Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

Zitierlink

101

102

93erufSbemußtfein unb ©elbftbemußtfein ibentifrß ift. SEBenn iä) Jage:
weit id) weiß, baß id) ber unb ber Bin, fo weiß ict), baß bieS unb baS
meine Aufgabe ift, fo fpredje id) barmt nttt)t pei ibentifcße Urtöette aus,
fonbern id) jieße auS bem erften, für fid) felbftänbigen, eine Sfonfequens
bura) baS sroeite. EaS, maS iä) bin, ift nod) ettnaft anbereS, als was id)
Wirte, ©o and) beigefu. ES ift ber ganze mobern tßeoIogifdjeSubjeftiBiSmuS,
für ben eS eben nur einen „EßriftuS für unS" gibt, ja eS ift ber itant'fcfje
fubjeftibe gbealiSmuö, ber fein Eing unb feine ffjerfon „an ficb" fennt, maS
Bier zum SBorfdiein fommt. Sa gilt nun freiließ: de principiis non est
disputandum. aber, fagen mir noch, eine fßerfon, beren ©elbftbemußtfein
ein Bio« auSfcßließlid) religiöfeS ift, abfolut nicßts sum gnßalt Bat, als"
ein ©efüßlS- unb DBiffenSberßältniß ju ©Ott, baS fie bann auf an-
bere überzutragen münfdjt, fdjeint unS ein unboupßbarer SS-egriff.

Robert jßübel.

Hoonacker, A. van, L'origine des qnatre premiers chapitres
dn Deuteronome. Louvain 1889 (47 p.).
Unter ben Diücßcrn beS fBentateudj l)at baS fünfte in ben lefetber-
gangenen gaßren bie tneiften ©eparatbeßanblungen erfaBren. Siefelben
betrafen in ber Jpauutfadjc tt)cilS bie UrfprungSzeit beS SeuteronomiumS
unb tßeits beffen Einßeitlicßfeit. gn ber erftgenannten SBezießung Bat
©einede (©efdiicfite beS DjolfeS gfrael. 1. 93b. ©öttingen 1870, ©. 380)
mit feiner 93eßauptung, baff baS Scuterouomium auS ber nadjejilifdjen
Reit ftamme, 91ad)foIge gefunben bei .toabet (Le christianisme et ses
origines, citirt üon .turnen, SBolfSreligion, ©.331), ferner bei ®. b'Eicß-
tBal (Melanges de critique biblique i880), foroie bei 9)1. SScrneS (üne
nouvelle hypothese sur la composition et l'origine du Deut. 1887),
unb aud) .jßorft zeigt fid) in ber Eßeol. ßiterartttjettnng 1887, ©p. 395
tiefet SJleinung nidjt abgeneigt. gßr gegenüber madfen mir nur bieS
geltenb, baß fie ben aft abfägt, auf melcßen fid) bie Jtrittl bei ber cßrono-
logifdjen girirung eincS XtjeifeS ber Bebräifdjcn Literatur gefefet tjatte.
Senn jene SDceinung gibt ben Sab, um beffen anerfennung bie Stritif fo
lange gefämpft Bat, preis, baß nämlidj jeber fEtjeit ber altteftament(id)en
©efefjeSbetaiÜirung in bemjenigen ©tabiutn ber ©ntwidelung gfraelS am
Waßrfcßeinlidjftcn fcßriftlid) fijrirt fein roirb, in melcßem bie bon bem be-
treffenben ©cfefeeSforpuS in ben SSorbergrunb geftetlten gbeale fid) als
gaftoren beb realen ®efcßid)tSoerlaufS bettjätigt ßaben. bringt man
nun bie fdjriftlicße gir)rung beS beuteronomifeßen ©efeßeSforpuS, welcßeS
Bauptfäd)(id) bie Einheit ber tultuSftätte betont, nid)t meBr mit ber Reit
.pSfia'S »ufammen, bon roeldjer an tßatfäcßlid) eine abfdjuffung ber Bielen
Zum DJilbcrbienft unb ©ößenbienft Berfüßrenben £ößcnaltäre erftrebt
würbe, fo baut man bie beuteronomifdje ©efeßeSauSprägung in bie
£uft. Zweitens Betreffs ber Einßeitlicßfeit beS SeuteronomiumS ßaben
ßauptfäcßlid) iBeUßaufen unb SSaleton ben legiölatiben Stern beffelben btoS
in Stap. 12—20 finben Wollen, aber ißnen ßaben bereits Eillmann
(Dcumeri je. 1886) unb Sirenen (Einleitung ins a. 2. 1887) Oppofition ge-
maeßt unb bie urfprüngüdje ©efeßgebung beS SeuteronomiumS in
Stap. 5—26 erbtieft. 9S8eil aber mit anberen aud) bie juleßt erwäßnten
beiben ©eleßrten bie bier erften tapitel beS SeuteronomiumS als tßeil-
Weife ober ganz fefunbär ßingeftellt ßaben, fo ßat über biefen fpecieflen
ffchrnft ber beuteronomiftßcn grage ban .fponader bie ßier antujeigenbe
©tubie unternommen, auf feßr cingeßenbe SBeife erörtert er bann (bis
p. 28), baß Weber bie fpracßlitßen noeß bie fadjlirßcn ®ifferenaen, welcße
man swifeßen ben bier erften tapitcln unb bem mittleren Eßcilc beS
SeuteronomiumS ßat gefunben Wiffcn wollen, bon ber art finb, baß fie
bie SoStreunung ber bier erften tapitel forbern. Sic folgenben ©eiten
finb in erfter Sittie ber föcantwortung ber grage gewibmet, ob man fid)
benfen fönne, baß ber SJerf. von 1,1 — 4, 40 fowie 5,1 ff. aud) bie ©r-
jäßlung bon ber 28aßl ber brei oftjorbanifeßen afßlftabtc (4,41—43) unb
bie notßmalige Einleitung (4, 45—49) gefdjrieben ßabe. ©r gelangt babei
ju beut iliefultate (p. 31. 38), baß fid) bie umftänbiicße ©rmäßnung ber
mofaifdjen SSeftimmung ber brei oftjorbanifeßen afßlftäbte anS bem
Streben beS fBeuteronomiferS, ben geograpßiftßen ©tanbpnutt ber leßten
©efeßgebung fOlofe'S genau su fennjeießnen, genügenb erfläre, unb baß
bie §inaufügung einer jweiten Einleitung (4, 44—49) fid) als eine ber
Bielen Sßicberßolungen unb ffiefumeS ebcnbcffelben IBarftellerS ber älteften
Erinnerungen SfraelS berfteßen laffe. Uns feßeint eS fid) aud) ßier p
beftätigen. baß man nid)t borfidjtig genug bie pnngenbe Straft bon 9Je»
weifen abwägen fann, welcße pr Verlegung bon Eßeilen einer alten
Siteratur ralßen. _ ©b. ^Söntg.

