Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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ber erfte Pfarrer bet Kircße 9lugbb. Konfeffion in Ißarib, ein Wömpel«
garber!, ber feine fcßwäbifaje ©erfunft nicßt berleugnet, unb ben aurß
feine tt)eo(ogifd)en ©egner einen Wann naa) bem ©erjen ©otteb genannt
ßaben. Xaun bie Sirßtgeftalt beb menfdjenfreunblicßen IBfarrerb im
©teiurßal: griebrtcf) Obetlin (1740—1826); unb bie eble beutfrße Biel«
geprüfte ftfürftetitpcfjter, bie auf ben Stufen beb föniglicben Xßroneb Von
granfieia) ftanb: Helene bon Orleans! (1814—1858). ©nblicß Subwig
©arrnb (t 1864), ber fernbeutfcbe 'Pfarrer Bon ©ermannbburg, ber in
feiner meltabgefcßiebeneu Süueburger ©aibe roie ein Patriarch, in ber
91äße unb in bie gerne wirft. SBilber aub bem Beben (Pergangenßeit
unb ©cgenmarr), ber and 9lnlaß ber Wörtßer Sajlacßt (6. Puguft 1870)
bielgenannten Xorfgemeinben gröfrßweiler unb Worbbronn befdjliefjen bab
anjicgenbe unb (cßrreiaje S3ud). SBenn ein 9Bunfd) übrig bleibt, fo ift
eb etroa ber, baff einjetneS weiter aubgefüßrt fein foHte. S3ei Oberlin
j. SB. ift feine politifeße Stellung gar fura abgemacßt.

liimpcl , SB (»rcbitiiaronuä in Schmölln, <S.=Stltenbiit8), ©efeßießte beb e»an>
l> | gclifcbcn Kirehengefangcö im ©erjogtßum ©otßa. 1. Xßl. ©efeßießte

beb ©otßaifcßen ©efängbucßb. ©otßa 1889, ©cßloeßmann (VI,

121 S. gr. 8). 2 Wf.
E* SBenu fiel) aud) in neuerer Reit feit bem Sßorgange bon Boa) unb
SBarlernagel bie ßßmnologifcße gorfcßung mit Porliebe ber ©efeßießte
beb ebangelifeßett Kircßenliebeb augemanbt unb auf biefem ©ebiete SBe«
beutenbeb geleiftet bat, fo bleibt bocß nocß Biel ju tbun übrig. Pefon«
berb bie ©efeßießte beb Kircßengefangeb in ben einzelnen Sanbcbtircßen,
welche bod) für ben in ißnen ßerrfcßenben ©eift fo bejeidfnenb ift, barrt
nod) ber '.Bearbeitung. SBab ber ältere SBacßmann für S3erlin („3ur ®e»
fcßießte ber S3erliner ©efangbücßer". S3erlin 1856), ber jüngere für
föiettlenburg („©eicßicßte beb ebang. Ktrajengefangeb in wcflenburg".
«Roftocf 1881) geleiftet bat, bab will ber Perf. für bab ©eraogtßum ©otba
leiften. Sluf ben borliegcnben erften Xßeil feiner Slrbeit, meldjer in ber
SBefrßreibuug feiner einjelnen Slubgaben bie ©efeßießte beb gotbaifdjen
©elangbucßb entbält, foH ein jweiter folgen, ber bie ©efeßießte ber
gotbai)d)en Kircßenlieberbicßter bringr/mäßrenb ber britte bie ©efd)id)te ber
Sluwenbung unb SBirfung beb Hircbenliebeb im ©erjogtßum ©otba
fcßilbern wirb. Sllb 2obn für feine Wüße wünfrbt ber Perf. bor allem,
baff man bei ber allgemein anerfannten Unbraucßbarfeit beb jeßigen,
bon Pretfcßneiber 1825 beraubgegebenen gotbaifdjen ©efängbucßb in ben
alten, oortrefflieben Slubgaben beb 17. gaßrßunbertb ©rfaß fudje, ein
SBunfcß, ben jeber Kunbige tbeilen wirb. X)aß ber SSerf. fetjr fleißig
unb forgfältig gearbeitet bat, gebt aub allem ßerbor. Xie folgenben
Xßeile werben natürlich bielen, Welchen biefer erfte, rein bibliograpßifcße
Xßeil weniger jufagt, intereffanter fein, ber SSetf. bat aber fetjr woßl
getban, bab borliegenbe Watertal erft grünblid) ju erforfdjen, ba nur fo
bie gefdjimtlidje ©tttmicfelung inb Siebt gefteüt unb ber reeßte SBecj jur
S3earbeitung eineb neuen ©efängbucßb gezeigt werben fonnte. #u etnjel«
nen Siebern, bie alb bon unbefanntet't Perfaffern ßerrüßrenb bejeießuet
werben, bätten wol bie Perfaffer genannt werben fönnen, benen man
fie, wenn aud) uidjt immer mit boller aießerßeit, jufeßreibt. SBir nennen
j. P. „Sldj bleib' bei unb, ©err gefu ©ßrift" (SRif. Setnecfer), „Xab
alte gaßr Bergangen ift" (goß. ©teuerlein, ©teber), „Slcß ©Ott unb
©err" (SRutiliitö; f. SBacternogel, Kireßenlieb I, 731), „SBab mein ©Ott
Will, bab gfcßeß aUjett" (SKbrerßt ber jüngere, Warfgraf bon Pranben»
bürg), „Slub meineb ©erjenb ©runbe" (goß. Wattßefiub), „gefu, ber bu
Wollen büßen" (goß. grand), „SBarum betrübft bu biet), mein gjerj"
(§anb Sarbb? f. fiawerau, „fjanb ©ad)b". £mü*e- 1889, ©. 83). gür
ben ^weiten Ztfäl feiner Slrbeit bürfen wir bem SSerf. BieUeicbt, fatlb eb
tßm unbefanut fein füllte, alb nujjbareb ^ülfbmittel bab SBud) eineb
beimgegnngenen greunbeb empfeßlen: g. ©laeüede, „®er ©efangbud)b*
füßrer" (Sloftod 1872). klt). f.

