Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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unbebenflid) Dom Staate bie Einrichtung eines" 3rrlef)rers" »erlangte.
Unbeutlid) burd) ju große Kürje ift ber Sag: Ealoin nat)m einen
Empfang bes" Elbenbrnabls" jum ®eria)t (mandncatio indignorum)
nid)t an. ©inen Empfang jum ©eridjt gibt es" aud) bann, Wenn
man einen Empfang ber eigentlichen materia coelestis auf feiten ber
Unmürbigen nid)t annimmt. Die 3. Sfg. fotl noch Por äBeißnacbten er»
fcßeinen. ^öffentlich gelingt bie g-erttgftellung ju biefem Deitpunft.
Dann wirb bas ganje SJJerf eine werth-Polle unb gewiß aud) willfommen
geheißene fyeftgabe befonbers" für bie gebilbete Qngenb werben. 811). #9.

Hinschias, Geh. Justiz-R. Prof. Dr. Paul, Das Kirchenrecht der
Katholiken nnd Protestanten in Deutschland. 4. Bd. 2. Abth.
2. Heft. System des katholischen Kirchenrechts mit besonderer
Rücksicht auf Deutschland (Portsetzung). Mit alphabetischem
Sachregister über Bd. I —IV. Berlin 1888, Guttentag (Xu.
S. 691 925 Lex.-S). 8. 50.

Sjjie jeber Dßeil oon Einfdßu«' Kircßenred)t Poflfommen neue gunba*
mente ber SBiffenfchaft legt, fo aud) ber porliegenbe. Qa, ba bie SJtaterie
bes" firchlirhen Strafrecßt« unb Di«ciplinarred)t« wegen ber SRaffenfjaftig»
feit unb Unbeftimmtpeit bes" SJlaterialS ber am menigften burdjgearbeitete
Dßeil beb" KirdenreebtS ift, Weil außerbem bie fatßolifchen Kanoniften
burd) ißre fircblid) gebotene Elnfcßauung über ben character indelebilis
ber laufe, über bie Entfteßung ber 93eia)te an einer unbefangenen 93e«
hanblung ber Erfommunifation unb beb SJönitentialroefenS gehinbert
finb, fo bringt baS gegenwärtige Eeft befonberb oiel neueb. SteueS nicht
nur für ben cjuriften. fjfür ben Dßeologen intereffant ift bie Ausführung,
baß bie Verlegung oer öffentlichen Vuße in bie Pier Stationen ber
xpoaxXatov-cC,, ber oxpoeuusvoi, ber Ü7coxuttovtsc, , ber söcravTsc fid)
erft im britten Qahrhunbert aubgebilbet hat- Stod) wichtiger ift bie
Scbilberung ber erft burd) Eolumban in bie fontinentale Kirche ein»
briugcnben Vrioatbeicbte. 5ür Theologen unb Fjuriften wichtig ift
ber Starb/weis, baff bie Ejfommunifation urfprünglid) ben Potlfommenen
AuSfcbluß aub ber Kirche bebeutete, ebenfo Pon cpaufe aub bie Depoßtton
ben Pollfommenen EluSfdjluß beb Kleriferb. DaS porliegenbe §eft be«
banbelt nur bab Strafred)t bib ju Einfang ,beb 8. 3ahrbunbertS. Sief,
freut fid) beb folgenben VanbeS, ber für bab mittelalterliche unb moberne
Siecht neue ®runblagen bringen Wieb.
SJJürjburg. _ CS. /Mantr.

Köhler, Q.>©onf.»9t. Sup. Dr. Karl, Sie ©imultanfira)en im ©roßt).
Reffen, ihre ®e[d)id)te unb ihre SlechtSOerbältniffe. Darmftabt 1889,
EJBaig (V, 226 S. 8). 5 SJtf.

