Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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nach Düringen unb ©adjfen Iiineirt zur golge hatte, weil SRartin bon
«racara in einem ©ebicfjt auf ©t. SRartin Bon Xourg fagt: Alamannus,
Saxo, Toringus . . te duce nosse deum gaudent. Xer S3erf. beftreitet
meine Xeutung jener ©teile; benn fie forbere nad) ißrem SIBortlaut eine
„perfönlidje Xßätigfeit beg ß- SRartin". @r tniH begmegen lieber ben
tj. SRartin „alg Seiter ber djriftlicßen SRiffion unter jenen «ölfern
felbft" anfeßen. ©r fdjeint babei aber ntdgt nur bie djronologifdjen
©djroierigfeiten zu überfeßen, fonbern befonberg bie perfönlidje «e»
Ziehung, in meldjer ber ©cßußheilige ju ben ißm gemeißten Kird)en ge«
badjt mürbe.

Rabern. _ <&■ jBojjert.

3iinmer, §einr. SB. 33., 3obann ®corg Bimmer unb bie SRomantifcr.
©in «eitrag 8ur ©efdjidjte ber SRomantif nebft bigßer ungebrudten
«riefen Bon Slrnim,«ödlj,«rentano,©örreg, SRarßeinefe, gr. R-ertßeg,
g. ©. ©aoignu, «rüber ©djlegel, 2. Xied, be SBette u. vi. SRit
3. ©. Bimmer'g «ilbniß. granffurt a. SR. 1888, £eßber & Bimmer
(VIII, 383 ©. gr. 8). 3 SRf.
Q. ©. Bimmer rourbe 1777 bei Hornburg Bor ber .flöße geboren,
lernte bie «udjßanblung bei «ertßeg in Hamburg, ließ fid) als1 «ud)-
ßänbler in Jpeibelberg in «erbinbung mit SRoßr nieber, tarn burd) feinen
«erlag befonberg mit ben SRomantiferu in «erbinbung, cntfdjloß fid)
aber bann 1811 plö6lia) Xßeolog unb «farrer zu tnerben, naßm,
obwol frßon ein oerfjeiratfjetcr SRauit mit gamilie, Satein :c. Bor unb
ftubirte, nadjbem er bie ©ßmnafialoorbereitung abfoloirt blatte, Xßeo»
logie unb mürbe «farrer, julefet in grantfurt a. SR., roo er nad) fegeng»
reidjer paftoraler SUirtfamteit, and) burd) .fterauggabe Bon «rebigten IC,
1853 Biel betrauert ftarb. SRuß fd)on biefer äußere Sebenggang bag
gntereffe an biejem Bortrefjlidjen SRann unb frommen ©ßriften erroeden
fo finb eg nod) metjr bie zahlreichen «erbinbuugen unb «ezießungen, in
benen er ju einer Reiße ber intereffanteften unb bebeutenbften SRänner
ang ben Bcrfdjiebenften ©ebieten, befonberg ber beutfdjen Siteratur, unb
jioar Bornct)mlid) ber ©d)ule ber SRomantifer ftanb. «on allen biefen
— ber Xitel nennt eine SReilje berfetben — finb hier forool turje «io«
grapßien gegeben alg aud) «riefe mitgetljeilt. SBir haben bieg alleg mit
lebhafter Slntßeilnahme gelefen. SßJir tnerben lebhaft in bag geiftige