(ibriflotcrpe, SKeue. ©in gaßrbudb ßrbg. bon fRubolf Sögel, SBüß.
SSaur unb ©mil grommel. (1890.) SSremen u. Seipjig, WüHer
(V, 363 ©. 8). 4 Wt.
®er elfte gaßrgang beb, wie eb fdjeint, im gebtlbeten ©bnftenbaub
fid) meßr unb meßr etnbürgernben gabrbuajeb liegt bor unb unb bringt
Wieber eine gütle beb Söbltdjen unb Srefflidjen. ©b finb jum Xtjeil bie
alten bewäbrten Witarbeiter, bie ifjre ©aben bor unb aubbreiten, pin
Jgeil begegnen wir aud) neuen Kräften, fßaut Kleinert eröffnet ben
SHeigen mit „©twab bon ber ©ottebleßre im erften Wofebbud), gewiefen
an ber ©efdjidjte gafob'b", einer Slrbeit, weldje ©rbauung unb 33e«
teßrung in muftergültiger SSJeife berbinbet. gn ben reidjlid) angefübrten
SSibclfteden gegt bec SSerf. mit frudjtbaren SSinfen auf ben ©runbtejt
jurüd. SSefonberb fdjön ift ber Scadjmeib gelungen, wie bie ©rinnerung
an ben närbtlidjen Kampf gafob'b in SSropbeten unb SSfalmen nadjflingt.
Otto gunde bietet ©rinnerungen „Slub ber gugenbjeit", bie jum ©c-
quidliajften gebören, wab er überbaupt gefdjrieben bat. SBäßrenb in ben
SReijebilbern beb früßeren gaßrgangb eine gewiffe llnruße ber ©djtlberung,
aud) ein ©irbbertieren inb Unbebeutenbe »uweilen ftören modjte, finb ba«
gegen biefe SJtlber aub bem fleinftäbtifdjen Beben SBülfratßö in ber
tHgeinprobinj Dom lebenbigften ^eimatgefüßl burdjbrungen. SBenn unb
gunde in bab $aub eineb bieberen Slrjteb unb an ben Stieberrbein
füljrt, fo berfeßen unb bie gugenberinnerungen, weldje SBilbelm SSaur
unter bem etmab gefudjten Sttel: „Strtdje jum SSilbe beb ©lüdeb" ju»
fammenftetlt, in ben Dbenwalb, Wo mir bie fräftige Suft eineb maderen
orftbanfeb atbmen. ©benfo auf perfönlidjen ©rinnerungen nidjt ber
ugenbjeit, aber beb reiferen Wanrtcbalterö berußen bie ©fijjen: „9?orb»
beutfdj unb ©übbeutfdj, fßieberfacßfen unb ©eßmaben", weldje Waj
grommel nad) ber Statur gejeießnet ßat. Unter ber Ueberfcßrift „In
piam memoriam" feßt Sluboif Kögel feine Wittßeilungen fleiner, aber
bebeutfamer ©ßaratterjjüge au* beut Seben Kaifer SBilßelm'b L fort,
©in ebenfo beßeriigenbmertßeö alb frudjtbareb SBort jum grieben 9Wi«

