Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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Wr. 10. CeipM9i 8- 1889.

JnfErftonBgEbü^r pr. aefp. J^eWjeiIe 30 tB+ 4 »

(EjcpEbitiDn:
töninepraßc mr.13.

SKeuefte ibcologifdje Sireratur.
Stfiiilptogtominc.
Hcitidjriften.
rdtrtqitbenef.

8tmer7^r^«inv°Hle*«Tbett (Sinffuß bei äjtiftl ~unb 'jüngeren' q3rebiqern ' aus feget unb als antiquorif^e ßataloge.

(Prinzips b. iMcbe auf bic iKedjtSbiltmnq ir. Segen. I D. ßatr/erau.

Die «Iaubmürbiafcit bes (SiiiebiuS. IL \ »riefe, B. SB., «Qteeqibmuälebte.

Hupfeld, Prof. D. Herrn, Die Psalmen. Ötffe, 3-, «iblifeqc Uebungen. Daufenbfünfgunbert

DelrJ), ebrit. S. J, Der »ottesbegriff. (fragen uub antworten.

teiicle, (innen, Tie Mbn Webote na* ben Sefuiteii. Siegel, Dr th, $er Untertrieb Jtoiftfjen älteren

Bif Ojloubwüibigkftt ius fcufcbius.

Ii.

Eufebiug t£)eilt V. C. II, 24 ff. ein längereg Ebift beg ffatferg Honftan-
tin tot- £xxo; xatä noX-.v Sr+oi; (II, 23) mit, beffen näßere SJlbreffe in
ber oon ihm ringefftfenrn SHugfertigung lautete: imuytibxak Jlr/Xona-iyr);.
.ibiii'ugefiigt wirb Don bem ®efmid)tfdjreiber, boß il)tn ein Exemplar mit
ber faiferlid)en Unterfdirift Borlag. 9Rit bieiem für bie Seurtßeilung ber
•Religiongpolitif Sfonftantin'g wichtigen Stbriftftüd befeftäftigt (ich (Sri-
DeTJucci in bem zweiten Dßeilc feiner Unterfurfmng. Dag Ergebniß lautet:
biefeg Ebift ift eine ftälfdmiig beg Eufebiug.

jfunäcbft fteltt ErioeUucci feft, baß in ber Sprache beg Ebiftg bie

tuffion bringt, ilfict)t feiten bat man ben Einbrutf eineg t)i9perfritifd)en
Serfaßreng, bag in unbebeutenben yufäOigfeiten woßlburcßbacbte Denbenz
fiubet. .(hätte EriPellucci recht, fo märe jeneg Ebift bag Sfrobuft eineg
raffinirten unb zugleich, ungefebieften gälfcherg. Doch roeber bie eine noch
bie anbere Eigenfcßaft traue id) bem gefdidjtlicßen Eufebiug ju. Dag
Sud) bot mid) für bie 9lnfid)teu feineg SSerf. niebt geroonuen; id) finbe
Weber in ben ©egenbemerfungeu gegen meine Unterfucbungen in ber
„fteitfeßrift für Kirchengefchirbtc" Sb VIJ, £jeft3; VIII, §eft' 4 unb ben
betreff. Sübfcbnitt in meiner „®efd)id)te beg Untergangg beg grieebijd)«
römifeben .öeibenthumg" nod) in ben fonftigeu ülugfübmngen eine Set«
anlaffung, meine Sttuffaffung ber Steligiongpolitif Konftantin'g aufzugeben

»u«brud*toetfe beg Eufebiug beutlid) zum Sorfchein fomme, nid)t minber ', Dber einzufeßränfen. Uber bag Serbien4! bat biefe ©cfjrift: fie macht auf
gemiffe bem l£ufebiu« eigentbümlicbe «über unb Segriffe. Daraug ergebe ] feßwterigfetten aufmerffam, an benen btgßer bte prfdmng arglog bor

iiri) bie Ih'beberfdjaft beg Eufebiug unb alg jjmed berfelbeu, bag dfrift
lid)e Maiferibeal, mie eg in bem .(topfe beg Sifcßofg ©eftalt gewonnen
batte, in bic SpVvfon .tlonftantin'g bineinzutragen. Wichtig ift, baß zwifthen

