Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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iBerßältniß beziehen; et gibt bie Orientirungdpunfte für SRerfaffer unb
Sefer an. Sleßrmann fteht imit Boller Entfcßiebenljeit auf bem ©taub«
punftibed biblifcßen Eßriftenthumd. SBied, oerbnnben mit Sllarfjeit ber
^roblemftellung unb einfacher ©ebanfenentwicfetung, gibt bem Sefer bad
©efütjt ber Sicherheit: man fann fid) biefem SDcanne getroft anoertrauen.
SBir glauben, baff bad S3ucß in benjlfjänben ernftlicß fucßenber fBrimaner
großen ©egen bringen fann, weit ed eben bad bringt, wad man fo oft
Mergeblicß auf ben ©eleßrtenfcßulen fucßt: eine 3neindfcßau oon ©riecßen»
tf)um unb Ehriftenthum, nicht in ber gorm bürrer 21bftraftion unb un»
Berbaulicßer SRegeln, fonbern am Sebenbigen, an fonfreten fjäüen. Ed
finb zehn SBorträge. SBie brei erften finb biblifdpapologctifcßen 3nhaltd
unb fombiniren bie fRefultate tbeotogifcber, flaffifcß-pßilologifcher unb
naturmiffettfcßaftlicßer gorfcßung in gewiffenßafter Abwägung ber beredj»
tigten Anfprüche jebed ®ebieted. „SBad IKätßfel ber Schöpfung"
roirb juerft oorgelegt unb gelöft. SBer bie ßier angeregten ©ebanfen»
reißen Weiter tierfotgen min, ber taffe fid) SBriimmonb, „SBad SRaturgefeß
in ber ©eiftedwclt", empfohlen fein. 23efonberd wad bie „Etttftehung
bed Sehend" betrifft, wirb man ba ungeahnte Stiefe erfcßloffen finben.
Sluf ©. 24 brücft fid) SJBehrmann in 23ezug auf bad „Eiweiß" mißöer»
ftänblid) aud: ©weiß in bem bort jutreffenben ©inne fann natürlich
nicßt nur Born $uf)ne probucirt werben. SBer SSortrag über „SBad
SBarabied unb bad golbene Zeitalter" :ift fehr zeitgemäß. SBie
Miele finb burd) fritiflofe Qournaüeftüre faft unoermerft baßin gelangt,
bie Entwidmung ber ffJeenfdjßeit aud einer urfprünglicßen thierifcßen fRoh*
ßeit für bewiefen unb felbfioerftänblid) anzunehmen. Unb boif) ift ber
©tanb ber Sache ein weit anberer. ©einen Rwecf, einem größeren
Sflublifum hierüber bie 2lugen ju öffnen, würDe ber iBerf. Mietleicht noch
fidlerer erreichen, wenn er feine ©äße über bie iöorzüge ber urfprüng»
lidjen ifleligion unb ber urfprünglichen Sprache gegenüber fpäterer SBege»
neration burd) fonfrete SBeifpiele erläutert hätte, wie fie z- 93. SRaj
ajtüüer'd „Effapd" barbieten. SBie gelegentliche ISergleicßiinq oon ©chilier
unb ©oerbe (S. 48), wo bed leßteren „©elbftgerechtigfeit" (in ber Söfuug
bed gauftproblemd) ber ©ehnfucßt ©rbitter'd nach bem Qbeal gegenüber»
geftefit wirb, ift nicht gerecht, SBiefe Seßnfucßt fehlte ©oetße feinedwegd.
©elbftgerechtigfeit ift im ganzen Biel mehr ber ©cbiller'fchen Süelt»
anfchauung eigen nid ber ©oetße'fcßen. Unb wad ben Sauft angeht, fo
ift ber äBertf), ber hier auf bie SEßätigfeit für anbere gelegt wirb, etwad
ganz anbered ald pharifäifche Alertem unb ©elbftbefpiegelung, wenn
freilich aud) bad djriftliche fRioeau nidjt erreicht wirb. 2luct) in bem
Knäuel oon gragen unb äJtjpotrjefcn über bie „©ünbflut" bewährt fid)
ber S3erf. ald fnnbiger SBegweifer. Aud) hier wirb mandier, ber fid)
mit einer abgeriffenen STteinung begnügt hotte ober acßfelzuctenb an bem
®egenftanbe Borüberzugeßen gewöhnt war, mit einem gemiffen Erftaunen