feßen jmei Wädjten, weldje (eiber immer nod) bielfad) nidjt im reeßten
©inn unb ©eift fid) in bie fjänbe arbeiten, fprittjt Bubmig iHenneb tri
bem warm gefajrieberien Sluf faß „©aub unb ©djule". ©ine reitßßaltige,
äu weiteren SSeobadjtungen anregenbe SSetradjtnng ift bab Staturgemälbe
bon ©. Sennert „Stimmen ber Statur". ®er S3erf. fdjeint namentlidj
„bogelfpradjefunb" 9u fein, wie Stüdert Bon Salomo rüßmt. Unter
bem Xitel „SSpngftrofen unb ©immelfdjlüffel" berfenft fid) ©mit
grommel mit feinem im beften ©inn beb SBorteb männlidjen ©umor
in ben grieben unb Segen ber Sonntage äwifdjen Oftern unb fßfingften.
gwei auf grünbliajen ßiftorifdjen ©tubien berußenbe leßrreidje Sluffäße
finb „Xie SbBiebertäufer in Wünfter" bon ©ermann SBaßer unb
„Suigi Xefanctib, ein italienifajer glroteftant ber Steujeit", bon Seo«
polb SBitte. Kein uneingefeßränfteb Sob fönnen mir ben beiben @r«
jäßlungen „®ie römifdje Sampe" bon ©. Bon Sdjreibcrbbofen unb
„ijmeierlei geuer", eine fölner ©efttjtdjte bon Waj S3orberg ertßeilen.
gn beiben ift ätbar bab angefaßte Problem wirflidj bebeutenb, unb bie
XarfteOung fuajt, nidjt oßne ©rfolg, aubgefaßrene ©leife j(u bermeiben.
Slber Weber in ber antifen Wärtßrergefdjicßte ©djreiberßofen'b, nod) in
ber mittelalterlidjen Seftirergefdjiajte SSorberg'b finb bie giguren unb
bie ©ntwidelungen ber 33egebenßeiten genügenb beraubgearbeitet. X)er
©djluß ift in beiben ©rjäßlungen gleid) tragtfdj, aber bab tragifdß ©r«
ßebenbe ift meineb ©radjtenb nidjt ermißt, gmmerßin feßilbert SBorberg
wärmer alb ber jumeilen inb groftige berfaüenbe ©djreiberbßofen. 3)ab
fBoetifdje ift biebmat nidjt fpärlicß oertreten. ®em „SSaterunjer ber
©etigen" ßabe idj fo Wenig ©efdjmad abgewinnen fönnen, alb mir bieb
bei irgenbeiner anberen poetifdjen IBarapßrafe beb ©errngebetb bibjeßt
gelungen ift. gnuig empfuuben ift „Seib unb ©lüd" bon Stenata S3eutner;
redjt ßübfd) unb anfpredjenb ©ottßolb Knapp'b „SSlütenseit"; tieffinnig
„®er Xranm beb ©ßarajan" bon 9f. 8eßmann=gilßeb. gn ber „©erbft«
Hage" bon ©. bon ©eilen ßabe idj außer bem Slluratib „Unterpfanbe"
nidjtb su beanftanben SBarm ift „Siebe unb Sieb" bon Waj grommel,
funftreieß aufgebaut: „gaj glaube, lieber ©err, ßilf meinem Unglauben"
bon SR. Kögel; fcßwungbotl „®ab Xenfmal ju SBormb" bon bemfelben.
gm ganzen ift bie Slubmaßl für ben ßeurigen gaßrgang alb eine redjt
gelungene ju be^eidjnen. __ }J. f.

Äcut(lc tlfeologtfitjc ffttecatur.

S3r)tlofo))t)ic. Schmidkunz, Dr. H., Ueber die Abstraction.
Halle a S., Pfeffer (III, 43 S. gr. 8). 90 4. Ders., Analytische u. syn-
thetische Phantasie. Ebd. (VU, 103 S. gr. 8). 1. 90.

Sftcot. (SnctiHopttbic. ©agenbaäj'ö, K. SR., ©ncßflopäbie u. We«
tßobologie ber tßeol. SBiffenfdjaften. 12. Slufl., auf ©runb ber Slubgaben
b. tprof. ©. Kaußfdi reo., ergänjt u. ßrbg. b. $rof. Lie. W. fReifdjte.
Seipsig, ©irjel (XVI, 600 ©. gr. Sj. 7 .H.

