Luthardt, Christoph Ernst [Bibliogr. antecedent]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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Hr. 46. tfetpjia, öcit 15. Itooember 1889.

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'Jfeue SBcoEoditiiitBeii Ü6et Ijebräifdje Spraeqelcjen» I SBaltner, Dr fjr., ffitnenftfjaft ober efiriftentum?

liiiimliditcitcu. SS»n St. ®etiß(d). II. «tci'lnl, IX D ft. D., Gtjriftenlelire CcBuitf, g ,

Archiv, Neues. %\t fünf fiauntflüde bei* Iiithrafdjcu ßatedjib*

ISbriÜltrb, Dr. %%, Herjtliaie fDJiffioncn. muS.

Scßncörrmntin., Die. Dr. (Ueorg, %ai moberite öürtftäbt, Dr g., gqre fei ®ott in ber $ef;e.
gqriftcntfium.

Steuerte tbcolonifdif Sitetatur.

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Rriifdirificn.

Jierldiiebene«.

antiqunrifdic Kataloge.

Itcue dßcobartjtuitgcit ukr. kkinfik Spra(t)ctgrntl)iimlid)k€iten.

SSon gr. ©elifefcß.
II.

Tag SSaferunfer ift badjenige neuteftamentlicße fRebeftücf, mit welchem
bie 9krfud)c bet Ueberfeßung ind ©ebräifeße begonnen gaben, unb bie
Ueberfeßung ift bid beute fid) roefentlid) gleich, geblieben. Qn ber fünften
'.bitte tnirb nod) immer forool im ©auptfaße ald im fRebenfaße bad
SSerbum nho angeroenbet, unb 3tt>ar in ber unbetegbnren .tonftruftion
mit bem Äff. ber Sünbe. So forool in meiner lleberfeßung (9Iudg.
I—X) ald in ber ©alfinfon'd (Audg. I—II), nur baß biefer in feiner
offeftirten Slafficität bie nadjbiblijchen Aequioalente für ÄpstXijjiaxa unb
chpsiXirat öerfebmägt unb fo ben ®efia)tdpunrt, unter welchem t)ier (bei
Wattßäud unb aud) bei üuTaB) bie ©ünbe ju fteben tommt als unter»
laffcnc pflid)tmäpigc Seiftuug, miUtürlid) Derroifcßt.

©rft febr fpöt ift mir ein Siebt borüber aufgegangen, bafj bie 9ln«
roenbung be§ SSerbumd nbe in beiben ©aßgliebern bem hebräifeßen
©pratbgeifte unb Spracbgebraurbe miberfprirbt. ®enn roeber in ber
biblifcßcn nod) in ber narbbiblifcbcn Siteratur roirb nVo öon menfdilicbem
SSergebcn gebrauebt; ed üerqält fid) äbnlid) roie mit bem SSerbum «13
(fdjaffen), roeldjed nur bon göttlichem ©eroorbringen, nie öon menfd).
Iid)em gebraucht roirb. Aber bie nad)biblifd)e ©pradje befißt ein SSerbum
bna, roelcßed mit gleichem 9Jed)te öon menfd)lid)ein als von göttlichem
SSergeben gebraucht roirb unb roelrbed ber ©err ohne allen Ifroeifel im
©inne hatte, jumal ba es" öon nbo fia) baburd) unterjebeibet, baß ed
urfprünglicb bad ©rlaffen einer fdjulbigen unb nidjt entrichteten ffaßlung
(debitum) br3eicbnct. ®ad altel)rroürbige SB. nho fommt öerhältnißmäßig
feiten öor, unb roo eS öorfommt erfdjeint bad SS. Vna als fein Strabant,
inbem bie ©ünbenöergebung boppelfeitig ald ©ntlaftung unb als" ©rlaß
bejeirbnet roirb. 3n bem fßnagogalen täglichen ©auptgebet lautet bie
SSitte um SSergebung:

ustsn -3 im« isl> nho
iaj»s> -3 1:33a mV bna
SSergieb und unfer SSater, benn roir haben gefünbigt;
®eroägr ©rlaß und unfer Stönig, benn roir haben gefreöelt!
Unb in bem ©auptgebet bed 9Jerföbnungdtaged tjeifjt ®ott Vma «tßa
nbien, welcher nn-boi nV-na getoäbrt ad unferen Wiffetßaten. ®ad SS.
hri» ift ald bad beliebtere geläufigere Süort an bie ©teile bed 93. nso
getreten, roelched fid) audfdjliehlid) nur im ®ebetdritual behauptet hat,

