Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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burdj gapn Wirb jur 33efeitigung ber ^ter unzweifelhaft Dorpanbenen
Unftarpeiten beitragen.

©g ftnb bie ©rgebniffe einer Don fouoeraner 33eperrfcpung beg ge«
fammten Dueltenmateriatg zeugenben gotfcpung, roetcpe bieö SBerf barbietet.
SBie bierin, fo beftept fein abgezeichneter SBertp äugleia) in ber burcb«
gängigen ©etbftär.bigfeit, roetcpe fidi felbft erft bie SJapnen fctjafft, unb in ber
einbringenben unb fcparfen gaffung ber 93robteme. SJlepr nur gelegentiid)
finbet Stugeinanberfeßung mit entgegenftebenber frember SJleinung ftatt,
j. 33. nicpt mit ben neueften Darftetlungen ber ©ntftepung beg Stammet,
tnoburcb nun bem Sefer felbft bie Stufgabe jufäQt, über Uebereinftimmung
unb SlbWeicpen Drientirung ju geroinnen. gn ber zweiten 4)ätfte biefe! 93an«
beg, wo ba! ®ebiet umftrittener ift, mirb obne gtoeifet eine fotcbe Slug«
einanberfeßung mebr Staum beanfprurpen. SJlancpe nocb eingebenbere
SSegrünbung, befonber! aud) ber cpronologifcpen Slufftettungen ift in bem
zweiten S3anb mit ben 93eitagen jü erroarten. Sief, barf befennen, fetten
ein roiffenfdfaftlicpeg SBerf mit gleid) gefpanntem gntereffe wie ba! bor«
liegenbe getefen ju baben. Sin SBiberfprud) mirb eg bemfetben alterbingg
nirpt febten; Dtelleirpt aud) nirpt an bem SJorhmrf tenbenziöfer Darfteltung,
fo unbillig er roäre. SIber aud) mer nid)t roie ber Sief, bas TOeifte unb
93efte, mag er über bie ©efcpirpte beg Kanon! roeiß, bem SSerf. gn banfen
bat, mirb retcpe 93elebrung aug biefem SBerf ju fcpöpfen baben.

Dorpat. lt. fBonroetfrp.

