Luthardt, Christoph Ernst [Bibliogr. antecedent]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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fließt dg SBebingung beg eintritt^ in bal ©ottegreieß, fonbern alg
tflefentticßcg Steicßggut angefeßen miffen unb unterfeßeibet fieß babureß
mefentließ öon Stitfcßl. Mein aueß aug ber üorläufigen Slngabe ©. 41,
Wie aug bem ©rurtbßegriff beg ©ottegreießg bie einäelnen SEßeite ber
Sogmatif ju entwicteln finb, ergibt fieß noeß feine Stlarßeit barüber, wie
weit Stißfcß eine wirfließe Abnormität ber menfcßßeitlicßen@ntmicfelung anju.
neßmen beabfießtigt, wie weit er eine öon ba aug aueß in bie gaiije SBeltorb«
nung eingebrungene Störung mit ber ©cßrift glaubt anneßmen ju fönnen.

SBenn mit Stecßt afg jum SCBefen beg ©ottegreießeg geßörig aueß bie
Aufßebung beg Uebelg bejeießnet wirb, fo broßt boeß biefe rießtige ©in«
fießt wieber öerloren iu geßen, wenn S. 198 gefagt Wirb, im ©ßriftem
tßum finbe eine anbere SSeurtßeitung beg Uebelg ftatt, inbem ßier eigenttieß
bag Uebel nur in ber ©ünbe unb ©eßulb erblicft werbe. 3cß bärßte,
bie ©cßrift rebe aueß öom 2obe afg einem Uebel, unb ber .Sperr 3efug
tebe SJtattß. 11, wenn er bag ®afetn beg Steicßeg fcßilbern rnotfe, aueß
öom ©eßeu ber Saßmen jc. 3cß füreßte, öon biefem Sage beg SSerf.
aug broßt bie SSerfucßung ju jener ibealiftifeßen Auffaffung beg ©ßnften«
tßumg, wonaeß eg fieß in bemfelben mefentließ nur um Aenberung beg
SSemufjtfeing ßanbefn foff. Scß gefteße meine ©eßwaeßßeit, baß mir nießt
nur an STufßebung beg ©rßufbgefüßfg unb ber ©iinbenmaeßt liegt, fonbern
aueß an tßatfäeßließer Slufßebung beg ®obeg, unter beffen SJtacßt ieß
feufje. ®arum liegt mir aueß am SBunber noeß meßr, afg bem SSerf.
au ftegen feßeint, unb jrnar am Staturmunber, an bag mir boeß, wenn
mir öon SBunbern reben, junäcßft benfen, weif eg mir ein geießen ift
öon einer anberen öoHfommeneren Orbnung ber ®inge. ®arum mürbe
ieß aueß bie fjrage, inwiefern 3efug bag Steicß ©otteg afg gegenmärtigeg
gemeint ßabe, etmag anberg beantworten afg Stißfcß. ©o gewiß 3efug
in fieß felbft bag ßteieß ©otteg alg gefommen eraeßtet, fo wirb man boeß
nießt leugnen fönnen, baß bie Aeujjerungen, melcße fieß auf bag ®afein
ber ßaoiXa'a in ber geit jwifeßen ber erften Anfunft beg §errn unb
feiner SSarufie bejießen, feltener finb.

®ocß eg mag genug fein mit biefen Skmerfungen, bie fieß biefleidßt
tßeitmeife in ber ®arfteüung ber fpecieüen ®ogmatif erfebigen. Obgleicß
ber SSerf. an meßreren ßSunften eine bebenftieße Steigung ju Stonceffionen
an bie ©cßule öerrätß, melcße, inbem fie SBefterfennen unb ©tauben in
fo feßroffer SBeife feßeibet, bag ©ßriftentßum aueß in feiner SBirfung
lebiglicß auf bie innere SBelt beg SSemußtfeing ju befeßränfen genötßigt
ift, fo fott" boeß bie ©mpfeßlung biefer ©cßrift afg einer jur Drientirung
namentfieß für ©tubirenbe geeigneten nießt jurüefgenommen fein.

