Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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tu zweiter Auflage erfdjeinenben „jjanbbudjS ber ffaffifc^en SlltertßumS»
wiffenfajaft" als nicht gefaßrbrohenb für bie -Berbreitung eines foldjen
tßeologifdjen SSerfeS anfehen, uiib zweitens wäre auch noch bte grage,
ob nicht burdj ntehrfeitige SRebuftionen beS jeßigen gnßaltS beS Rödler'
fdjen gjanbbuajS ein ©heil beS fRaumeS gewonnen werben fönnte, ber
für bte bon unS gewünfdite Ergänzung beS SBerfeS nöttjig wäre. ©iefer
©ab bietet unS einen Uebergang nur Darlegung ber wenigen -Be-
wertungen, bie wir an ben unS jefet zur S3eurtbeitung ooritegenben
gjalbbanb nocb anfnüpfen möchten, beffen reirber gnhatt ber fReihe nach
eine ©runblegung über baS theologifche SBiffensganje in feiner pifto»
rifrhen ©ntwictetung unb organifajen ©lieberung (3. 3 — 117 Bon Börfier),
eine biblifdje Ranonif fowie gjermeneutif (©. 118-188 oon S5ofdi, eine
Einleitung in baS 3t. X. (S. 189—288 Bon ©trad), eine ©eograpßie,
©efchiajte unb 21rdjäologie beS St. ©. (S. 289—421 Bon ©djulß-Strnd)
unb eine ©heologie beS 3t. ©. (©.422-477 Bon Sd)ulß »B. Drefli) um-
fdjließt.

©enn wenn wir Bon tiefen ©iSciplinen einmal bie Einleitung in bas"
31. ©. herausgreifen, fo meinen wir an bem |Bon ihr gebrachten gnßalt
ZUnächft biet? unb jenes als überftüffig unb Darum erfeßbar bezeichnen
ju foüen, weit es" entWeber Bont -Benußer beS -Buches ju leidjt felbft befdjafft
werben fann, ober bodj uns nicht fitnreidjcnb ruitfjttg zu fein fdjeint, als
baß eS erwähnt werben müßte. 3llS unnöthig für ben Wirtlich in ber
33ibel ftttbirenben ©fjeologen unb fogar als unheilfam für bie nicht fteine
Wenge ber bequemen unb attju genügfamen ©eifter feben wir bie Sin»
gaben beS gnßalteS ber oltteftameiitlidjen 93üajer an. ©enn jener merft
fidj bei ber eigenen SBibeQeftüre ben gnhalt ber Kapitel unb Biefleidjt
aud) S^id) me Rernfteflen an unb weiß nun, baß unb Wo er felbft fie in
feinem SBiBetbudje gelefett hat, bie anbeten aber werben fidj meift mit
bem 33efiße ber bargebotenen gnbaltSfcbernata begnügen unb nicht ein-
mal nteßr bie betitfdje SBibel burdjtefen, ja mancher wirb, weit auch he*
bräifdje Stamm bajwifchen gefeßt finb, fidj fthtießtidj einbitben, baß er
baS hebrüifdje St. 5t. burchgetefen habe. SBir finb ber 3lnfidjt, baß baS-
jenige, WaS jeber mit ben atS im allgemeinen 33cfiße befinbiid) Boraus-
jufeßenben JöülfSmittetu felbft fidj jufammenftetlen fann, nicht in einem
tbanbbitdj ber theotogifdjen SJ3iffenfajaften gebrudt werben fott. Etwas
anbereS wäre bie Stufhelluttg fdjwieriger ©ebanfengänge ber rebnerifdjett
ober bidjterifcheu ©heile beS St. St.; aber biefe fann bodj wieber in ber
„©inteitung" nicht Bottftänbig geteiftet Werben unb gehört in ben gleich-
zeitig Bon Strad unb Rödler herausgegebenen furj gefaßten Kommentar
über bie SBibel. ©benfo feßr für überftüffig halten wir e§, baß ©. 257
angegeben ift, WaS in bem für fterzog'ö „jReal-Sncljflopäbie" Bon ©trad
gefdjrt'ebenen Slvtifet „Kanon" fteßt. ©ine foldje Slngabe laffen mir unS
eher noch bei einem Söerfe, wie St. ©imon'S „Histoire oritique etc." unb
überhaupt bei allen ©ajriften gefallen, bei benen fidj nicht auS bem ©itcl
ißr Inhalt mit fRotßroenbigfeit ergibt. gm Bufammenhange bantit möch-
ten wir unS erlauben, baS Itrtheil auSzufpreajen, baß bie SRotirung ber
Seitenzahlen ber citirten SiteraturWerfe unS ebenfalls als minbeftenS
ganz entbehrlich erfdjeint. Sie fann bodj zlt lüajt beim liefen ben ©in-
brud hintertaffen, als würben literarifdje Seiftungen uadj ber S3ogenzahl
tayirt.