©eür. Wrommatif. Barth, Prof. Dr. J., Die Nominalbildung in
den semitischen Sprachen. 1. Hälfte. Die schlichten Nomina. Leipzig
Hinrichs (XLVIII, 208 S. gr. 8) 10 -Ä.

güb. Stterafttt. Abweichungen des gedruckten Textes der
Hachasaka [Amsterdamer Ausg. 1702], v. e. Handschrift aus Anfang
d. XIV. Jahrh. (Von J. Feigenbaum.) Franklurt a/M., Kauffmann
(VI, 148 S. gr. 8. m. 1 Facsm. in Lichtdr.). 3. 50. Gelb haus, Rabb. Dr.
S., Mittelhochdeutsche Dichtung in ihrer Beziehung zur bibliscb-rab-
binischen Literatur. 2. Hft.: Ueber die Gedichte Walther's v. der Vo-
gelweide. Ebd. (10 S. 8). 1 Jt.

fRcuteft. («tücitnt. ©eußer, tpeot. beijr. Xß., ©riedjifdje ©ßntaj
jum fR. X., nebft Ucbungbftüden jum Ueberfeßen inb ©riedjifcße f. gor«
menleßre u. ©ßntaj. 33a[el, ©pittler (VII, 88 S. 8). ©eb. 1.50.

SBtbt. Cfinlcihtttg. t©infüßrung in bie ßeil. ©djrift. Kurjgefaßte
gufammenfteflg ber mirßtigften Beßren aub ber ©inleitg in bab 91. u. 91. %.,
ber bibl. ©ermeneutif u. 9lrdjäologie. fRegenbburg, 93erlagb=91nftalt (IV,
296 ©. gr. 8). 2 Ji Sorof, Dr. M., Die Entstehung der Apostelge-
schichte. Eine krit. Studie. Berlin, Nicolai (104S.gr. 8). 1.60.
Gloel, Prof Dr. J., Die jüngste Kritik d. Galaterbriefes. auf ihre Be-
rechtigung geprüft. Leipzig, Deichert Nachf. (IV, 86 S. gr. 8). 1. 80.

©pccinltirdKitgcfrßiditc. t9)rücf, üSrof. Dr. ©., ©efcßidjte ber fatß.
Kirdje im 19. gaßrß. 2. «D. ©efeßießte ber fatß. Kircße in Xeutfdjfanb.
II. Siom 9lbfcßluffe ber ©oncorbate bib jur 93ifnjofbberfamm(ung in SBür*«
bürg im Wärj 1848. Wainj, Kirdjßeim (XVII, 592 ©. gr. 8). 7.60,
Bod, Petrus, de Felso-Csernäton, Historia Hungarorum ecclesiastica,
inde ab exordio novi testamenti ad nostra usque tempora ex monu-
mentis partim editis, partim vero ineditis, fide dignis collecta studio

et labore P. B. Ed. Prof. Dr. L. W. E. Rau wen hoff, adjuvante Prof.

Car. Szalay. Tomi I et III. Praefatus est Prof. d. J. J. Prins. Leiden
Brill (XVI, 477 u. VII, 426 S. Lex.-8). a 10 Ji

Slpoloftcrif. ©eueß, g. ©., ©lauße u. Unglaube, populäre 95or>
träge. Xeutfcß b. ipnft. ©. ©anfen. Säafel, ©pittler (VIII, 140 ©. 8). 1 Jt

f&Oßmarif. Antze, Adf., Die Religion Jesu Christi, in den For-
men der kirchl. Dogmatik, entwickelt u. dargestellt. Braunschweig,
Schwetschke & Sohn (XII, 335 S. gr. 8). 6 Jt

>lntcrf)etif «. 'Bböfiqogif. 93ünger, Sem.=S3ir. g., Xier ju ermar«
tenbe neue Katecßibmuö u. bie Sjolfbfcßule. SSortrag. ©annober, Weßer
(29 ©. gr. 8). 50 fSSolfmer, 6tm.--S>tt., goß. ggnaj b. gelbiger u.
feine Sdjulreform. ©in SBeitrag jur ©efeßießte ber 9Jäbagogif b. 18. gaßrß.
©abelfcßmerbt, granfe (96 S. gr. 8. m. 99ilb.). 1 50.

Jpumilctif. 9lnbreä, Bnnäter gac., gwanjig (JJrebigten aub ben g.
1557, 1559 u. 1560, jum 300jäßr. ©ebäcßtnibtag feineb Xobeb ben 7. gan.
1890 wieber ßrbg. m. e. furjen Sebenbabriß 91nbreä'b u. bem 93erid)t
feineb Kollegen ©cerbranb üb. fein ©nbe b. 3)et. ©ajm oller, ©üterbtoß,
SBertelbmann (VIII, 400 ©. 8). 5 Jt SBirtf enftaebt. eauptpaft. ©., ©mige
2Baßrßeit in ber ©praeße ber Reit. 2. golge. ®er ©laube im Seben u.
bab Seben im ©lanben. ©ine ©era« u. ©auöpoftiüe. glenbburg, 3Beft«
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