Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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flt. 8. Cctpjig, öcn 22. iFcbruor 1889.

»ri* ti**Wm ^S^y- -© (BvntM \t*tn Saß** ®"

inrernonagEbuIjr pr. gElp. BEiüjEtlE 30 Bf. i

Sine ©einteilte beä neuteftomentlirien Ronen«. II.
Witte, Dr. J. H., DaB Weien der Seele und die

Natur der gei.tigon Vorgange.
Delittfdi, Brmt», Sinb bie 3ubcn luirttidj bo« ouä-

erroähitc SBoH?

Luther's Tischreden aue den Jahren 1531 und

SßnetDft, Sraalb, 3)ie innere mülfion in Seutfd}-

lanb. .
S3eed)cr, Denrij ffiatb, SReligion nnb <Eftt(t)t.

(ExpEbitum :
Hiiitirje^raric Hf. 13.

lUeuefte töeotoBifc&e aitetntur.
Unioerfität«icbriftcn.
geitid) ritten.
Seertdiiebene«.
9lntiquari[d)e Sataloge.

„. _ r.,. .... „ 91 Eiafca («om 1888). Die« Diateffaron mar ba« EBangcfium ber fpri«

vttllC (6c|t1)ltt)tC ÖCS nCUte|ttttncntltn)ni KOnOllS. ! fd)en Sird)t. „od) im 4. gaßrßunbert. mt ißm bilbeten (neben bet Slpoftel-

gefßißte) bie 9Jaulu«briefe unb nur fie ben Kanon 9t. 2. Der .fiebräer«
brief wirb Bon bem „per[ifcf)en SJJeifen" Slpßraate« al« jttieifetto« paulinifß
Bcrroertßet, ift aber bodj Bermutßliß erft fpäter al« bie 9Jaulu«briefe
«eftanbtßeil be« fßrifßen 9?. 2". geworben. Sitte« nämliß roeift barauf
ßin, baß ein abenblänbifdier Dert ber rßaittnöbrtefe ber ältcften fßrifßen
«erfion, Bietleittjt auch ein SJJerf Darian'«, »u ©runbe gelegen bat. 911«
eine Ueberarbeitung biefer «erfion gibt ftcfj bie SJefßittßa funb. Qöngft
al« ba« Diateffaron, roie ftaßn bem 9fadirDets? «ätßgen'« einräumt, aber

II.

«aulu« ift ber Mpoftel infolge be« Borßerrfßenben gotte«bienftlißen
Gfebrauß« feiner «riefe. SJJie e« fßeint, mürben bie SJrinatbriefe be«
«aulu« Bon feinen Gäemeinbcbriefen gefonöert überliefert, ©ißer ift bie
«ertßeibigung ber 9JauIu«briefe burß ben (5. «cur. bureß feincrlei ttroeifcl
an ber Siononicität biefer «riefe nerantaßt. Die «ebenfen gegen ben
«fiilemonbrief finb jüngeren Datum«, fie befunben «ertrautßcit mit ber
2eßre be« Origene«. 9?ur über bie fjafil ber «au(u«briefe beftanb ein

©ßroanfen (£« gab einen aueß grießifß Borßanbenen untergefrßobenen I ««er al« bie «efßittßa ift bie Eoangchenrecenfton be« Eureton'fßen
«rief an bie Sa'obicener Der fjebräerbrief mar in Slleranbrien a» @»rer«. «or ber «efßittßa aber botß nirßt urfprünglicß roaren ben
pautinifefi nnb fanonifcti Bon alter« überliefert, bagegen befaß ißn bie j «aulu«briefen ein Senbießreiben ber Sorintßer au «aulu« unb beffen

römifeße unb bie afrifanifrße Sirße überßaupt nießt in ißrem Kanon; mot
aber muß er bei ber flcinafiatifrßcn Kirße al« «rief be« «arnaba« re»
eipirt getoefen fein. (Sine Eefßißte be« .ftebräetbrief« im SIbenblanb Bon
180 bi« in« 4. fjjaßrßunbert ßincin, mie fie CBerbecf „JJur ESefßißte be«
Kanon«" beßauptet ßat, roeift ffaßn mit fließt ^uriief.

Die Schriften be« «etru«, 3uba« unb ftafobu« anfaugenb proteftirt
ifaßn gegen bie «orfteffung Bon einem SInßang be« Kanon«, fpecietl
gegen bie «erroeifnng be« erften «etrn«brief« in bcnfelbeu. Diefer mar
Pielmeßr allgemein anerfannt, auß in 9iom, nur eine Dertforruption
im E. föcur. Berbunfelt ßier ben ©aßBerßatt. Der 2Ipofalppfe be« «etru«
fann nämlicß biefer bort nißt gebaßt ßaben; beim biefclbc genoß über,
ßaupt fein fflnfeßen im 9Ibenb(aub. Den jroeiten «etru«brief befaß bie
gattfle abenblänbifße JHrße nißt im Kanon; Dertullian, Eßprian unb
noß fpä ere 9tfrifaner ßaben ißn nißt gefannt, auß non 3renäu« ift e«
nißt naßroei«bar. Dagegen nermutfiet ffoßu eine rooßlrooDenbe «erüß.