Der Umftanb, baß Vbeinheffen, ber Sprengel beb Verf., eine Per»
hältnißmäßig große Raßl Pon Simu(tanfird)en befigt — Dberßeffen
hat gar feine, Starfenburg 8, Sifjeinheffen aber 29 — unb „barin leiber
eine unerfd)öpflid)e Quelle Pon Streitfällen", Peranlaßte biefe Schrift.
Der Verf., ber alb langjähriger Beßrer beb Kirrhenrechtb am theologifrheu
Seminar ju griebberg fid) mit bem Stoff grünblich befannt gemacht hatte
(er ift jugleid) SSerf. beb 1881 erfdjienenen „Kirrhenredjtb ber eoang. Kirdje
beb ®roßh. EeffenS", eineb portrefflichen 33uä)eS) unb außerbem bie 'litten
ber einzelnen Pfarreien benugen tonnte, war für biefe Elrbeit ganj be»
fonberb auögerüftet. Eb gab eine Beit, wo man Pon bem Simultaneum
eine fförberung beb guten EinPernebmenö ber Konfeffionen hoffte, wo
man Konforbien» unb griebensfireben für beibe erbaute. SBer biefe Sin«
ficht hegt, unb eb gibt noch einzelne, bie baran feftljalten, ben möchten
Wir auf biefeb SBudj berweifen. Er ßnbet ba ein bebeutfameb Stüd ber
®egeureformation, „einen hunberljährigen beharrlichen unb ohne AengftlidL
feit in ber ESabl ber SJtittel geführten Eroberungbfampf", ber freilich nur
ju theilweifen Erfolgen unb nie jum ffrieben führte, im ®egentheil nodj
fortwäßrenb bie gegeufeitige Entfremburtg näl)rt. DaS 93ua) jerfäQt in
bier vlbfchnitte. Qm erften febilbert ber Verf. bie gefd)id)tlid)en Eut«
ftehungboerhältniffe im allgemeinen: ben weftfälifdjen ff rieben unb bie
Verfurhe fatholifcber ffürften, trog beb StormaljahreS nicht blob freie fatho»
lifche SteligionSübung, fonbern in epangelifchen Kirchen ein fatßolifcbeö
Simultaneum einjuführen; fobann bie franjößfche ffnbafion mit ihrer
Kirrheuberaubung, bie burd) bie berüchtigte Klaufel ju Slrt. 4 beb StpSmider
fjriebenb (religione tarnen catholica romana in statu, quo nunc est,rema-
nente) legalifirt würbe; weiter bieSJeligionbbeflaration in berSJfalj Oonl7()5
nebft ber Kirchentheilung, burd) welche bie fReformirten 5/-, bie Kathofifen 2/7
fämmtlicher Kirchen erhielten, fjnbeffen begnügte man fid) auch bamit
nicht unb fud)te enblich bab 3. 1714, in welchem ber ff riebe non SBaben
ben Stübmitfer ffrieben beftätigte, ju einem neuen Stormaljahre ju macheu
9lber biefe „Stormaljahre" waren in ber Dbat nur Einfüge ju neuen
Vergewaltigungen. 3m jWeiten Abfchnitt Wirb bie (heffifche) Speciafge«
febießte gegeben. Eier wirb bie infolge beb SRöSmider griebenS oon ben
ffrangofen aufgeftetlte Liste Chamoy, foweit fie Ipeffen berührt, mit einer
beutfeßen tleberfegung mitgetbeilt, freilich narßieiner mangelhaften SluSgabe;
fobann welche »folgen im Sinjelnen bie pfäljifrbe Kirchentheilung unb
ber ff riebe »on Sjaben brachte, unb ber ffortgang ber Kämpfe, be-
fonberb in ber Kurpfalj. SRan |ebte jj^ fd)ließlid) nicht blob über ben
weftfälifchen ffrieben, fonbern aud) über bie rübmiefer Klaufel hinweg
unb achtete felbft faiferliche TOanbate nicht. 9Jlb Ergebniß ber oorfteßenb

