Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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freitags in Stinberberoahranftalten ober Stinbergottcgbienften, Wiffiongfefie,
Augflüge bon ©onntaggfajulen tc, roie fid) benn bie eigentliche Kinber«
prebigt, aud) roenn fie, roie in ben meiften ber borliegenben gälte ge«
förbertere Sfinber (big ju 14 gabren) im Auge hat, naturgemäß auf
fotdie befoubere Sage befdjränfen roirb. 3Bir möchten tnenigfteng Jfinbern
niä)t sumutben, aflfonntäglid) in einem für fie beftimmten ©ottegbienfte
eine 6—8 Xrudfeiten lange (färebigt mit Xhema unb Xtjeilen (unb beren
finben fid) mehrere) anhören ju müffen. Xie narratio, roie Auguftin
fdjon betont bot, unb jjanb in jjanb mit biefer bie fatedjetifcbe Unter»
roeifung finb bie ©runbformen, in benen fid) Unterricht unb Erbauung
ber Sfinber bewegen fotlen. gnbeffen wollen ja aud) bie jjerauggeber bie
fjorm ber (R'ebe nidjt betonen, fonbern fie roünfdjen, eg mödjten alle, bie
an Siinbern arbeiten, „aug jeber (Rebe etroag lernen, roie man Siinbern
ben jjeilanb geigt". 3n biefem S3etradjt banfen wir ibnen für bie reidje
fJüKe Bon jjerzcrquidenbem aug alter unb neuer (feit, bag fie ung bieten;
föftlidje ©aben an Erzählungen finben fidj, benen alt unb jung gern
Iaufdjt. Xaß bod) fold) lieblidjer Xon, ber eg felber nom Sfinberfreunbe
gelernt bat, roieber in bieten, benen Sfinberfeelen annertraut finb, roieber«
Hänge! Xiefer (ffiunfd) legt fidj einem gar mandjmat nage, unb ber
anberc baju, baß man eg lernen tonnte, fo einfaltig finblid) ju erjäblen.
Uebrigeng roirb gerabe nad) ber teÄnifdjen Seite bin bag (Buch an
(Braudjbarfeit gewinnen, wenn, wag man ja für eine etwaige weitere
Sluflage erwarten ju bürfen fdjeint, ber Sfatedjefe ein breiterer (Raum
bergönnt fein roirb. Sßieüeidjt gelingt eg bann aud), mandjeg, wag ben
Einbrud bon fo biet Sdjönem nod) ftört, z" befeitigen. SBir fönnen
nicht glauben, baß bie Stinblirhfeit in (Raäjläffigfeiten in ber Sprache
ober in (Brobinztaligmen zu fudjen iei; babin rechnen wir, um einiges
ZU nennen, bie (Bluralform „alte 3abr" (6. 30 u. 303), „fie rootltc gern
ju jjaug fommen" (S. 24), „red)t wag Xrepcheg" (S. 34), ober roenn
(©. 32) bon ber Heiligen SBeibnarbt erzählt roirb, „roo plößlid) bie ganze
Suft boU (auter, lauter lichter Engel fliegt". Aua) bürfte bie Se^id)»
nung gefii als beg ftarten gelben, ber „ben böfen geinb mit bem
Schwerte feineg Jfreiijeg, alg er unfere ©ünben auf fid) nahm unb ftarb,
über bag jjaupt gefdjlagcn bot" faum ein entfpredjenbeg S3ilb feineg
Erlöferberufeg fein. SBebenflicber aber alg bag rotU eg ung bünfen, roenn
©. 29 ben Siinbern gejagt roirb: „Eg gibt ja ©Ott fei Xanf aud) Seute,
bie aug ©eroobnbeit . . ing liebe ©ottegßaug geben unb fidj in SBort
unb SBanbcl alg fromme Wenfcrjen beroeifen unb aug ©eroobnbeit allerlei
©uteS tbun. Unb foldje Seute fnttt ißr aud) werben"; ober Wenn in
einer Satedjefe über ben zwölfjährigen 3efug im Xempel, nachbem ben
Sinbern gejagt ift, Qefug fei ja roirflid) ber ©oßn ©ottcg getnefen, aber
bag hätten ibm feine Eltern nidjt gejagt, alg er nod) ein Stinb war, um
üjn nidjt zum .fpodjmutb ju berführen (3. 309), bie Augfage gefu über
©Ott alg feinen (Bater baljin erflärt roirb, baß er bamit feine Siebe unb
Xanfbarfeit gegen ©Ott augbrüden wollte. (Damit tommt unfereg Er«
adjteng bie beilggefdiidjtlidjc (Bebeutung beg (Borgangeg ju furz. Sublittj
Würben Wir Stüde wie (Rr. 41 unb 43 am liebften ganz miffen. ©ewiß
joll ber fmmor, ber im ©emütb rourjelnbe, tief gegrünbete, für ben, ber
bie ©abe bat, aud) bom Xienfte beg Zeitigen nidjt ganz auggefdjloffen
fein, jumal Wo eg fidj um jrötjltctje Slinberfeelen ßanbelt. 9lber mit ing
Wiegle belogenen ©eiftreidjtgfeiten jeigt man Siinbern ben qjeitanb
nidjt. Sflitt bag (Befie ift gut genug für unfere STinber.'