ülntroort barauf beigefügt, «btlig aber fcßlten bie 9lpofaIßpfe unb bie
fatßolifßen «riefe.

Somit mar ba« 91 D. ber einjelnen Kirßen ein feßr beträßttiß Oer»
fßiebene«. Dettnoß überroog ein eiferner «eftanb überall gteißer ©ßriften.
IS« roaren bie Bier Soangelien, bie 13 9Jaulu«briefe unb bie 9lpoftel-
gefßißte, abgefeßen Bon ber fßrifßen Kirße aber auß ber erfte «rief be«
93etru«, ber erfte be« ^opontm»/ ber 3uba«brief unb Bor allem bicDIpo«
falßpfe. Daneben galten in ben einjelnen Kirßen noß anbere ©ßriften
al« folße 91 2.; bie roeiteften Gfrenäen ßatte man in Dtleranbrien ge-
jogen, roo ber «arnaba«. unb E(emen«brief, bie 9lpoftctleßrc unb bie
'tlpofalßpfc be« 9Jctru« tßeilroeife fclbft oßne beutliße tflbgrenjung mit
beut 91 2. Berbunben rourben. 3n ber ganzen Kirße aber ßerrfßte bie
lleber^cugiiug, „baß ba« 9t. 2. feit unBorbenflißen Reiten ber Kirße ben
Dienft leifte, roelßen e« jpn ißrer Sfeit leiftete". „Unmittelbar an bie
teile ber . . münblißen «rebigt ber 9Ipoftel foH ba« gefßriebene Bier«

fißtigung beffelben im E. 9Jfur., roo er ben 2ert ergansenb etroa su lefen j faltige ©oangelium getreten fein." Dicje 2ßatfaße al« folße mar un»

borfßlägt: „Unb Bon «etru« reeipiren roir nur [einen «rief; e§ gibt I beftritten. 9lber überßaupt „al« ein au« ber Urjcit be« Eßriftentßum«

auß noß einen $roeitenl, roelßen manße Bon ben Unferigen nißt tu ber ! überlieferte« Erbtßeil" betraßtete bie Kirßc ißr 91 2.

Sirße norgelefen ßaben roollen". Elemen« ßat naß Eufebiu« alle fatßo« i 2ie jtroeite Hälfte be« oorliegenben «anbe« foll bie Unterfußung

lifßen «riefe, aljo auß ißn fommentirt, aber bie Drennung ootn erften
«rief geigt bie noß unflarc ©tellung be« ^weiten «rief« ^um 9t. 2. auß
in 9Ueranbrien. Dagegen mar ber 3uba«brief in ber ganjen Sirße re«

bringen, mit toelßem fHeßt bie Sirße ba« tßat. 9lber fßon jeßt barf
Uaßn auf ba« ESeroißt beffen ßinroeifen, baß fie e« tßat. Denn fie maßt
bie Entfteßung eine« Kanon« al« eine« meßr ober roeniger abgefßloffenen

eipirt, gibt e« barüber bei feiner Sürje auß nur gelegentliße 92aßrißt. i Sreife« gotte«bienftlißer «orlefebüßcr um 170 unmögliß. 98o man bie

Den f>fobu«bricf aber ßatte ba« gan^e vlbenblanb bamal« unb noß lange i (Sntfteßung be« Kanon« erft um biefe ffeit beßauptet, Berfteßt man in ber

ßernaß nißt in feinem 9t. 2. Der E. 9Jtur., Sreuäu« (ber ißn gefannt i ^gel etroa« ganj anbere« barunter, nämliß bie «räbicirung ber firß«

ju ßaben fßeint), .fjippolßtu«, 2ertuHian, ja noß Eßprian erroäßneu unb | ließen «orlefebüßer au einer Sammlung apoftolifßer ©ßriften, bie al«

citiren ißn nißt, er ift nißt jufammen mit ben übrigen ©ßriften be« I ß- ^erte für infpirirt unb maßgebenb galten (fo j. «. .fjarnaß'« „Seßr-

