Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

Zitierlink

455

456

unb ©utfeer'd finb baburrfe gän^Ii^ betfeite gefttHt unb roerben nur roie
onbere Porgänger befeanbelt. Plan Wirb ber großen Probuftiondfraft
bed berliner Hheologen ade Anerfenuung zoden, roeitber neben ber Pe«
forgung neuer, wenn aud) faunt beränberter Auflagen feinet Sebent gefu
unb feiner Einleitung ed oermag, innerhalb gahredfrift zwei fötale Korn«
mentare ber mitlebenben Hheologenroelt barzubieten. Hie Porrebe ber
XIH. Abteilung ift Oon 9ceujafer, bie ber XIV. oon Auguft 1888
batirt. freilief) eigentlich neue förberube Beiträge empfängt bie tb)eo*
logifefee Siffenfchaft aud) burefe biefe Neubearbeitungen nicht. Ser mit
Seife' Sdjriften: „Her gobanneifrfee Sehrbegriff in feinen ©runbzügen"
(1862) unb mit feinem feit 1868 in fünf Auflagen erfchienenen „Sehrbuch
ber biblifchen Hfeeologie bed 9t. %.", roelche nad) Seife' Pegriffd6eftiiumung
biefer Hidciplin ade religiöfen unb fittlichen Porftedungen bed 9t. H. ju
inbenrarifiren hat unb bedfealb bie toidhtigen Priefe faft Perd für SScrö
oerüdfirhtigt, fiefe bertraut gemacht hat, ber roirb biefen Kommentaren
faft nur bie Pegrünbungen für Seife' Auffaffungen ihrer Audfagen ju
entnehmen haben. 9toch weniger 9teued bieten bie einleitenben Para«
grapfeen, roelche zwar ben bezüglichen Stoff in anberer, ber gefonberten
Pefprecfeung ber einzelnen Schriften entfprerfeenben Seife orbnen, fachlich
aber fich mit ben parallelen Paragraphen bes „Sefjrbudjd ber Sinleitung
ind 9t. H." an oieten Steden fogar bid aufd Sort berühren. Hoch ift
ed aud) für ben ältitforfcher angenehm, bie 91nfiditen bed feerborragenben
berliner Ejegeten, roelche er fich fonft nicht ohne 9Jtühe zufammenzufteden
genötfeigt roar, nun oon Seife felber in beffen fliefeenber Seife uno
tenore oorgetragen zu fehen. Aber auch für ben tfeeologifcfeen Anfänger,
Welcher fich aud ben neuen Auflagen bon 9Jtet)er über bie betreffenben
neuteftamentlichen Priefe unterrichten roiH, ift bie Polle 9teubearbeitung
ein Porzug. Heim bie Neufeeraudgabe Don Arbeiten oerftorbeuer Sje«
geten burd) felbftänbige 9tarfefo(ger laffen ftetd an Oielen Steden eine
Hiffonanz feeraudfüfelen, roelche für ben am ftörenbften ift, ber überhaupt
erft in bad Perftänbnife ber biblifchen Sahriftfteder eingeführt zu roerben
ftrebt.

Kann bemnad) ber fftef. bei bem bezeichneten Perfeättmß ber neuen
Stuflagen zu ben unaudgefefeten Probuftionen ifered Perf. auf Sinzein»
feeiten einzugehen Oerzichten, jo forbert bod) ein puntt, auf ben Seife
felber in beiben Porreben ein grofeed ©eroiebt legt, nähere Perüdficfe«
tigung. Sr maefet nämlid) barauf angelegentlich aufmerffam, bafe er in
biefen Arbeiten einer größeren unb Heineren neuteftamentlichen Schrift
ben Perfud) gemacht habe, ob bie gorm, roelche ihm febon lange bor»
fchroebte, ald eine, roelche ben ©ebraurfe bed äRefeer'fchen Kommentard er»
leichtere, ohne feine Sigenart zu zerftören, fid) burrfefüferen liefee. Had
Sigenthümliche biefed gbeald gibt Seife felbft in ber Porrebc zu ben
gofeanneifchen Priefen näher bahin an, bafe bie gloffatorifrfee SCRetfeobe
mit ber reprobuttioen fo zu Oerbinben fei, bafe babei bie Porzüge beiber
erhalten roürben. Sd fode bie pofitioe Srflärung bed Hejted ganz •»
ben Porbergrunb treten unb beren Pegrünbung burd) bie fortgehenbc
Analfefe bed Sortlauted unb bed jjufammenhangd unmittelbar mit ber«
felben öerfeocfeten werben, roährenb bie Audemanberfefeung mit ab»
Weiefeenben Auffaffungen in ber ©auptfaefee ben Anmerfungen oorbehalten
bliebe.