Witte, Dr. J. H. (Prof. an der Univ. in Bonn), Das Wesen der Seele
und die Natur der geistigen Vorgänge im Lichte der Philosophie
seit Kant und ihrer grundlegenden Theorien historisch-kritisch
dargestellt. Halle 1S88, Pfeffer (XVI, 336 S. gr. 8). 7 Mk.
Der S3erf. pat fm) m ppitofoppifcpen Streifen burd) feine „Siorftubien
Zur ©rfenntniß beg unerfabrbaren ©ein!" (»Bonn 1876) unb burd) feine
SIbpanblungen „Bur ©rfenntnißtpeorie unb ©tpif" (93ertin 1877) guerft
befannt gemad)t unb ftept in näperen »Beziehungen ju griebrid) §armg,
für beffen Sieatigmug er namentlich am ©djtuffe beg borliegenben SBerfe!
mit ©ntfcpiebenpeit eintritt, opne ipn bod) in alten SJunften bertreten ju
motten. gm Unterfd)iebe Don tf ant ftimmt er mit §armg barin überein,
baß er bie togifd)e S33at)rfjeit nid)t btog für formal unb fubjertio, fon«
bem aud) für objeftio bebeutfam t)ätt. ©leicßrool fommt er im Segen«
faß ju §armg ju bem ©rgebniß, baß bie logifd)en Kategorien für fia)
aüein nur ein SBiffen über bag Dafein Don etmag, aber nicht ein be«
ftimmte! ©pecialroiffen über beffen befonbere »Befhaffenpeit ermögtidfen.
SBie $armg entfd)eibet er ficb mit sperbart, 93enete unb Pope bafür, baff
bie Kategorien aud) auf bie inneren ©rfaprungcn anmenbbar fein müffen,
baft atfo bie inneren Bpänomene fo gut mie bie äufferen auf ©ubftanzen
binroeifen. Demnach betrad)tet er bie ©eete atg ©ubftanj Wegen iprer
33eparrlid)feit im Sieben, roegen ber gleichen S3efcpaffenpeit iprer SBirfungen
im gnbibibuatberoußtfein ber inneren ©rfaprung, zumal roegen ber ©in«
peit beffetben. ©r tritt bamit in fcparfen ®egenfaß ju ber einflußreichen
$fßcßoIogie Don SBunbt, ber fia) burd) Kant'! ppperfritifrpen Stanbpunft
baju beftimmen läßt, bie SInroenbung ber Kategorie ber ©ubftanj auf
bie innere ©rfaprung abzulehnen, roäbrenb er roiberfprud)gooII genug
biefe Kategorie bod) für bie äußere ©rfaprung gelten läßt; fo roiber-
fprud)gDoIt ift eg aud), baß er zwar bie Kategorie ber Kaufatität, nidft
aber ipr in ber ©ubftanz gegebeneg notprocnbigcg Korrelat auf bag
innere Seelenleben angeroenbet roiffen roitt. ©d)on aug biefen wenigen
SJlittpeitungen ergibt fia), baß ein fo maßbotter Genfer roie SBitte, zumal
er fia) burd) Siegbarfeit feineg ©tilg Dor anberen Bpitofoppen bortpeil«
paft augjeidfnet, befonberg baju begabt ift, in bie fcproierigen ®ebanfen«
gängc ber neueren Bfßhologie.®efd)irßte tiefer pineinzufüpren. ©r be«
panbett zunäcpft ben SJlatertatigmug, ber in ber ©eete nur ein ißrobufr,
ein Slccibens ober eine gunltiou beg Sleibeg erbtictt; fobann ben ffepti«
fdfen ÜSofitiDigmug, ber bie ©eete für ein geworbene! Sing hält; ferner
ben Kantianigmug, bem bie ©eete atg ein $banornen gilt, roäbrenb ipm
ipr bebarrtidfeg Siefen atg ein Stoftutat ber SSernunft erfdfcint; buUfyt
ben abfotuten gbeatigmug unb mobernen SJeatigmug, ber bie ©eelen»
lubftanj befapt. ®er SSerf., Don roetdfem bemnärpft ein Sebrbuo) ber
3Sfbd)oIogie au erroarten. fiept, erbtictt root mit Sledft in biefer SBiffen«
fdfaft ben Koncentrationgpunft ber fpefutatioen wie ber empirifcpen ®ig«
ciptinen. gpre SJtetpobe beseidfnet er mit iörentano atg eine auf ©elbft«
roaprnebmung berupenbe ©etbftbetracptung im ®ebäd)tniß. Sfleu Dor«
liegenben gefd)id)tlid)en Speit feiner «rbeit pat ber 93erf. ausgeben taffen
mit bem SBunfrpe, baß biefeg Sßert jur S3erftänbigung unb nidft sur
S3erfd)ärfung ber über bie bebanbetten VBrobleme nocp immer fo weit
augeinanberftepenben 9lnfia)ten beitragen möge. Die fachliche Slupe unb
über^eugenbe Ktarpeit feiner Darlegungen fpricpt root bafür, baß biefer
SEBunfd) nicht roirfunggtog Derpalten wirb. Db unter ben Dpeotogen Diele
bag 33ud) tefen werben, ift freitid) eine anberc grage; fo gut eg ge»
fdfrieben ift, e! ift feine teicpte ßeftüre. SRöge eg pier unb ba eine gute
©tatt ftnben aud) unter ben SJkaffifern, bie fia) barauf angeroiefen fepen,
gute ipfpcpotogen ,m fein, beffere ju werben. W. IB.

