Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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llnb fo wirb man audj biefc SBiograpfite nid)t tefen oljne einen tiefen
©inbrud Bon biefem djarafterboden Wann ber Sieche gu empfangen-
93efonberS jungen Xgeotogen empfehle idj bie Sefung ber ©d)rift ange«
legentltd). Sie werben einen ©ewinn bafür gaben. ®em SSerf. aber
möchte ict) banfen für feine fdjöne unb audj fdjön gefdjriebene ©abe.
9tur ein paar fpracblicfie Steinigfeiten finb mir aufgestoßen. „Sonnen"
unb „Situr" (6. 34) fönnte mot burd) beutfdje SBorte erfeßt fein. S. 53
ift „Bor er gu biefer Uebergcugung burdjgebrungen" wol nur ein ®rud-
fetjler für „beoor". SBenn töombarb feibft (©. 58) „bottt" fdjreibt ftatt
„tottt", fo fommt baS rool Bon ber ungenauen füb» unb mittelbeutfdjen
StuSfpradje ber. Qn bem Sab (S. 58) enblid): ,,©r nahm fid) anfangs
gerabe ben Sinberuntcrricbt febr fdjroer" ift „fid)" wol ein unrichtiger
i<rooingialiSmuS. ©onft ift ©pradje unb $arftedung bortrepch. C£. f.

Bcberl, 9t. ($ft. s« anisia), Hab SSerhältniS be« Äonßrmanbenunterridjt*

gum ^Religionsunterricht ber SMfSfchule. SSortrag, geb.. auf ber Stjü«
ringer firtblitben Sonfereng am 2. Mai 1888 in ©ifenadj. ©otba 1889,
©djloeßmann (26 6. gr. 8). 50 S3f.

25er Sßerf. bat befonberS thüringtfdje ©cbulBerbitltniffe im Sluge-
SBenn biefetben überall berart finb wie gum SBeifpiel im Hergogtfjum
©otba, in roelcbem nur „eine SBeltanfdjauung unb Seetenoerfaffung, roie
fie ber ©ßrift unter ben SBedjfetfäden unb für bie Aufgaben feiner irbi»
fdjen Saufbahn bebarf" (S. 7), ali bai ftiel angefeben roirb, me(djeS ber
tReligionSuitterridjt ber ©djule an ben Sinbern gu erftrebeu bat, fo er»
roädjft aderbingS bem Sonfirmanbenunterrid)t eine befonberS fajroere unb
ernfte 9tufgabe. ®er Sierf. beftimmt bie teurere babin, baß ber Äonfir«
inanbenunterricbt im allgemeinen bai, was bie ©djute gegeben ljat, gu
ergängen, gu foncentriren unb gu Bertiefen, baß er aber im befonberen
bie jungen ©rjriften in bie SultuSformen ber Sirdje einguführen, fie auf
ben ©mofang bei ©aframentS Borgubereiten unb ißnen bie fircßlicben
UnterfdjeibungSIebren gum Sjerftänbmß gu bringen babe. Hai ift riebtig,
hätte fid) aber rool eintjeitlicrjer äufammenfaffen unb Iogifd)er gliebern
laffen, roenn bie Slufgabe bei SonfirmanbenunterridjtS barin erfannt märe,
bie im ©tauben ber Sirdje ergogenen Sinber gu bewußten Siefennern
biefeö ©laubenS gu madjen. Db biti je gelingen wirb, wenn nidjt fdjon
in ber Sdjule bie red)te ©rnubtage gelegt wirb, ift freilid) mebr als
gweifcltjaft. Ober werben bie Sinber wirflieb erft im Sonfirmanben»
unterrid)t „bie centrale ©teUung (£t>rifti in Erfahrung bringen" (©. 20),
wenn ibnen biefelbe nidjt fd)on aub bem ©Iternljaufe ober wenigftenS
Bon ber Scbule her felbftBerftänblid) geworben ift V Mit Stecht betont
ber SBerf. bie SBidjtigfeit bei SonfirmanbenunterrichtS gegenüber bem Born
©taat georbneten yMgionSunterrtdjt ber SiolfSfdjule. ©ine ernfte Maß»
nung au ben Staat, bai SBanb gwifdjen Sirdje unb ©djule fefter gu
fnüpfeu, bamit aus bem „©egenüber" ein „Miteinanber" werbe. Wäre
hier gewiß am Drte gewefen. ®arin, baß ber SatedjiSmuS Sutger'S,
aud) nad) ber Sieibenfolge feiner jpauptftücfe, für ben Sonfirmanbem
unterridjt beigubeljalten fei, wie barin, baß bie Sonfirmation mit ber
©ntlaffung aui ber SiolfSfcljule 3ufammenfaden müffe, ftimmen wir bem
Sierf. bei. ®ie gorberung, baß ber ^Religionsunterricht in ber ©cbule
für bie Sonfirmanben im lebten Siierteljahre ausfallen Jolle, wirb Bon
ihm ©. 25 gwar gefteUt, aber nidjt begrünbet. Sie wirb audj nur bann
gu begrünben fein, Wenn bie Sdjule ber Sirdje offenbar entgegenarbeitet;
bann aber Wäre ei beffer, bafj bie ©djute überhaupt feinen SleligtonS«
unterridjt ertheilte. ®er gange Siortrag geugt Bon ernftcr vluffaffung beS
paftoralcn 9lmtS, bedt beftefjenbe fdjwere ©djäben auf unb mag bagu
helfen, bafj fie erfannt unb befeitigt werben. £tj. f.

