Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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©o fönnen mir nad) ben ©inbrüden, weldje mir »on bem Vucpe em-
pfangen paben, nur mit Sauf Bon ipm fdjeiben. Rber gerabc weit Wir
bem Verf. in notier ©emeinfcpaft be« ©lauben« unb mit brüberltcpem
Sanfe bie tpanb briictcn, bürfcn mir ipm and) bie Vebenfen nidjt Berpeplen,
bie bei ber Seftüre in un« aufgeftiegen finb. Ser SSerf. legt fein ganzes"
$jerg in feine SBorte unb eine brennenbe Vegeifterung; aber bie Rccorbe
finb bureb ba« gan^c Vud) binburd) aUsu raufdienb; e« bat leidjt etwa«
Rbfpanneube«, ma« niebt jeber Berträgt, fo immer auf ber .ßöfie ber
©fftafe ju febroeben. Wan Berlangt naep einfaefier Rebe, um roieber ju
Rtpem ju tommen.

Rber and) im ©insclnen miiffen mir einige fräftige gragesdepen an
bringen. Ser Verf. gräbt in bie SEiefe; wer oberfIä<f)lid)e gefalbte Rebe
fuebt, fommt bei ibm nid)t an ben reepten Wann; aber er cntgel)t nicfit
immer ber ©efapr tpeofopfiifd)-mpftifd)er Spefulationen. ©.51 fpriept er
Bon ber Saufe ©prifti im gorban unb fagt, baff ba ©priftu« nad) feiner
Wenfrppeit bou neuem geboren fei au« SBaffer unb ®eift. Ser Bon
Waria ©eborene beburfte einer VJiebergeburt Bon oben, feine Wenfcpen-
natur ift getauft unb miebergeboren burd) ben p. ©eift. Von nun an
finb bie Kräfte ber Söicbcrgeburt für bie Wenfrppeit in ibm Borbanben.
Surcp bie Saufe ift feinem Seibe bie Keimfraft ber Unfterbiicbfeit oer-
lieben 2c. Sa« finb ©pefulationen, für roeid)e ber Verf. jebenfatl« allein
bie Verantwortung trägt unb nidjt bie lutberifebe Kircpe. gop. ©erparb
(Soci IV, 984) weift nur babon, baß ©befind getauft ift, bamit er unfere
Saufe peilige, unb ißb'Hopi (IV, 1, 15Ii fiebt in ber Saufe ©bnfti bie
gnauguration feiner meffiauifdjen Rmt«mirffamfeit. Sie Vepaublung
bon gop. 0 ift aud) nidjt obne große Siebenten, ©ine SBeiffaguug auf
ba« p. Rbenbmapl foll biefe Rebe gefn fein; fie ruft jum maprpaftigen
©ffen unb Srinfcu feine« Seibe« unb Vlute« im p. Rbenbmapl. Sem
gegenüber müffeu wir bei ber Stoffe Sutper'« bleiben, baß „bie« Kapitel
niebt ßom ©afrantent be« Vrote« unb VBeine«, fonbern Bom geiftlicben
©ffen, b. i. («tauben, rebet". Scr Verf. Bermntbet, baß ba« ,ßau« ber
Rbenbmapl«feicr ba« be« Ritobcmu« gewefen fei, unb finbet e« „gar
finnreid), baff ein SBafferträger mit bem ©letnent be« Sauffaframent«
bie günger babin geleitet, wo fie bie (Elemente aurüften folleu für ba«
anbere ©aframent". Qu biefe ©pefutation miiffen mir bem Verf. unferer«
feit« bie fvotge Berfagen. lieber ben Kampf in ©etpfemane meint ber
Verf., bafi Satan bort ben .'fjerrn pabe jum Sterben bringen wollen,
bie ©et)nfnd)t nad) bem Vater fei in gefu fo f'arf geworben, baß biefe«
Ringen ba« Vanb jmifdien üeib unb Seefe gelodert pabe; pier babe
Satan« Rnlauf eingefeßt, unb er war nape boran, ba« Vanb nu löfen,
wcldfc« bie ju ©ott eitettbc Seele gefu mit bem jum Sobe müben Seibe
nod) Berbaub. SBSrt bie« gcfcpcpcn, bann tonnten Wir niebt ben Seib
be« fe-errn empfangen unter bem Vrot be« Rltar«; benn ber Seib be«
anbeten Rbam wäre bann jur ©rbe geworben wie ber Seib be« erften
Rbam. Vlber gefu« mia, er barf ntd)t fterben in ©etpfemane; er betet
barum unb ringt fo tjefttg in ber Rngft, ba« Seben 8u Berliercn, fämpft
fo inbrünftig, ba« Vanb gmifepen Seele unb Seib wieber ju feftigen, baff
fein ©cpweifi würbe wie VIut«tropfen 2c. ©r pat fein 2eibe«leben in
©etpfemane bem Sobe abgerungen, um e« in ben Dpfertob am Kreuj
pinjugeben. |fu biefer ganzen Ru«füprung müffen wir ein ftarfe« grage-
geiepen feßen unb eigentlid) mepr. lieber ba« Vtttt gefu unb beffen Ruf»
erftebung fd)ticf;t fid) ber Verf. ber Weinung Vengel'« an, bafi ba« Vtut
gefu bi« auf ben legten Sropfen an« bem Seibe Bergoffen, niebt mit bem
Seibe auferftanben, fonbern für fid) Berflärt unb gum Gimmel pinauf»
getragen fei; bafi be«balb ber Berftärtc Seib ©brifti ohne Viut fei. Sinei)
ßetinger unb ©teinpofer fepliefieu fid) betannt(id) biefer mßftifdj-tpeo-
foppifepen Weinung an. Ser Verf. muff un« geftatten, aud) gier ein
ftarfe« gragegeiepen aufguridjten. Vlber bamit mag e« genug fein. Siefe
©eltfamfeiten paben un« in bem ©enuffe be« Vudje« nidjt geftört unb
Werben aud) ben Sefern, beren wir ipm oiele wünfeben, bie beilige greube
nidjt Berfümmern, bie fie an ben Vctradjtungen fielen Werben, meldje
„bie .ßeil«gewißpeit" mit fo anbringenben, übergeugenben SBorten in ifjrcn
•twrjcu ftärfen. $. Kuptrti.