_ fljerm. 3<ßmii>t.

ttene ßeoüadjtuttcifn über tjebträifc^e SprntJ)rigtntl)ünilitl)kcUfit.

SSon fyr. ®efißfdß.
VUI.

3h» ju woßl betannt finb bem Ueberfeßer beg 3t. 2. jene auffällig
geßäuften w\ süfklc. (aü&iox;) beg SJtarfug-goangeliumg, melcße wie ein
SSIocl im SBege liegen, über beu er nießt oßne langeg Ucberlegen unb
©jperimentiren ßinmeg gelangen fann. Um fo überrafeßenber mar eg
für miaj, baß Iperr fTSfarrer ®ß. §. SJianbel in feiner foeben erfeßienenen
©cßrift „Stepßag ber ©öangelift" in biefen Uebergebraueß ber ftormel
xa't eöbx>; einfeßt, um öon ba aug bureß eine jebenfatlg feßarffinnige unb
naeß maneßen Seiten ßin foßnenbe Unterfucßung bie ©ntfteßungggefeßießte
beg ^Weiten ©öangeliumg unb überßaupt ber ©öangelien aufjußellen.
Auffällig aber mar mir babei, baß er jeneg marfifeße xat EÜfiuc. ebraiftifrb,
einen fjebraigmug, eine ebraiftifeße SSerbinbung nennt, oßne irgenbroo ju
fagen ober aueß nur anjubeuten, melcßeg bie ßebräifcße Formel fei, alg
beren Stacßbilbung bie griecßifdje ju gelten ßabe. ®afj fie eine 9iaa>
bilbung irgenb weleßer biblifeßen ßebräifcßen gormel fei, ift feßleeßtweg
gu öerneinen. ®enn wenn bie Aböerbien nint; (ins) eilenbg, axns (snt)
plößlid), wo (wi) augenblicflicß ßier unb ba mit 1 copul. öerbunben
werben, fo ergibt fieß aug biefem öereinäelten SSorfommen boeß fein
fteßenber pßrafeotogifeßer ©ebraueß, unb, mag bie §auptfacße, feing biefer
Aböerbien beeft fieß mit ber grieeßifeßen gormel, melcße fofortige Auf«
einanberfotge, unmittelbaren Anfcßlujj bebentet. ®agegen bietet bag
naeßbiblifeße §ebräifcß atterbingg ein Aböerbium, melcßeg biefen Sinn un-
mittelbaren jeitlicßen Anfcßlufj ßat; bag mifeßnifeße tyfi fann alg ßebräi«
feßeg Original beg marfifeßen x«i eü&üc gelten, unb wenn, wie SJtanbel
nießt oßne SBaßrfdieinlicßfeit üermutßet, ber manirirte ©ebraueß beg
xai sööue eine ©igentßümlicßfeit beg Sßetrug gemefen ift, fo werben mir
anneßmen bürfen, baß er jeneg i;s ju ßäufen liebte, um bie munber«
famen ©ilfeßritte ju öergegenmärtigen, in benen fieß bie ßeilige ©efeßießte
öoH^ogen ßat.

ffteeßt befeßen aber ift eg nießt bag ganje 9Rarfug = ©öangelium,
melcßeg ben öerfeßmenberifeßen ©ebraueß beg xai eüS-öc. jur ßeröorftecßen«
ben ©igentßümlicßfeit ßat, fonbern nur bag erfte ßapitel, in melcßem öon
SS. 10 an big SS. 43 jeneg xai suftöc nießt weniger alg smölf mal öor«
fommt, fobaß man biefeg ©tuef eöangelifcßer ©efeßießte bie rw.Urfunbe
nennen fönnte. §ier ift eg, wo bem Ueberfeßer bie f?rage in ben SBeg
tritt, ob er bie monotone SBieberßolung jeneg „unb algbalb" naeßp«
bilben ßabe. ®ie grage ift ju öerneinen, benn ber ©eficßtgpunft beg
praftifeßen lfmeefeg überwiegt ßier ben ©eficßtgpunft peinlicßer ßiftorifeßer

Xreue, unb überßaupt iß eg unbureßfüßrbar, ein unb baffetße grieeßifeße
SBort überalt mit bem gleicßen ßebräifcßen wieberjugeben. ßebräifcße
©ßntoE bietet für bie SBiebergabe jeneg „unb algbalb" meßrere
gleicßmertßige SÖSenbungen. 9llg ieß lag, mag ÜRanbel ©. 6 unten feßreibt,
baeßte icß, baß eg boeß für ißn ber uTtüße mertß gemefen wäre, einen
93licf in mein ober ©atfinfon'g ßebr. Sc. ®- jn werfen.

