Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

Zitierlink

35

36

©ngel ein fteinec? SBucß p Berfcßlingen gegeben unb ißm gefaßt wirb,
er raiiffe Bon nun an tneiffagen. Hie llngleicßartigfeit, in welcße biet?
©efießt burcß eine berartige 9(nftcßt p alten anberen ©eficßten ber
Hatiptmoffe tritt, unb bie llnerflärbarfett, Weößalb benn p biefer lieber«
gäbe bei? ftetnen SBueßee- gerabe ein fotcber ©ngct, tnie Jtap. 10 gefd)itbert
ift, geroäblt roarb, fprecßen Bon Bornherein gegen folcbje Heutung.

SHef. fann an biefem Orte fielt niefit mit bem 9iacßmeife befaffen, in
Weld) bebentlicbem Statte bie angebliche ©inheittießfeit ber urfprüuglid)
aus" jübifeber fjeber ftammenben Crafetreiße erfeßeint, ba narr) Sabotiert
Slnnatjme einige berfetben bie ©eftatt ber jübifdjen Hoffnungen Bor,
anbere bie ©eftalt berfetben nad) ber Slataftropße gerufalentr? roiber«
fpiegetn fotten. ©benfo fann er ßier nur flüchtig barauf bjnbeuten, baf?
Bie Sabotier fo anftöfiige Unterbrediung ber IBofaunengeficßte burcß
anbe'öartige SBifionen in ber Offenbarung fieß genugfam erftärt, fobatb
man biefetbe nießt an ber aftein in ber SBoetif berechtigten gorberung,
bafj ©pen unb Hramen bie bießterifefie ©inßeit p bewaßren baben, bemifjt,
fonbern biefetbe atc? roirftiebe SBeiffagung oerfebiebene Seiten ber bureb
ben ©intritt bec? £ßriftentßume< bebingten SBettentroicfetung aueb in beren
SKebeneinanbergeßen unb Rneinanbergreifen mögtießft pr 9lnfcßauung
bringen läßt.

Hlocß bie Sabotier«Scßoen'fcße Hßpotßefe bietet nod) Weit gewichtigere
9Infiöfje. Hte gorberung, Welcße 9?ef. bereite? SBifdjer gegenüber geftettt
bat, baß, iner Dffb. 12 bar? ©efiebt einer? Rüben fein läßt, aueß ben STlacßroeir?
fübren müffe, baß ein fotcber fieb p benfen Bermocbt babe, ber erroartete
SLfleffiae? aus? HaBib'c? §aufe fönne geboren werben, um atöbatb, oßne
etmae? auögericßtet p baben, in ben .fjimmet entrüdt p roerben unb
im Himmel mit ben ©ngetn friebtid) p leben (Sabotier S. 28), wäßrenb
bie betlige Stabt Bon ben Heiben bebrängt unb jerftört roerbe, tjaben
aud) biefe beiben Hßeotogeu fid) gar nießt geftettt. ©ine ernfte 93erüd«
fießtigung ber jübifeßen 9?orftettungen jener fpertobe über ben Süceffiae.
Wirb ftetc? p ber 9lnnaßme, biefee? ©entrum ber beanftanbeten Drafetreißc
jübifeßem llrfprung ppfcßreibeu, feßr wenig geneigt maeßen.

