Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

Zitierlink

Mr. 9. fti^i^benL Jtcrj 1889.

IljMtoijtfdp £tatutbtalt

JnrnitDiiBgEbufjr pr. gEfp. JMtfjEtlE 30 pf. 4 *

«ExpEbifiDn:
BönfnapraJlr- lär.13.

Xie Oiloubmürbißffit beb KufrMuS. I.
RIcinfdimiDt, g. U., Xer «tief an bie SRömer er-
läutert.

ÖfllfdKV, 'Prof. Dr. 2., iReformationäßc(djin)tt btt
Stobt .perfotb.

etofft, Wco., Xic tieiligen Sattantente ber Straje

Zhrlcinann. D.( prnibreidjung jurti peibelberger

Watedtiäntub. m , ,

StünOlg, tttfagtungen am ßtanfen« n. Sterbebette.

XicffenSod), D. th. ®. <£br., «pafflonalc.
Dienerte tljeologtlitje 2ttetatut.

flelrtebtltteu.

SBerld)iebene8.
Etntiguart(dje Satatoge.

Die (ßlaubuiürbighcit des fufcüins.

i.

Sie Klagen übet bie UnguBerläffigfeit ber ©ufebianifdien ©efd)icb>
feßreibung finb alt. ßum fdiärfften SBerroerfunggurtßeil finb fie in nettefter
fjett befanntlid) bei SBurcfßarbt geworben. Slnbere ßaben einen mittleren
S33eg eingefdilngen. Aber in jebem gatle ift bog SBebürfniß einer grünb-
tieften, bureßgäugigen Stritif biefeg .^iftorifere? unb feiner Quellen alg ein
bringenbeg empfunben roorben. ©g ift in ber Sßat ein unhaltbarer ,^u-
ftanb, in roeldjem mir ung befinben, inbem — id) faffe ßier augfcßließlia)
bie ffonftantinifdie @eftf)id)tgbarftel(ung in« Auge — bie fjauptmaffe beg
Bon ©ufebiug gebotenen SBcaterialg anftanbglog benußt, gaßlreicße (Sinket«
ßeiten aber einem ©utbünfen überantwortet roerben. bag in ben meiften
fallen nach einer fcftftehenben Auffaffung ßonftantin'g unb feiner ge»
fdjidttlidieit fßfbfutung feine ©utfdjeibungen trifft, SRientanb fjat, wie be«
merft, fd)ärfer über ©ufebiug geurtßeilt a(g SBurdßarbt; bennod) fiebt er
fid) barauf nngeroiefen, bag retigiöfe unb firrhenpolitifcße S3ilb Ronftan«
tin'g ßauptfädjlicß aug bem Stoffe gu geftalten, welchen ©ufebiug bietet.
SSir brauchen eine Kritif ber ©ufebianifeßen SarfteÜltng, roelcße fid) beg
gefammten ionft Borßanbenen Quelleumaterialg Berficßert unb an ber
gpanb bcffelben ben Autor, foroeit eg möglich ift, auf bie Sßrobe fteUt.
Scßroerlicß tuerben baburd) alle Sdjroierigfeiten befeitigt roerben, aber eg
ift fdjon ein großer ©croinn, baff baburd) bem nußlofen Seuteln unb
firitifiren an ßerauggeriffenen Stüden ein ©nbe gemadjt roirb.

3« biefer ridjtigen ©rfenntniß hat ein italienifcber ©eleßrter Amebeo
©riDellncci, ber SBerfaffcr eincg umfangreidjen SBerfeg über bag ge-
fd)id)tlicbe «erßältmß Bon Staat unb Kirche im römifdjen SReicbe („Storia
delle relazioni tra ]o Stato e la Chiesa". Vol. L II. Bologna 1885—86)
fid) bie Aufgabe geftetlt, 9LRittl)ei(ungen beg ©ufebiug über beftimmte
Seiten unb Sitte ber SRepieruug Rouftantin'g an ber £anb guoerläffiger
Quellen gu prüfen: ,Deila fede storica di Eusebio nclla vita di Con-
stantino" (Livorno 1888 [145 p. 8]). Sie Sdjrift gäßlt gu ben tüchtig-
ften, metd)e bie fjiftorifcfje gorfd)ung ber ©egenroart in Italien auf-
guroeifen bat; aud) mit ber beutfd)en Siteratur geigt fid) ber SSerf. gut
Bertraut.