übergegangen ift, unb nimmt mit Energie eine Aufgabe in Eingriff, über
beren Wotbweubigfeit fein #meifel befteben fann. Der ©ang biefer
Unterfucbungen erinnert jugleid) auf ©abritt unb Dritt baran, baff man

biefer Urfnnbe unb Eufebiug irgenbroelcbe Sezießungen fd)riftftenerifd)er mt be" Wiüün fird)enbtftonfcben äßtffeng aUein bter nirbt bormärtg
91rt befteben muffen. Dag ift freilief) fd)on eine ältere SJermutbung. aber tommt' f°nbern bflB aU(I) eine genaue Sfenntnifj ber römiftben SRegiernngg«
ber Setf. ift ber erfte, ber iljr bie genügenbe «egrünbung gibt, obrool \ llnb «erfaffunggformen forote beg faiferltcben Sonftituttonenred)tg baju
nirbt afle Pou ifjni berauggebobeneu iöelege beroeig'fräftig finb. Eg bleb J * bero^ti roleber 1e,nmraJI'.JbaB bie aitf^Kjrtfjengef^itljte

ben nun ^nei ffliöglidjfeiten: entroeber bat Eufebiug bag Ebift foneipirt
ober gefälfdjt. Denn bie Ülnnabme, bafj ber in ber V. C. borliegenbr
Deyt eine mein" ober minber freie Ueberfefeuug beg lateinifd)en Driginalg
fei, fann nach bem sDad)roeife EriPetlucci'g nicht mebr befteben. EriPellucci
führt gegen bie erfte Wöglirbfcit fünf ©rünbe an: 1. Die SBortc udfrote
o äv toü Xoyo'j x))v äpsxrjv, aüxoi? -xpoaßaXüiv xote '(papu.ao! (V. C.
II, 23), mit meldten Eufebiug offenbar bic töerebfamfeit Jronftantin'g babe
loben mollen; 2. „bie llnroabrfd)einlicbfeit, ja Unmöglid)feit einer per-
fönlirben fflefanntfebaft beg Eufebiug mit bem ffaifer oor bem Sfoncil zu
f'iicäa"; 3. ber Don beg Ebiftg, „roclrbeg genau fo rettet, alg ob eg Pon
jtonftantin abgcfafjt märe"; 4. bag ©d)meigen beg Eufebiug über biefe
iHebaftiongarbeit; 5. bic Uumabrfd)ein(id)fcit, baff ber Staifer frembe ©e«
banfen unter feinem Wanten in bie Deffentlidjfeit babe geben laffen.
Ernftlidje Erwägung berbient nur Wr. 2. Dag Ebift fefet bie SSefiegung
unb ben Dob beg Siciniug öoraug unb ift balb banad) abgefaßt. 3ene
beiben Ereigniffe faden, wie burd) neuere Unterfurbung feftgefteüt ift, in
bie 3. 324 unb 325 (nidjt 323 u. 324, mie Eripeflucci anfeßt). Die $in«
riebtung beg Siiciniug mag etwa bem S'oncit zu Wicäa gleichzeitig fein.
3n Wicäa aber gerabe fdteint fid) bag enge «erbältnifj zroifdten Stonftan-
tin unb Eufebiug gefnüpft zu baben, fobafj biefer redjt wobt balb barauf
mit ber Ülbfaffung beg Ebiftg betraut fein fonnte. ErioeUucci ift t)kr
burd) feine faljebe Ebronologie auf einen Perfebrten 3Beg gebrängt.
Ebenfo irrt er, wenn er eg auffällig finbet, baft Eufebiug bie Urfunbe
alg in lateinifdter unb in grieebifdjer Spradje abgefaßt bezeichnet,
(II, 23) unb ber »ermutbung' Waum gibt, bie gried)ifd)e Sübfaffung fei
mol nur fingirt, um ben bamaligen Emancipationgbeftrebungen beg
Drientg eine S3afig zu fd)affen. 3dj erinnere bem gegenüber nur baran,
baß bag edictum de pretiis Diofletian'g gleidtfaflg ztueifprarbig ab-
gefaßt war.

Den Wacbmeig ber Uncd)tf)eit fudjt ErioeUucci an einzelnen fünften
beg Ebiftg zu liefern. Er entbedt zahlreiche SSerftöße gegen bie gefchicht*
liebe SBahrheit, Ungenauigfeiten beg ginbaltg wie ber ^orm; ber 'llutor
oerrathe fid) alg einen mit ben ©emofjnbeiten ber faiferlichen ffanzlei
böllig unbertrauten föfann, anbererfeitg offenbare er beutlid) feine Den«
benz. Ueberafl beftätigt fid) ber S3erbad)t ber Uned)tr)eit. Stuf ber anbe»
ren Seite fommen bemfelben bie „moralifchen vlntecebentien" beg Eufebiug
entgegen, ber aud) in ber gried)ifd)en Ueherfeßung beg ©aleriugebiftg unb
beg fjjatentg pon Wailanb gefälfebt habe- ,*fum ©djluß cßarafterifirt ber
Serf. bie Eufebianifche Vita Constantini alg ein ©tüd tenbenjiöfet Sie«

genbenliteratur, „bic in ißrem flSrofelpteneifer aud) bie Siüge unb bie j welche ben ejegetifd)en ©toff, ganz befonberg aber bie heute nielfad) gegen«
©rfeßung ber ®efd)id)te burd) bie WoPeüe ober ben Woman für erlaubt I ftanbglog geworbene fßolemif betrafen. fDcit biefer ftärferen llmgeftaltung
hält". ! ber urfprünglid)en Wrbeit hängt eg aud) zufammen, baß Womad auf eine