Sbclcmann, 0. (V. D. M. «onftftoriattat in Xttmoib), .franbrcidning junt
•bcibclbcrger Katedjiömu«. flfür Vrebiger, Sefirer unb ©emeinbe-
glieber. Setmolb 1888, ©dient (VII, 548 S. gr. 8). 7 Wf.
Siefe Slrbeit Bon Sbelemaun ift ofine fjrage ba« Vefte unb ©ebalt-
reidjfte, wa« in biefem Sofitbunbert über ben .fieibetberger gefdfrieben
ift. ©ie übertrifft bie Seiftungen Bon ©ubtjoff unb Satton; Koblbrügge'«
orginetter, geiftuofter Kated)i«mu« ift bodf nur ein fteine« Vüdjtein. £4er
ober baben wir ein reidfe« woljlgeorbnetc« namentlid) prattifd) Bortreff-
fid) su benubenbe« Wateriat, ba« au« einer Iangjäbrigen ßrfabrung ge-
famtnclt ift. ©ic tritt ben berübmteu 9Iu«tegungen Bon Urfinu« im
16. Sabtbunbert unb Bon Sampe im 18. Sabrt)unbert Botlberccbtigt an
bie ©leite. Vrcbiger, Kanbibaten unb Setjrer bat fie in« 9Iugc gefaßt.
Sem Vbbrud ber fragen unb Antworten liegt bie erfte 9lu«gabe Bon
1563 jn ©rnnbc, mit vlnpaffnng an bie ©ebreibmeife ber ©egenmart.
Unter ben fragen ftetjen bie aBortertlärungcn, eine furje 3n-
b_alt«angabe unb eine flergtieberung in grage unb Slntmort. Sie ©r-
läuternngen fueben ben ignbatt biblifd) ju begrünben. ©ebr wertboott
ftnb bie mitgettjcilten Vlbfdjnitte au« ben ©rgriften oon Urfinu«, Dteoian

