Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

11.1890

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ttr. L f ctpjig, ton 3.3anuot 1890,

Jörns DtErlEljährlirij 1 Jfift. 25 }£>f.
5nI"ErfionB{iEbiiI]r pr. gEfp. JÖElifiEilE 3ü pf.

-© (Erl'dtcint jc&cn (IrcUag. ®-

(SxpEbif iort ."

Sur groge ber tbcologifcfien gncptTopabien. [ DBIIIngcr, Ign. t„ Beiträge a. Sektengmchioht«.

Acne Sicobaditmiflcn über ticbräitdie Spradjeigen» Utllqorn, Dr. th. 0)., Die rtjriftl. SiebeStbätinteit.

Hümlidjfeiteit. SEton gr. DeliBf et). XI. ttcTItit. 83. % g., Der .fjeilsraert beb Dobcb gehl

Sruhfrtiammer, gat, Die IBbUoloptiie beb Xb> VtnDrrd. gac , äroanjig qjrebigtcn.

mab oou «iqiiino. *a dl manu, D got, , iteSte IBrebigten. SBeftm.Dr.

ßetur , t>. gobanneb Saadjmann.

Scbilb unb Dfeil.

Piriifitr tbeologiiebe Eiteratur.

UniOer(ltätb(cbrifteii.

Heiticbritten.

Sierfcbiebene».

3ur .frage örr ttjcologifdjtn (Encnklopäbitn.

gnbem JRef. jeßt zum elften mal in bet Sage ift, einen Dßeil beS
^öttter'fcben „HanbbuchS ber tbeologifeben SBiffenfcbaften" öffentlich; ju
benrtfjeilen*, benußt er biefe ©clegenbeit, um nor allem auszubrechen,
roie fefjr er mit ber gbee biefeö literarifdien Unternehmens einoerftanben
ift. Denn Sief, ift oon je ein prinzipieller ©egner ber alpbabetifd) ab-
gefaßten Bealroörterbücber, inbem er biefelben für Quellen ber #er-
ftüctelnng beS SBiffenS unb für .fpemmniffe einer zufammenbängenben
Durcharbeitung eines" SBiffensgangctt anfieht. SBie wenige Dpeologen be-
fdiäftigen fich, um ein Beifpiel herauszugreifen, in unferer {feit eigenS
unb im gnfammenhange mit ber biblifchen ©eograpgie unb Archäologie,
fo fepr auch eine methobifche unb umfaffenbe ©rfenntniß biefer tbeolo-
gifeben DiScipIiuen nicht bloä baS Bemußtfein, ein gut auSgerüfteter
X\)to\oQ jic fein, erhöhen muh, fonbern auch bei ber Bibelerflärung auf
Schritt unb Dritt greifbare unb feljr erfreuliche grücqte tragen wirb.
SRan hat fich Bielmehr geroöhnt, baß man, fo oft bei Ber Scßriftleftüre
ber Aanie eineS BergeS, eineS gluffeS, einer ©labt, einer Rranffjeit,
eineö ©erätßeS je. oorfommt, ein Bealmörterburh auffcßlägt. Aber roie
Wenig fommt bei fofdjer fjBrariö bie SeifieSauSbilbung einerfeitS unb bie
Beantwortung ber allgemeineren unb zugleich höheren gragen ber SBiffen-
fchaft anbererfeitS ju ihrem Beeilte! Denn auf ber einen Seite gelangt
ber (Seift beteiligen, welcher eS fo zu machen pflegt, nicht zu einem nach
innerlichen ijufaminenbängen georbneten, auch abgerunbeten, baher relatio
leicht Don Berftanb unb ©ebäcbtniß zu bewälligenben unb wieber infolge
beffen gefieberten Schaße Bon ©rfenntniffen, unb bie objeftioe SBiffenfchaft

Bon Urfunben befonberS aufmerffamen Herausgeber, biefe Bon bem in
ben fatholifch'proteftantifchen SontrooerSgebieten Borjüglich bc'wifcben
D. Biftor ©chulße.