•Scßauenburg, £. (tpaftor in (Uolswnrbm im 0tofn). CibenBnrg), I>ie IÄufer<
Bewegung in ber ©raffdjaft Olbcnburg.Eelmenßorft unb ber fierr-
fdjaft jebev pr 3eit ber üleformation, eine fircßenqefcßidjtlicße ©tubie.
Clbenburg 1888, ©taHing (60 ©. gr. 8). 1 Wt
Eine fleißige arbeit, welcße burd) eingeßenbe fyorfeßungen in areßiben
unb SBenußnng ber gebrudten Stteratur ein flareS SBilb bon bem Ein-
bringen beS SaufertßumS in ber .fjerrfcßaft Qeber (©. 6—43) unb in ber
alten ©raffeßaft Dlbcnburg (©. 43—57), fowie bon ben baburd) ber Stirdje
erwaeßfeuben ©efaßren p geben fließt. ES ift feine grage, baß man ber
®efa)id)te beS EäufertßumS auf feine anbere SBeife gereeßt werben fann
als bura) monograpßifdje SSeßanblung ber Eäuferbewegung in ben ein-
zelnen Bänbcrn unb burrß SiebenSbilber ber gjäupter. geber, ber fieß
einmal mit folcßen Stubien abgegeben, ßat eS mit bem SBerf. erfaßten,

Wie feßmerälid) bie flfacßforfcßungen in ben areßiben enttäufdjen, unb wie
aud) bie gebruefte SJiteratur fdjwer fid) bollftänbig Befcßaffen läßt, ©o
muß ber Slerf. beflagen, baß eS ißm nießt möglirß geworben, bie 1563
in SBittenberg gebruefte Ordinatio Jeverensis p erBalten, gm Einzelnen
ßat ber SSerf. wertßbolle Beiträge pr Stenntniß beS EäufertßumS ge-
geben; BefonberS beaeßtenSWettß ift, was er über ®aoib goris, §einricß
Srrerßting unb bie SHäuberfefte beS fBattenburg, fowie über bie pei mit
ben Käufern geßaltenen StoHoguien mittßeilt.