©Äroaräenbad) a. ©. Utit.

Stein, Armin, Stunden der Andacht. Zehn schlichte Lieder für
eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte. Wolfenbüttel,
Zwissler (10 S. 4). 1 Mk.

Qn licblidjen Herten jumeift liebliche SRelobien tqetlg tn Ehoralform,
Wobei man bie bie (Rt)htbmugeiiit)cit ftörenben germaten an ben Seilen»
fdjlüffen roegroünfdit, tbeilS in profaner Siebform mit bewegter (Begleitung.
Xem (Begriffe „fÄlidjt" bürfte jebodj eine (Borjeicbnung bon fünf b unb an
einigen Stellen eine ©timmbebung big in bag zroeigeftridjene g nidjt ganz
entfpredjen. _

Kleemeyer, Herm. (Kantor an der St. Johannlskirche in Hannover), Drei

leichte Motetten für Sopran, Alt, Tenor und Bass. Zum Ge-
brauche in Kirche und Schule komponiert. Op. 14. Wolfenbüttel,
Zwissler (6 S. gr. 8). 50 Pf.

$>rci Sdjriftroorte, benen man beim Anblide biefer Xongefüge eine
entfpredjenbere, bon ihrem ©eifte burdjroebte mufifalifdje (Befleibung
»flnfdjt. SBen'n biefe Wotetten nidjt gebrudt roorben waren, Würbe
tnenigfteng bie Slirdje für ißre ©ottegbienfte nichts bermiffen.

Steinhäuser, C. (llauptlehrer, Organist n. Chorregent), Motetten ZU

13 Pesttagen des christlichen Kirchenjahres und liturgische Sätze
für den dreistimmigen Männer- oder Knabenchor komponiert.
3. Aufl. Wolfenbttttel, Zwissler (54 S. gr. 8). 1. 50.
®er SBerf. leiftet auf bem eng begrenzten, für ein Wotettenbilb un»
günftigen (Räume ber SJcännerftimme Slnerfennengroerüjeg. (Reben bem,
rool bnrdj biefen Umftanb beranlaßten ftarfen ©ebraudj ber Xertenfüb-
rung, befonberg in ben beiben Dberftimmen, ma^t fidj bod) aud) eine
©elbftänbiqfcit in ber ©timmenfübrung geltenb, roelcrje ben (TReifter in