SBir möchten aber noch in anberen Beziehungen biefe ©ncbllopäbie
Beroollftönbigt unb oertieft haben. UnS fdiwebt Bon einer folajen fpfte-
matifchen Bearbeitung beS tbeologifeben SBiffenSganjen baS gbeal Bor,
baff in ihr, Wenn auch nicht in gar feinem, fo boch in wenigeren unb
nur minber wichtigen gölten auf anbere SBerfe als auf Urgänjungen
Berwiefen werbe. Deswegen meinen wir, eS follten bei allen DiSct«
plinen — wir benfen naturgemäß immer in erfter Sinie an bie alttefta-
mentlichen, theilS weil fie berufsmäßig Bon unS oertreten werben, unb
tpeilS weil fie in bem unS oorliegenben Halbbanbe ben Hauptinhalt auS«
machen — wenigftenS bie entfeheibenben, fcpwierigften Bcatenen in er-
fchöpfenber SBeife erörtert Werben, gn einem folcben SBerfe müßte
ff. B. bie groge ber Bentateuchentftebung, ober bie ©efehiebte ber Bilbung
beS altteftamentlichen Kanon, ober baS Broblem ber relatioen Slutoritüt
beS hebräifchen (famaritanifchen) unb griechifchen 31. D., ober bie grage
nach ber urfprünglidjen SReligion beS älteren 3frael fo behanbclt fein,
baß bie entfeheibenben Argumente Boüftänbig oorgeführt unb nach itjrcr
BeweiSfraft fo genau gegeneinanber abgewogen wären, baß nicht ber
Sefer beS betreffenben 94bfchnitte3 ju beffen nothwenbiger ©rgän^ung auf
ben entfprechenben Slrtifel im „Jperjog", ober auf anbere SBerfe Ber-
wiefen werben müßte.

gerner fönntc nach unferer föfeinung ber SBertb, eines folctjen SBcrfeS
in feinen gefehimtlichen Slngaben fehr baburd) gefteigert werben, baß baS
biographifche (Jlement fonfequent Bon ben einjelnen Bearbeitern ober

Barum eine große Beenge Bon Bern hern unb Bfleaern entbehren r «j. . «. m \ « rr v c t

<d.„„ f,.; ei*»- ^c«Hc^äiCA„„ m.»«.. x • = m Lei, <- 1. . , mußte ftch biS *u einem hohen ©rabe erreichen laffen, baß eine oldje

Denn bei older rhap obijchen Berwenbung e neS ycadjfdi agebucbS roirb i m L7wi 1 ■ m » kl . r,',. i » -

in ben beifpieisweife genannten gmeigen ber ©efammUheolog^e bk-gra e ' ®nc^Iopab« ouef. m »e*iifl auf b,e SebenSgefch.chteni^ber' alten Sornpbaen

nach ber ©rbftenung beS heiligen SanbeS nicht efteHt, baS ©efammtbi b : ^t4h" f?'*f\K:ffr^flfn T b" ®.uöp,,rUn8 Purd' "K

k.r hHiiitcJ ra.n»;»iin. cii,isB!n»ä >____AfäccLf i c "'u"u aIpßabe11fcl) georbneteS StealleEifon baftünbe. Dabei metnen wir nicht,

berPhhlifdjen ©eographie Balaft.naS oernaej) afftgt, ber >iu ammenbang w' '» ü,irhn„„n h„a „

iwifchen ber lirbftcUuug biefeS SanbeS unb feinem Rlima, feinem jähr-
lichen Sfaturleben, feiner gauna fowie glora, feinen Rranfheiten unb
fonftigen Bingen 2c. gelodert ober ganj jerriffen, unb bie etwaigen Be-

baß f. B. bie #eidjnung beS SebenSlaufeS unb ber ©efammtwirffamfeit
eineS Burtorf fowie bie SIngabe aller ober ber meiften feiner litcrarifrhen
Brobufte in bie Kirchengefebießte ober in bie ©efdjichte ber theologifdjen
Siteratur aufgenommen werben foDe, obgleich bie leßtere äJlöglichfeit un.3

riehungen ber allgemeinen geograpqifcben fflefcJhoffentjeit beS Orients gut fi k « iB T , m T ' 71 «V, Z,*HrZ ™Z
Kultur beffelben bleiben ein wenig gefteUteS unb norfj, weniger bearbeitetes fet>r *,SHüoM ct®nnt SS,eItnet'r nMen * ^ an^m
Broblem.

Dbgleid) aber aus biefen unb anberen ©rünben unS bie ifödler'fche
©ncp'lopäbie nadj ihrer gbee im höchften ©rabe fhmpathifdj fein mußte,
unb obgleich mir auch bie in ihr beibehaltene (Sintheilung ber tbeologifeben

halten, wenn folcbe biographifche ©fiäjen bei ber SIbhanblung berjenigen
DiSciplin cingeflochtcn würben, auf beren ©ntwidelung bie betreffenbe
Berfönlicßreit am meiften einflußreich gemefen ifl. Der SRebaftor fönnte
Berhüten, baß foldje gefchiditliche Ausführungen an mehr als einem Orte

uno oog, uc luii uuu, i .« m oeiueiuueue ^nepeuung oer u,eo.og.,u,en ^ f eingeftreut mürben, nnb ber bem SBerfe ohnehin