9taBern. _ ©. poßert.

giid)S, Cberpfr. St. 91, SBort- unb ©adjerflärung ber Ebangclicn unb
Epißeln beS djriftließen StireßcnjaßreS in furzen erbauließen S3etracß-
tungen für Sießrer unb .fjauSbäter. 2. umgearb. unb berm. aufl.
2. 2ßl. Epifteln. .fjalle 1889, 9Jtüßlmann'S SSerl. (VIII, 254 ©. gr. 8).
2 9Kf.

gn berfelben SBeife wie früßer bie Ebangelien (f. „aUg. Eo.-£utß
ffireßenatg.", 1877, 9tr. 52 SJeil.) ßat ber SBerf. nun aud) bie Epifteln be-
arbeitet. Er gibt bie Erflärung jcbeSmal in gorm eines ßJrebigtauSpgS,
fteHt fie unter ein burtßgeßenbS gefcßitft formulirteS Eßema unb läßt in
ber auSfüßrung ber Eßeile auf eine umfeßreibenbe SejtauSIegung eine
furje anwenbung folgen, ©einen fped, ben einfarßen SBortfinn ber
©d)riftabfa)nitte barplegen, ßat er aufs befte erreießt. ®aS SBua) eignet
fid) ebenfo wol für bie ©emeinbe pr SBorbereitung auf bie ©onntagS«
prebigt wie für bie ©cßule pr Einfüßrnng ber Stinber in baS SSerftänb-
niß ber Epifteln. 8ß. %

Oßlp, eb. fßfr. E., „2BaS foü id) prebigcnY" 2. 93b. ©rabreben für
allgemeine ErauerfäHe. gn SSerbinbung mit greunben ßerauSge-
geben. 2. aufl. £eipaig 1888, ©trübig (VIII, 328 ©. 8). 3 9Jtf.
(Sie peite aufläge biejer Üteben beweift, baß bie Eitelfrage für diele
eine SBebürfnißfrage ift. 3Bo freiließ ber ©eelforger feßon am Stranfen-
bette geftanben ßat, ba Wirb fid) ißm, wenn er feinen Utlaß am ©arge
ober ©rabe einpneßmen ßat, aus ber an bem Stranfen unb ©terbenben
gemarßten Erfaßrungen baS reeßte SSort für bie Seicßenrebe bon felbft
ergeben. EieS normale 93erßältniß befteßt aber nießt immer, in großen
©emeinben nur feiten. Earum ift eS erflärlia), baß ffJaftoren, bie oft
an ©räbern p reben ßaben, nad) Stoff unb SBorbilbern fueßen, um ißre
©ebanfen p befrueßten unb bie ©efaßr ber Einfeitigfeit unb ber ©emein-
pläße p bermeiben. 3" biefem fpede finb biefe 9teben beftimmt unb
im ganzen aud) braueßbar. Stönnen wir aud) nießt alles, waS bie
Sammlung entßält, muftergültig nennen — 9er. 11 unb 12 leiben an
übertriebener 9tßetorif, 91r. 67 ift bie fentimentale IBorupßrafe eines
ebenfo fcntimentalen SlieberberfeS unb ßätte lieber Weggelaffen werben
foHen — fo ift bod) baS meifte feßriftgemäß unb pr 93ereid)erung beS
©ebanfenfreifeS geeignet, ßu ben beften SRcben geßört bie „am ©rabe
eines gefallenen 9Mbd)enS" (9er. 81 bon ffäfr. SBalj in 9Jab 9Kannßeim).
Sie aeigt, wie ber Eroft ber 93ergcbung ber ©ünben mit ber 97taßnung
pr 9Juße unb ber SIBarnung oor ber ©ünbe in rießtiger 9J8eije ju Per-
binben ift. Eie Seibtragenben mit ,,©ie" anpreben (91r. 4, 105), ßalten
mir für unpaffenb. Eie ©rabrebe pr apoftropße an ben Eobten ju
maeßen (9lr. 66), ift fießer ungeßörig. ®ß. %