Rwecf entfpreche. SBie S3orträge über „®ried)ifd)e TOptbologie unb
cßriftlicbe SBilbung" unb über „bie griecßifcßen iTJtßfterien" finb
befonberd lefendwerth Wegen ber feinen unb überzcugenben SBarfteUung
ber pofitioen ^Beziehungen jwifchen Antif-Klaffifcßem unb Eßriftlicßem.
SBiefe unb bie beiben folgenben über „bie Kraniche bed Qbifud" unb
ben „Eßnifer SBiogened" bilben ben Kern ber Sammlung unb finb
bie beften ©pecimina Bon ber befonberen ®abe bed SSetf. Auf fie be»
Ziehen fid) untere einleitenben 93emerfungen in erfter Pinie. SBen @d)luß
madit eine 93efpredjung Bon „©cßiller'ä greißeitdibea 1". £>ier fommt
bed Aerf. fonftige SSorliebe für Schiller an ifjre ©renze. Er mißt ben
lichter zu unoermittelt an ben SRaßftäben bed ©tahl'fcheu KonferBatid»
mud. SBaß Schiller, wenn er nicht „befertirt" märe, bocß ber große
SBidfler geworben märe, ift leichter zu behaupten ald zu wiberlegen.
SBod) gilt für bad ®egentt)eil baffelbe! SRöm. 13, 1 wirb wie jebed
■Prinzip einen begrenzten ®eltungäbereid) haben. SBad ä3erb,ältniß
Bon griednfd) * pßilofopbifcßer unb djriftlidjer Sldfefe ift Seite 189 nicht
mit ber nötßigen unb möglichen Sicherheit angegeben. SBad Sbeal
bed bebürfnißlofen, Bom Sinnlichen fid) befreienben SBeifen, Welcher in
ber SBetracbtung feiner felbft unb ber SÖJelt ®lüdfeligfeit finbet, ift burcp
bie Sllejanbriner ein fDcoment im d)riftlidjen 9ldfetenthum geworben (ogl.
4)arnacf, „®ad 30cönd)thum, feine ^beale unb feine ®efchid)te", ©. 21 f.).
(Id ift fd)on bedhalb in biefer Allgemeinheit feinedwegd richtig, baß bie
„chriftlidien Adfeten nach einem jenfeitd (iegenben fjiel" unb nicht nad)
®lücffeligfeit in biefem ßeben ftrebten. ®er Unterfchieb ift anberdmo zu
fudjen ald in ber Kategorie ber SSieffeitigfeit unb Senfeitigfeit.

®üftrom. it). muhelmi.

tlcucfle tljctJlofjirttjt fitiratur.

^Sbilofopfife. Bruno, Giordano, Opere italiane, ristampate da
Paolo de Lagarde. Vol. II. Göttingen, Dieterich's Sort. (S.4ul—800
Lex-8). 12^1. Reicke, R, Lose Blätter aus Kants Naculass. l.Hft.
Königsberg, Beyer (III, 302 S. gr. 8). (i Ji. t Grassrnann, sem.-
Prüfekt Frz. L., Die Schöpfungslehre des h. Augustinus u. Darwins.
Gekrönte Preisschrift. Regensburg, Verlags-Anstalt (VIII, 143 S.
gr. 8). 1. 80.

•Sehr. Sprache. Cassel, Dr. Dav., Kurze hebräische Grammatik
m. Paradigmen der Substantiva u. Verba. |Aus: „Hebr.-doutsches
Wörterbuch".] Breslau, Handel (47 S. Lex.-8). 80sj. Ders., Hebräisch-
deutsches Wörterbuch, nebst kurzer hebr. Grammatik m. Paradigmen
der Substantiva u. Verba. 4. Aufl. Ebd. (IV, 31.0 u. Anh. 47 S. Lex.-8).
4 Jt. Strack, Prof. Dr. H. L„ Paradigmen zur I ebräischen Gram-
matik. 2. Aufl. Berlin, Reuther (IV, 22 S. 8). 30 4.