HauSbibel, gduftrierte. 9iad) ber Iteberfefeung Bon Dr. M. Suiper.
Mit über looo 9lbbilbungen, Sorten, Erläuterungen unb einer
gamilien.©hronif. ÜBerlin, fpfeilftüder.

SBir freuen uns heute bereits baS ©rfdjeinen ber gweiten, 10,000
Exemplare ftarfen 9luflage ber „gduftrierten HauSbibel" anzeigen gu
fönnen; benn faum ein galjr ift es her, feit baS SBerf Botlenbet Würbe.
9ln biefer eingigarttgen SluSgabe ber üutherbibel (mit Slpofrrjptjen unb
Sjarallclfteüen) fäOt sunädjft angenehm in« 9lnge ber groge, flare, fdjöne
SDrud auf ftarfem Rapier, ber bas liefen fefjr erleichtert. SBaS aber
ihren fdjönften Sdjmud btlbet unb ihr eine in ber Zt)at hohe »ebeutung
Berleiljt, baS ift bie reiche, nach ganj neuen ©efidjtSpunften 0ufammen-
gcfteöte unb mit grofjer ©orgfalt ausgeführte 93ilberauSftattung. ®er
Herausgeber hat redjt, wenn er barauf hinweift, bafj fein 933crf fid) Bon
ben bisher befannteu iöilberbibeln grunbfählich unterfdjeibet. ©eine
iünftrirte 23ibel „wiö nidjt fünftlerifdj anregen, nidjt unterhalten, Jon-
beru belehren unb neranfdjaulichen". ®arum finben wir eine mädjtige
Sülle Bon Sorten, Plänen, Bon bilblidjen ®arftellungen über Zfyexe,
$flanäen, Bon ©ebäuben unb fSenfmälern ber Berfdjiebenften 9lrt, Bon
©ötterbilbern, Bon Wenfdjen in ihren Berfdjiebenften .fjantierungen unb
93erufen, Bon ^auSgeräth, Bon ©djiffen unb 9Baffen, Bon fSarftetlungen
ber »olfSfttten unb ©ebrändjen, Bon Wünjen, furjj Bon allem, WaS
bem liefer ju wiffen wünfchenSwerth ift unb was ihm in ©tanb feßt,
bie ©efdjidjte beS SSolfeS Öfraet unb berjenigen 93ölfer ju nerftehen,
bie ju bemfelben in irgenbweldje nähere !8eaiehung getreten finb. ®a
bie wiffeufchafttiche »luSbeute beS Heiligen SanbeS in SBejug auf 9luS-
grabungen »c aus befannteu ©rünben gering ift, fo lag es nahe, baS«
jenige eingetjenb Ijeranjjuäiehen, roaS bie 9lffprier unb RJaBplonier, bie
Sömer unb bie 9legüpter au liefern uermägen; unb hier mufj anerfannt
werben, bafj auch bie ueueften gorfchungen benufjt finb, unb bafj bie

