Luthardt, Christoph Ernst [Bibliogr. antecedent]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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SJJenn nun bie Herausgeber ber „lejte unb Unterfucbungen" un«
mittelbar auf bie HQnbmann)cbe Schrift (V, 3) ein Don bireft entgegen*
gefeilten qucüenfritifdjen SßorauSfeßungen getragenes SJJerf roie meine
Uuterfudmngen über bie Agrappa unb Apofrt)Pba |V, 4) folgen ließen,
fo jeugt bieS Pon einer roiffenfd)aftlid)en Unbefangenheit, bie id) aud)
an biefer ©teile mit Stetonung anjuerfennen nicht unterlaffen möchte,
mit bem SSunfche, baß auf bem ©ebiete ber biftorifctien gorfdiung
fotcrje Unbefangenheit beS UrtpeilS ton allen ©eiten geübt unb immer
mehr betpätigt roerben möge. Alfreb Uefa).

Htne Jßtobottjtmigcn über IjcbrittCttjc Snrtt^ftgtntlfümlidjktitfn.

SSon gr. Selißfd).
VII.

Am 28. Aoüember 1872 fdireibt mir ber fei. ©alfinfon, baff er meine
SBiebergabe beS ApoftelnamenS fßauloS burd) hfbr. o.Vib (feloS) für
fritifd) unanfechtbar holte, aber ich toerbe bamit nicht burchbringen:
for 5-tkb is an established name fbr the Greek Paulos, and it sounds
better Hebrew, and I do not mind therefore, how the Apostlo pro-
nounced it himself.

Aber lein Herfommen fann einem Qrrtbum eine ©anltion geben,
meld)e il;n ber SSereroigung roerth macht, unb in Keinen roie in großen
SSingen entfeheibet bod) piftorifdje Sisatjrijeit Unb Ireue. ®ie burd) bie
Sonboner Ueberfeßung perfömmtid) geworbene Umfchreibung beS Apoftel«
namenS burd) hvts ift fo gefcbichtSroibrig, fo jpradjroibrig, fo wiber»
finnig, bafj ©alfinfon richtiger grtjnnbelt hätte, wenn er biefe Um*
fchreibungSroeife aufgegeben hotte. 3>enn 1) beruht fie auf ber gebanfen*
lofen ©leichung: SBte fid) SauloS ?u swqj oerhält, fo Paulos ju bsiM}.
Aber ber 9fame fßauluS enthält fein im, unb wenn er bws umfebreiben
mürbe, fo märe baS roenigftenS ein SBort metdjeS erjftirt, wäprenb Vi«b
ein Sälort ohne ©inn unb SBerftanb ift. 2) 97ie hat man im Altertbum
griecfjifcf)■ römifche 9?amen, meld)e auf öS (nS) enben, mit Abwerfung
biefer ©nbung Derfürjt; erft im Mittelalter unb weiter hin hat mau
IJSauloS in fßaul (ißaDel, ffSngel, oiclleidjt audj fßhöl) unb SSetroS in
fjjeter terfürjt; man hat nie ©lob für ©lobiuS ober ©laubiuS, fDtarf
für fDfarfoS unb etwa gar Sit für SitoS gefagt; auch afförifa) beißt
SlntiodjoS SlntiafuS Sohn beS ©iluffu (SeleufoS mit affpr. 9fominatiö*u
ftatt beS öS); bie ©nbung gilt bei Umfdjreibungen in frembe Sprach*
form immer als ein unperäufjerlidjer SSeßanbtbeil beS ©tgennamcnS.