unb ßatbitt. Ser Rnfiang bringt bie SebenSgefdjicbte be« Katecbi«mu«.
SBie bie Verfaffer be« Katecbi«mu«, fo tefjrt natürtid) aud) Sbetemann,
bafi bie Vräbeftination bie ©runbanfebauung be« .fjeibetberger fei. SBie
überall bie VerfeBeranj ber ©täubigen burdjtönt, fdjon in ber erften
berübmten grage, fo ift in gragc 54 au«brüd(icb bie ewige ©nabcnmabl
unb bie UnBerlierbarfeit berfetben getebrt. Ser ©gnergi«mu« bat fein
Recbt im Kated)i«mit«, unb e« ift gaus unberftänbtid), wie arminianifd)
©efinntc itjn in bie SyaaDt nebmen fönnen. @r tauefit ganj au« ber
reinften garbe be« ©atBini«mu« IjerBor, ma« td) neuerbing« mieber in
einem langen Üluffab im „Herauf Bou Küpper (1887) bemiefen ba°e-
Sie 9Tbcnbmabt«tebre ift gans caloittifd) unb getjt Weit über ben lfming«
Iiani«mu« unb We(ancl)tboni«ntu« binau«. SBir ftimmen nidjt mit jeber
Rnfrbauung Sbetemann'« fiberein, aber ba« nerfd)mittbet Bor ber grofien
Vraudjbarreit unb reidjen Vielfeitigteit be« Vucpe«. So arm mir Refor-
mirte in Seutfd)tanb aud) finb, ber fjeibetberger wirb Bon un« a(« un-
bermelfticbe Krone nod) tjocfjgerjalten.

©tuttgart.__ Mf. ^apn.

Kiinbig, ©udjarin« (t tBfamr »on et. üconliarb in SJaiel), ©rfapningen am

Kranfcit' unb Sterbebette, ©in Veitrag 3ur praftifdjen Speologie.

Wit einem Seben«abrifi be« Verf. unb mepreren Rnbäugen Berm.

6. Ruf!., b^fl- bon Rub. Rnftein, Vfr. am ©pital su Vafel. Vafet

1888, ©djneiber (XIV, 359 ©. gr. 8). 3 Wf.
©rfaljrung mad)t ben Weifter. Sa« gilt Bor allem Bon ber ©eelforge,
befonber« Bon ber Kranfenfeetforge. .ßier füplt fid) ber junge Vaftor oft
) unbeljotfen unb ratblo«, aber aud) ber ältere bebarf nidjt feiten ber 9ln-
meifung unb be« Ratpe«. Veibc« fittben mir in au«geseid)tteter SBeife
bei bem Verf., weteper in 46jäpriger treuer unb gefegnetcr 9lmt«fübrung
reidje ©rfaprungen eingefammelt pat unb nun au« feinem ©djafje 9Ute«
unb Reue« mittpeitt. Sein Vueb ift au« Vorträgen entftanben, bie er
in ber bafeler Vrebigergefeflfcpaft gepalten pat. Safi biefe gorm bei-
bepaltcn würbe, bebingte swar pier unb ba fleine SBieberpolungen, Oer-
pütete aber aud) trodene« ©djetnatifiren unb läfit ben Stoff nad) allen
©eilen bem Sefer in leben«BoUcr ©eftaltung entgegentreten. Ueberaö
erfennen wir, bafi wie bie Rrbeit be« ©eelforger« au« bem ©eifte be«
©oangeliitm« geboren, fo aud) feine ©rfaprung burd) ba« Sicpt be« ©bau-
getium« geflärt ift. Sen ^aplrcid) mitgetpeilten Veifpieten merft man
an, bafi fie bem mirflicpen Seben entnommen finb; befto mepr finb fie
geeignet, ©rfcnntnifi unb Urtpeil 511 ftpärfen unb jur reepten Vepanblung
ber einjclnen gäüe anjuleiten. Ricpt«, ma« bei ber Kranfenfeetforge
mieptig unb notpwenbig ift, bürfte bem Verf. entgangen fein. 6r Berftept
niept nur, bie ©eelcnjuftänbe ber Kranfen nüdjtern ju beobaepten unb
ftar ju beurtpeilen, fonbern aud) mit feinfütjlenber ^uttpeit liebeoott auf
fie einsugepeu unb }U reepter tjeit ba« reepte Sü3ort su reben. 9lud) in
; mepr äuficrlicpen, fdjeinbar geringfügigen Singen, wie ,Re't unb Sauer
be« Kranfenbefucp«, Verpalten be« Üjuftor« jum yl.rs.te u. bgl., wirb man
trefftiepe Slnweifung bei ipm finben. Von einfeitiger Vetonung feine«
reformirten ©tanbpunfte« ift er frei, fpriept fid) fogar entfepieben für bie
Verecptigung unb ben ©egen ber Kranfenfommunion au«. Rur barin,
bafi er in ber gürbitte für Verftorbene „niept« UneBangelifcpe«" (©. 331)
finbet, fönnen mir ipm niept beiftimmen. Ser §erau«geber pat in gufi-
noten unb in ben Slnpängen („Sie ©eelforge in C'uficpt ber Sempera-
mente" unb „©inige ©ebanfen über ©ebet unb Leitung") wertpbofle Veis
träge geliefert. Sa« Vucp follte jebem Voftor jur tpanb fein, güngere
paben an ipm einen juoerläffigen Ratpgcber, ber fie faum in einem galle
im ©tiepe laffen wirb, Keltert werben ipre eigenen ©rfaprungen in ipm
berieptigt unb bereichert finben. £p. f.

