Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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Binbitng mit ber (Bßeilnaßme beä 1414 jitm Hurfürften unb ©rgbtfdjof
Bon Höht erßobenen ©rafen (Bietrid) Bon SüioerS an ber Slufleßnung beä
(Bafelet Honcilä gegen ßiapft ©ugen IV. gibt eä eine faft Botlftänbige
©fi53e Bon ber SBirüamfeit unb ben ©cßidfalen biefeä Honcilä, Bon
feinem gufammeutritt unter bem Harbinallegaten ©efarini 1431 biä jum
beginn beä fJJontifitotJ SRifoIauä' V. (1447). 5Baß manage seitgeuöffifdje
©rfcßeinuugen, mie Harbinal b'SlHemanb, ©regor Bon (peimburg, ©nea
©iiBio, aud) ber trierer ©rsbifcßof gafob Bon ©irf ($ietricßä SSerbünbe«
ter unb Ißeilneßmer an feiner £opofitton roiber ©ugen) faft meßr in
ben (Borbcrgrunb beä SJargefteKter, geriicft erfcßeinen, alä ber SLTtelßelb
felbft, macßt fid) sroar fünftlerifd) i id)t gut, tbut inbeffen bem leßrreicßen
©eßalt beä ©anjen feinen ©intra ; Bielmeßr geroinnen fo bie fölit»
tßeilnngen beä SBcrf. an inftruftiocm gntereffe, befonberä aud) in fultur«
gefd)id)t(id)er .fjinficßt. SBefcntlid) n r auf ®ietrid)'d Streit mit (Bapft
(lugen besiegen fid; bie am ©cßlufft (©. 78—88) mitgeteilten arcßi«
Balifdjcu (Beilagen; babei bie päpftlidj Slbfefcungöbnlle Born 24. ganuar
1446 fammt bem biefelbe begleitenben ©cßreiben an bie ©tabt Köln unb
bem SRaljnfcßreiben an ben an ®ietrid,'ö ©tatt sunt fölner ©rsbifcßof
ernannten fjerjog Slbolf Bon Hieße; ferner bie aBieberoinjetjiingSbutle
für ben abgefegt geroefenen ©rsbifcßof gafob Bon Xrier it. 38aä ber in
bie (Betailä ber beutfdfen Hircßengefdidjte ber legten Borreformatorifdjen
geilen minber ©ingeroeißte feßmerätieß nermiffen roirb, ift eine berartige
Slbrunbung ber ©efd)id)te beä ©rsbifagofä SDietricß, rooburd) einerfeitä
beffen Slbftammungöoerßältniffe unb früßere ©efd)id)te (Bor feiner @r«
ßebuug auf ben fölner ©tußl, alfo Bor 1414), anbererfeitä feine legten
(Regierunqäjaßre Bon ber Sluäfüßnung mit (Rilolanä V. an bis" su feinem
©nbe (1463) roenigftenä fürs fHjjtr. toorben mären. (Baä ©ange beßält
infolge beä geßlenä biefer SRittßeilungen über Slnfang unb ©cßluß beä
gefegilberten Sebenäbilbeä einen einigermaßen fragmentarifageu ©garafter.
9Rag mandie gleidigeitige iJJerfönlirgfeit unferer Baterlänbifcgen ©efdjidjte
in SSejug auf ftttlidfen ©egalt unb auf geiftige (Bebeutung überßaupt
ben Grjbifrgof ©Jietrid) tneit übertreffen, fo nimmt berfelbe bod) fegon
fraft ber ungeroögntieg langen (faft öOjäßrigen) (Bauer feineä (Bontififatä
ein befonbereä gntereffe für fid) in Slnfprucß; unb befonberä feine fpäteren
93egießungen p bem fcgtießlid) auf ben päpftlidfen ©tugl gelangten
©nea Silbio finb genauerer (Beacßtung tnertg. (Bielleicgt läßt ber 95erf.
bei fpäterer ©elegengeit eine ©rgängung beä in ber Borliegenben ©cßrift
fDiitgetgeiltcn nad) ber angebeuteten Seite gin folgen. i.

Segfdilag, SSMtlibalb (Dr. u. tptof. ber Sufeol.), gut SJerftänbigitng über ben
cgriftlidjen SJorfeßungäglaubcn. 4>tle 1888, ©trien (VIII, 114 S. 8).
1. 60.