9t. 2 in« Sateinifße überfeßt tnorben. 3m Orient jeboß muß er un« j büß ber Dogmengefßißte". 2. 9lu«g. ©. 304 f.). 9tun unterfßäßt aüer«

bebingte 9lncrfennnng befeffen ßaben, ba Drigene« nirgenb« «ebenfen ! bing« m. E. |}aßn bie bogmengefßißtliße «ebeutung ber beftimmten

gegen feine Sauonicität anbeutet. ■ tetfenntiüß, an biefer Sammlung bon ©ßriften bie Bermöge ißrer 2ßeo«

8u ben Borjüglißften Dßeilen be« SBerfe« geßört bie Darlegung über : pneuftie irrtßum«lofe Autorität in entfßeibenbent, ja au«fßließlißem ©inn

bie ©ßriften, roelße bamal« jum Kanon jäßtenb ßernaß au«gefßloffcn i jn befißen; benn roarb gleiß bie« nie firßlißc« Dogma im engeren Sinne,

rourben, befonber« bie über ben .flirten be« fjerma«. Diefer erfreute fiß
in Ülleranbrien firßlißer «orlefung gleiß ben ftlpofteln. Ebenfo galt er
im vlbenblanb ju 9tu«gang be« 2. Qlaßrßunbert« al« «cftanbtßeil ber
«ibel. .fjier ober roarb er burß «efßlüffc Bon «erfammlungen 2n5—220,
nämliß naß Dertullian'« Drennung Bon ber Kirße unb Bor feiner Sßrift
De pudicitia, auß in ber fatßolifßen Kirße oom Kanon au«gefßloffen,
wenn fßon nißt mit bem gleißen «erbammung«urtßeil roie bei ben
9Jtontaniften. 3n bie 9tebengotle«bienfte geroiefen, bleibt er ßier boß

o mußte boß ba« flare «eroußtfein um eine folße Autorität unb ba«
ftrenge Eebunbenfein an fie für bie bogmengefßißtliße Entroidelung Bon
ßößfter SJSißtigfeit Werben. Die ganje SJJeife, roie au« ber ©ßrift gegen
©nofi« unb 9Jtontani«mu« argumentirt Wirb, ift ein 3e"8mB ßierfür.
ftlber unjroeifelßaft ßat >Jaßn barin reßt, baß bie 9Iu«ftatrung biefer
©ßriften mit beftimmten, ber «eurtßeilung be« 91. 2. entnommenen
«räbifaten in feiner SJJeife auf gteißer SJinie mit ber Dßatfaße fteßt, baß
biefe ©ßriften burß bie ißnen in Bällig gleißer SJJeife mit bem 91. 2.

noß lange non Slnfeßcn unb Einfluß. Der «arnaba«brief fßeint nur I au«fßließliß eingeräumte regelmäßige gotte«bienftliße «erlefung faftifß
in ber aleranbrinifßcn Kirße al« biblifße ©ßrift Eingang gefunben ju I foorbinirt waren nnb fie al« bie juBerläffigen beugen Bon ber Offen

ßaben, roäßrenb ben ftet« miteinanber Bcrbunbcnen EIemen«briefen nur
ba« Slbenblanb firßliße «efung Berfagte. Die vlpoftetleßre, in 9llejan-
bnen auß a\$ ß. ©ßrift geeßrt, wirb nur in ©onbernerfammlungen ge>
lefen roorben fein.

«on ßeroorragenbem Qntereffe ift anß ba« in gefonberter «eßanb-
lung über ba« Deftament ber fßrifßen Kirße «orgetragene. Die Unter»
fußmig über Dation („fyorfßungen" I) roirb ßier Berroertßet, feftcr be«
grünbet, forrigirt unb Weitcrgcfüßrt. Die Kompofition be« Diateffaron
ßat tnjroifßen eine feftere ©runblage geroonnen burß bie 9lu«gabe ber
auf ißm berußenben arabifßen Eoangelienßarmonie burß ben Sluguftiner

barung in Eßrifto unb «ermittler be« reßten «erftänbniffe« berfelben
bereit« in SJJirflißfeit Elauben unb Seben ber Kirße beftimmten. Ebenfo
unbebingt muß iß (Bgl. fßon meine «emerfungen in Dßomafiu«' „Dog-
mengefßißte" 2. 9lu«g. I, 100) feinem SJroteft gegen bie vlnnaßme einer
.ßjerftellung be« neuteftamentlißen Kanon« burß bewußte Slftion ber
Kirße um 160 ober 170 unb bie bamit notßroenbig Bcrbunbene Siecenfion
be« Derte« ber in ben Kanon reeipirten «üßer beiftimmen. SJJiberfprißt
bem leiteten fßon bie tßatfäßliße Ungleißßeit be« neuteftamentlißen
Derte« um 200, fo ift ba« ®auie auß Wie gefßißtliß unbcieugt, fo ju-
gleiß an fiß unoorfteUbar. Die fßarfe fjormulirung be« Dilemma«
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