Deltfcfd), granj, ©inb bie 3uben roirtlid) bag augerroäplte «olf? Sin

«Beitrag jur SJirptung ber gubenfrage. (©cpriften beg Institutum

Judaicum ju Seipjig. Sir. 22.) Seipjig 1889, (Xentratbureau ber

Instituta Judaica, SB. gaber (61 S. gr. 8). 1 SJlt.
Daß bie ©rroäptung gfraetg nur ein Bpänomen beg nationalen ©elbft»
gefüptg ober eine hinfällig geworbene Dpatfacpe ber SSergangenpeit fei,
barin finb, roie ber SSerf. am Anfange augfprirpt, bie 9tntifemiten alter
Sticptungen einig, gpnen gegenüber Witt er bie Dpatfächticbteit unb fort«
bauernbe SSirptigfeit biefer ©rroäpfung feftftetlen. ©r roeift auf 9lbrapam,
auf ben bod) groeifeHog bie Uebertieferung jeneg ®otteggtaubeug .mrüct«
gept, roetcper big peute bie S3afig alter ecpten Sietigiofität unb Kultur ge»
blieben ift, bann auf SJlofe, beffen ©eete bie SBerfftätte ber ©rroäptung
gfraelg mar, roetcpe bon Slnfang an nirpt atg parteiifcpe 93eDor,uigttng auf«
trat, fonbern, opne gfraetg SScrbienft fia) ipm juroenbenb, Slirpt»
ifraetiten Don ber Dpeitnapme nirpt üöttig augfrploß unb immer bei
aller nationalen Koncentrirung iprem giete narp Don uniDerfater 93e»
beutung War. gfraet ift in feinem Dafein, feinen ©rtebniffen, feiner
©etbftbetpätigung, roie ber S3erf. augfüprt, bann aud) roirf(id) SBotf beg
SBettberufeg geroefen, big enbtid) Spriftug aug feiner SJlitte perDorging,
burd) beffen ®emeinbe biefer «Beruf ju feiner Dotten SSerwirtticpung ge»
langte. Diefe ®emeinbe pat ^roar ein Slecpt, fia) ba! roapre gfrael ju
nennen, aber bod) nur, inbem fie bie gottbeftimmte Slugroapl aug bem
gfraet narp bem gtcifrp nicpt aug«, fonbern einfrptießt. Dag tatmubifcpe
gubentpum bagegen gteirpt bem Dobten SJleer, in bag ber gorban
münbet, um ba mit allein Sebenbigen, bag er ipm sufüprt, erfterben.
Die grage, ob bie guben jeßt nod) atg augerroäptteg SSolf bezeichnet
werben fönnen, ift nad) feinen 9tugfüprungen bapin ju beantworten, baß
biefe ©rroäptung jroar borjuggroeife eine Dpatfacpe ift, bereu Slb-roertung
in Epriflo ipre ©nbfrpaft erreidjte, baß ipr für bag gegenwärtige gfraet eine
S3ebeutung inbeß infofcm bod) jutommt, atg eg eben auf ®runb biefer ©r«
roäptung beftimmt ift, mit allen anberen bem ®otte ber SSerpeißung ge»
porfamenben S3ötfern unb neben ipnen bem in ©prifto offenbar ge«
roorbenen ®ott bie SBett ju unterwerfen. Dag fann eg aber nur, inbem
eg juerft bem Don ipm berroorfenen ®ottegfopne fid) felbft unterwirft.
Unb bamit ift jebeg Slüpmen in alle gufunft für gfraet auggefcptoffen.
SBon befonberem SBertp ift bie in biefer ©dfrift fid) finbeube gufam«
menfaffung j)aplreid)er im Sitten Deft. berjeicpneten ©puren be! uniDer«
faten )fieteg beg Sitten 33unbeg im ®egenfaß ju ber jeßt häufigen
§erDorpebung feineg nationalen ©parafterg. Die fteine, aber iupattreirpe
©cprift teprt bie guben im Sirpte ber ipnen Don ®ott gegebenen S3eftim»
mung betracpten, unb ift barum ein freubig ju begrüßenber unb roopl ju
beper^igenber »Beitrag jur Sicptung ber gubenfrage. Daß Dpeotogen unb
Slirpttpeotogen barin aud) fonft mancpen Wicptigcn Stuffrptuß über bie
Stellung beg cprroürbigen SSerf. ju brennenben gragen erpatten, bebarf
leiner befonberen ©rroäpnung. ®uftaf IDalmnn.