angebeuteten Entmicfelungen fchilbert ber 3. vlbfchnitt ben gegenwärtigen
Stanb begüglid) ber Simultanfircben. ®a fällt auf, baß eb bei einer fReiße
biefer Kirchen heißt: „Qft Eigenthum ber bürgerlichen ®emeinbe"; ober auch
„gemeinfameb Eigenthum beiber (fonfeffionelleu) ®emeinben". vluf ®runb
ber borftepenben Entwidelung ift bieb fd)led)thin unbegreißich. Denn wie
auf einmal bie Kirchen, bie früher unbeftritten Eigenthum ber IReligionä»
gemeinben waren, Eigenthum ber Eioilgemeinbeu geworben fein follen,
ohne baß fie berfelben burd) einen gefeggeberifchen vift ober fonftwie juge»
wiefen werben mären, ober wie Kirchen, über beren Eigentumsrecht
gmifrhen beiben Konfeffionen ein Qaßrbunbert lang ohne enbgültige recht«
liehe Entfeheibung geftritten mürbe, beiben ®emeinben sugefprorhen werben
fönnen, ift unb unerßnblid). 3Ran benft aber häufig unb (aud) ber 9Jerf.
fteht biefem ©ebanten fepr naße), ber langjährige löefigftanb habe ein
Stecht gefeßaffen. 3m 4. Sbfchnitt nämlich, „bie rechtliche Sage", tbeilt
ber SSerf. juerft bie ®efegeöbeftimmungen außerhalb ffeffenb mit, mieber»
legt bann bie Stecßtbfonfiruftionen Pom römifeben Stanbpunft aub, be-
fonberb bie beb Dr. 3- $irfebe[ (bie religiöfe SSerfrhiebenheit Oorüber«
geßenb, alleb baßer frhließlid) Wieber einmünbenb in bie römifeb-fatholifche
Kirche), unb legt ben geicßicbtlicben Dßalbeftanb bar. Slber mir fönnen,
wie bemerft, bem ©runbfag, baß ber langanbauernbe ununterbrochene
thatfächlicße SSeftanb entfeheibe, nicht beitreten, glauben öielmehr, baß ber
SBeftfälifcße griebc mobificirt burd) ben Stpbmider, beffen ®ü(tiqfeit fchmer
ju beftreiten ift, nod) au Stecht befteßt. Die pfäliifcbe Kircßentheilung
bon 1705 war ein ®emaltftreid), ber nie redjtlichc ®ültigfeit erlangte
unb null unb nichtig ift. Stach, bem ®runbfag: res ecelesiasticae
extra commercium, fann Pon einer Verjährung, refp. Erfißung
Oon Stechten feine Siebe fein. Der Eintrag in baö ®runbburh,
Wenn er nachweisbar unrichtig ift, entfebeibet nicht, menigftenS nicht oor
einem faeßfunbigen Stichter. Söir ftimmen amar ben „VerbefferungSan»
trägen" bei: Einführung Oon SBeftimmungen, wie fie baS Sltlgemeine
Sanbrecßt in SJreußen unb bie VerfaffungSurfunbe in SJaßern ßat, fomie
baß über SluSübung beS SimuItanrecßtS bie S3ermaltungSbeb,örbeu, über
bie Simultanbereditigung felbft bie ®erid)te entfdieiben. Uber wir glauben,
baß eben für bie StechtSentfcbeibung auf bie früheren SteirhSfunbamental«
gefege unb griebenSfcßlüffe jurürfxugehen ift. DaS S3ud) wirb nad) biefer
Stichtung tyn in Oorfommenben Fällen nid)t bloS ®eiftlid)en, fonbern
aud) Veamten unb Sticßtern, beneu baS Stubium beffelben gu empfehlen
ift, gute Dienfte tßun, aud) außerhalb Reffen: in ber fjjfO'S- Sibeinprcußeu,
Virfenfelb. Ueberßaupt märe fein Stubium jegt, wo man bei ftetigen
Eingriffen auf bie eoangelifcße Kirche oerfießert, oon griebfertigfeit befeelt
ju fein, anjuratben. Die 33raud)barfeit ift burd) ein DrtSoerjeidjuiß
erßößt. 3». ».