tanbfdjaftlidjeit wie bie übrigen bilblidjen fEarfteuungen als Bor^üglich
anerfannt werben müffen. SBaS bie 9lnmerfungen unb Bor ädern bie
jjahüofen Sorten, Üiläne unb bilblidjen ®arftedungen etwa nodj uner»
flärt laffen, bringt ber ebenfo gebrungene wie gebiegene „9lnhang" jum
Bodfommenen SSerftänbnifi. ©rlautert finb 9luSfpradje, 9Jetonung, bie
Metrologie ber SBibel, ferner bie SBollbilber beS 9llten Wie 9c. %. Unb
um bie tBenuhung beS 28erfeS in ben nerfdjiebenen beutfdjen ©taaten
ohne ade ©djmterigfeit 31t ermöglichen, ift beigefügt eine dfadjweifung
ber fonn» unb fefttäglidjen ©pifteln unb ©Bangelien burd) baS ganje
3ahr für 93"UBen, 93ahern, 93aben unb Heffen, bann für SBürttetnberg,
enblid) für ©adjfen nadj ben Bier SiahrGäriflem- SBoran aber fteht eine
trefflich auSgeftattete gamiliendjronif, woburdj jebe einzelne gamilie in
©tanb gefefct wirb, fid) ein bauernbeS ^amilienanbenfen ju ftiften.
®urdj eine nerhältmfjmäfjig niebrige ülreiSftednng hat bie SäerlagSfirma
bie vlnfchaffnng thnnlidjft au erleichtern geflieht. ®ie nette 9luflage ift
in fechS 9lbtheilungen ju 3 9Rf. ju besietjen. fertig gebunben foftet
bie „Sduftrirte HauSbibel" je nach Softbarfeit beS ©inbanbeS 22'/3 bis
46 W. SLBir fönnen nur wünfdjen, bog bem fdjönen SJierfe eine redjt
weite SSerbreitung unb fleißige 93enutiung in unferen djriftlidjen Häufern
jutheil Werben möge.

„Summet ju mir", ein ©h1'"« D°n Silbern auS bem Sehen beS HeitanbeS
Bon Heinrich H0fman'1-

Sie SjerlagShanbtnng Bon ©. %. SBiSfott in 93reSlan trat Bor swei
Sahren mit biefer prächtigen, audj in b. 931. befprodjeneit ©ammlung Bor
bie Ceffentlidjfeit. ®aS 9Berf hat feit ber furjeu Seit feineS ©rfchetnenS
fdjon bie Bierte 9luflage erlebt, unb biefer hat bie SjerlagShartblung nun
3Wei neue prädjtige 93ilber oon bemfelben begabten Sünftler: „Hie
93ergprebigt" unb ,;2öie SJerfudjung" angefügt. Ha ber hJreiS bou
25 9Jtf. troh biefer mefenttidjen 93ereidjerung nicht erhöht loorben ift, fo
jweifeln wir nidjt, bah biefe fjeroorragenbe 93ilbermappe für baS djrift»
Iidje HfluS in immer weitere Sreife bringen wirb, woden aber bod) beim
Herannahen beS 93ieihnad)tSfefteS auf biefelbe noch, befonberS aufmerffam
madjen.

93urnhaf, S„ Hie Sürftinnen auf bem Ztyxane ber Hohenjotlcrn in 93ranben'
burg»9Jreufjen. 93erlin 1889, ©djorg (628 ©. gr. 8 mit 28 Sdu»
ftrationen). 7. 50.