Stegen, Beben unb ifiäeben in ben erften Sagren unb gaßrzeßnten unfereg
Igaßrljunbertg Berfegt. ©in neuer fjaua) ging burd) bie ebleren ©eifter
unfereg «olfeg. SRan feßrte ju ben Quellen unfereg nationalen Sebeug
in ©pradjc, ©djrift, «oefie, Siedjt, ©efdjicßte 2C. unb ju ben Quellen beg
«olfglebeng überhaupt 8uriid, ©g finb ebelfte Ramen, bie ung gier be»
gegnen, in ben Sldjim B. Slrnim, ©lemeng unb «ettina «rentano, ben
«riibcrn ©rimm, ©aBignß :c. Xie fpäteren SBege mand)er Bon ihnen
finb anbere gemorben, auf benen mir ignen nicht oßne meitereg folgen
rönnen. ftier erfdjeinen fie ung in erfter jugenblidjer Strebfamfeit unb
Unbefangenheit. SRit Suft lieft man ihre «riefe unb ihre Sleußerungen,
in benen .jjumor, SBiß, ©emüth, ernfter ©inn unb grßmmigleit fid)
miteinanber oerbinben. ©g ift eine Sugenbjeit unfereg «olfeg geroefen,
ber SRutterfcßog beg ©eifteg, ber fid) bann in ernften Xagen beg Sfampfeg
um bie greiheit unb ©rneuerung unfereg «olfeg zu bewähren hotte.
Unb noch genießen wir bie grüd)te feiner Slrbeit. Xie Stomantifer finb
jwar gegenwärtig Biel Bergeffen nnb mißachtet. Slber wol mit Unrecht,
«or allem möchten wir unfere Sugenb ju biefer Sugenb'eit unfereg
nationalen ©eifteglebcng jurüefrufen. ©« würbe unferer Sugenb nid)tg
fd)aben, mit ben Siomantifern in ber „monbbeglänäten Baubernacht, bie
ben ©inn gefangen l)ä(t", 5U fd)wärmen, in biefer Seit ber einteiligen
§errfd)aft ber realen Sntereffen, wie man eg nennt. Sugenb muß
fchwärmen, wenigfteng beutfd)e Sugenb; benn nicht umfonft haben wir
biefeg beutfd)e SBort, weld)eg anbere «ölfer, j. «. bie granjofen ent-
behren. Unb fo laben wir fie beim ein, in ben reichen «ilberfaal, ber
in btefem «ud)e fid) ihr erfefdießr, einzutreten unb in bie mannidjfaltigen
«Über, bie fid) bem Singe barbieten, fid) ju öerfenfen. Xem «erf. aber
bauten wir für biefe ©abe unb wünfegen ihm aud) ben Sohn für feine
SIrbcit. ©g ift berfelbe, ber bie brei «änbe „Sutber alg beutfdjer
filaffifcr" Ijerauggegeben unb fid) bamit ein «erbienft um «olf unb
tpaug erworben hat. ®enn wenn wir ©oethe unb ©d)iller in uuferen
.■paugbibliothefen t>abenr fo gehört aud) Suther in biefelben. Unb bie
Siugwaht, weldje Bimmer in jener ©ammlung getroffen, ift Bortreffltd)
geeignet Suther alg Jllaffifer unfereg «olfeg erfennen jn laffen unb fid)
an ihm ju erfreuen. Unb fo fei benn aud) auf biefe frühere literarifche
Arbeit Bimmer'g tjiev Bon neuem aufmerffam gemacht unb fie befteng
empfohlen. __ c-

