Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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matioe Bebcutung zuriicf, inbem baS Blaßre bem nur .fjalbroohreu ober
Itnroaßren entgegengefeßt roirb; ux unb tax entfpredjen bem tateinifdjen
verum unb verum enim vero. 9ludj Pix, bie iibltcfje 9IbBerfatiBpartifel
beS jungem £>ebratSmuS, ift urfprünglidj bejaßenb (jatoohl, fübpaläftinifdj
oia verum). ©ine anbere Slboerfatiopartifel p geroinnt bte abnerjatiüe
Bebeutung Bon ber reftriftiBen aus. 9iur tü}w(i) mag oon |>auS aus
ben Begriff ber ©ntgegenfeßung haben.

Slngeßenbe hfbräifcße UeberfeßungSBerfudje nerlaufeu geroöbnlicfj in
9lä) unb Ulcf), inbem man meint, beutfdjeS aber (gr. U) burd) hebräifcbeS
rps roiebergeben tu foKen. vJudj in unfereu ßebr. Ueberfeßungen beS
9?. ®. feljtt eS nodj immer nidjt an foldjen auszumerzenden -;x. ®aß
aud) ber beridjtenbe ©efcbidjtsfttl -n*. nidjt entbehren fann als SluSbrud
ber ßlusfcßließltcbfeit (®en. 7, 23 Bgl. ©j. 9, 26) ober beS ©leiajzeitigfeitS«
fajema'S (®en. 27, 31), Berfteßt {im Bon felbft; tantummodo ober solum-
modo roerben mie in rebnertfdjem {o in erräglenbem .Bufammeiißauge
mit ix unb p auSgebrüdt. 2lber bie eigentliche cpeimat biefcr ißartitetn
ift bodj ber rebnerijdje Stil, p* fommt in erzäßtenbem Stile gar nidjt
nor. Unb mit dVi*t hat & eine überaus fonberbare Beroanbtuiß.

äSenu mir im ©ingang beS 2. B. ber ©ßronif [efen, baß König
©alomo bie fämmtlidjen Obern feines BolfeS nadj ber großen Bama in
®ibeon entbot, reo baS mofaifaje ©Hfttjeli als ©ultuSftätte biente, baß
aber bie Sabe ©otteS (op-x- -v-s< saxj ®anib auS Kirjath, gearim nadj
gerufalem gebracht hatte; fo ftoßen mir uns an biefem 5ax:>©aße,
um unS fofort audj tu befinnen, baß ber Stil beS CStjroniften ber jüngften
biblifdjen ©pradjaeit angehört unb fein flaffifdjeS SDiufter ift. Begegnet
unS aber im ®erte ber ©rzäljlung ®en. c. 28, meldte ben Stempel ber
aftfiaffifdjen Bentateuajerzählec E unb J (B unb C) an fidj trägt, ein
Saß mie 28,19: „®a gab er felbigem Orte ben 9iamen 93etrjct, unb
hingegen mar üuj ber Staute ber Stabt früher tun o» Tis bVski,
nsB»is" fo ftehen mir Bor einem fprachgefchidjtiidjen Kuriofum. ®enh
erftenö mürben mir in einem zu ceufirenben ÜeberfeßungS«Specimeu jenes
bsix als ftümperhaft unhebräifaj ftreidjen, ba baS einfache ■ ber Ber-
binbung genügt, jumal ba eS fidj um einen ©egenfaß ohne befonbere
©mphafe handelt. Unb zweitens geigt fidj bie ©onberbarfeit beS 9luS«
brucfS baran, baß bie 9lbBerfatiBpartifel asix außer an biefer einzigen
Stelle nirgenbS in erjählenbem, überall nur in rebnerifdjem jjufammen«
hange norfommt; eS ift ein SieblingSroort beS BuajeS gob. ©ntroeber
müffen mir annehmen, baß ®en. 28,19b ein jüngerer fdjlecht ftiliftifdjer
rebaftionetler ^jufaß ift, roogegen aber fdjon bieS fpridjt, baß maS ©en.
28,19 Bon Siuj bemerft roirb roörtlidj fo fRiajter 18, 29 oon SajiS be«
merft roieberfehrt, fo baß alfo bie feltfame ÜluSbrudSroeife bodj redjt ge»
fällig befunben morben ift; ober eS liegt hier einer ber gälte Bor, in
benen ber Spraajgeift, ber fidj felbft ©efeße gibt, fidj audj in paraborer
SBeife barüber hinroeg feßt.