SJioIIten biefe 93emerfungen anbeuten, Wie burdj SRebuftion beS jeßigen
gnßalteS beS töanbbudjS fidj boaj tyn unb ba Sitaß für ben neuen,
nadj unferem SBnnfdje zu ergänzenben gnhalt gewinnen taffen fönnte,
fo motten wir uufer ©inBerftänbniß mit ber gbee biefeS Bödler'fdjen
SJJerfeS audj nod) baburdj an ben ©ag legen, baß Wir mit einigen Säßen
Zeigen, Wie ber gegenwärtige gnhalt beffelben unS an einzelnen 35unften
ejtenfin unb intenfio Berttotlfommnet werben zu fönnen fdjeint. ©er
S3erf. ber „©inteitung ins 31. ©." nennt auf ©. 189 bie Bon ißm gemachten
Siteraturangabeit „reidj"; aber biefeS VBräbifat fann nicht an allen
Stellen aufrecht erhalten Werben; benn über bie grage nach bem SBerth-
oerhältniffe beS ßebraifcbeti unb beS griedjifchen 31. ST. fehlen aus bem
g. 1887 brei Slrbeiten. »Bei ber Slufzaßlung ber S3üdjer ber Siulgata ift
S. 257 SRopftS, gofuae, SiehemiaS gebrudt; aber in meiner StuSgabe
menigftenS fiept IRotjfi, Sofue, SReemiaS. SnSbefonbere fdjeint eS unS,
baß bie Shefen über bie Sientateuchfrage (S. 214 f.), bereit Kürze in ber
erften Stuflage beS SüerfeS mit ber bamaligen Sugenb ber neueften fBen-
tateudjfritif einigermaßen entfdjulbigt werben fonnte, für bie britte Sluf-
lage zu einer ooüftäubigen ©rörterung ber grage hätten umgearbeitet
werben müffen. Slber eS finb audj bie 3£t)efen ihrem berzeitigen Qnhalte
nadj nidjt hinreiajenb beftimtnt ober materiell ridjtig. ®enn WaS foll
in ber erften 3:tjefe ber ©aß: „baß fpraüjlichc ©rünbe eher ein hinab-
gehen unter einen beftimmten geitpuutt Berbieten als ein hinaufgehen
über einen foldjen gebieten" bebeuten? ©benbafelbft ift bie grünbliche
Slbmügung ber fprachlicheit Strgumentationen iTtöffet'S unb SBrioer'S,
metaje Bon Kuenen in feiner „hiftorifch-fritifchen ©inteitung in bie iBüdjer
beS 31. 1. STheit (Seipäig 1885—87), ©. 276-279 »c angefteDt Worben
ift, unerwähnt gelaffen unb baburdj ber Status quo ber ®iSfuffion oer-
fqjoben worben. SBaS foll in biefer erften Xfjefe enbtidj bie SJerweifung
auf bie angeblich fidj gleich bleibenbe ®enfmälerfprad)e? ®ie Sprache
ber altteftamentliajen Schriften ift ja feine fiaj gleidj gebliebene. ®ie
zweite SJtjefe lautet: „3üie weit in öorcjilifcften ©ajriften auf ben fprieftcr-
cobej iRudficht genommen ober angefpiett werbe, bebarf noaj Weiterer