Dreüi, D. ©. ü. (tprof. theoi. an ber Uniö. iöafei), ®ic ßimmlifeßen ^eer«
feßarcu. SSortrag, geßalten im SSereiugßaufe ju SSafel am 17. SJcärj
1889. S3afet 1889, ©djneiber (29 ©. 8). 40 -JSf.
DrcDi tritt mit biefem SSortrage ber tßeologifcßerfeitg namentlicß in
©cßleiermacßer'g ©laubengleßre anggebrüeften unb in weiten Streifen öer«
breiteten Sluffaffung entgegen, alg ßabe eg auf bie perfönliaße fffrömmig«
feit eineg ©ßriften feinen ©inßuß, ob er an ©ngel glaube ober nießt.
©r weift junäcßft in turpem Ueberblicf an ben .fjauptpunften ber ßeiligen
©efeßießte naeß, baß bie ©ngel in ben mießtigften Slugenblicfen auftreten,
baß fieß barum an ißr SBalten bie tröftließften ©rinnerungen unb tßeuer«
ften ^oßnungen fnüpfen. SSeiter beßanbelt er bie Statur unb 2ßätigfeit
ber ©ngel unb betont bie 33ebeutnng ber ©ngelwelt. ®ie jweite Jpälfte
beg jmeiten 2ßeilg ßätte fieß öon ©. 23 ab leicßt ju einem eigenen
britten 2ßeil geßalten laffen, wobureß bie ©lieberung beg SSortragg an
SSeßimmtßeit gewonnen ßätte. ®iefer bie Sönfequensen beg SSorigen
jießcnbe ©eßlußabfeßnitt maeßt gegen bie SSefcßränftßeit beg in bag ©ießt«
bare gebannten mobernen ©eficßtgfreijeg naeßbrüdlicß geltenb, baß im
©lauben an bie ©ngelwelt ber SJtaßßab jur ©cßäßung ber ewigen
©ottegliebe wie beg ßerrlicßen ©ßrißenjieleg unb augleicß eine fräftige
Stärfung »ur ßimmlifeßen SSerufgarbeit liegt. 3n einem fo furzen SSor«
trage tonnten freiließ nur Slnbeutungen gegeben Werben, ©ißon im
biblifcß gvunblegenben 2ßeile iß maneßeg feßr fummarifiß beßanbelt unb
finb öerfcßiebene wießtige ©ngelerfcßeinungen, namentlicß aug ber Slpoßel«
gefeßießte, ganj unerwäßnt geblieben. 98ag ben ®ienft ber ©ngel be<
trifft, fo ßätte fieß ißr SBirfen in Statur unb ©efeßießte naeß feiner
bßnamifeßen Slrt unb in feiner S3eäießung jur SiSeltöermattung unb
©nabenßaugßaltung leicßt fcßärfer beftimmen laffen. 'gür bag SSerßältniß
ber SJtenfcßen jur ©ngelwelt finb meßrere wießtige SJtomente übergangen.
®ie S3ebeutung ber ©ngel für ben SSegriß beg geißigen IBerfödcbeng
tonnte menigfteng berührt werben. SBieberßolt unb im anerfennenben
Sinne beließt fieß ber SSerf. auf S3ecf'g „eßrißlicße Sießrmiffenfcßaft". ®ie
neuerbingg aug bem Stacßlaß beffelben Scßrifttßeologen öerößentlidjten
„93orlefungen über djriftließe ©laubengleßre" brüden maneßeg noeß flarer,
ließtöoller unb gereifter aug, wag fieß ßier öieUeicßt jum Sßeil ßätte
üerwertßen laffen. _ 11. ^enbifui.