®ie Stint, befonberS bie nadj fprachlidjen ftiliftifajen Kriterien ur«
tßeilenbe, hat alle Urfaaje befdjeiben ju fein unb fidj nidjt als allroiffenb
jju geberben. Konnte eS bodj einem griebr. 9lug. SBolf paffiren, einen
edjten Brief ©icero'S aus ber Sammlung ad Famiiiares, meldjer in einer
berliner §anbfdjrift sufäKig an einen,unrechten fbTaß gerathen mar, im
4. Banb feiner Slnaleften als ein Novum abbruden ju laffen unb für
ein „ermeiSlidj unedjteS UebungSftüddjen" ju erflären. Sfodj plumper
aber fielen ®unftatt unb SJcarflanb brein, Bon benen jener bie (beftrittenenj
Briefe PÄicero'S ad Brutum ber ,$eit ber mittelalterlichen Barbarei ^u-
roeift unb biefcr fie theilroeife im Satein ber Bibeloulgata gefdjrieben
beßnbet. Slehnlidje Berroegenl;eiten finb neuerbingS in ber Bentateudj«
fritit Borgefommen. Slber mir motlen nidjt rügen, jonbern nur
roarnen.

Harms, Dr. Frdr. (well. ord. Prof. der Philos. an der Univ. au Herlin),

Ethik, Aus dem handschriftlichen Nachlasse des Verf. hrsg. von
Dr. Heinr. Wiese (ev. Pfr. in Triebusch). Leipzig 1889, Th.
Grieben's Verlag (XI, 283 S. gr. 8). 6 Mk.
®er Berf. tpcilt bie Bßilofopbie, melcße bie ®runbbegriffe ber empiri-
fchen SBiffenfchaften einheitlich jufammenfaffen foü, in Sogif, Bhhßf unb
®thif. Sogif ift ißm fo Biel als Ißrinjipienlehre; fie oerbinbet fidj bei
ihm mit ber SDcetaptjtjfif infofern, als fie nidjt nur Bon ben gormal«
Prinzipien beS ©rfenitenS, fonbern audj Bon ben lliealprinzipien beS
©rfennenS 0u hanbeln hat. ®ie (gtljif aber faßt er, im Unterfajkb
oon ber fßhhfif ober ber s4if)tlofopljie ber Dcaturroiffenfdjaften, ihrem
Umfange nadj als IßhilofoPhic ber gefdjidjtlidjen Biiffenfajaften unb
nadj ihrem gnhalt als SSiffenfajaft Bon ben abfoluten jjmeden beS
BBotlenS. Sie ift ijm alfo nicht ein Slbfdjnitt ber BbifofoPh'c- beS ®eifteS,
mie §egel annimmt, audj nidjt ein Stücf ber Slefthetif nadj ber SBeife
Öerbart'S unb nidjt ein Sh«t innerhalb ber f. g. prafttfdjen Bhilofophie
nadj SBolff'S unb anberer Slnfidjt, fonbern berjenige Kmeig ber Bhilofophic,
meldjer fidj über baS ©efammtgebtet ber gefdjidjtlidjen SBiffenfdjaften er«
fireeft. ®aS Sßftem felbft mirb in zroei §aupttheile gefonbert, rooBon
ber eine fidj auf bie etlufdie ©eroißheit begtefet, ber anbere bie ethifdje
»Seltanfidjt oorführt. gn ber erfteren |)infidjt foK bie fittlidje Srfahrung
beS einzelnen fidj ergänzen am gbeal, in ber anberen roirb als meta«
phnfifaje Bebingung ber fittlidjen Söelt baS Bermögen, nadj Borhergehenber
SBaht unabhängig Bon äußeren Beftimmungen unb oon grüßerem fidj

