Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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er baneben nod) auf bie ©leirhartigfeit berfelöen ßinweift, fo fann biefe
bod) bei einem aud bem gifdjerftanbe ßeroorgegangenen Stebner unb bei
einem faft allemal gleichen ©egenfaße unb ©egenftanbe gar nicrjt ald
auffällig angefeßen roerben. Slud biefen ©rünben Iet)nt er im Unter«
fcbiebe üon SBeiß (©inleitung § 30, 2 ©. 671) bie SJenußung einer fcßrift»
lieben Quelle für bie erften Kapitel entfeßieben ab. ©ine fo(d)e finbet er
nur ald bie ©runblage oon Kap. 6 unb 7; roelcbe freilief) aneb ba, reo fie
oon SJaulud etmad fagt, interpolirt ift. ©ie roirb ald ber roertfjootlfte
SSeftanblßcil bed erften bXt)eile§ unb ald oon ungemeinem SBertße für bie
Kritif ber ooranfteßenben jjeid)nung ber Urgemeinbe begeidjnet.

§atte SBenbt in ber 5. (6.) Auflage mit Weber bie f. g. SBirftüde
als! Dorn SSerfaffer ber 2Ipoftelgefd)id)te felbcr berrübrenb gelten laffen,
fo roirb aud) biefe Sluffaffung jeßt fallen gelaffen. Slber, roäbrenb gegen
biefelbe bad SluffaUenbe bed plößticßen eintretend jene« „mir" in ber
2lpoftelgefd)id)te geltcnb gemacht roirb (©. 18), fcH bem gmeiten Xßeil
berfelben bort) bereitd Don Kap. 13 an eine CueHenfcßrift gu ©runbe
liegen, roelcbe im allgemeinen ©rgäßluugen, fReifen unb wichtige ©rlebniffe
bed Baulud, aber aud) foldje ©rgäßlungen entbalten pabe, „in weldjen
ber Schreiber ald Hugengeuge in ber erften fßerfon berid)ten fonnte"
(©. 21). SBad bemnad) bei bem SSerfaffer ber Slpoftelgefcbicbte anftößig
unb unannebmbar ift, bad läßt fid) beim ©djreiber ber QueHenfcbrift
einfad) annebmen. ©ine foldje Kritif bebarf feiner «eiteren Steirtßcilung.
Qbre SBiHfür liegt gu fefjr auf ber löanb, unb iljre «eiteren SlufftcHungcu
über jene OueUenfcr)rift fenngeicfjnen fid) bamit felber.

Stuf folcßem SBege ertjält bie neue ©djule benn aud) in ber Slpoftel*
gefdjidjte ein S3ud), beffen Slutor nadj bem SSerfaffer feiner .fjauptqueUe,
«ie nadj SBenbt bad Wattßäud» unb 3°h<>nnederiangelium, erft fpätcr
feinen Slamen erbalten bot- Tue SBenbt'fcße Kritif «irb ed einem Schüler
Qoerbed'd ober .fdarnad'd leidjt madjen, ©rünbe für ben 9tad)«eid gu
finben, baß aud) it)r bei ber befannten |)ured)tmad)ung bed Kanon« oon
jenem großen Unbefannten bed britten SSierteld bed gweiten ^afjrtjimbcrtS
erft fein jeßiger Stopf üorgefeßt ift (fei biefer nun Slpg. 1,1-2 ober
1, 1—11), «ie bied oon einer SReifje anberer Bücher bebauptet «irb.
SBenbt läßt nod) fefjr gurüdßaltenb bad gange lebte SSiertel bed erftnt
Saßrßunbertd ald geit ber SIbfaffung unferer Slpoftelgefcbicbte offen.