©S mar jübifdje ©itte, neben bem hebräifdjen 97amen einen weltlichen
ähnlichen KlangeS fid) beizulegen (ö. 33. gojafim* AlfimoS, 3ofe*gafon),
unb eS wirb bod) wol nicht ohne bemühten 33emeggrunb gefdjetjen fein,
bah SauloS fid) als .fpeibenapoftel IflauloS (33auluS) b. i. ben illeinen
nannte; er war ja ber ©pätgeborene unter ben Slpofteln, unb jispn mar
ohnehin ein beliebtes befdjeibeneS ©ognomen. Sie alte Kirche hat öon
jeher 33enjamin ben Kleinen ("v» i»"1») in 33f. 68 auf SjauIuS ben
Apoßcl auS bem Stamme SBenjamin belogen. gene anbere Umfdjreibung,
welche ©alfinfon als eprwürbige Srabition fonferoiren ju foüen gemeint
hat, mürbe fonfequenter Säleife bie Schreibung im ftatt di*im zur golge
haben, aber feiner ber beiben Slpoftel Würbe jemals fßaul ober Vßeter
genannt, biefe S3erfürjungen finb mittelalterliche Hicenzen unb alfo, in
baS hebt. 97. X. aufgenommen, entfteüenbe Anachronismen.

Myrherg, 0. P. (Dr. und Prof. dor TheoL in Upsai»), Profeten Esaias
öfversatt med förklarande anmärkningar (Oer Prophet Jesaja über-
setzt mit erklärenden Anmerkungen). Stockholm 1887, Z. Haegg-
ström (320 S. gr. 8). 4 Kr. 50 öre.

9Jie foeben burd) bie neue Auflage öon ®eIißfd)'S nicht leicht ju
übertreffenbem Kommentar bereicherte gefaja-Stteratur hat in leßter $eit
befonberS öon jfanbinaöifcher Seite bebeutungSooHe 33eiträge erhalten.
Sabin redjnen wir neben granz 93uhl'S im ©rfetjeinen begriffener AuS*
legung ganz befonberS baS obengenannte SSerf beS eljrmürbigen feproe*
bifeben ©jegeten, in weldjem bcrfelbe bie fRefultate öieljähriger 93e*
fchäftigung mit bem 93uche beS größten unter ben großen fjjropheten
jufammenfaßt.

25ie theologifdje 9tia)tung SUiptberg'S jaf-t fid) als bie einer gläubigen
©djrifttheologie bezeichnen, Weldje zugleich ber ©efdjichte ihr Stecht jn
geben eifrig bemüht ift unb Iiier neue 3ä3ege ju bahnen öerfudjt. ®ieS
leßtere jeigt bie fritifdje Stellung SKtn-berg'S, welcher gef. 40-66 mit
©ntfdjiebenheit, 13,1—14,23 mit großer aöaqrfcheinlichteit einem ejilifdjen
fßropheten jumeift, Wäprenb er feinen ©runb ßnbet, Kap. 24—27 unb
34.35 bem gefd)idjtlid)en gefaja abzufprecqen. SSon bem hiftorifdjen
©tüd Kap. 36—30 nimmt er an, baß ein ©päterer eS auS einem ©e*
frhiebtsmerte gefaja'S entnahm unb mit UmfteHung ber urfprünglicpen
©adifolge ben SBeiffagungen beS SJropheten anhängte. 33efonbere Heröor»
hebung öerbient bie 9Jtotiöirung ber nidjtjciajanifdjen Slutorfdjaft öon
Kap. 40—66. 9Sie üblidjen mittelbaren 33eweife befriebigen äTcnrberg nidjt.
STtan fann gegen bie fonft inS gelb geführte Sinologie alleS fonftigen
93rophetenthumS mit Siecht einmenben, baß baS Unerhörte bod) öieKeidjt
infolge einer befonberen göttlichen Slbficbt gefchichtliche SBirflichfeit ge*
mefen fein fönne, baöon ju fchmeigen, baß bie Slennung eines Rorefdj
am meuigften als burd)fchlagenbcS 93ebenfen gelten barf. SJlhrberg ßnbet

bie eigentliche ©ntfeheibung ber ©treitfrage in Kap. 48, wo ber fBrophet
felbft fid) in SS. 6. 7.16 als fjeitgenoffen beS ©jilS bes. beS ©pruS be--
ijeidjnet, inbem er auSbrüdlid) breimal bezeugt, baß bie Ijeit ber SSer*
fünbigung beS Heils burd) ihn unb beS SHnfangS ihrer ©rfütutug burd)
Korefd) biefelbe ift. Stef. freut fid) fonftatiren jju fönnen, baß bie fo
öerftanbene Stelle, beren S3ebeutung burd) unridjtige SluSlegnng meift
öerbunfelt morben ift, aud) für ihm jeberjeit ben SluSfdjlag gegeben hat.