«rie«, SR. (-paftor in Satow 6. WaMjoio i. sät.), Slug ben «apieren eineg
Sanbgeiftlichen. Slphorigmen aug Webitation, Beben unb Slmt.
Sfilaren i. 3R. 1888, Jfaibel'g 9cad)f. (1'6 ©• 8)-
©d ift ein SBagniß, Slphorigmen alg ©rftltnggfd)rift heraugjugeben.
©oU bie Seferwelt föfuth befommen, fid) ber Seftüre beg ©eßärffelg ju
unterziehen, fo muß fie ben «erf. unb feine eigentümliche ©ebanfen-
wclt fdjon fennen. Xann finb ©rfolge möglich, wie fie SR. SRotpe'g
„©tifle ©tunben" gehabt haben. Ober eg empfiehlt fia), Slphorigmen
im Bnfammenhang eineg größeren, nicht aphoriftifchen Sffierfeg z" «er«

öffentlichen. ©. Slierfegaarb'g Xiapfalmata in „©ntweber — Ober" bieten
ein lefjrreicbeg «eifpiel baoon, wie wirffam gefchidt unb zwedmäßig ein-
gereihte Slphorigmen fein fönnen. Sluf alle berartigen «ortheile hat ber
«erf. verzichtet. @r gibt feine lofen ©ebanfen, wie fie ihm gefommen
finb, unb hofft tn Berwanbten ©eelen mitflingenbe ©aiten zu treffen-
583ir benfen nicht, baß er fid) getäufdJt hat, wenn Wir aud) wünfdjen
möchten, baß er feine ©ebanfen in einer gorm gegeben hätte, Welche
eine breitere SBirfung ermöglichte. Slphorigmen gleichen Sjlatjpatronen,
in benen bag «ulner oerfdfoffen wirb, welcheg beftimmt war, mächtige
©efdjoffe mit ©ewalt ing Biel zu fchleubern. Xer große einbringenbe
©ruft beg «erf., fein SReidjthBm an ©ebanfen, bie Slnfd)aulid)feit feiner
Xarftettung, bie «erbinbung Bon forgfältiger «eobadttung beg Einzelnen
mit weiter Umfd)au befähigen ihn, größere Slufgaben zu löfen. Unb
gerabe ber ©rnft wirb auf bie Xauer nur in emfttjafter Qrbnung ber
©ebanfen «efriebigung finben. ©r wirb bag Bufäüige, ©pielenbe, Un«
motiBirte ber aphoriftifchen Xarftetlung abwerfen. Xenn zu ©tüdwerf
finb wir freilich berurtheilt. aber nicht zu «ruchftüden. Xag große
©anze, Bon welchem bie Slphorigmen Splitter finb, muß aud) zur ©r-
fdjeinung fommen. 933ir beobachten gern, baß in ben ©ebanfen beg
«erf. ein SRingen nad) bem ©anzen unb Bufammenl)ängenbeu fid)
fpiegelt. Xie zugefpißte, epigrammatifd)e gorm, weldje bie ftrenge
Sfunfiform beg Slphoridma ift, genügt ihm in Bielen gäUen nid)t. Sin
ihre ©teile treten Slüegorie, ®leid)nißbid)tung unb -augmalung, um-
fänglichere SReflejion, ©lüde, weldje wie «rebigttheile audfehen. Slug
biefer ©rfdjeinuug entnehmen wir bie Hoffnung, ber «erf. werbe fid)
auf etwag ©anzeg foncentriren. ©inftweilen aber nehmen mir bie bar-
gebotene ©übe mit Xanf alg Singelb entgegen. Xag ©oangelium hat
eg auf d)riftlid)e «erfönlid)feiten abgefehen. Xarum ift eg ftetg ©ewinn,
eine SnbiBibualität fennen zu lernen, in Welcher bag ©Bangelium an ber
Slrbeit ift unb wol }d)on ein guteg ©tüd feiner Slrbeit gethan hat. Xie
„«apiere beg Sanbgeiftlichen" finb ein neuer «eweig bafür, wie große
Xienfte Xobiag «ed feinen @d)ütern in biefer SRichtung geteiftet hat.
«on ihm fdjreibt fid) aud) beg «erf. grünblid)e «ertiefung in bie
§. ©djrift h«, hei ber er fid) frei zu halten weiß Bon einem rabifalen
«iblicigmug, wie feine bcherzigengmertljen Slcußerungen über bie ©um«
hole (befonberg ©. 157 f.) zeigen, lieber bag Einzelne zu rechten, würbe
ZU nichtg führen. Seber mad)t fid) wol feine gragezeid)en am SRanbe,
etwa bei ben ©rforberniffen zu einem „orbentlid)en" «rofeffor ber Xheo-
logie (©. 41) ober bei ber SRethobe, ben Born burd) 9iicberfd)reiben Ber«
raudjen zu laffen (S. 115). Slud) Wo man miberfpridit, ift man angeregt
unb geförbert. Qn einem unbefdjäftigten Slugenblid greift man gern
wieber zu bem «üd)(ein unb nimmt einen ©ebanfen mit, ber einen auf
bem Spaziergang . befdjäftigt ober an ein ßranfenbett begleitet, ©g ift
eine anfprurbglofe, aber gehaltreiche 331eihnad)tggabe.