driöeltucci jicbjt junftdift bie «erießte beg ©ufebiug in ber Vita Con-
stantini in «etracht, welche fid) auf bie SReligiongpolitif beg Raifcrg bem
fjeibenthum gegenüber begießen: bag allgemeine Dpferoerbot, Schließung
ber Sempel, Aufhebung ber $arufpicin, SÖcfeitigung beg faiferlicßen «ilb«
niffeg in ben ©eiHgtfiümern «. Siefen Scridften werben bie urfunblid)en
geugniffe im ©obep Spcobofianug unb bie gnfdjrift Bon ^igpettum ent«
gegengcftetlt, beren Stngfage babin lautet, baff im ©egentbeil, bon ber
prioaten ,V>arufpicin abgefeben, ber Saifer „feine ber gotwen beg antiten

Sltlgemeineg: ©injelne geugniffe für bie fjortbauer tultifdfer SIfte ber
alten fReligion bürfen nur mit SSorfidjt Berroertbet roerben. Senn fdjon
eine flüebtige Ueftüre beg in ben beiben ©orpug unb in ben SfoBeflen
fobificirten faifertidjen Sfonftitittionenreaftg geigt, roie langfam nidft feiten
bie Sßirtung einer SSerorbnung erreidjt rourbe, ja oft balb ober ganj
augbtieb. Qn ber äöeife beg iöerf. lieft fid) faft mit bemfelben Stechte ber
Sd)(uft machen, baff big auf Stjeobofiug b. ©r. bie fultifcpen gormen beg
$)eibenthumg noch unbehinbert roaren (Bgl. meine „©efdfichte beg Unter»
gangeg beg gried|ifch'römifd)en tpeibenthnmg" 1, 276 ff.). Sludf bie 91n«
nähme fdfeint mir nicht fuläffig, baß bie in bem 9lugfd)reiben an bie
„iöeroohner beg Dfteng" (©ufebiug V. C. II, 48 ff.) gteiebfam garantirte
retigißfe Soleranj bag SBorgehen Sonftantin'g gegen bag ipcibenthum, roie
eg ©ufebiug barfteüt, augfdjlöffe. Sie Soleranä ber religiöfen Ueber»
geugung ift nod) lange nad) Slonftantin aufredjt erhalten roorben; etroag
anbereg aber ift bie Solerang ber fultifcben fRed)te. Stur biefe hat
aber ©ufebiug im Sluge. Qd) fürchte, baff ©riBetlucci felbft in ben fjehler
gcrathen ift, ben er bei anberen finbet: nämlid) Bon einer giemlid) fertigen
SUfeinung über Sonftantin an bie Prüfung ber ©ufebianifdfen iSerichte
herangutreten. ©onft hätte er g. SB. faum eine perfönlidfe Slugbeutung
beg ©ufebiug in bem anertennenben üobe finben fönnen, mit roetdjem
jener bie ©rlaffe ffonftantin'g betr. bie älteren SBerorbnungen über ©he«
lofe unb Sinberlofe (©ob. Sbeob. VIII, 16,1) begleitet. Senn ba& biefe
beiben ©efetfe, obrool ber gnhalt berfelben nidft baBon rebet, in SItüd»
fidft auf bie Kirche gegeben finb, bebarf feineg ©rroeifeg. Ser Sierf.
fummirt in biefem etften Stjeil feineg SBudfeg fein Urtheil fo: breimat
fapjt ©ufebiug bie SBahrheit, aber nicht ohne eine geroiffe fOcobififation,
neunmal bie Unwahrheit, unb groar meifteng roiffentlich; in Bier gätlen
roiffen roir nid)t mehr, ob er SBahrljeit ober Unwahrheit faßt, ba wir bie
Eingaben nidjt lontroliren fönnen. „SScIdic ©laubroürbigfeit fallen Wir
ihm gufafreiben? ©ine foldje, roelctje berjenige Berbient, ber in groötf
gäUen, roo er rebibirt roerben fann, nur breimal bie SBahrheit fagt."
©lüdlicherroeife liegt bag Schwergewicht beg SBudjeg nicht in biefem erften
§auptabfd)nitte unb feinem ©rgebniffe.

©reifgroalb. _ Uirtor cSdjulhe.

«Icinfchmibt, ff. ©. (f «rebigrt bei- «vübctgemelnbe), Ser -Brief an bie

SRömer erläutert, ©ütergloh 1888, SBertelgmann (IV, 189 S. 8). 2.80.