Schlottmann, Constantinus, Erasmus Redivivns sive de curia
Romana hueusque insanabili. Halis 1889, Sumptibus Orphano-
trophei (VI, 202 p. gr. 8). 4 Mk.

Erft nad) bem Elbleben beS Verf. erfcheint ber jweite Dßetl eineS
SJJerfeS, baS nicht fowol burd) feine afabemifeße 3orm unb feinen in Oiel«
faeßer ajinfießt oerfpäteten SußoR a,ä burd) bie politifcßen .fpänbel, bie
fid) baran fnüpften, ju einer gemiffen Verüßmtheit gelangte. Stießt nur
mürbe baö jweite Kapitel beö erften Dßeilä, wogegen ber im preußifcbru
Elbgeorbnetenßaufe erfolgte Eingriff fid) namentlich richtete, Oon 3- 3- 3<":obi
tnö Deutfcße übertragen („Der beutfeße ®emiffenetampf gegen beu Vati»
faniömus." jpaHe 1882), fonbern ber Kollege bef* Verf., 3. S 3acobi,
feßrieb auch ju ®unften beffelben eine Vertßeibigungäfdirift („Vrofeffor
Scßlottmann, bie ^aUefcße gafuttät unb bie Eentrumäpartei"), bie 1882
in „jmeiter oerfd)ärfter Eluflage" erfeßien. Der gegenwärtig oeröffent«
licßte jweite Dßeil biefeö „ErasmuB redivivus" bewegt fid), trog einiger
feharfer ElusfäUe gegen Kurie, Sefuitiömuö unb 3nguifition, bureßweg in
rußigeren Vaßnen unb wirb oorausficßtlid) in feiner SBeife Eluffeßen er-
regen; eher bürfte ju befürchten fein, baß er wenig Veacßtung ßnbet.
Ed finb bie Srhidfale beä Eraämifrhen ®eifteö unter ben römifeben Katßo-
lifcßen ber offenbar fehr beßubare ®egenftanb, womit fid) Scßlottmanu
an biefer Stelle Oorjugäweife befaßt. Dabei ift eä ber Staute be« Eraö«
muei, ber in Oierjigfacßcm Erßo immer mieberflingt unb fid) wie ein
rotßer 3aben burd) bie meitfeßmeißge Entwidelung fo oorherrfeßenb
ßinburchjieht, als wäre ber große 4)umanift aud) ein großer Ebarafter
gemefen. Sluö bem jwetten Ditel beö EJucße« geßt ßeroor, baß bie Schid»
fale beö Erabmifcßen ®eifteö mit ber bisherigen Unoerbefferlicßfcit ber
römifeben Kurie in Vejießung gefegt finb. Der ®eßd)t«punft für biefe
SJejießung feßeint im Eingangäcitat angebeutet ju fein, wonach bie Stärfe
beb Vapßthum« im Katßolicismu«, bie Schwäche be« Katholiciömu« im
Vapfttßum liegt; ein VJort, welche« aiS ber Schlüffet jum Verftänbniß
ber römifch-fatbolifchen Klrcße unb ihrer geßeimnißpotlen Entwidelung in
neuerer $eit bejeießnet wirb. Vienn e« aber im Solgenben weiter heißt,
Eraömu« unb feine Slnßänger hätten ba« SJapfttbum, oßne fein Elbmeicßett
Oon ber SSahrßeit ju Oerftnnen, bennod) beibehalten unb jeitmeitig er-
tragen wollen, fo fcheint ber eingangs" aufgeftetlte ®eßd)t«punft nicht mit
ber nötßigen Schärfe unb Veftimmthcit feftgebalten ju fein, oorauögefegt
baß eine gebeißlicße Siefortnbemegung innerhalb ber römifd)»fatholijd)en
Kircße fid) nicht fowol bie Elbfcßaffung als" oielmeßr bie Einfcßräntung be«
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