9Rit biefer jjeiefenung bed gbeald eined Kommentard roirb man ein»
toerftanben fein tonnen. 9(uch bad roeife jeber, ber einmal bie geber zu
foldjer Arbeit angefaßt hat, roie ed auch ©arlefe einft frhon audfprad),
im ooraud, bafe, mit welchem Sifer man auch folefeem gbeal nachgeht,
jebeömal baffelbe bod) nicht erreicht roirb. Niemanb würbe barum fid)
wunbern, roenn felbft einem fo geroanbten »Theologen roie Seife ed nicht
fogleid) gelungen wäre, Oödig bem Oorgeftedten jjiele nachzufommen.
81ud) fei roidig anertannt, bafe fid) biefe Kommentare leichter unb ange«
nefemer lefen laffen ald bie bod) auch feöchft anerfennendroertheu Sei»
ftungen ber beiben Porgänger oon Seife. Sbenfo roirb niemanb biefem
nicht bereitrotdtgff ben fRufem laffen, bafe er bie neueren Pearbeitungen
genugfam berüdfiebtigt (für bie gobanneifchen Priefe ging ihm Sutharbt'ö
Pearbeitung in ßödler'd Pibelroert zu fpät zu, um berüdfiebtigt roerben
ZU fönnen unb auch Kübel'd Pearbeitung bed ©ebräerbriefd erfcrjteri
fpäter ald bie XIII. Abteilung 97tefeer'd in 5. Auflage), unb mit oielem
überpffigen Padaft ber Audlegungdgefcbicbte aufgeräumt hat, roie bafe
bie grammatifalifefeen unb lerifalifchen Erörterungen bei ihm nicht Zu
Inapp gerathen finb. Aber zwei Pemerfungen roerben fich bei Per«
gleichung ber Audfüferung bed oon Seife aufgeftedten programmd nicht
zurüdfealten laffen.

«3on bem einen Punft hat Seife felber bereitd ein ©efüljl gehabt,
wie bie Porrebe zur XIV. Abteilung zeigt. Her Wafeftab nämlid),
nad) welchem Seife einige abroeiebenbe Auffaffungen im Herte unb anbere
in ben Anwerbungen aufzunehmen für richtig gehalten hat, ift nicht
ertennbor. Senn ed j. P. l gof). 2, 20 heifet: „ xai ou-eie fann natürlich
nicht abberfatie ftefeen (be S.; ogt Sd. Hftrbf. Sbr.), fonbern reifet
einfach bem über ben Antirhrift ©efagten eine Audfage über bie Sefer
an" unb ferner: „bafeer aber fann aud) bon einer Perftärfung ber Sr«
mabnung (tputfj.) l"o wenig bie fRebe fein wie bon einer Peruhigung ber
Sefer (Sd.)", hernach aber zu bemfelben Perfe bad Sefen ber Salbung
(xpiaua) in einer Anmerfung ebenfo pofitib roie fontrooerd erörtert roirb
(®. 72), fo roirb Seife ed feinem berübetn fönnen, roenn er nicht Oer»