©perl, Dr. Slug., D. ©eorg (ißriftian Sluguß SBoinßarb. ©in SJebeng«
bilb aug ber Seit beg SBieberermaeßeng ber eüangelifeßen Stirdie in
93aßern. SStit einem S3ilbnig. SOtüncßen 1890, SSeet'fcße SSerlagg-
bueßß. (VIII, 157 ©. gr. 8). 2 SJtf.

®ag SBieberermadjeu beg eöangelifcßen Sebeng in ber lutßerifcßen
Sirdje SSaßerng ßat feinerjeit 2ßomafiug in einer ©cßrift biefeg 2itelg
befeßrieben (©rlangen 1867), melcße, befonberg in Storbbeutfcßlanb, wie
feßeint, weniger betannt unb beaeßtet warben ift, alg fie öerbient. ©ie
fcßilbert ben Uebergang aug ber S«t beg Stationaligmug ium lebenbigen
eöangelifcßen ©laubengleben unb firdßicßen SSefenntniß, wie er fieß nießt
bureß jmeifelßaften 'pictigmug ßinbureß, fonbern auf gefunber lutßerifcßer
S3aßn feit ben ^manjiger Saßren in SSaßern öoü>gen ßat. 3n ben
Staßmen biefer ©ntmidelung ßinein gcßört aueß üortiegenbe SSiograpßie.
©ine Steiße ternßaftcr SJtänner ßat bie baßerifeße Jtircße jener jjeit auf«
juweifen, wie fie fieß befonberg um SSranbt'g „§omiletifcß«liturgifcßeg
fforrefponbeniblatt" fammelten. 3« öer öorberften Steiße biefer SJtänner
unb Kämpfer ftanben bie SJrüber S3omßarb. ©g ift ein meitöerjmrigter
gamilienfreig öerfcßiebener Stamen (SSraun, ©perl, ®ietlen :c.), ber öon
bem gunbelgßeimer Sifarrßaug beg alten Qatob 33omßarb augging ober
fieß bavan anfeßloß. SSon ben neun ©ößnen befjelben ßeben fieß brei
alg auggeprägte ©ßaraftertöpfe ßeröor: ber gefeierte tantige unb eetige
anöbadjer ©ßmnafialreftor ©ßriftian, ber feßneibige unb fatirifcße ©rinrieß,
unb ber geiftöotle, rebemäeßtige unb tapfere Sluguft, bem biefe SSiograpßie
gemibmet ift, 1869 alg 80jäßriger ©rcig in Sluqgburg geftorben, wo er
alg Spfarrer an St. %atoh, ®etan ec. weit über ein SJtenfcßenalter gewirtt
unb wie in S3aßern überßaupt fo fpecieU in Sluggburg ben fireßließen
Umfcßwung mefentließ mit ßerbeigefüßrt ßat. SStau wirb bie ©riäßlung,
Weldße einer feiner ©nfel ßier gibt, fowol öon bem ibßHifcßen Uanbleben
beg elterlicßen §aufeg alg aueß ber erften eigenen Slmtgjaßre, wie Don
ben 3aßren beg Sampfeg unb beg Weitßin fcßaEenben jfeugniffeg mit
lebßaftem Sntereffe, bag SJeib beg Sebeng, befonberg bie Klagen beg
SSaterg über feinen früß öerftorbenen, feiten begabten unb geiftlid) ge-
förberten erftgeborenen jungen ©oßn mit tiefer SSemegung beg qjerjeng
lefen, ben reießen ©eift unb cßriftlicßen ©rnft beg ©efcßilberten aber mit
freubiger ©ißebung fennen lernen. Sitte biejenigen, melcße in jenen
3aßren unb Qaßrjeßnten, öon benen ßier bie Siebe ift, in SSaßem lebten
unb fieß um fireßlicße ®inge fümmerten, wiffen, Wie gefeiert fein Stame
in weiten Streifen mar. Unb wer ißn prebigen ßörte, wirb ben ©inbrurt,
ben bie Straft unb ber ßoße ©rnft feincg Sl-orteg maeßte, nießt öerqeffen.
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