(Bie Sdfrift ift ein Born 9>erf. reoibirter Stbbrud Bon Sluffäßen, bie
berfelbe in ben Bon igm ßerauögegebcnen ,,®eutfd)*eBangelifd)en (Blättern"
Beröffentlicgt gatte, unb in benen er einerfeitä fid) gegen bie (Berfucße Bon
Hreibig, SRagel unb Sdjmibt-Eürtoro roenbet, ben SSorfeßungöglaubcn burd)
llnterfcgeibung foleger Hreife gu begrünben, in benen ber 2Renfa) bejro. baä
Hreaturleben eine Selbftänbigfeit in Slnfprucß negmen fann bon bem
©ebiete, in meltgem ©oft fid) feine unmittelbare SBirffamfeit Borbegalten,
anbererfeitä bie llnmöglirgfeit eineä Slgnofticiämuä bargutßun furgt, mie
er Bon ber Diitfcgrfcgen ©cßule begauptet mirb. 9Bir tonnen ber Hritif
biefer forcirten Sluäbrüde beä (Befriebigtfeinä im Söiberfprud) groifeßen
SBiffen unb ©lauben nur unferen (Beifall geben. (Ber ©taube tommt ben
©egeimniffen ber Söeltrcgicrung gegenüber nidft gu furg, aud) trenn man
igm nirgt gumntßet, einer (Borfeßung fid) gu getröften, beren ber unburdp
bredilidie Staturmecganiämuä fpottet, unb beren groben überall al§ un-
äUBerläffig angefegen merben müffen. ®ie Sfritif, bie fid) gegen bie anbere
©ette roenbet, ftimmt buregauä mit bem maä 3fef. bei Söefpretgung beä
©cgmibt'fdjen Sflucßeö in b. Sl. g;agrg. 1887, SJir. 22 auägefütirt gat. 9lud)
er gat bamalä ben (Begriff beä coneursus gegen bie ©inmenbungen
©dfmibt'ä alä unentbegrtid) in ©cgug genommen; aud) er gat bie Unter,
fdjetbung ber Stufen ber IBroBibens auä bem flroedbegriff gerechtfertigt.
9lud) in ben pofitiben Sluffteüungen roeiß er fid) mit SBeßfcßlag äunädfft
einä. Saä SJergältniß bon SDeltregierung unb SSorfeßung pflegt er in
feinen Siorlcfungen ägnlid) ju beftimmen, bie ©efagr beä fflantgeiämuä
unblBeiätnuä ebenfo p fegilbern; aud) ben ©ebanfen einer Söefcgränfung
ber göttlicßen «Umiffengeit gat er bon 9iotge übernommen, vlber roeiter-
gin gat er ben SBegfdglag'fcgen 9luäfügrungen gegenüber bod) einige 93e-
benfen. ©ä gegt burd) biefelben ein, mie mir fegeinen roitl, etmaä ju
optimiftifeger fjug. fBaäföeomcnt ber pofitiben SSeiterfügrung ber ScgöBfung
im ©egenfab pr ©rlöfung tritt etmaä p ftarf ßerüor; id) glaube i. 33.
baä Sünnber im engeren ©inne erflärt fid) nießt fegon auä bem '-Begriff
ber aBeltregierung unb ber SSorfeßung für fid), fonbern erft auä ber tßat«
fädjlidjenSSerregrung aud) ber urfprünglid) gemoüten97aturorbnung. ©benfo
fdieint ber SSerf. Bon ber jenfeitigen SBelt für ßöfung ber 3iätßjcl einen etmaä
aHäit auägiebigen ©ebraud) p matßen. ©ine gemiffe Steigung jur 9lpo>
fataftafiä leugnet er nicht, unb im Spfammcnßang bamit gegt er ein faft un.
begrenjteä SSertrauen auf bie Sötacgt einer jenfeitigen ©ntmiclelung bei
ber großen SJteßräaßl ber SRenfcgen. ®em gegenüber fann id) mid) nun
bem 93cbcnfen Slagel'ä anfdjließen, baß fo bie 33ebeutung beä gegen«
märtigen Sebenä ßerabgebrücft roerbe. ®ie a)eiläorbnung, roelcge bod) p«
näcßft mit ben S3ebingungen biefer gegenmärtigen SSelt genau pfammen«
gängt — man benfe nur an ben (Begriff ber r.hv.t, alä bem i).:,7/<;