roie ald SSerfaffer mehrerer Sltonographien, 3. 93. über bie d)emnif,er
filofiergefd)id)te, burd) bie S3eröffentlid)ung unb 93earbeitung urFunblid)en
9J!aterialä ber Sird)engefd)id)te roiebtige 2)ienfte geleiftet hat. ffroei feiner
Sluffähe über bie ©erjogin Urfula Don SBünfterberg (93b. 3) unb bie
93riefe bed freiberger Walerd Valentin einer (93b. 5) finb feffelnbe ©tubieu
jur ®efd)ichte ber fBeformation. ®ie ©chreiben einer'd, welche ber
ätoiefauer IRathdfchulbibliothef entnommen finb, machen ben Sßunfcf) nach
einer balbigen SSeröffentlichung bed in berfelben aufbewahrten 93rief«
roedifeld aud ber SReformationdscit Don neuem rege, gn bad 16. gapt»
hunbert gehören u. a. nod) 93eiträge öon Staroerau (®utad)ten SIgricola'd
unb über bie leidniger .f aftenorbnung), ffrhr. ö. SBeld (Sohann 3-riebridj
bed SBittlcren 93riefroed)fel mit feinem ©ofprebiger IBoth), QSleib (Srur-
fürft aTloripi unb 8. ©ebroabe (bie ©teHung Sfurfad)fend jum 9lugdburger
fRcligiondfrieben). 8lud) bad Wittelalter ift mehrfach Dertreten. ®ie
ältefte ©d)ulgefchid)te ©achfend behanbelt fjohd. Wütler; jur filofter»
gefebichte gehört ber Sluffafj Mnothe'd über Saienbrüber unb Sfonöerfen
in ben fädififd)en Sllöftern Warienftern nnb Warienthal; ein SSeitrag jur
©efdjicbte bed firchlicben Sebend ift beffelben 9>erfafferd ©tubie „93ait§en
im fjnterbift bed 93ifdiofd öon Weifjen"; betrep ber Sanonifirttngd»
gefdiidite 93enno'd Don Weihen liefert roerthüotlc 9Iuffd)lüffe ein Don 93obe
üeröpntliditer, in ©annoöer gefunbener 93nefroedjfel. 3« hie neuere unb
neuefte ffeit führt und bie archiöalifdje ©tubie ©art'd über ffinjenborf
unb fein 93evhältnifj jur furfächfifchen ©taatdregierung, roie eine 93io»
graphte ff. 91. ©eibemann'd öon ©chnorr Don Earoldfelb, Welche noch
baburd) rocrtböoll ift, ba% fie am ©djluffe ein genaued SBerjeicfinifj ber
öon ©eibemann in pitfdjriftcn öeröffentlichten Sluffähe enthält, ffteinere
Widceden, Steeenfionen roie eine forgfältige 93ibliographie machen bie
ffeitfehrift 3U einem unentbehrlichen unb roidfommenen ©ülfdmittel für
jeben, ber auf bem ®ebiete ber fädtfifdien ®efd)ichte arbeitet. <r>. 4H.

tlhiifilicb, Dr. Sl). (!|irof. ber Xbcol. an bet Uni». SBonn), 9lerjtltd)e Wif»
ftonen. IBeuer, Dielfach ergänzter 9lbbrud aud ber „9ldg. Wiffiond«
^eitfehrift". ®üterdloh 1889, 93erteldmann (VII, 108 ©. gr.8). 1.50.
©in djrofeffor ber Rheologie unter ben Wiffiondfcbriftftedern, ber
ber ©ache ber ©eibenmiffion feine literarifctje hthätigfeit juroeubet: bad
ift in tDeutfdjlanb immer nod) eine Seltenheit, bie barum um fo größere
9l3eachtung unb Slnerfennung öerbient. Schon manche roertböode Wif«
fiondftubie hat und ber Fürslid) heimgegangene SSerf. geliefert: „®er
roährenb liturgifdi unb außerliturgifd) hrm von göttlichem SSergeben roie j Wiffiondberuf bed eüang. ®eutfd)(anbd nach Qbee unb ®efchict)te"; „®er

auch öoit menfchlichem (3. 93. SSerad)Ott) 28. ®aanith 20b) gebraucht
roirb, unb sroar fo, baß ber SSetreff ober 93ereid), in welchem bie ©cßulb*
entlaftung gefdgieht, mit ber UJräpofition audgebrüeft roirb, 3. 93.
y>y «mk 5S> «b bina erlaß mir biefe ©ünbe (Srhabbath 30), unb fo
burchroeg, fo baß ein SSater ober Seßrer ober Surft, welcher nicht auf
ber ihm fcbulbigen ©brenbeseigung befteßt, fonbern fie ben SSerpßicßteten
erläßt, was hv bma ßeißt.