llnterfudjung. SRidjt alles, WaS man anzuführen pflegt, ift beweiöfräftig;
bodj fann iaj niajt umhin manche Stelle für überzeugenb zu holten. Sgl.
Kart URarti, gahrbb. f. prot. SEfjeof. 1880". 3Bir meinen, baß ber Käufer
beS tBudjeS für foldje fBemerfungen nidjt fehr banfbar zu fein braucht,
baß er aber fdjon mehr Slnlaß bazu gehabt hätte, wenn auch nur eine
einzige ©teile, welche als ©itat auS bem fJJrieftercobej geltenb gemacht
werben fönnte, nach ihrer SBemeiSfräftigfeit beleuchtet worben wäre, gn
SEßefe 6 heißt eS: „SluS ber fRichtbeobacbtuitg Bon ©efeßen folgt nidjt
nothmenbig bie 9lid)tepiftenz biefer ©efeße. . 93ilberfultuS in gfraet troß
beS uralten S3ilberBerboteS". gnbeß SSereßrung Bon gehooahbilbern läßt
fidj nidjt bei ben prophetii'chert gührern beS alten gfrael nadjweifeii.
SJetreffS ber SSielßeit unb ©iiißeit ber KultuSftätten, in 33ezug auf weldje
nun gerabe bie $entateuchfchidjten bißeriren, liegt bie ©adje aber anberS,
Weil audj Samuel außerhalb beS SißeS ber SBunbeSlabe geopfert hat.
-Set ber Bon unS für nothmenbig gehaltenen Umarbeitung ber pentateudj-
fritifajen Siartie wirb hoffentlich aud) ber tieffinnige ©aß „3)ie fünf-
tigen fRefultate fortgefeßter 33emühungen um bie Sßrntateudjfritit laffen
fidj natürlidj nidjt im einzelnen BorauSfagen" enbtidj mit geftridjen Wer-
ben, ©adilidje ober formelle SBerfeßen Bon geringerer 93ebeutung finb
fotgenbe: ©.232 ift gefagt, baß gegen bie ©djtheit uon .fjefefiefS ©djrift
fidj in neuerer Bett außer Bll"ä nur ©einede erflärt habe; aber eben«
baffelbe hat Sileßftein in bem Sluffaße über baS batanäifdje ©iebelgebirge
1884, ©. 19, ferner SR. 33erneS in feinem Söudje „Uno nouvelle hypo-
! thöse sur la composition du deuterouomo" (1887) getljan, bis bann, nebenbei
j bemerft, bie Sluffäße Bon §aBet tn ber „Eevue dos deux mondes"
; 1889, p. 516—565 alte altteftamentlidjen 33rophetenfd)riften inS zuteile
' Bordjriftlidje gahrjunbert herabbrüdenfotlteu. Stuf 3.230ßeißteS: „SReßr
hat beffelben ©eleljrteii 3lnfid)t für fidj :c." ©o fönnte nur gefdjrieben fein,
wenn Borher eine Slnfiäjt ©walb'S abgelehnt worben wäre, mäßrenb ber
Borhergehenbe ©aß bie 33itligung eineS llrtheilS Bon ©malb auSfpridjt.
SRandje SRaterien finb nidjt im organifdjen Bufammenbang mit bem
©anzen gebradjt, z- 33. ift nidjt gefagt, welaje SJebeutung bie ©efdjidjte
| ber ©djrift für bie -Eejtfritif haben fönnte, ift alfo nidjt bemerft, wes-
halb fie überhaupt in ber „©inteitung" befjanbelt wirb. Schließlich fehlt
eS audj nidjt an meßr ober weniger fatalen 2)rudfeljlern, inbem z- 33.
©. 226 to Sopapri-xov fteßt, unb fetjr überrafdjenb ift eS, wenn man
auf S. 193 ben SRifdjnatraftat „gona" auftatt „goma" ermähnt finbet.

©b. ilöntg.

Urne ßrobaii)tum)fu über l)cbrmfujr Spratt)fitjciitl)iimüfi)keitcii.