r.paf\i.dxim oü ßlsiojiivojv — broßt ben ©garafter unbebingter Stotß*
menbigfeit p berlieren, unb bie 9lrt, mie 93egfd)lag baä S3ebürfniß naa)
biblifeger 93egrünbung auä 1 ffor. 15, 23 ff. beeft, roiH mir bod) feßr ge«
magt erfdjeinen. ©ä fdjeint mir geratßener, ben SSorfegungäglauben nid)t
mit biefen fpinöfen fragen, in benen mir unä bod) am ©nbe einer roeit«
geßenben gurüdgaltung befleißigen müffen, ba bie ©egrift feineäroegä in
bem unä erroünfcgten SJtaße Sluäfunft gibt, möglirgft unbermorren p
ergalten. Qm übrigen aber fann biefeä Bon S3egfd)lag, mie mir eä bei
igm geroognt finb, Mar unb geiftreid) gefdjriebene ©eßrifteßen mögt empfogten
merben, inäbefonbere aud) ©ebilbeten außergalb ber gunft ber SBgeologen,
für bie er eine Olnpßl roiffenfcgaftlidger Sluäbrücfe noa) ejtra p ber«
beutfegen fid) bie Sftüße genommen. f>. Sdjmibt.

^effc, 3., 3Bic aiiifßon auf ber Äanjel. SBejte, Stßemata, (Biäpofitionen
unb QueHennacgmeife für SJtiffionäBorträge. ©alm 1889, SSereinä«
bucht). (III, 324 ©. 8). 2 SJtf.

®ie ©rfenutniß, baß bie SJtiffion nicht nur bie ©aa)e ber SRiffionare,
fonbern baä Debenämerf ber gausen ©ßriftengeit ift unb barum in erfter
2inie Bon benen, melcge ber ©ßriftengeit baä ©Bangelium prebigen, ge«
förbert merben muß, gat fid) par in unferer Qeii immer megr 93agn
gebrocgen, ift aber nod) meit baBon entfernt, auä ber leeren Sgeorie jur
Boüen Sßrajiä gemorben ju fein. SiSir bauten eä bem SSerf., baß er
aud) bie Sianjel für ben SRiffionäbtenft energifd) in Slnfprud) nimmt
unb Bedangt, baß fie „Boll unb ganj" in biefen (Bicnft geftetlt roerbe.
@r forbert bie gelegentlicße ©rmäßnuug ber SDiiffion auf ber fidnjel, fo
oft ber Sejt eä mit fid) bringt, bie Slbßaltung eineä allgemeinen jäßr«
liegen SOitffionäfefteä (©pipganien), baä jeitmeife galten non SRiffionä«
prebigten unb bie regelmäßige SRiffionäftunbe. ®aä gute Stecßt biefer
gorberungen mirb mit faeßließen ©rünben erroiefen, unb bie richtige Slrt
ihrer SSermirflicßung mit perfmäßigen fRatgfcßlägen empfoßlen. ®er
.ftauptroertß beä 93ucgeä beftegt in ben „®iäpofitionen su SRiffionäBor«
trägen aller Slrt", einer großen (Reiße Bon einpeßenb biäponirten, mit
literarifcßen Stacßroeifen belegten ©djriftterten, melcge bem, ber um ©toff
Berlegen ift, eine güüe beffeiben bietet, unb aud) ba, roo bie 93eßanblung
beä ferteä BieHeicßt nidjt Bollen 33eifall ßnbet, neue ©ebanfen anregen
unb ben SBeg sur ©eminnung neuer ©eficßtäpunfte baßnen mirb. Sjaben
anbere mie SBarnecf unb 93egria) („SRiffionägebanfen auä ben altfirdj«
ließen eoangeltfcßen SScrifopen." ©üteräloß 1885) ben 93etoeiö, baß bie
83ibet aud) baä eigentliche SRifftonäbud) ift, bereitä mit ©rfolg angetreten
fo ift biefer 93eroeiä Bon bem SSerf. nod) Biel reicßßaltiger erbraeßt mor«
ben. SBer feine Slrbeit auänußen roiU, mirb nießt meßr Magen tonnen,
baß eä feßroierig fei, bie .Hansel in ben (Bienft ber SRiffion ju ftellen.
3)ie ©. 166 ff. mitgetßeilten SRiffionägebete, sumeift SRiffionäblättern,
audß SSetri'ä SRiffionäagenbe entnommen, finb gute SRufter. 933er min,
mag fie bei SRiffionöfeften unb «ftunben oßne meitereä gebraueßen. ®er
barin nod) folgenbe ,,97tiffionägefd)id)tlid)e ®atnm-Sla(enber mit Ouellen»
nad)roetfen" BerBoUftänbigt baä SRaterial nod) in befonberer SBeife, in«
bem er für jeben SEag beä gaßreä meßr ober minber roießtige ©rcigniffe
auä ber SRiffionägefcgicgte sufammenfteHt unb fo eine §anbgabe bietet,
ben Siatg, roelcgen ber SSerf. ©. 29 in SSesug auf bie bei SRiffionäBor«
trägen befonberä ju empfeßlenbe „©elegenßeitärebe" gibt, sur Sluäfüßrung
ju bringen. Sitten, bie ber SRiffion auf ber eigenen Hansel gern bienen
möcßten ober auf anberen Hanseln ißr s" bienen berufen finb, roirb
gier eine ©egag« unb SRüftfammer aufgetgan, melcge sroar °m eigene
Slrbeit nießt überßüffig maeßt, aud) bie freie 93eroegung nießt ßinbert,
Bielmeßr su ber einen mie su ber anberen aufforbert unb anleitet, aber
eben baburd) für ben groeef, bem fie beftimmt ift, fid) Bortrefflid) eignet.