ftefet, roedhalb Nebenfäcblicfeed in Hert unb Sefentliched in bie Anmerfung
berroiefen ift. Hie ganz roidfürlia) aud oielen ähnlichen Steden fecraud«
gegriffene Probe läßt aber aud) fcfeon erfennen, roie roenig ed Seife
gelingt, bie reprobuftibe 97tetf)obe ber Auslegung zu hanbfeaben. Harin
roirb ber gortfehritt feiner Arbeiten über Weber unb ber oon biefem ge-
wählten 9Ritarbeiter feinaud niefet groß gefunben roerben fönnen, roie er
bie Aufgabe (öft ben ©ebanfenfluß ber btblifcfeen Scferiftfteder flar zu
legen, barmt ber Sefer feiner Auslegung gleidjfam jebed Sort aud ber
jene befeelenben ©ebanfenroelt fid) lodlöfen unb feine in ben Sdiriften
borliegenbe Stede mit Notferoenbigfeit einnehmen fefee. Seun Seife aud)
bon zufammenfaffenben Abfcbnitten am Anfang ober Snbe ber einzelnen
Perifopen mefer bem Hert einfügt, fo bleibt er bod) im ©runbe bei
Wefeer'd gloffatorifcber Seife Oödig ftefeen.

Peibe Pemerfungen roerben burd) bie Pearbeitung bed Tpebräerbriefd
nur beftätigt. Peifpieldroeife roerbe hier auf bie Erörterungen oon
§ebr. 6, 1 u. 7, 1 hingeroiefen. Ed tritt aber in biefem Picbterreicfeen
einer wahrhaft reprobuftioen Sludlegung nur bie fehroaefee Seite ber
Seiß'fd)en Sludlegung überhaupt zu Hage. So ejeaft fie ade Einzel»
feeiten zu befpreefeen roeife, fo fpielenb fie ade Scferoierigfetten bed Hejted
Zu löfen fcheint, bad in ben Sorten ber Schrift puliirenbe ©eiftcdleben
refleftirt fid) in ihren Erörterungen bed ©ebanfengefealted in geringem97iafee,
u. bad Süchtoodc ber apoftol. Perfünbigung roirb roeber betrefed ihrer
©ebanfenfüde nod) nach ihrer eigcnthümlid) fd)lagenben ©ebanfenfolge
felbft bem bafür empfänglichen Sefer zum Peroufetfein gebradjt. Sie
biel bennod) unter feiner fjanb aTtefeer'd Kommentar formed gewinnt, u. eine
roie reiefee görberung aud Seife' Unterfuchungen bem roiffenfdjaftlichen
Perftänbnife ber neuteftamentlichen Pücfeer crroäcbft, bad fod burd) biefen
tpinroeid auf bie ©renzen ber Porzüge feiner Ejegefe niefet im miubeften
berfcfeleiert roerben. Wn.

Wyclif, Johannis, Sermones, now first eohted from theManuscripts etx;.
hy Dr. J.Loserth-Czernowitz. Vol. III. Super Epistolas. Lon-
don 1889, published for the Wyclif Society by N. Trübner (533 p. 8).
®em nid)t ermübenben Eifer bed czernoroieer profefford ber ©e«
fefeiefete, Dr. gofeann Sofertfe, ift ed in erfter Sinie zu banfen, bafe bie
auf beutfefee Anregung gegrünbete Siclif=©efedfd)aft in Sonbon adjäfer»
lid) iferen Perpflicfetungen gegen ifere 9JlitgIieber nachzufommen im Stanbe
ift. Hie ©efedfefeaft barf fid) ©lücf roünfcfeen, unter iferen ©eifern einen
fo an feine 9lrheit hingegebenen, in jeber Peziefeung berSacfee geroaefefenen
©eleferten, Wie Sofertfe ed ift, gefunben zu feaben. Senn bie ©eraud«
gäbe ber nod) ungebrueften SicIif»Hejle aud) niefet audfcfeliefelid) in feinen
©änben rufet, fo ift er bod) ber fleifeigfte unb erfolgreicfefte Arbeiter. Er
ift ber 9Jiann, ber beutfehen Anregungen aitcfe beutfefee Hfeaten folgen
läfet, wo man englifcfee erwarten fodte.