«on gr. SJelißfdj.
XI.

©djreibgriffel (»»), SEinte, SEintenfaf; fommen fdion in ber altteftament-
lidjen Schrift Bor, aber SiappruS wirb nur als fRitpflanze ermähnt, nidjt
als ©djrcibftoff. ®er hcbräifdje fRamc beS 33uajeS weift auf enthaarte
geglättete rEhierljaut (o. ito rafieren, Wob. ted = aV: SJarbier), ber
griedjifdje sRame bagegen auf 33aft beS Sjapprus (ßißXoc,, ßtßXoq).

gn ber djriftlidjen SlnfangSgeit tjerrfrfjte ber liaptjruS. fEßfobor Baßn
hat in feiner ©efcßidjte beS neuteftamentlidjen Kanons mit SIReifterhanb
befdjrieben, wie innerhalb ber brei erften djriftlidjen galjrhunbertc bie
$errfcßaft beS fPappruS ber $>errfdjoft beS foftfpicliqcren aber bauer-
tjafteren tßergament« gewichen ift.

©ie ^anbfdjriften, weldje SJauluS bei ©arpuS in ©roaS z"tüd-
getaffen, finb tßeilS ©djriften auf 33apBruS, tßeilS Schriften auf Ricrgament;
benn wie audj fonft libri unb Codices ober in glcidjem ©inne chartae
unb membranae unterfdjieben werben, fo unterjdjeibet UjanluS ß'.ßWa
b. i. 33üdier auf SJaptjruS unb (isußpcfvai b. ß. tpergamente im Sinne
Bon ©ajriften auf V|3ergarncnt, alfo c8»r~ ijjjip; benn D*p8p:rt mit Salfinfon
»erbietet fidj fdjon baburefj, baß ber nadjbiblifdje Sprachgebrauch imw
(gelle) als vßlur. Bon rjVp gebraucht; nur einmal finbet fidj bei äRaimo-
nibeS in tpildjoth, ©efillin II § t -=-s, roo man nadj OTenactjoth
34b unb Sllfafi mi« «-tt zu erwarten hätte. Um iidj für feine vuteiter-
reife nidjt unnötßig Z" befrhroeren, hat SiauluS feinen SRantel nebft
feiner fleincn .fjanbbibliottjef zuriidgelaffen (dxÄ'.r-ov =ipnan, nidjt -pat»,
benn 3t» cntfpridjt englifajem to torsake unb n*3n englifdjem to leave).
Slm weiften ift ihm an ben SRembraneu b. i. VpcrgamentcobiceS gelegen.

©inmal 2 goß. wirb in ber neuteft. ©djrift mit ber ©inte baS liapier,
ö ycipT',;, gepaart. ©S ßeißt in ber SRifchna unb Weiterhin i;i (uejär),
einen onbern vRamen gibe eS nidjt als biefen, welcher eine lichte helle
giäche zu bebeuten fdjeint.

Seicht unBeronlaßt inmitten biefer Stotigen über alteS «udjmefen ift
eS unb Wiütommen wirb eS fein, wenn wir hier ©inigeS über baS SJJort
Ttrma (rualmdüra) auf unferen UebcrfeßungStiteln beifügen. ©S ift ein
inS ^ebräifdje ßerübergenommeneS aramäijdjeS 933ort (b. nrt, ßebr. itn,
redire, repetere) unb hat in ber ©titftchungSgefdjiüjte beS ©almub eine
ßeroorragenbe 93ebeutung, inbem 9). Sljdje, beS fRebattor ber babölonifdjen
©emara, biefe nadj 33aba SJatßra 157b zn-eimal Bortrug; biefe z>o°i
©ejtrecenfionen Werben als siap Kiiirra unb mna siith» Bon einauber
unterfdjeiben. 83on ba aus ift in ber jüngeren Uiteratur mnnn ein be-
liebtes SBort für SluSgabe editio geworben, welches befonberS nadj bem
33organge .fjeibenheimS fidj eingebürgert hat. Slnbere geben bem oon
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