Ser SRömerbrief fann nicht gu oft auggelegt roerben. ©r ift unb

bleibt für ©laubeng» unb .ffeiligunggleben bie hauptfäd)lidjfte ffuiibgrube

in ber Schrift, ©g ift auch ber befonbere SBorgug biefeg apoftolifdjen

Schreibeng, baff eg bie Berfchiebenfien vlrten ber Sttuglcgung, ftreng

roiffenfehaftliche, agfetifd)'praftifd)c unb eine mehr umfehreibenbe Borträgt,

V i. I unb boch bei jeber, jo ern fie in feine Siefen rjinabfteigt, reidje Süugbeute
Rultug oerbot", fonbern big an fein Sebengenbe bte Sempel offen unb | «nor :oom ™ ?' »1 «-I ■

bie Dpfer frei beliefj. S)er roiditiafte SlJunft in biefer SReihe ift bag all» barbietet. Sie Borliegenbe „Erläuterung" aug ber ^anb eineg bereits

mm. m /Ol T* I ____ >__I..... 1 OOO <. „ 1_____*______41)__VI___a V.._ CY\ ■• L . . * .»t «

gemeine DpferBcrbot. ©eroift fel)lt'ein birefter urfunblicher SBeleg bafür,
aber ber SDiangcl eincg foldjen SBelegg ift nod) fein SBeroeig, unb ber
©inroaub, baff eine Sonftitution Bon folcber Sragrocite fdjroerlid) Bcrloren
gegangen roäre, trifft nicht gu. 3n ben fünf erften «fiebern allein beg
©ober. Sbeobofianug finb nad) einer Sß5ahrfd)einlid)feitgbercd)nung Bon
ftänel etwa 450 Ronftitutionen Berlorcn gegangen. So ift bie erfte
«erorbnung über bie manumissio in ecclesia, bie nod) Bor 316 fäKt,
gar nicht auf ung gefommen; bie groeite Born 3.316 fteht nur im ©obej
Suftin. (I, 13, 1). Ser ©ober. Stjcobofianug hat nur bie britte Bom
3. 321 (IV, 7, 1; ©ob. 3uft. I, 13,2). ferner roenn eine ton«
ftitution Born 3. 323 lustrorum sacrificia alg üblid) Boraugfeht, fo
läffjt fid) baraug fein Schluß auf bie ffeit etwa um 330—335 gießen,
ba eg befannt ift, bafi bie flieligiongpolitif tonftantin'g fid) in ben
breifjiger 3aßren Biel fcßärfer gufammenfafite. 9Jehnlid) fteßt eg mit
ber SOfantif. Sie leßtc öffentliche 9leußerung fionftantin'g barüber
gehört bem 3. 321 an i©ob. Sßeob. XVI. 10,1); für bie fpätere Seit ift
©ufebiug bie eingige Quelle. 3ft fein Ifeugnifj barum falfd), roeil eg
ifoltrt bafteßtV Sünberg läge bie Sadje, wenn fid) ertoeifen ließe, baß
ein atlgemeincg «erbot ber SDiantif abfolut unBerträglid) mit ber flieligiong-
politif Ronftantin'g fei. SHber über bag lebte 3aßrgeßnt biefer fReligiong-
politif haben roir ©ufebiug faft augfcßließlid) alg Quelle. Sann nod) ein

1882 heimgegangenen «rebigerg ber SBrübergemeinbc ift roefcntlid) para-
phraftifeßer SRatur. Sie ift ber Ertrag praftifd)«feelforgerlid)er Slrbeit,
roelctje ber SSerf. an ber §anb unfereg «riefeg übte, unb babei in feinen
Berfcßiebenen Slemtern bie euglifcße, frangöfifdje, fd)roebifd)c, ßollänbifche
unb beittfdje «ibel benuben mußte, ©r nimmt infolge beffen auf biefe
, oerfeßiebeneu Ueberfeßungen roie felbftrebenb aud) auf ben ©mnbtejt
SRüdficßt. Sie ©efaßr ber SBarapßrafe, baß fie ermübenb roirft, feßeint
ber «erf. im gangen Bermieben gu ßabeu. Db er bei feinem herrnhutifchen
Stanbpunfte gang ber fragen über «erßältniß Bon SRecßtfertigung,
©nabengeroißßeit unb Erneuerung mächtig geroefen ift, roill bem SRef. an
eingelnen SBunften groeifelßaft erfeßeiuen. So g. S3. S. 41 gu tap. 5,1 ff.,
roo er Bon bem Saß beg Slpoftelg, baß ber ©ereeßtfertigte grieben mit
©Ott ßat burd) ©ßriftum, ben fRüdfchluß wagt, baß, roo ein foldjer
griebe („greißeit Bon gurd)t") nidjt ßerrfeßt, ber SBetreffenbe nod) nießt
gerechtfertigt ift. SBir meinen, man follte angefießtg ber Anfechtungen,
roelcße bem SBegnabigten begegnen fönnen, unb mit SRüdficßt barauf, baß
ber griebe mit ©ott ftetg mit einem SReflej beg ©efüßlglebeng gufammen«
ßängt, auf biefem garten SBunfte SSorficßt üben. 3m übrigen ift bie
Speife, roelcße ber SSerf. bietet, gefunb unb aueß für Sutßeraner genießbar,
roenn and) bem ©angen ber ßerrnßutifcße ©ßarafter aufgebrüdt bleibt.
loading ...