Sieffenbacp, D. th. ®. ©pr., Vafflonale. Sie Seiben«gefd)icpte be« §©rrn
in 46 Seftionen mit furaen ylu«legungen, ©ebeten unb Siebern jur
tägtiepen Rnbacpt in ber Vaffion«$eit. ©otpa 1889, Sdjloefimann
(VIII, 146 ©. gr. 8). 2 Wf.

Sie Vaffion«aeit napt peran; ber Wittel, um biefe Qeit für £>erj unb
©emütp be« ©priften redjt gewiunbringeub 511 geftatten, finb nidjt wenige
borpanben. Dbige« Vofiionale möcpte ipre ftapl mepren; unb wer Sieffen-
bacp'« ©oben unb Rrt fennt, ber wirb ipm, bem fleißigen nimmermüben
©cpriftftcller, anep für feine neuefte Hrbeit banfbar fein. Unfere« Slutor«
erbauliepe SSerfe fpreepen .ßerj unb ©emütp an, weil fie Bon ber eigenen
I .ßersen«märme Kunbe geben; bie ©jregefe i|t leieptfafilid), bie Sarfteuung,
Wie man Weiß, ebenfo gewanbt wie flüffig. Sa« gilt boü unb ganj aud)
bon feiner neueften Rrbcit. Ser Sitel berfelben fagt un«, wa« fie bar-
bieten will. Veftimmt ift ba« „Vaffionale" für bie .ßauöanbacpt, für bie
©cpute, aud) für Iircfilidfe Vetftunben. Sie Qapl 46 cntfpritpt ber fjeit
Born Rfcpermittmod) bi« jum Dfterfefte. ©egliebert ift ba« ©anje in
fieben mepr ober miuber grofie Speile: ©ingang, ba« lebte Dftermapl,
©etpfemane, gefu« Bor bem .ßopen Ratp, gefu« Bor Vfutu«, ©olgatpa,
ba« Vegräbnifi. Sie Vetracptungen umfafjen immer 2*/a—3 gebrudte
©Seiten, ©ie cntpalten je jum ©ingange 2—3 Sicberoerfe mit Rngabe
be« geiftlicben Sicpter«, fobann Bor bem Vaffion«terte, meldier ganj mit
abgebrudt ift, einen begüglicben Vibelfprud), bie Rnölegung unb Rnwen-
buug, ©djlufigebet unb nod) 3—5 Verfe sunt Rbfcplufi be« ©anjen. Q. V.
„guba«' fcpredlidje« ©übe" leiten brei Verfe oon g. gjeermann ein: „@o
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