©efammtw.ffenfd,aft ur b.e einzig richtige halten, fo hätten Wir bodj %. « ^ * ^ M jebem sj3er|onennamen bie @tctlc M

,d,on nach ihrem erstmaligen fetten «orfchläge ju ihrer BerBoll- « ° amReiften herausheben, an welcher über bie fragliche Berfon

fornninung ,m ©ansen unb in einjeltjettcn machen mögen unb glauben, , ' . , 6fn roorben jft

5S?Ä *Us,f*e m* lHu^HZ ^ hnl° l!l\^ Z «»Bleich 5ur BerBoüftänbigung unb Äugleich jur Bertiefung beS

«Jon b?r «r*n. c,",^ u m*Kl" m"™*?^ *t' 6 i ™* fc,*en Kerfes müßte eS gereichen, wenn in bemfelben

feui not Ah »effelbrn weiten fl«* lebhafter Anerrennung er- , ^ehr unterfnrht nnb bewiefen, weniger bloS behauptet unb referirt würbe.

h mitfäSl'i* bei T^rm m\ b"rt b^n.°Li SiS Sfla e ®cn« »• »■ SBerth, weld,e Bebeutung für bie ©ntfcbeibung

hauptfachlid, be, ber Beranftaltung ber je*t erfchemenben bntten Auflage b(t ^„mmtn grQge M Hbe'r Wpxe(bmq be?

Bentateuchfritif bie, oft mühfam genug auS weitläufigen SBerfen ,m»
fammengefudjten Anfidjten Bon fo unb fo Biel neueren ©elehrten nicht
etwa, wie eS erlaubt unb nüßlidj Wäre, im Sange ber felbftänbigen

mandjer non unferen SBünfdjen befriebigt roorben ift. Denn roaS unferen
erften unb baiiptfäcblidiften SBunfd, betreffs ber AuSgeftaltung biefer
fadjlid, georbneten ©nchflopäbic anlangt, meldicr bereu ©rweiterung unb
Bertiefung erftrebt, fo befißt Bor ben jroei erften Auflagen bie britte ben

Borjug, baß fie eine Bearbeitung ber allgemeinen fReligionSroiffenfchaft «»»«fuchnng an ben betreffenben Bunften nebenbei bewerft ober audj
«..« her hnfür befonberS befäfiioL «,k"k.. c»„hn„ " ntft.« iL. e,ncr ^itif unterworfen, fonbern als einfaches fReferat bintereinanber

auS ber bafür befonberS befähigten grber beS gnbogermaniften Bruno
Sinbner in Seiprig bringen fotl unb ebenfoDarftetlungen ber theol.Siteratur»

aufgejählt roerben? SBelrher Sefer fann, ohne baß er eine allfeitige
©rroägung ber in Betracht fommenben Argumente angefteüt hat, Mf

gefchichte (hauptfächlich ber älteften flrit ber Rird,engefchid,te) fowie ber m • ■ ? , T, 1 • ■!"»"'m", ZZJm

a,riftlid,en Bolemif enthält, jene bearbeitet Bon bem auf neue gunbe ^orjuglidifeit einer ber aufgezählten aReiiiuugen ertennen unb eBeiitueH

1 einer berfelbcn fid) anfdjlteßen? ©erabe bie fpftemattfehe Uiiterfudiung

* Haiibbttd) ber theologifd)en SBtffenfrhaften in enctjflopäbifdjer Dar-
ftelluiig mit befonbercr SRütfndit auf bie ©ntroidlungSgefcbichte ber ein-
zelnen Difldplirten hrSg. Bon Brof. Dr. 0. Rödler. 3., forgfältig burch-
gefeljene unb großenteils umgearbeitete Aufl. 1. Bb. 1. Abtlg : fflrunb-
legung unb brr ©dirifttheologie 1. Hälfte 9Rit 2 Karten. Aörblingen
1889, Bed (XIII, 477 ©. Sej.-8). 7 3Rf.

ber Streitfrage ift in bem angezogenen Beifpielc ftiefmütterlid) behanbelt.

SRnß man nun fürchten, baß bei ber ©rfüüung ber Bon uuS auS-
gefprodtenen Defiberien ber Umfang einer jolchen theologifdten ©ucpflo-
päbie nm einen ober zwei Bänbc machfen müßte: fo Würben wir biefe
golge erftenS an fich unb im HinDlict auf oen noch größeren Umfang
beS auch bei Bed in SRörblingen herausgegebenen unb jum Dßeil bereits
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