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ber jjarmonifirung lennzeiÄnet. Ebenfo ttjut fidj in biefen SOlotelten eine
reidje Erßnbungggabe naaj feiten ber SIRelobiebilbung funb. fjreilid), ber
SSerf. febt für bie vlugfüljrung feiner ©efange Boraug, baß einem ©bor»
birigenten ein großer (Rufroanb bon trefflidjen Xenorftimmen zur 93er«
fügung fteßt; er madjt ftarfe dlnfprüaje an bie Dberftimme, unb eg Werben
begßalb biefe SLRotetten wenig zur ©eltung fommen, roenn fie niajt ge*
fajrieen unb berunftaltet werben fotlen. 9fa, geßören fie benn zu gotteg«
bienftlidjem ©ebraudje? Xer Xon ber SRotette ift ein Slbzroeiger beg
Oratorien »Xoneg. Xarf lefeterer in ben ©ottegbienften zum Slugbrude
lommen, bann audj erfterer. SBic aber zieben alleroege ben gemifdjten
Ebor, unb roenn er nur Eboräte zu fingen bermag, foldjem SOcännergefange
bor, unb ob biefer foldje (IRotetten nod) fo meifterbaft zum 9lugbrud
bringen lönnte.

Eborgcfänge ber öiturgie beg ßciligen Ebrhfpßomug nadj ben Original«
melobieen in SbRuftf gefebt bon SB. (Ranbbartinger, k. k. |iof«
fapetlmeifter in SBien. (TRit beutfdjem Xejt für enangelifdje Sirdjen«
djöre unter gütiger XRitroirfung beg §errn Subro. (Bitßter in (Berlin »
brgg. bon Xaniel bon Eölln, Oberpfarrer zu (Brüd in ber (IRarf.
Seipztg 1888, (Budjb. beg (Bereingbaufeg in Eomm. (16 ©. 4). 50 ÜJf.
Xag (Borroort jagt ung, baß bie Eborgefänge bon bem jjoffapellmeifter
(Ranbbartinger nadj ben Driginalmelobieen, bie ibm ein (Borfänger ber
griedjifdjen sTtrdje borfang, urfprünglidj für fünf Stimmen, Sopran unb
vRännerdjor bearbeitet roorben waren, baß fobann auf 'Anregung beg (Brof.
(Beder alle biefe fünfftimmigen ©äße bon Subro. (Bußler, „einem Wann
beg ftrengen Mirdjenftileg", in leidjt fingbare bierftimmige ©äße um«
geroanbelt würben, unb baß ber .fjeranggeber bie Ueberfeßung ber Xejte
aug bem ©riedjifdjen beforgt l;abe. 93on ben 29 Säßen finb bie meiften
ganz -urze bon einigen wenigen Xaften. Xer längeren, bie eine halbe
ober ganze große Oftabfeite einnehmen, ift ein ßalbeg Xußenb. Xie Säße
finb roürbig unb flangbotl; baß fie aber „einen Wann ftrengen Kirdjen«
ftilg" z.unr (Berfaffer haben — ben Einbrud madjen fie nidjt. Xie Bielen,
aug retnfter SEillfür gequoüenen 93ortraggzeidjen hätten füglich Wegbleiben
fönnen. ©ottegbtenftlicber Ehorgefang fotl fein foncertmäßiger ©efang
fein. (SBarum fotlen benn j. SB. bie (Sorte: „SÖ3o ift bein©ta*el, o Xob?
wo bein Sieg, o §öHe?" „pp" gefungen werben? Xiefe SIBorte haben
bod) etroag jperaugforbernbeg, ©iegegberoußteg! SB3o fliiftert man fo etroag
fdjeu unb furdjtfam an einen fiegbaft (Rtebergeroorfencn hin? Ober:
warum fotlen bie Sänger bie (Sorte: „Xarum roadje auf" „pp" fingen?
SBenn ber §err einen fünbigen Wenfdjen aufroedt aug feinem ©ünben«
fdjtafe, geht ein braufenber Xon buraj beffen Fjnnereg. 9J3enn übrigeng
SBrof. (Beder biefe borliegenben Eborgefänge geeignet finbet zur (Anregung
für eine fleißige liturgifaje (Auggeftaltung eüangelifdjen ©ottegbienfteg, fo
fotl biefeg tlrtheil unbeftritten bleiben.