©in wahrhaft BorncfjmeS 9Jud), bei weldjem Qnfjalt, Sduftrationen
unb äufeere 9luSftattung um ben tyxeib ber ©ebiegenheit ftreiten. Mit
grofjer Sunft ift ber fjiftorifclje Hintergrunb, Welcher unerlägiich nöttjig
war, um bie gefdjilberten 24 grauenbilber (oon ©lifabetlj Bon 93ahern,
ber ©emahlin beS Surfürften Sriebridj t, bis ju ber Saiferin 9lugufta
9iiftoria) im Sidjte ihrer .fjeit richtig erfennen gu laffen, in fo einfachen
unb babei fräftigen ©trieben gegeidjnet, bafj berfelbe an feiner ©teile als
ftörenbeS ober gar fdjwerfädigeS Seimwerf fjerrjottritt, fonbern nur eben
feinen ffwed erfüllt unb bodj eine äufammenfjangenbe, innere ©efdjidjte
bilbet. ®ie ©tjaraftere ber einjelnen gürftinnen finb tfjeils nach ben
Seugniffen ihrer #eitgenoffen, theilS nadj eigenen 93riefen unb 9luf«
geidjnungen in gefdjidjtlicher 2Jreue geftaltet worben. SBarme Sopalität
fpridjt auS jeber Qeiie, oljne in ©infeitigfeit gu Berfladjen, ober gar gur
Sobrebnerei herabgufinfen. Hie 93enufeung ber in ber 93orrebe erwähnten
gefdjichtlichen unb biographifdjen Oueden beweift, mit welcher ©ewiffen»
haftigfeit ber ©rnft ber 9lufgabe erfaBt würbe, bie oor aden ®ingen auf
bem 93oben ber ©efdjidjte ruhen fodte. 93on ben wenigen 93erfonaI»
nachrichten an, Weldje auS ber #eit ber erften Surfürften fid) erhalten
gaben, unb auS welchen bie ©eftalten ber fürftlidjen ©entahtinnen
gleichfam nur in Umriffen heroortreten, wirb Bon Sahrljunbert gu Sahr»
hunbert bie güfle beS Materials reicher, bis bie ©rfdjeinungen ber preu»
fjifdjen Söniginnen in lebenbiger ®eutlidjfeit oor unS fteljen. „SBenn eS
bebenflid) ift, Sjilber auS ber ©efdjichte ber ©egenwart geidjnen gu
woden, ba fie gu nahe liegen, um Bödig überfeljen unb barum in ihrer
gangen 93ebeutung gewürbigt werben gu fönnen, fo gehört bod) gerabe
ihnen unfere oodfte SEhdlnahme; benn in berfelben ^Jeit unb ben gleichen
©reigniffen pulfirte aud) unfer Seben, unb unfer ©mpfinben war mit
ihnen oerbunben in greub unb üeib." Hie\e SBorte ber ©inleitung in
bem ßebenSbilbe ber Saiferin Slugufta reben einerfeits oon bem 93e»
wufjtfein, ja oon bem fdjmeren 93ebenfen, bafj biefe ©Ijarafterfdjilberungen
nodj Sebenber gegen HerfömmlidjeS Berftoßen möchten; anbererfeits bieten
aber biefe SBorte aud) ©runb unb fRedjtfertigung für baS ©ewagte.
Hai jugenbfdjöne 93ortrait ber Saiferin Slngufta 9?iftoria auf Supfer»
brudpapier ift bem Sjud) als Jitelbilb norangeftcllt.

Dedjent, Marie, SluS bem Beben einer 'llfarrfrau. ©ebidjte. granf-
furt a. M. 1889, ©0. 93ucbb. (IV, 88 ©. 16). 1. 50.
SBir finb fein großer greunb ber grauenfehriftftederei; benn eS
wirb gar gu biel UngefunbeS unb BjerfeprteS burd) biefelbe gu Sage
geförbert, unb bie fdjriftftedernben grauen feibft treten babei nur gar gu
leictjt auS bem engen Sreife echter SBeiblichfeit heraus. SBaS unS aber
hier auS Weiblicher Hanb, burcp 93ermittelung beS ©oßneS ber SJerfafferin,
geboten Wirb, bem fönnen unb woden wir unferen 93eifad nidjt oerfagen.
©ine Hausfrau, eine Mutter, hat ihren häuslichen feexb, hat bie SEage
ber greubc unb beS SeibeS in ihrem eigenen Wie in ifjrer Sinber Seben
mit einem blüfjenben Srange bon Siebern ummunben. Hie Sieber finb
freilid) nidjt origined ober gar bidjterifdj bebeutenb. Hai burdiauS nidjt.
©S finb Bietmehr nur einfache unb fdjlidjte, aber Bon Hcrden fommenbe
unb gu Her«en flrhmbe Slänge, Bod d)riftlid)er Qnnigfeit unb grömmig»
feit. ®ie gorm ber Sieber ift im gangen glatt unb fiießenb. 97ur finben
fid) hier unb ba unreine fReime, wie: „griebe" unb ,,©üte", „greube" unb
„©eite", tc. ober gnforreftheiten ber Sprache, wie: „oom Herg geriffen"
ftatt: „oomHrrgen"; „am Herg gelegen" ftatt: „am Hergen", ic. ©hrrft»
liehen grauen, befonberS Sjfarrfrauen, fod baS Sjüdjlein empfohlen fein.
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