£ß. KT.

IXcucfle tlftologtCdie ffitcratut.

«Pßtlofopgie. Spencer, Herbert, System der synthetischen Philo-
sophie. 8. Bd. 2.Hälfte: Die Principien der Sociologie. Autor.deutsche
Ausg. Nach der 3. engl. Aufl. übers, v. pr0f. Dr. B. Vetter. 3. Bd.
2. Hälfte. Stuttgart, Schweizerbart (X u. S. 401—828 gr. 8). 8 Jt.
Blencke, Dr. Fr., Die Trennung d. Schönen vom Angenehmen in
Kants Kritik der ästhetischen Urteilskraft. Zugleich e. Vertheidigg.
Kants gegen den Vorwurf, dass er lediglich Form-Aesthetiker im
heutigen Sinne sei. Leipzig, Fock (57 S. gr. 8). 1. 20.

©prifrgeä. Gregorii Abulfaragii Bar Kbhraya in epistulas Pau-
linas adnotationes, syriace ed. Cnnd. tu. Dr. M. Loehr. Göttingen,
Dieterich (VIII, 46 S. gr.S). 2.50. .

3frael. ©efdflcßfe. S3unfen, ©. ü., ®ie lleberlieferung. Qßre
©ntfteßung u. ©ntmiclelung. [Qn 2 S3bn.] 2. S3b. 2Rit 1 Saf. Seipsig,
S3rodßauä (V, 310 ©. gr. 8). 7 Ji

Steuteft. (fregefe. Hübet, iptof. d. SR., ©jegetifcg.ßomitetifcßeä ^anb«
bua) sum ©Bangelium b. SRattßäuä. 1. fjälfte. 'Rörblingen, S3ed (228 S.
gr. 8).

Heben Scfu. SRippoIb, 3., gur gefcßießtlirgen 933ürbigung ber
(Religion 3efu. (Borträge, SfSrebigten, Slbßanblgn. 8. §eft: %k pfpcßia«
trifdje ©eite ber (öeiltßätigfeit gefu. ©ine (RofenPorlefg. SRit e. liter.«
frit. Hommentar. 93ern, 933gß (84 ©. 8). 1.20.

Äirdjengcfcßicgte. t Beusch, F. H., Die Fälschungen in dem
Tractat d. Thomas v. Aquin gegen die Griechen [Opusculum contra
errores Graecorum ad Ürbanum IV.]. München, Franz in Comm.
(70 S. gr. 4). 2. 10.

Äitegl. aSerfafTungSßcfcrjidjtc. ©rimelunb, «ifäof a. %. U., ®ie
©efdjidite b. ©onntagä. ©in (Beitrag sur 2öfg. ber ©abbatßäfrage. Sluä
bem 'Rormeg. überf. b. Wt. §. .f)anfen. ©üteräloß, (Bertelämanrt
(83©. 8). 1 Ji §orn, ißteb. g., (Der ©onntag. gjalberftabt, Scßimmel»
bürg (7 ©. 8). 20 4.
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