©ebenfbüeßlein an Dr. theol. Earl ajieinßolb. 6ebr. 13,7. ©üterSIoß
1888, SBertelSmann (48 ©. gr. 8). 50 fBf.
Staunt je ift unter äßnlidjen SBerßältniffen ein golbeneS amtSjubitäum
begangen als am 20. gnli b. g. baS beS ©up. Dr. SJteinßolb. Eer gnbel
berftummte bon bornßerein Bor bangem 3a9en U»B Stlagen; benn ber
gubilar lag auf bem Sranfenbette, unb ber abenb beS gubeltageS maeßte
eS pm ©terbebettc. Eie gubiläumSgloden finb p Eobtenglocfen ge-
worben, aber fie läuteten pm ©ingang in bie ©tabt mit ben fflerlen-
tßoren unb golbenen ©äffen. So bejeugt in ber ©cßlußanfpracße bei ber
93eerbigung ber 93robinziaI-SßnobalpräfeS Dr. 91übefameu, unb aueß bie
anberen anfpraeßen unb Dieben, weld)e in biefem ©ebenfbüeßlein ber-
einigt finb, finb bon ßoßem SBertße als fcßöne 3«igniffe ber Siebe p
bem tßeueren Eaßingefcßiebenen, einem eeßten Sutßeraner bon engem ©e«
wiffen, weitem .f)eraen unb flarcm 93licf. ©ie geßen aud) ein auf bie
9?ötße, welcße bie lutßerifrße Stirrße innerßalb ber Union erfaßren ßat,
unb eS ift fcßön, baß bie ©emeinbe aud) für biefe ©eiten ber anfpraeßen
SBerftänbniß entgegengebratßt ßat, fowie fie getragen ift bon ber lebenbigen
Hoffnung beS ewigen SebenS, baS ©ott bereitet ßat benen, bie ißn lieben.
9Ran meint wol, eS gebe in unferen Eagen feine ausgeprägten Eßaraftere,
feine gefegneten Erfolge, feine banfbaren ©emeinben für bie ©eiftlicßen.
Eie wenigen beim gubiläum unb SBegräbniß geßaltenen Dieben beweifen
baS ©egcntßeil. ©ie eßren gleirßerwe'ife ben .fieimgegangenen, bie Dieben-
ben wie bie ©emeinbe, unb jeigen, baß ©otteS 9J3ort nießt leer jurüd-
fommt. _ Ii.

Uriiclfc tljcoloiuftljc Literatur.

fPßilofopßte. Stein, Privatdoc. Dr. L., Antike u. mittelalterliche
Vorläufer d. Occasionalismus. Berlin, G. Reimer (55 S. gr. 8). 1.20.
Dessoir, Dr. M., Karl Philipp Moritz als Aesthetiker. Berlin,
C. Duncker (III, 57 S. gr. 8). \ Jt. Engel, G., Sein u. Denken.
Berlin, Hertz (IV, 69 S. gr. 8). 1.60. Hensel, Privatdoc. Dr. P.,
Ethisches Wissen u. ethisches Handeln. Ein Beitrag zur Methoden-
lehre der Ethik. Preiburg i/Br., Mohr (IH, 48 S. gr. 8). 1. 50.
tSörofcßüren, granffurter zeitgemäße. 91. g., ßrSg. b. Dr. g. 9R. Dlaicß.
10. 93b. 3. tpeft: 93ebeutung ber fßßilofopßie in ber ©egenmart. 9jon
Eanon. (Bröl. Dlif. tauf mann, granffurt a/9Jl., goeffer 9lad)f. (26©.
gr. 8). 50^.

0>"nci)flopäbie U. SWetßoboIogic. tübel, iprof. Dr. DI., lieber baS
SBcfen u. bie aufgäbe e. bibelglaubigen Eßeologie. Ein Siortrag. ©tutt-
loading ...