Seit einer fReifee bon gaferen im Auftrage ber Siclif'©efedfd)aft,
bie nad) anfänglichen Scferoierigfeiten nunmefer, nachbem fid) ifer bie
Hfeeilnafeme ber Königin Pictoria unb namentlich ber beiben Erzbifcfeöfe
bon Eanterburfe unb Porf z»geroenbet feat, auf feften güfeen ftefet unb
auf fiefeerer ©runblage arbeitet, mit ber ©eraudgabc ber noch unebirten,
in wiener, prager, ojforber, cambribger unb bubliner ©anbfdjrifteu
borfeanbenen Siclifterte befefeäftigt, feat und Sofertfe erft Siclif'd grofeed
Pud) De Ecclesia, bann 1886 ben erften, 1887—88 ben zweiten unb 1889
ben britten Hfeeil ber Prebigten bed englifcfeen Porreformatord in treff-
licher Stertgeftattuug gefefeenft. Pon bem oierten Hfeeile, ber 1890 er«
fefeeinen roirb, gefeen eben bie lefetcn Pogen biträ) bie Pebifion, unb weiter-
hin ift Siclif'd grofeer Hraftat Do Euoharistia bon bem czernoroifeer ©e«
leferten in Arbeit genommen roorben.

Her borliegenbe britte Panb, bie Epiftetprebigten entfeattenb, gibt ben
lateinifefeen Hejt nad) einer cambribger ©anbfdirift, Trinity B, 16,' II,
ber einzigen, burd) roelcfee biefer Hfeeil ber Sictif'fchen Prebigten aud
400jäferiger Pergeffenfeeit gerettet roorben ift. gnfolge beffen bot bie
©erftedung eined ledbaren Hejted nicht geroöfenlicfee ©inberniffe, um fo
mefer, ald gcrabc biefer cambribger Eobep, abgefefeen oon ben niefet zu
unterfdjäfeenben Sdiroierigfeiten, roelcfee bie blofe Sefung fpätmittelalter-
lidjer ©anbfcferifteu bietet, burd) Audlaffungen unb zafellofe Sefercibfefeler
fo berberbt ift, bafe ed zweifelhaft erfebeint, ob ber Abfcfereiber überhaupt
bed Sateinifcfeen mäcfetig war. Picfetdbeftoroeniger ift ed Sofertfe, ber
fid) mit rafefeem unb glüdlicfeem Erfolge in bic Siclif'fcfee ©ebanfenroelt
feineingetebt feat, gelungen, burd) aufpreefeenbe Korrefturen bez. Ergän-
zungen, bie jebedmal unter bem Striche angemerft finb, einen ladbaren
Hert zu liefern.

Siclif'd prebigten ftammen nad) ben bon Sofertfe in ber Einleitung
Zum I. Hfeeile angeftedten Erörterungen aud bem gafere 1382—84, alfo
aud ber lefeten unb reifften ijeit feined Sehend. Her borliegenbe Panb
enthält ben Hert oon 59 Prebigten, oom erften Abbent bid zum 25.
Sonntag nad) Hrinitatid reiefeenb, auf 520 Seiten. Had Perfiänbnife
ber niefet gerabe leirfeten Sprache unb ber oerroidelten Petneidfüferung,
foroie ber Wünfcfeendroertfee tleberblicf über ben in Pefeanblung gezogenen
Stoff roirb in feernorragenber Seife erleichtert burd) bad englifcfee Ebi»
tiondberfaferen, roelcfeed bie ©auptricfetungdlinien bed jebedmal in grage
ftefeenben Hertgebanfend in furzen Panbnoten marfirt. Pei biefer äufeerft
banfeudWertfeen Arbeit feat Sofertfe in g. H. 9Rattfeeiu, ber bie 91oten
loading ...