sleferinnen werben wol nadj bem Rudje
' greifen, ba ein gute! frangöfifdjeä Rudj, ba! nicht ein f. g. djriftliajer
! Roman ober Rooeile ift, unb weldje! man guberfidjtliaj ber gebilbeten
! gugenb in bie Hanb geben barf, immer gu ben feltcnen ©aben gehört.
> Hier wirb un! ein folchel, mit eajt frangöfifdjer Slarpcit unb Elegang
! gefajriebenel unb oom bidjterifajen Haudje burdjwehtel Rudj geboten, ba!
fein Sefer ohne ©egen unb ©enuß au! ber &anb legen wirb.

©djmeling, ©up. a. S. Rief. (<Bfr. Ju mmom), ©oangelifaje Rfarramti-
agenbe. RoKftänbige Waterialfammlung, auf ©runb ber alten
märfifdjen Drbnung unb ber preußifajen Slanbelagenbc gufammen-
geftellt unb gum bequemen Haobgebrandje gunädjft im luttj. Rfarr^
bienfte georbnet. 3. Perm. u. oerb. Rufl. Berlin 1889, ®. yfauet
(X, 285 u. mufilal. Reilagen 8 ©. gr. 8). 3 Wf.
gn biefer Rfarramtlagenbe, weldje in erfter Ruflage bereit! 1860 er-
fdjien, ift »er ©toff für bie pfarramtlidjen Hanblungen, ber in ber
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