®* ift mir hier nicht geftattet, auf bie ?tWc bon Einzelheiten ein« j befonbere Sennzeidmung feiner Aufäße (etwa burd) Slammern ober ©tern«
Zugeßen, meld)e ber ©charffinn Eridettucci'g zum Sorfchein unb zur Dig« | d)en) oerzid)tet hat. 9J?an wirb angefid)tg ber hefonberen Aufgabe, bie

nur Pon ber gried)ifd)=römifchen Heitgefd)id)te aug botlftänbig Perftanben
werben fann.

©reifgmalb. Dictor Sthulßt.

Hnpfeld, weil. Prof. D. Herrn , Die Psalmen. Uebersetzt und aus-
gelegt. Für die dritte Aurlage bearbeitet von Dr. Wilh. Nowack,
ord. Prof. der Theol. in Strassburg. 2 Bde. Gotha 1888, F. A.
Perthes (IV, (180 u. LXX, 740 S. gr. 8). 26 Mk.
Wacbbem um Weujabr 1888 ber erfte, 680 Seiten ftarfe S3anb er«
febienen mar, ift bereite, um Widfaelig ber zweite, nod) um 8 Sogen
ftärfere Sanb gefolgt unb bamit ein ftattlicheg unb mertboolleg SBerf in
neuer ©eftalt unb mit entfpreebenben Aufäßen unb Serbefferungen mieber
in bie §änbe be^ theologifd)en Snblittttnl gegeben morben. Daß nod)
heute, 30 gaßre naeßbem ^upfelb'g IBfalmenfommentar 1855 — 62 zum
erften mal erfeßien, eine neue üluflage nötßig war, zeugt am beften für
bie ©ebiegenßeit feineg Jvnhaltg. Ebenfo felbftocrftänblid) mar eg aber,
baß bag Sud) Bielfacße Seränberungen erleiben mußte, um nicht nur
nirbt in mancher Sezietjung Peraltet, fonbern Pielmeßr bem ©tanbe ber
heutigen Sfalmenerforfcßung angemeffen unb für ein biefem entfpreeben«
beg Serftänbniß ber Sfalmen unmittelbar brauchbar zu fein. Die 2luf-
gäbe, bie bem neuen .fjerauggeber gefteüt war, War barum feine leichte,
unb eo ift fomit fd)on ein hoßeg Hob, wenn mir bie Ueberzeugung aug«
fpredjen, baß berfelbe biefer Aufgabe burchaug gerecht morben ift. ;(u
näeßft hat er eg, mag ben äußerlichen Umfang anbetrifft, Perftanben, im
gntereffe einer weiteren Serbreitung beg SBerfg bie bigßerigen Pier Sänbe
beffetben ohne Seeinträchtigung beg inneren SBertßeg auf ^Wi Sänbe zu
befchränfen, bic freiließ etmag umfangreich auggefallen finb. ©o ent»
fpredjen benn ben zwei erften Sänben ber 2. Auflage Pon 439 + 494 -
933 Seiten ber erfte Sanb ber 3. Staffage mit 680 Seiten, unb bem
3. u. 4. Sanb ber 2. Auflage oon 521 + 520 = 1041 ©eiten ber zweite
Sanb ber 3. 'huffage mit 740 ©eiten, fobaß ben 1974 Seiten ber zweiten
Snuffage bei ganz gleichem Drude 1420 ©eiten entfpreeßen; bie Einleitung,
welche in ber 2. Auflage 65 ©eiten umfaßte, in ber britten aber auf
70 ©eiten (mit eigener Saginirung) angemaebfen ift, bleibt bei biefer Se«
rechnung außer fffrage. Diefeg Serbältniß beg Umfangg ber beiben auf-
lagen wiegt um fo fchmerer, wenn man bebenft, baß ber neue Zieraug-
geber zugleich bie Diteratur ber leßten Ueit in ihren SRefultaten nachzu-
tragen hotte unb bieg aud) mit größter ©orgfalt getßan bot. Diefeg
SRefultat war alfo nur burd) umfangreiche Streichungen zu erzielen,
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