Luther's Tischreden aus den J. 1531 und 1532 nach den Auf-
zeichnungen von Joh. Schlagin häufen. Aus einer Münchener
Handschrift hrsg. v. Wilh. Preger. Leipzig 1888, Dörftiing &
Pranke (XXXII, 146 S. gr. 8). 7 M.

8u ben roertpooltcn ßutperfunben, roetcpe ung bie jüngfle ;ieit ge»
bracpt, gepört aucp bie aug fliegengburg ftammenbc ©aubfcprift ber
müncpener Staatgbibliotpef, roetcpe SB. Sflreger perauggcgebeu unb mit
einer grünbticpen ©intcitung unb .Kommentar üerfepen pat. ©ie enthält
ßutper'g Difcpreben aug ben g. 1531 unb 1532 Don ber ftanb feueg
gop. Srptaginpaufen, beffen ßebengbitb ich in ber „geitfcprift für firrpt.
SBiffenfcpaft unb tirrpt. ßeben", 1887, ©. 345 ff. gegeben pabe. ge mepr
einerfeitg bie Difcpreben ßutper'g Don alten ßutperfeinben atg eine gunb«
grübe Don Stnflagen gegen ipn benußt werben, je mepr roir auf ber
anberen Seite Sutper „in ber Unmittetbarfeit, in roetcper er fid) gibt,
aucp in feiner rüdfidjtgtofen Dcrbpeit, unb feine Sieben mit att ben Um«
flänben, bie fie oeranlaßt", paben motten, um fo einen SJlaßftab für bie
richtige SSeurtpeitung ju befommen, um fo mepr muß man ben »Beitrag
begrüßen, ben tyxeüet'ä SIrbeit gibt, um Sutper'g Difcpreben mepr unb
mepr in iprer urfprüngtiepen ®efta(t fennen ju lernen, ©epr banfeng«
roertp finb bie teprreirpen SSergteicpe, roelcpe Breger in «Be^ug auf bie
SBiebergabe Don Sutper'g Difcpreben burrp ©orbatug, beffen Dagebud)
SBrampetmeper perauggegeben, burd) »Seit Dietrid), beffen Sluf)ceid)nungeu
in Dürnberg erpatten, aber nod) nicpt oeröffenttiept finb, unb burd)
©eptaginpaufen aufteilt. SJeit Dietrich unb ©eptaginpaufen ftepen in 93e«
jug auf bie SBiebergabe Don Sutper'g ®ebanfen gteirp. ©inb SJeit
Dietrirp'g Stuffleicpnungen teirper an SJlittpeitungen Don bogmatifepen
unb ejegetifrpen S3emerfungen Sutper'g, fo gibt ©eptaginpaufen Sutper'g
SBorte in mögtiepfter Unmittetbarfeit mit ipren SJeranlaffungen unb ben
Umftäuben, bie fie begleiteten, ©orbatug ftreift Sutper'g Sleußerungen
oft ben inbibibuetten ©parafter unb bie garbe ber urfprüngtidjen Scbenbig«
teit ab, rnarpt fie ju mattftingenben Seprfäßen unb ift nicpt frei Don
gtürptigfetten, SDcißberftänbniffen unb SBittfürticpfeiten.

gn ber ©intcitung gibt Breger ein fur^eg Sebengbitb ©cptaginpaufen'g
unb tommt babei an jroei SJunften in Differenj mit meiner Darftetlung.
gm g. 1530 erfrpien eine ©pottfeprift auf ©d'g ®ebapren auf bem SIeicpg»
tag ju Sluggpurg mit bem Ditet: „Eckii Dedolati Ad Caesaream
majestatem magistralis Oratio", atg beren SSerfaffer fid) im SJorroort
ein fDcagifter gop. ©eptaginpaufen nennt. Die ©cprift mar mir nur nad)
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