Zu bethätigen, alfo bie greiheit herborgeßoben unb bann bie SluSgeftaltung
ber fittlidjen SJJelt bargelegt. SeßtereS gefchießt gemäß ber Unterfdjeibung
Bon Bflidjten, oon SLugenben unb Bon ®ütern, unb zmar einmal oon
ben äußeren, roirthfdjaftlidjen ©ütern ber organifirenben menfdjlidjen
Slrbeit unb zmeitenS Bon ben inneren ®ütern, bie in roiffcnfdiaftlidjer,
fünftlerifdjer unb religiöfer Betßätigung fidi ßnben; ber Boben, auf
roeldjem bie SBelt ber ©fiter fidj ausbreitet, finb bie gamilie, ber Staat
unb bie STcenfdjheit. SSir unfererfeits finb zmar nidjt einderftanben mit
jener embrtjonalen ©licberung ber Bljilofopbie, melrhe nodj nidjt erfannt
ßat, baß zmifdjen bem fEicffeitS ber Waturroiffenfchaften unb bem genfeits
ber Srtetapßtjfif ober beS STernS ber Bhtlofophie zmei Ströme beS SebenS
hin« unb hergehen, nämlidj göttliche Cffcnbarung unb nienfdjlidje grei«
ßeit, unb baß baburdj znjci ooneinanber zu unterfdjeibenbe unb ineinanber
greifenbe SBiffenfdjaften fidj ergeben, einerfeitS Xfjeologie unb anbererfeitS
Slntljropologie, bie leßtere aber außer Bfßdjologie, Sleftljetif unb Sogif
baS ©tfjoS in fidj begreift, bei meldjem roieber als befonbere Sphären
bie fociaten ©runblagen, bann ber Staat, baS fHedjt unb bie Sittlirbleit
ooneinanber zu unterfdjeiben unb aufeinanber zu beziehen finb. ®odj
roiffen mir, baß ber Berf. bei jener ISintfjeilung ber Bljilofopliie über«
haupt unb bei feiner Slnfidjt Bon ©tßif inSbefonbere immerfort genug
®enoffen hat; unb roenn mir audj fagen müffen, baß Stjftematif nidjt
feine Stärfe ift, fo laben mir glcidjrool z>' gefteßen, baß bie in atleu
feinen Serfen eigentljümliäj ßeroortretenbe Bereinigung oon Streben
nach Klarheit, Bon ©laubeit an bie hödjften ©fiter ber ajienfdjheit, oon
maßBotler unb fenntnißreidjer (Srmägung ber Wnfidjteu anberer ftjmpathifdj
berührt unb Bielfadje Belehrung unb Anregung gemährt.

©rfangen. jC. llabu»..