©üftrow. _ ft). TOÜlhelmi.

SBSarnecf D. ©. epoftor ju stotbenfcbirmbcid)), äRifftoitgftunbcn. 1. «b.: Xie
SRiffion im Sichte ber «ibet. 3. Berm. Slufl. ©ütergloff 1888,
«ertelgmann (XVI, 324 ©. gr. 8). 4. 20.

Xiefeg «ud), bag nunmehr fd)on zum britten mal feinen SBeg alg
SRiffiongprebiger antritt, bebarf faum nod) einer befonberen Empfehlung.
SKer eine SReibe Bon SRiffiongprebigten gehört hat, ber wirb oft Slnflänge
an ben Qnhalt biefer SRiffiongftunben Bernommen haben. SBir fönnen
ung über ihre «erbreitung nur freuen. Slud) in biefer Sluflage ift ber
Snljalt wefentlid) berfelbe geblieben; nur werft man an ben zahlreichen
eingeftreuten ftatifttfd)en SRotizen, baß ber fortgefeßrittenen Qtit Bon ber
funbigen $anb beg «erf. SRedmung getragen ift. ©ine ,,«aulinifd)e
SRiffiongftunbe" ift neu hinzugefügt. Qe meßr bag SRiffiongmerf unferer
Xage in ©efaßr ift, fid) zu Beränßerlidjen, inbem aUerljanb bem innerften
SlBcfen ber SRiffion fern liegenbe ©efidjtgpunfte, wie Kolonialpotitif,
beutfeher «atriotigmug je, geltenb gemacht werben, um fo meßr tßut eg
notß, baß fid) befonberg bie, welchen bie «flege beg SRiffiongfinneg in
ber .jjeimat obliegt, in ©otteg STßort vertiefen, wo allein bie rechten
«Bürzeln ber Sütiffiongfroft gefunben werben. Xazu bietet bieg «ud) eine
treffliche Slnleitung. Rur fotlte man (wie eg bei manchen SRiffiong»
prebigten zu gefa)ehen fdjeint) ben ©ebraud) nid)t barauf befdjränfen,
bag gefd)id)tlid)e «eiwerf, einzelne SRiffionganefboten u. bgl. aug bem«
felbcn zu nehmen unb mit oft nid)t BöUig wahrer Slugfdjmüdung Vor-
zutragen. Seber gewiffenhafte flfeftrebner, ber bie ©emeinbe erbauen unb
ZU ber treuen SRitarbeit auf einem befonberen SRiffionggebiete anregen
will. Wirb neben ber «ertiefung in bie ©djrift aud) fid) bag ©tubium
ber ©pecialberidjte über bie Slrbeit, für weldje er anfeuern fotl, angelegen
fein laffen, bamit er feine .jhörer nicht in ber leiber nur aUju feßr ver-
breiteten Slnfidjt beftärfe, baß bie Xtjeilnafjme an bem SRiffiongwerfe nur
in einem allgemeinen Sntereffe fur Die &a§ti in einen, ^ ana(n^m
unterhalten unb anregen laffen, in fjfeftfciern unb einigen ©aben befteffe.
Xiefeg allgemeine SRiffiongintereffe ift ein «Reffer oßne ©djneibe, unb
biefem ift eg zuzufdjreiben, baß Bielfad) im befonberen, worauf boa) alleg
anfommt, fo wenig gefdjieht. Sffienn man nad) bem Xitel eine «e«
leudjtung ber SRiffion nad) allen ißren |jauptfeiten erwarten wollte, fo
mürbe man wol gerne noa) einige ©eiten ber SRiffiongarbeit befprod)en
feßen, wie z- ®eu feßweren Rampf, unter welchem fid) bie SRiffiong-
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