,Hur©harafterifirung ber eigentl. SluSlegung ermähnen mir bieSSejiepnng
ber 3mmanuelmeiffagung (7, 14) auf eine gefd)id)t(idje SJerfönlicpfeit jur
^eit Sefaja'S mit tppifdjer Slnwenbung auf ©fjriftuS, bie bem Xargum
folgenbe Konftruftion öon 9,5, monadj nur „griebefürft" 97ame beS
SJceffiaS märe, bie fjaffung öon oy n^.a 42, 6. 49, 8 als „S3unb mit ber
SSölfermelt", fobaß dmj Iis an benfelben ©teilen jiemlid) gleid)bebeutenb
Wäre, bie SSejiehnng öon 42, 1 ff. unb Kap. 53 auf ben SlteffiaS, öon
49,1 ff. auf ben 93ropheten als Slepräfentanten beS eabten 9Sropheten-
thumS, öon 50,4—9 auf baS mapre Qfrael, bie Sejeichnimg öon
d-'Sc-i-pn unb i^ey-rs in 53, 9 als ©ubjeft beS ©aßeS, fobaß ju über*
feßen'wäre: „©ottlofe rüfteten fein ©rab, unb Steidje erbauten feine
©ruft, tb) weil er fein Unredjt gethan hat", b. h- um feiner ©ereeg«
tigfeit bod) fdjließlid) bie fdjulbige Hnlbtgung ju bringen.