Becker, Alb., Liturgie fürdenHauptgottesdienst in der Advents-
zeit. (Op. 57. Partitur.) Leipzig & Brüssel, Breitkopf & Härtel
(24 S. 4). Jede Singstimme 30 Pf. Textbuch 10 Pf.
Qu bem borliegenben §efte, roelajeg 16 meift furze Eborgefänge ent-
hält, hat AJrof. ftTeinert auf SBunfdj beg (Berf. ein (Borroort gegeben, 93e«
merfungen über bag SBert)ä(tniß biefer Eborgefänge zu bem liturgifdjen
©anzen beg .pauptgottegbienfteg. „Wit feinem (fotl rool heißen: feinem)
©efüble für bog liturgifdj (Ridjtige hat j?r. d)rof. (Beder ber Burüd«
brängung ber ©emeinbe burd) ben Ehor, roie fie burdj bie längere ©otteg«
bienftorbnung ber preußifdjen SAgenbc nahe gelegt ift, feine ff-olge gegeben,
©eine ©höre erfajeinen in reichlicher (Anzahl, aber fie nehmen ber ©e«
meinbe nidjt, roag ihr zufteht, fonbern fobern bie Witroirfung ißrer Ant-
worten." SBie fie bag tt)ut, ift aug bem borliegenben §efte felbft niajt
ZU erfennen. Xie ©emeinbe ift ba nur zweimal mit einem (Amen bebadjt.
SBenn fämmtlidje Etjöre bei Einem ©ottegbienfte berroenbet werben, bürfte
bie ©emeinbe mit ihrer Stimme rool fo ziemlich, zum SRubefta'nb ber«
urtheilt fein. Sfleinert roeift beghalh audj auf eine unbefdjränfte Augroahl
unter biefen 16 Ehorifd)en Einlagen unb erflärt: „Xer (Reiajthum berfelben
hat ben Vorzug, forool baß er einen zroedmäßigen 9Jedjfel ber Einlagen
ermöglicht alg audj, baß in ben Sanbegfirdjen, welche bie preußifdje Slgenbe
niht haben, ber (Bereicherung ber Silurgie mit biefem zur (Augroaht ge«
fteüten Waterial ein Xienft gefdjieht". SBag biefe Ehorgefänge felbft
betrifft, fo ift eine ©emeinbe zu beneiben, bie fie zu hören befommt. Qn
ihnen flingt ftrdjliche (Biürbe, feelifajer Ernft, wuchtige ©eiftegfraft. Xer
fie gefÄneben, muß erfaßt unb burajbrungen fein bon bem Obern, ber
bie SBerfe ber großen firdjlidjen Xonmeifter früherer Saljrhunberte burd)«
hauht- 28o aber bie liturgifdjen Efjöre zu ©efjör gebracht werben wollen
müffen freilich reidje ©angegfräfte zu Xienfte flehen. Eineg hätten wir
gern baran bermißt: ben Üeberfdjroang ber ©efangbDrtraggzeidjen Xer
Xejt erforbert fie nidjt; fie fteben gar manÄmal in SBiberfprudj mit ihm-
Wie roenn z- s-8. bie freubige ©eroißheit in ben SBorten: „aüe (Berhcißungeil
finb fja unb Amen in if)m" in ein jitbelnbeg .fjaüeluja augflingt, unb
biefeg jubelnbe §afleluja nun „pp" gefungen werben fotl. Xiefe SBortragg«
borfdjnften finb eine SadjeinbibibueOfter Stimmung, bie in einem fiirdjen«
djorgefang feinen (fllaß hat. ß. ^Hergntr.

tteuefte tijtologiriije fftttratur.

«hbitofopßfe- Brütt, Dr. M., Der Positivismns, nach seiner ur-
sprünglichen Fassung dargestellt u. beurteilt. Hamburg, (Herold)
(61 S. gr. 4). 2. 50. Petzoldt, Dr. J., Kritik der reinen Erfahrg. v
R. Avenanus angezeigt v. J. P. Dresden, Ehlermann (32 8. gr 8)
40 4. 8 ' ;"

»ihr. Xheotogte. f Bf hoff e, ttirof. Dr. .p., Xer bogmatifuj-ethifche
Sehrgehalt ber attteft. SBeigheitgbüdjer. (Kien, Wanz (VIII, 231 @
gr. 8). 5 A
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