3?ocß bebenftießer aber ift bie SSerfcßiebenßeit an innerem 9Bertß,
Welcße nach Sabotier bei ben eigentlich apoftotifeßen unb ben urfprüngtieß
jübifeßen Hßeilen ber Offenbarung ftattßaben fort. 9Benn nämtieß aueß
ber apoftotifeßen Strbeit ah? ffiunftwerf maneßee? Sob geptlt wirb, fo
Wirb ißr boeß alter innere ©eßatt fdjließtidj babureß abgefproeßeu, baß
biefetbe als- ein abftraftee? fünfttieß pfainmengeftetltes' apofatßptifcßee.
Scßema befeßrieben wirb, weteßer? burd) gefeßraubte SRebenSarten (banalites)
unb ©rinnerungen (reminiscenses) auc? bem 91. H. BerBotlftänbigt ift. Rn
grellem ©egenfaß bap wirb in ben benußten jübifeßen ©efießten eine Steiße
tebenbiger padenber Crafet gefunben, welcße fieß fämmtticß auf beftimmte
SBorgänge begießen unb ben Scßredcn unb unäcrftörbaren ©tauben bes?
jübifdjen 93olfec? bei ber Rerftörung Rerufafemc? erfennen taffen. Hanadi
ftänbe a(fo ber ßTpoftet Refu ©ßrifti bei feinen SBeiffagungen au ©eift
unb ©taubenöenergie bem SESortfüßrer ber Sßnagoge bee? Satanr? (Offb. 2, 9;
3, 9) weit naeß unb benußte beffen .Brobufte p einer Reit, atc? ber ©ang
ber Hinge feßon beren Scicßtigfeit erwiefen, inbem er biefelben ißrem att«
gemeinen Sinne naeß fid) mittete? feiner bogmatifrßen Xßeorie unb allegori«
feßen Sületßobe umbeutete unb benußbar machte. Um baß 93i(b einer?
Säpoftch? unb fpecieÜ* ber? Roßannet?, wetdjeß fidj auß biefer Sfombination
ergibt, fann SRcf. Sabotier nießt beneiben. Her -Breie? wäre ißm p ßodj,
aueß Wenn eß gälte, bie apoftotifeße SIbfaffung ber Offenbarung p retten,
©ern erfennt 9?ef. bie ©ntfcßiebenßeit an, mit welcher biefe bon ben
beiben franpfifeßen Hßeotogeu feftgeßatten wirb. Wie aueß baß SBcmüßen,
mit ber bem Sftef. übrigenß nießt mafjgebenb erfrßeinenben 9lngabe beß
Rrenäuc? über bie Reit ber ©ntfteßung in ©inftangp bleiben. Horß muß
er ber SDeeinung bleiben, baß auf foteße 3Beife bie Schate jwar feftgeßatten,
aber ber Sern weggeworfen würbe. Rn folcße Sage bringt man fieß, Wenn
man ben Unterfebieb Bon SBropßetie unb SBoefie nießt feftßätt unb troß
eineß angebtieß etßifeßen Rnfpirationsbegriffe? einem 9lpoftel fo wenig
©abe bie ©eifter p prüfen jutraut, baß er ein feßon tßatfädjtid) atß
Srugbitb erwiefeneß jübifeßeß Drafel noeß jum Oberbau feineß apoftotifeßen
Üroftbueßeß für ©ßrifti ©emeinbe in ißren Drangfafen ju benußen
Bermag. lln.

Nestle, Dr. Eberh., Syrische Grammatik mit Litteratur, Chresto-
mathie u. Glossar. 2. vorm. u. verb. Aufl. der Brevis linguae
syriacae grammatica. i Porta linguarum orientalium. Inchoavit
J. H. Petermann, continuavit II. L. Strack. Pars V.) Berlin 1888,
Reuther (XIV, 195 S. 8). 7 M.
2ln Steile ber „Brevis linguae syriacae grammatica, litteratura,
chrestomathia cum glossario" ■TJeftte'ß Bon 128 Seiten, bie 1881 atß
5. £ßeit ber Bon 3- H- ißetermann begonnenen „Porta linguarum orien-
talium" erfeßien, ift jeßt bei ber 2. 9tuflage eine „Bermeßrte unb Ber«
befferte" „Sßrifcße ©rammatif mit Sittcrotur, ©ßreftomatßie unb ©toffar"
non 195 Seiten getreten. Srßon bureß baß beutfrße ©ewaub wirb baß
feßr nüßtieße IBucb Bermeßrten «Beifall gewinnen, obrnot eß auch ber erften
Ülußgabe nicht baran gefeßtt ßat, wie feßon barauß ßeroorgeßt, baß eben
naeß fieben jjjaßren bereitß eine JWeite vtuflage nötßig ift. ©ine weitere
9tenberung ift mit ber ©rammatif eingetreten, fofern jeßt bie ffloniinal«
leßre ber Seßre bom SBerbum Boraußgeßt. ®ie 93ibtiograpßie, bie bißßer