Slngeficßtd biefed erroiefenen fpracßgefchichtlichen Hßatbeftanbed erroeift
fidj bie bekömmliche Ueberfeßung ber fünften 93itte ald falfd). ®er
©err felbft, bem roir bad ©errngebet öerbanfen, hat feine anbere
Raffung ber fünften 93itte im ©inne geßabt ald bie folgenbe:
| 'SPsirt-b? -ab brja
! aa-3-nb aDnss-Bä nsbna ibns

Archiv, Neues, für sächsische Geschichte und Alterthums-
kunde. Hrsg. von Dr. Hubert Ermisch, K. Archivrat. Bd.

1—10. Dresden 1880—89, Baensch (gr.8). a 6 Mk. I jenem geiftlichen ©lenb ein ©eer öon unfäglicßen leiblichen Seiben Der

inbobritifeße Dpiumßanbel"; befonberd bie Weitöerbreitete ©cßrift: „®er
gegenwärtige ©tanb ber eöang. ©eibenmiffion" (4. 9lufl. 1880). Wit
biefer leßten ßat er und nod) ein roertßöoUed SSermäd)tniß ßinterlaffen.
Sie foU „ein 9lpped fein an bie beutfeßen eöangelifdjen Wiffiondgefelt«
febaften unb an unfere Sanbibaten ber Webicin", ben är3tlid)en Wif«
fionen in einem größeren Waße, ald bied bidßer gefdjehen ift, ißre 9luf«
merffamfeit 3U3uroeuben. ®enn ber ©egenftanb, ben ber 93erf. gier he«
ßanbelt, ift aderbingd, wie er feßreibt, „bidjefet in ®eutfd)lanb unter bem
größereu gBublifum faft gans unbefannt geblieben unb nod) nirgenbd im
ffufammenhang öon feinen erften Urfprüngen bid 3U feiner heutigen
öfumenifchen ©utroicfelung überficßtlich behanbelt werben". Unb boeb ift
biefer ®egenftanb öon großer SBicßtigfeit für bie Wiffiondarbeit forool ald
auch für bie ßeibnifeßen SSölfer, betten biefe SHrbeit gilt, groar ift bad
größte ©lenb bed ©eibenthumd 3unächft geiftlicßer fBatur unb fann baßer
nur burd) geiftlicße Wittel, burd) ®otted SBort unb ©aframent, gepeilt
werben. Slber roie bie Abgötterei aded Unßeild Quede ift, fo ift mit

SBenn eine )leitfd)tift, roie bie öorliegenbe, eben ißren 3eßnten Qaßr« I bunben, roelrbe in ihrer ®efammtßeit Diel brüdenber finb unb Diel meßr

gang abfcßließt, fo bürfte aud) an biefer Stede ein fUücfblicf auf bie ! Opfer forbern ald bie in neuerer |feit fo Diel beflagte ©flaöeret. 9Ber

Arbeiten, roelcße in bad ®ebiet ber ffirchengefcßichte geßören, am Sßlabe ! einen 93licf getßan hat in biefen Abgrunb leiblichen ©lenbed, bie furcht«

fein, ©at bad „SBeue Ardüü" bod) trob feiner ftrengen Säefcßränfung | baren ©pibemien, bie oft infolge Don Wißacbtung ber einfachften SSorficßtd«

auf bad ®ebiet ber roettinifeßen Sänber eine fReiße Don Stubien geboten, j maßregeln Saufenbe Don Wenfcßenleben wegraffen, in bie graufame,

bie ana) außerhalb ©aeßfend auf 93ead)tung Anfprua) machen bürfen. I ßer3lofe 93eßanblung ber ffraufen unb befonberd franfer fjrauen infolge

3n biefer Sücßtung finb öor adem bie Auffäbe bed ©eraudgeberd 3U j heibnifeßen Aberglaubend ober Unroiffenßcit, in bie geiftige unb leibliche

nennen, ber ald Witrebaftor am „Codex diplomaticus Saxoniae regiae", | SSerfümmerung ber ^ugenb infolge ßeibnifeßer Unfitten, in bie ßnftere
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