S3efonberen 97ad)brud legt TOprberg auf bie ©eminnung einer fach*
gemäßen ©intpeilung. 3)aS ganje S3ud) enthält nad) ihm fünf Samm-
lungen öon proppetifchen Sieben, unb jwar Scljeil I nach ber ©inleitung
öon Kap. 1 in Kap. 2- 5 933eiffagungen aus ber $eit beS gotßam u. 21paS;
II: Kap. 6—12 baS gmmanuelSbud) auS ber ^eit beS fprijd)»ephraimi*
tifdjen Kriegs mit bem unechten Slnfjang ber SäSeiffagung öom fyatle
S3abelS 13,1—14,23; III: Kap. 14, 24- Kap. 27 ben libellns apoca-
lypticus mit sepn SSölfermeiffagungen unb allgemeinem Schluß (Kap.
24—27); IV: Kap. 28—35 fecßS Sieben auS §i$üa'$ J3eit ebenfalls mit
weiterem SluSblid am Scpluß (Kap. 34. 35), woju fpäter ber biftorifche
Slnljang Kap. 36- 39 hinjugefügt Würbe; V: Kap. 40—66 Dierjefm Sieben
auS ber ßeit beS babplonifchen ©jilS. Qnnerhalb Kap. 40-66 ift fomit
bie feit Slüdert mehrfach angenommene ©lieberung in brei mal neun
Sieben ööüig aufgegeben, unb mit Siecht. SDenn troß ber S53iebertehr ber
Schlußformel aus 48, 21 in 57, 21 ift an ber leßteren Stelle im ^nfjalt
fein größerer Slbfcpnitt mabrjunefjmen. Slad) Kap. 40—48 ßnbet fid)
nirgenbS meßr ein fid) beutlid) abhebenber größerer Slebefomplej. STlpr*
berg gliebert nun ben ©toß folgenbermaßen: 1. Kap. 40 Iroftrebe an
Sfrael; 2. Kap. 41 — 42, 17 SledjtSftreit 8mifd)en fSeboüa unb ben ©ößen;
3. u. 4. 42, 18—43, 20; 43, 21-44, 22 ©rmunterungSreben an Sfrael;
5. 44, 23—Kap. 45 ber ©ieg beS ©pruS; 6. Kap. 46. 47 ber fJaTJ SSabelS;
7. Kap. 48 Slüdblicf auf bie SäSirffamfeit beS (ßropheten; 8. 49,1-23
SSerpetßung ber He,mteht unb beren S3ebeutung für 3frael unb bie
Sltenfchhcit; 9. 49, 24—52, 12 S53ecbfelrebe ÄWifcpen 3fraet, Qehoöa unb
bem SSroppeten; 10. 52, 13—Kap. 55 ber SJleffiaS unb baS ©otteSreid)
in tieffter ©ruiebrigung unb ©rpöhung; 11. u. 12. Kap. 56. 57; 58. 59
ber SlbfaU beS früheren unb jeßigen Sfrael als bunfeler Hintergrunb öon
13. Kap. 60 —63, 6 QfraetS fünftige Herrlichfeit; 14. 63, 7 — Kap. 66
abfdjließenbe »Bitte um ©rlöfung unb bie göttliche Slntmort. -Sie enge
33erhinbung öon Kap. 53 mit Kap. 54. 56, welche junächft üherrafcht,
Wirb in folgenber SUeife motiöirt. Kap. 54 unb 55 hängen jufammen,
weil bie Slufforberung in 55,1 unmittelbare Slüdßdjt nimmt auf ben
foeben gefdjilberten Siopn ber ©ercdjtigfeit, fobaß 54,17»> bie Klammer
jwifdjen beiben Kapiteln bilbet. SUicfe aber werben mit Kap. 53 babureb,
geeint, baß in 55, 4, wo baS prophetifche unb föniglicße Slmt beS STlefßaS
augefünbigt wirb, bie notßmenbige ©rgänäting jn ber ©cbilberung beS
HohcnpriefterS in Kap. 53 erfeßeint. Slußerbem finb „bie Knechte beS
Herrn" (in 54, 17) in 53,11 burd) bie „Dielen" öorbereitet, benen „ber
Knecht beS Herrn" ©ereeptigfeit fdjafft. §kr fann Sief, freilich nidjt
überall 8uftimmen, pat aber bod) geglaubt, ben ganjen ©intpeilungSplan
mittheilen ju foüen, bamit bie ©regefe fid) mit bemfelben auSeinanber«
8ufeßen öermöge.

©S ift lebhaft ju bebauern, baß baS SSerf uTtörberg'S, Don bem hier
nur ein ungenügenber ©inbrud gegeben werben founte, ebenfo wie feine
SluSlegung ber STpofalöpfe (1888) unb beS IBrebigerS (1889), um ber
Sprache willen ber beutfrpen Speologic bie Slnregung niept 8U8ufüpren
öermag, Welrpc SJJiffenjcpaft unb Kircpe -DentfcplanbS öon iprer norbifepen
©cpmefter fonft erwarten bürften. ©uftaf Jlnlman.

Meyer, Dr. H. A. W., Kritisch exegetischer Kommentar über
das Neue Testament. XIII. Abth.: Kritisch exegetisches
Handbuch über den Brief an die Hebräer, neu bearbeitet

YOU Dr. Bemh. Weiss (Oberconsistorialrath u. ord. Prof. aii dor Univ«

Berlin ). Göttingen 1888, Vandenhoeck & Ruprecht (V, 369 S.
gr.8). 5.40.

_ — XIV. Abth.: Kritisch exegetisches Handbuch über
die drei Briefe des Apostels Johannes. 5. Aufl., neu be-
arbeitet von Dr. Beruh. Weiss. Göttingen 1888, Vandenhoeck
& Ruprecht (VI, 211 S. gr. 8). 3. 40.

SJcibe im öorigen Saprc erfrhienenen vlbtheilungen beS Sölehcr'fcpen
©efammtfommentarS finb ööüig neue Ausarbeitungen. 3)ie bem Hebräer*
brief unb ben 3opanneifcpen Striefen gewibmeten Arbeiten ßünemann'S
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