feßon jebem auf bem ©ebiete ber fßrifeßen Siteratur Sürbeitenben feßr wertß«
Boll mar, ift bebeutenb nermeßrt worben; aueß bie ütrbeiten ber ameriran.
©eteßrten, bie immer meßr an jjaßt unb «Bebeutung juneßmen, finb forg«
fättig berüdfidjtigt. 93ei ber großen fflüßrigfeit auf biefem ©ebiete wäre
feßon jeßt mancher SPacßtrag mieber nötßig, für ben DJeftte feine Serant«
wortung trifft, weil bie betreffenben Strbeiten erft naeß bem tJDruet
feiner ©rammatif erfrßiencii finb. Qn ber ©ßreftomatßie finb bie utt«
geeigneten, weit Biet ju frßmecen Stüde ber 1. Stuftage (auß ber lieber«
feßung ber Homitien beß Ißatriarcßen SeBeruß Bon Safob Bon ©beffa
unb bem VBfatmenfommcntar beß fBaniet Bon Salach) burd) bie jeßt bdÜ«
ftänbigen Vitae Prophetarum unb jmei neue fflecenfionen ber .ffreuj«
aufßnbungßtegenbe erfeßt, bie bureßauß paffenben Stüde auß ben frjrifrßen
«Bibetüberfeßungen aber finb beibehalten worben. ®er Älieberabbnid ber
jenen weggetaffenen Stüden ber 1. 9tuf(age angeßörenben SBörter ließe
fid) eßer rechtfertigen, wenn biefelben nießt gerabe jumeift fetten unb un«
gewößnticß wären; anbererfeitß feßten einige SBörter, bie in ben neuen
Stüden Borfommen (<,. 93. schqifa S. 97).

Stein, Dr.Salomon, Das Verbum derMischnahsprache. Beilin 1888,
Mayer & Müller (54 S. gr. 8). 1. 80.