Slftteft (Sregefe. Wolf, naoptpaat. Uo. D. R., Die siebzig Wochen
Daniels. Eine kritisch-exeget. Studie. lnaug.-Diss. Leipzig, Hinrichs

bemerfen, eine wie breite ®runblage bie ®lanbwürbigfeit bed biblifcßen j (III, 103 S. gr. 8). 1. 50.

glutbericbtd in ben Ueberlieferungen ber SSölfer unb ben Spatfadicn ber Äirchennefd)ichte. Voigt, Dr. F., Die Klosterpolitik der salischen

fRaturmiffenfdjaft hat. Sie beiläufige Audeinanberfeßung über bie „fd)ärffte ^.aiset>r .u- Könige m. bes Berücksicht Heinrichs IV. bis zum J. 1077.

Kritif" an ben l,iftorifd,en S3erid,ten ber §. Schrift ermangelt inbeß ber Em Beltra8 zur «e^hichte der Reichsabteien. Leipzig, bock (79 S.
burdjfchlagenben Klarheit unb 33eftimmtheit. ®d wirb meber bie llnab»

hängigfeit bed ®laubend Bon bem Sludfatl foldjer Kritif, nod) bad biegen
theil, bie Abhängigfeit ber Kritif oon bem fo ober fo ®eglaubteu, bentlid)
audgefprochen. 5)ie SBorte Bon f?. Selißfd), bie ber 83erf. 111 einer An-
merfung ald 23efd)reibung feined Stanbpunfted citirt, lauten weit be-
ftimmter. ®ie hier betonte Ehrerbietung unb bad iöemußtfein ber fpeci»
ßfdjen fittlidhen SSerantwortIid)feit bei ber fritifd)en Unterfudjung ift etwad
ganz anbered, ald wad ber SPerf. gegen ben SSormurf bed „bumpfen Köl)(er>
glaubend" in Schuß nimmt, unb wad auch wir nicht fo nennen würben,
weil ber SSegriff „Köhlerglaube" nicht barauf paßt (über bie iöebeutung
biefed SBegrip ogl. £afe „«iolemif", 1862, ©.200). Allein fofl bie

gr. 81. 1.50.

üogmcngefchtchte. t©d)ueiber, Dr.IE.SR., Sad apoftolifche ^ahr»
pitnbert, ald ®runblage ber ®ogmengcfd)id)te bargeftellt. 1. Vlbtl)- L8U'
faßheft Z" ,-®t- Xhowadblättcr" I. 3aprg.] fHegendbnrg, «erlagd»Anftalt
(208 ©. gr. 8). 2.40.

fSoiniletif. Ükebigten, Söödjentliche. fReb. u. $>rdg.: mt. ipmgoub.
2. ffahrg. 1889, 52 9?rn. S3. gr. 8). St. ißeterdburg, Eggcrd & Eo.
in Eomm. 7 Jt, Kögel, DberijoL u. Xomprrt.. d. SR., Strebt« ub. SRöm.15,7
am 2. Siboentöfonntag 1888, bem 25jät)r. ®ebenftage b. Antrtttd feiner
A3irffamfeit am ®om. iöerlin, «ud)h. ber »Berliner Stabtmiffion (14 S.
gr. 8). 25 Kretfd)mar, D.=(£oitf.=)h. O.=pofpteb. f»ieii.=Siip. ftelir, fReu<
laljrdqrüße aud ®otted AJort. ©hlBefteranfpradje unb sJ(eujal)rdprebigt,
geh. in ber h«o°aL ©ebloßfirche z" ®°")a 6eini Sahredwechfel 1889.

ffrage „©efeßichte ober Sage?" eine nießt blod rhetorifd)e, fonbern eine I ®otl)a, g. A. iflertljed (23 ©. gr. 8). 30^.

Wiffenfchaftliche ®emiffendfrage fein, fo barf man bie Anficht, nad) welcher ■ 2Scrmifd)ted. Schwalb, *wb. d. TOorAtenfchenBerehruiig_unb

bied feine grage ift, nidjt rebenb einführen unter ber Eenfur „mit fRed)t",
fonbern ed wirb heißen müffen „mit Unrecht". ®ad heißt: bei aller
fubjeftiBen S3ered)tigung, ©utgläubigfeit, ©rffärlid)feit ift eine folcße

fDcenfchenBergöttcrung. SBortrag. fleipzig, D. Söiganb (38 3. gr. 8). 75/^
t SRünzenberger, E. g. 21., Afrifa u. ber äRohammebaniömuö. granf»
furt a,9R., göffe'r 9cad)f. (69 ©. gr. 8). 75 4.