©ebr leiebt maebt ed fid) SBenbt benn aud) roieber mit feiner Beugnung
bed Baulinidmud bed SSerfafferd ber Slpoftelgefd)id)te. Xerfelbe fotl alfo
am ©nbe bed erften 3Prßunbertd mit feiner Slnfdjauung auf urapofto«
lifcßem SSoben fteben. Db SBenbt bei berartigen Slufftetlungen gar nidjt
fiebt, baß er nur ber in ipoHanb immer «eitere SSertreter finbenbeu S3c-
bauptung ber Unedjtbeit ber paulinifeben föauptbriefe in bie fjänbe
arbeitet? ©ine ©djrift Dan be ©anbe Bacfhuugcn'd („Het dogmatisch
Karakter, dat aan het Evangelie van Lucas wordt toegekend."
Amsterdam 1888) fönnte ttjn barüber aufflären. Xer llnterfdjieb hon
SBenbt'd unb Qoerbed'd Sluffaffung ber Slpoftelgefdjidjte ift nad) biefer
SBenbung nur nod) gering. ©d ift gu beflagen, baß Weper'd
Stommentar auf foldje SBeife immer mebr roieber in ätjnlidje ©leife ge«
rätb, ald bie «aren, aud «eldjen er fid) oor faft einem bolben Qaljr«
bunbert mübfam beraudgearbeitet bot. Hin.

Noeldechen, Prof. Gymn.-Oberlehrer Dr. E., Die Abfassungszeit
der Schriften Tertullians. Neue Fragmente des Papias, Hege-
sippus und Pierius in bisher unbekannten Excerpten aus der
Kirchengeschichte des Philippus Sidetes von Kust. Dr. de Boor
(„Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristl.
Literatur von 0. v. Gebhardt und A. Harnack. 5. Bd. 2. Heft).
Leipzig 1888, Hinrichs (184 S. gr. 8). 6 Mk.
Xie erfte ber beiben in bem oorliegeitben fjeft befdjloffenen linier»
fuebungen bringt eine erneute Prüfung ber Slbfaffungdgeit ber
Schriften XertuUian'd. ©ebon bie Aufnahme in bie .lj)arnad.©eb«
barbt'fdje ©ammlung bürgt bafür, baß biefe Strbeit ©. Sc oelbedjcu'd aud)
bed bie ©bronologie XertuUian'd görbernben nicht entbehrt, ©ie bietet
eine cinljeitlidje Verarbeitung, aber aud) SBeiterfübvung beffen, «ad
Sloelbecßen feit mehreren Qabren in allen größeren tljeologifcben, aber
aud) in einigen biftorifeben fteitfeßriften Xeutfdjlanbd über XertuUian
Oeröffentlid)t bat- Qenen Sluffäßen gegenüber begeiebnet biefe Sabrift einen
beutlichen gortfdjritt. 25ie ©pradje ift aUerbingd nod) meift biefelbe nicht
natürliche unb ftellt baßer an bie ©ebulb ber Befer einige Slnforberungen.
Xie „©aracallatage" unb „ISerpetuatage", bie ,,©aracalla«©ntleerung", bie
„©capulabrohungen" unb „Stepetualciben", bie „gar" unb bie „banblidj"
feßren aud) hier «ieber. SBenn ed ©. 40 heißt: „SBie bie Scßaufpiele
nämlich im ©ößenbienft, fo «erben fie aud) hier (de cultu fem.) citirt",
fo ift bied nur ein Stefpiel einer öfterd nidjt fofort ücrftänblidjen Slud«
brudd«eife (tgl. ©. 49: „SBenn bie 3uben [seil. adv. Judaeos| bie
©etuler bringen"; ebenfo ©. 20). Slud) «äre oon einer ein fo fpecielleö
Xfcjema beßanbelnben ©ebrift gu oerlangen, baß fie nicht nur gelegent-
lich ber Slrbeiten anberer gebenfe, fonbern überall barüber orientirc, «ad
fdjon früher gefagt «orben, unb «orin bad ©igentbümlid)e unb Sleue in
bed Stef. Xarlegung befteßt. SBo ber Stef. frembe Weinung berüdfießtigt,
Oermag ber Befer öfterd nur ein fdjiefed SSilb oon ben abgelehnten Slud»
fübrungen gu geroinnen. STnbererfeitd «irb immer «ieber einfad) auf
bie oben ermähnten Sluffäße bed SSerf. oer«iefen, moburd) bem Befer bie