(Üobct, g. (Jottor unb ?itof. ber Xljeoloflie in IMMBtcg), Bibelftubien. Seutfcß
bearbeitet oon g. Sfaegi (Bfr. am SiafoniffemDöfutterbauS in Siießen).
1. %\. Ijum Sitten Xeftament. 3. JHufl. Boni Berf. autorifierte u.
burdjgef. SluSg. .fiannoBer 18S8, fPleßer (IV, 280 S. gr. 8). 3. 60.
Brof. ®obet in ITfeucnburg ßat fidj in roeiten Krcifen ber beutfdj
euangelifdjen Kirdje einen Barnen burdj feine oorlrefflinjen Kommentare
ZU ben ©oangelien beS SufaS unb goßanneS erroorben. ®ie Borzüge
ber leßteren, nämlidj ßoße roiffenfdjaftliche ®üdjtigfeit, lebenbige unb
farbenreiche SEarftetlung unb entfdjieben gläubiger Stanbpunft lehren
audj in ben gleidjfalls fdjon in Seutfdjlanb eingeführten „Bibelftubien"
roieber, Bon benen ber erftc ®ßei(, uämlidj fedjS illuffäße über altteftament-
lidje Jßemata, in numneßr britter, mie eS fdjeint, burdjauS unoeränberter
9luf(age norliegt. @S ift ein ®enuß, biefe Strbeiten zu lefen. ®aß fie
„Stubien" b. Ij. ernfte gorfdjungen finb, mie ber Berf. eS auSbvüctliitt
betont, ift an ber ftrengen ©emiffenhaftigfeit erfidjtliaj, mit meldjer
auf ©inmürfe aller vlrt unb anberSartige Bnfdjauungen eingegangen
roirb; bennoaj Berfteht @obet eS meifterhaft, bie ajeiilje, mit ber er fidj
felbft ben SBeg gebahnt hat, feinen Sefcrn zu erfparen unb fie nur an
ber Suft lßeilneßmcn zu laffen, roeldje bie miffenfdjaftlidje SBanberung ge«
roäßrt. Buch rcer ben gefäüten Urtljeileu faajlidj nidjt überall beipflichtet,
mirb beiinoaj baS Buch nicht auS ber §anb legen, ohne angeregt unb
beleßrt z" fein, roeil bie pneumatifdje SdjriftauSlegung beS Berf., bie
biefem als befonbere @abe eigen ift, ben Sefer in immer neuer SBeife
auf bie centralen .fjeilSgebaufen ber Sdjrift, benen gegenüber ein SBiber«
fprudj nidjt möglich ift, ßinzufüheen Berfteljt. Beljanbelt roerben bie
©ngelleßre beS 91. %., bie ©ntroidelung beS SebenS auf unferem Bielt«
förper, bie fedjS ®age ber Sdjöpfung, bie Bier großen Bropheien, baS
Budj .fjiob unb baS §oßelieb. ®aß auf bie alierneueften Bßafeu ber
altteftamentliajeu SBiffeufchaft nicht iliüdfidjt genommen ift, roirb zmar
bem SEßeologen Bon gadj nidjt erroünfcht fein, ift aber ben Streifen ber
gläubigen ©emeinbe gegenüber, in beren .jjänben man baS Buch am
iiebfteu feßeu mödjte, fein aHjugroßer Sdjabe. fölödjten bie „Bibel-
ftubien" bie hohe apologetifdje .Kraft, bie itjricn iuuemoljnt, audj in
biefer Britten Sluflage beroäßren!

Berlin. fh richltr.

rtifdjer, Dr. K. (*rof- ■. ®t)mn.=Xir. in WBwbwg), Biülifdie Bfpchologie,
Biologie unb Bäbagogif, als bie ©runblagen djriftlidjer ©rzießung
unb Selbftzuajt. ©o'tlja 1889, g. 91. BertßeS (XII, 119 S. gr.8). 2.4o.
©in oortrefflidjeS Budj, Hat unb fdjlidjt, tief unb eruft. Bnlage unb
gnljalt rußen auf Bed'S bibl ifdjer 2hv"'ngie, ©tßif unb ®ogmatif, ftehen-
meife auf Selißfdj'S Bfhdjologie, fobanu auf ®rumonb'S nahezu epodje«
madjenber Sdjrift „®as Baturgefeß in ber ©eifteSmelt", geajner'S Seelen«
leßre unb jDletßube (oon Ißatfacben bes ®ieSfeitS auf foldje beS genfeitS
zu fdjließen), audj auf ben Bon ®aij[ Bertretenen Bnfdjauuugeu, roonadj
bie ßcotljmenbigfeit ber Bcligion eine Konfeguenz beS redjt oerftanbenen
®arminiSmuS ift. ®egenüber bem refultatlofen Sudjen ber miffenfdjaft-
lidjen (philofopbifdjen) -Pfh-fjologie nadj bem Siefen unb Siirfen ber Seele,
gegenüber bem neuentbraunten Streit, ob bie Seele fei ober nidjt fei,
unb roenn fie fei, ob fie ein gbeales ober STealeS fei, fleht fidj ber Berf.
auf ben Stanbpunft beS Bon Bed(BooS) ausgebauten biblifdjen Kieo -
liSmuS, in ber feften ©laubenSzuBcrfidjt, baß bie Bibel (ein einheitlicher
Organismus, ber bie ©ntroidelung ber religiöfen Üßahrßcit barfteflt)
auSrcidjeitbeS Biaterial, lehrhaftes mie gefdjidjtlidjeS, biete, um baraud
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