teitfebriften. (Beitfdrrift für hird)l. U)i|Tenfd)aft u. ktrdjL Ctben. 1889,

Steflnng zur ©aeße objeftiB nidjt berechtigt, ja für ben ®lauben unter j 1. «peft: D. fförfier, SDie biblifcße Üiteratnr bed g. 1888. A. Alted (Eefta

Umftönben lebensgefährlich. ©0 wirb man urtßeitcn, wenn man mirflid)
auf ®elißfd)' Stanbpunft fteßt. (Auf ©. 55 ßat fid) bie unterfte Beile an
ben oberften 23laß Berirrt.) SBer Vortrag über „®otted ginger in
ber 2Beltgefd)id)te" ßat und nidjt fo gang befriebigt. SBie an» .

fangd nielBerfprcdjenben Erörterungen laufen balb in eine Kritif ber I 9mAt bee «laubtne. ^^"•O. Addltt,J>vt neuefte fßßafe ber

ment. 21. SRefcß, SBer OueUenberid)t über bie dvdXrfyK bed $errn.
g. ®runbt, Buther'd SJerßältniß zur Sinlgata. E. ilutßarbt, Aud
SJ. Eßr. K. qjofmann'd SBorlefung über SBogmatif. 3- •fjaußleiter,
Putßer'd angeblicher SRatß, bie ®egner zur ©ünbe zu reigen jDtr

SBeßanblung aud, weldje fRanfe ber ifraelitifcßen unb ber Urgefcßichte bed
Eßriftentßumd zutßeil werben läßt, unb bie oßne Einfcßränfung ald
„rationaliftifdje" cenfirt wirb. Unb boeß feßeinen bie Abweichungen
ZWifcßen bem 93erf. unb bem großen epiftorifer Weit nteßr metßobifcher
ald fachlicher iRatur. äRetßobifch aber ßat bad ©icß»SBefcßeiben bed
.^iftoriferd auf nachweisbare menjdjlicße 3Rotioe unb SEriebfräfte h"ßen
AJertß. 2Bir möchten ed nidjt wieber für gefchidjtdphilofophifcßed SRai

beftruftioen «ibelfritif mit bef. SRiicfficßt auf fR. ©tecf'd „©alaterbrief"
betrachtet. 0. Anbreä, SBad 23ucß SBaniel unb bie affpriologifcße gor-
feßung: 3. SBariud ber TOeber. 23auerfeinb, SBad apoftolifcße ©laubend-
befenntniß u. feine Entftehung. — tlatßanatl. Reitfcßrift für bie 2(rbeit
ber eo. Kircße an 3ftoeI. 5.Öaßrg. Lfteft: ,fj. Scßmibt-iBredlau, SBer
aRonotßeidmud bed 3ubentßumd unb ber trinitarifeße ©ottedbegriff ber
Eßriften. E.Sattler, ÜRaterialien für ben Unterricht jübifeßer Kate»
chumenen: Bur Beßre 3efu: SBad rechte SJerßalten ber Eßriftenßeit gegen

fonnement chriftlicßer ober antichriftlicßer gärbung eiutaufeßen. 3n bem Sfrael (nad) g. <q. An ad er). - Platter für ^mnologie. 1889, fRr. l:

folgenben Stücf, „ber SJertß bed menfcblirßen Bebend", wirb nießt -'"i*1"11""; ^a*'r?ß Ji/en llu^Z " (t,b,t.^" J?'''

uuterfujt weichen ^J*~^**><" **k Vf.* l& 1"^"«

Unterfcßtebe Bon - unb oßne bie übrigen ©üter habe (ogl. Sßanteniud, StelIlIn() s^ps .„ bem C0H Kircßenliebe. - 3ia..a jftlonat»-

„SBad ©ute an |tcß', „SBaßeim" 1887/88), fonbern wad bem menfdp für fTiturgie u. füirdjcnmufik. 3ebruar: 9R. ^erolb, SBie

ließen Beben feinen SBertß oerleiße, b. ß. in welcßem galle cd feinem j ber SRebengottedbienfte in 93aßern. ©ebanfen u. SBemerfungen. Kircßen»
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