Slufgabe ermädjft, bafelbft aud ber reichlichen ©preu bed nicfjt gur
©aeße ©ebörenben bie Körner bed S3eacßtend«ertben berauögufudjen. Xne
fcharfe ©elbftfritit an ben eigenen fmpotßefen, bie für berartige Unter«
fuebungen in erfter ©teile erforberlid)e umfidjtige Befonnenßeit Oermiffe
id) überhaupt, ©d «irb eine Begugnaßme auf bie Slpotßeofe bed Som«
mobud in ad nat II, 10. 14, auf einen Vorgang im ©irlud gu Stom oor
ben ©aturnalien 196 in apol. 35 unb de spectac. 16 (26 ift Xrudfeßlert,
auf ©eoer'd S3erl)alten beim Xobe Blautian'd im ©ingang Oon de
paenitentia, auf ben Sludbrud) bed Vefuöd 203 de paen. 12, auf bad
Xreiben bed Siäuberö S3uHa de pat. 7, auf bie Entleerung ber ©trafinfelu
burd) ©aracalla de res. 3), ferner, baß de fuga nach c. 13 gur [feit ber
©aturualienfeier gefdjrieben fei, baß XertuHian de cor. 11 Xefertion Oon
ben cßriftl. Solbaten forbere, unb anbered — tßeild ald fießer, tßeild ald
mabrfcßeinlid) behauptet, «äßrenb boeß tbatfäd)lid) nirgenbd meßr benn
blofe Wöglicßfeiten oorliegen, mit benen fid) überhaupt nicht rechnen läßt.
Slld ungmeifelßaft wirb beßanbelt, baß adv. Valentinianos in Slom ge»
feßrieben fei. 816er bie insula Felicula c. 7, auf «eldje Scoelbecßcn fid)
oor allem ftüßt (ogl. aua) „fjeitfdjrift für miffenfd)aftlid)e Xßeologie"
1888, ©. 210 ff.), entfeßeibet nidjt, «ie beute auch außerhalb X'eteröburgd
ein ruffifeßer ©cßriftftellcr fid) bed Sludbruded „ein §and SBjafemdfij" be«
bienen fann oßne unoerftänblid) gu «erben; Übrigend fonnte aud)
Karthago eine gleidjnamige Wietßfaferne befißen. flu Porro Quirites c. 14
Oergleidjt ließ burdjaud bie oon Sfoclbecßen felbft ermäßiite ©teile bei
Slpulejud Metam. 8, p. 215 ed. Elmenth. Slnbered folgt «ol baraud,
baß nießt blod in Slfrifa XertuHian feine Befer fließt. Xagegen ßat feßon
Sfßenanud fieß burd) bie SBorte c. 12: Videmus quotidie nauticorum
laseivias gaudiorum an ,f artßogo erinnern laffen, unb bied bleibt immer
ber «aßrfcheinticbfte Slbfaffungdort.

3m Apolog. roiH Sloelbed)en fdjon bie praftifdjen SBirfungen ber auf»
regenben ©cßrift oom ©ößenbienft wahrnehmen. ©. 55 «irb bie SJe»
nußiuig oon 3ren°ud unb ©lernend Sllej. burd) XertuHian ald gleich
ge«iß ßingefteHt. SBenn im Slnfcßluß an Dp. 17, 1 in de cultu fem. II, 12
iHomd ald ber S3ußlerin auf ben fieben Stegen unb öielcn Söaffern ge»
baeßt «irb, muß bied nad) Sloelbecßen ein ©cßelblicl auf bie reichliche
SBafferOerforgung Stontö fein; ober «enn XertuHian in de pat. 2 bie
SSerfcßonung ber SBelt ald manchen Urfadje bed llnglaubend geworben
erwäßut, fo «irb Dermutßet, baß aud ihm bie ©nttäufcßung barüber
rebet, baß nidjt 203 bad ©nbe ber SBelt eingetreten ift, entfprecßenb einer
gleicbgeitigen, XertuHian bieHeidjt gang unbefannt gebliebenen, SJererßnung
im Orient. De carne 2 läßt XertuHian ben ben SJericßt Buf. 2, 1 ff. ooii
ber ©eburt ©ßrifti ableßnenben Warcion neben ben feßmußigen SBinbeln
unb ber ßarten Krippe aud) bie molesti Caesaris census abwcifen- er
muß babei „fidjer" an Waßnaßmen ©aracaHa'd benfen!

©d ift anerfennend«crtß, baß Scoelbecßen aüen S3egießungen bed
©cßrifttbunid XertuUian'd gu gleichzeitigen Vorgängen forgfam naeßgefpürt
ßat. über joU baraud «irflicßer ©eminn erfprießen, fo finb aHe ©rgeb»
niffe foldjen 5orfd)end mit größter llmficßt, ja Stepfid auf ißre S3robe»
ßaltigfeit gu prüfen, fonft oer«irren fie meßr, ald fie nüßen. 3d) ßnbe
baßer aud), baß eben jene tBegießungcn gu gleicbgeitigen ©reigniffen,
«eldje Sloelbecßen in de paen. entbedt gu haben meint unb babura) biefe
©djrift neu batiren gu fönnen glaubt, ißn bie Slnfänge bed Wontauidmud
XertuUian'd unridjtig beftimmen laffen. Slacß Sloelbecßeu ift gur [feit bed
Wartßriumö ber Perpetua unb ißrer ©enoffen XertuUian nod) nicht
Wontanift, «ie er benn aud) fpäter gu ben Eigenheiten ber „Sierpetualeute"
fid) fpröbe Oerßalten habe, fobaß meber ber „Käfe" ber Wärtßrerafte, nod)
bie manus junetae ber Steter „a la Perpetua" bei ißm roieberfeßren.
©o unflar «ie ßier ift be« Sierf. Urtßeil über ben Wontanidmud aud),
wenn er immer «ieber oon bem jpecififd) montaniftifeßen ©abbat rebet
lg. S3. ©. 20. 79). SBieberßolt ßebt Sloelbecßen ßeroor, baß XertuHian fid)
in de idol. 4 bed ©cßriftbemeifed ßalbmübe auf bad geugnifj bed ©eifted
berufe; aber eben in ber ©d)rift erblidt bort XertuUian biefed tfeugniß.
Adv. Val. ift für Sloelbecben bie erfte moutaniftißhe ©djrift Xertunian'd,
fein Uebertritt gemäß .hicroiißinud burd) ben römifchen Klerud ßerbei»
geführt.

Xent Uebertritt gum Wontanidmud folgen nad) Sloelbecßen gunäcßft:
j adv. Marcionem I— III, de pallio, de unima, bann erft de Corona, de
fuga neben ad Scapulam, Scorpiace, adv. Marc. IV, hierauf (213-217)
I de eestasi, de carne Christi, de resurrectione, de virg. vel., adv.
Marc. V, adv. Apelleiacos. De virg. vel. foH einem Streit innerhalb
ber niontaniftifcßen ©emeiube Kartßagod gelten. Xarüber, baß de virg.
vel. 1 mit ben SBorten: Hunc (paracletum) qui reeeperunt veritatem
consuetudini anteponuut. Hunc qui audierunt usque, non olim,
prophetantem virgines contegunt, fo beutlid) «ie möglid) bie monta»'
niftifdje Strand ber großfircßlicßen gegenüberfteHt, fo«ie ben IBatafletert
ald solus antecessor ben (aud) nao) Sloelbecben) großfird)(id)en sanetis-
simi antecessores, feßt fid) Sloelbecben ßinroeg, unb bod) mußte fdjon
l de orat. 22 ber nod) firdjlidie XertuHian betreff« ber ©dileierfrage bem
©inwanb begegnen: non putet institutionem unusquisque autecessoris
commovendam. Adv. Marc. V, 8 ßält XertuHian bem SJlarcion ent»
1 gegen, baß ber Slpoftel 1 Kor. 14, 34 gemäß bem ©efeß bad SBeib bem
! Wanne unterorbne, ftatt nad) Warcion nur feinbfelig bad ©efeß gu be»
rüdfießtigen. Sloelbecßen finbet ßier „Steninifcengen an bie bitteren ©r»
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