9Jie Sprarße ber fjftifcßna nerbtent feßon atß bie 93emaßrcriu Bieteß
attßebräifcßen Sprarßgutcß unb atß Reugin für bie 9tußbrucfßweife ber
Scßriftgeteßrten jur jjeit beß ©rbeiiwaltenß ffjefu ©ßrifti genauere ©r-
forfebung, atß ißr bißßer jutßeil geworben ift. ®aß S. Stein einen
Slußfcßnitt auß biefem umfangreießen Jßema, uämtieß baß SBerbum ber
SJlifcbna «Spracße, jum ©egenftanbe einer Speciatunterfucßung gemacht
ßat, ift baßer erfreuließ, ©ern erfennen wir an, baß er Biel Waterial
jufammengetragen ßat; aber auf baß Vßräbifat „erfrßöpfenb" fann feine
Slrbeit nießt 9tnfprucß erßeben. 93on 9Jorgängern finb S. 5 genannt
nur: 9Ibr. ©eiger (1845), 3. H- «Slciß (1867), ©. Siegfrieb (1884, in:
Strad u. Siegfrieb, „Seßrbucß ber neußebräifeßen Sprarße unb Sitteratur".
«Berlin, fReutßer); bie feßr fleißige, aber feßr un^Wedmäßig eingerichtete
9Irbeit Bon 91. Sß. Hartmann, „Thesauri linguae Hebraicae e Mischna
augendi particula I, II, III" wirb S. 30 jwar ermäßnt, aber Wot nur
naeß einem irgenbmo gefunbenen ©itat; baß Seop. Sufeß „Hie Spracße
ber fJJlifcßna terifograpßifd) unb grammatifcß betrachtet" ßat (©ßtingen 1846
[127 S.]), feßeint bem SSerf. gan«; unbefannt geblieben ju fein, föiit fRecßt
ßat ber 93erf. aueß bie alten fKibrafdje aJiefßittßa, Sipßra, Sipßrr, fo
Wie bie Hßofepßtßa benußt; bod) ßätte baß Biel häufiger gefrßeßen follen.
Qn 93ejug auf ben Hert ber OTfcßna feßmanft bie lleberliefcrung erßeb«
ließ meßr, atß ber 93erf. annimmt: bie erfte 9lußgabe (STieapel 1492 fol.)
unb ber Bon 933. H- Some abgebrudte ©obej ©ambribge G883i repräfen«
tiren jwei Berfcßiebene iflecenfionen (wie feßon auß ber varietas lectionum
in ben brei Born Slefercnten ebirten 5Diifd)na = «Eraftateu 3°n|ü. '9Iboba
zara, ffSirqe 9tbotß [«Berlin 1888] erfiaßtlirß). 9luf baß Itebercinftimmeu,
bejw. 9lbwetcßcn beß biblifeßen Hebtäifd) ift nießt regelmäßig ßingewiefen;
bgt. j. SB. S. 9, R. 18, bie SBibet bietet mit iteratiBer SBebeutung ß?«,
nießt aber njr unb a-i;; mit prioatiBer S8cbeutung unb i=p.p, nießt
aber pan, ssb jc. 3u ben meifteu gälten ßat ber 93erf. bei jebem «Berbuni
(jeber gorm) ©ine 93ctegftetle angegeben, oßne ßinauaufügen, ob biefeß
SSerbum (biefe gorm) nur an biefer einen Stelle ober noeß anbcnuärtß
(an weteßen Stetten, bejw. an wie nieten) fieß fiubet. Haß ift um fo
bebauertießer, atß g. 2eBß in feinem „STCeußebräifrßen unb ©ßalbäifrßen
SBörterbucße" baß Spracßgut ber SUlifcßna tßeilß nießt fo, baß eß atß
folcßeß erfennbar, aur Harftettung gebradjt, tßeitß überhaupt unberüd«
fießtigt getaffen ßat. $in einige SBeifpiete, bie Sflef. gleich bei ber erften
Hurcßficßt ber Stein'fcßen 9(rbeit fieß angemerft ßat: S. 9, R. 22 pVo
„entfernen" aud) '9Iboba zara 3, 7; ß. 27 pan aueß g0ma 2, 3; S. 11,
R. 3 yhvn „fieß entfernen" aueß '9tboba zara 5, 4. '©rubiu 4, 1; R. 1
pi s-sn aueß Qoma 3, 1; ©. 12, R. 10 m-mm aueß Sorna 2,1. 3,1.
Sdjegatim 5, 1; S. 13, R. 22 psirj aueß 9tbotß 3, IG; S. 13, R. 5 iian»j
aueß '9tboba zara 5, 2; R. 28 :Enoj aueß Sorna 3, (',. 7, 5; S. 22, R. 15
prsip« auch '©bijjotß 3,12; S. 28, R. 5 jsvjjn unb mss aud) '(Srubin
6, 4 unb fonft; S. 29, R. 10 np»» aueß '9tboba zara 2, 1; S. 33, R. 15
iib (3nfin. non fn mit h) aueß Hßa'anitß 3, 8; S. 34, R. 31 «r^ (oon
■jan) auch '9lboba zara 1,4; S. 36, R. n VioV (non hw) aueß 9lbotß
5, 8; R. 22 Vits (SmptB.) aueß goma 6, 4 :c.

95on ©injelßeiten mag ßier noeß gotgenbeß ermäßnt werben. S. 9,
nia^y gebamotß 7, 5 bebeutet nießt „er ßat fie gefeßmängert", fonbern
„fie ift fcßmaiiger geworben". — ®. io, H'Pß'1 faufat'b aueß rnsos „fie
madßt nergeffen" 9lbotß 2, 2. Hipßit *om ©intreten in einen Ruftanb
aueß rtwijti „in gäutnig übergeßn" 9lbotß 5,5. — S. 12, Sflart. «ßuat.
ipinrj 9lbotß 3,16, pfseias '9lboba zara 4, 4, phpiis 4,10, nispiap 5, 2
Berbienten angefüßrt p werben. 9tbmerfung beö « in piuyia 9i6Dtß
3,17. — S. 13, Hopßatformen finb aueß yn) uub jjuf '9lboba zara
3,9. — SUeebiateö Sflipßai ift auch ■ttj^s „fieß trennen, weggeßn" 9lbotß
1,8. goma 1,5. — n««nna Stbotß 4, 22 ift mol atö Hipßit Ut Bofati«
firen. — goma 4,2 fteßt nießt hW, fonbern' -v.-«b. fßort. iliipßat in
futurifeßer SBerwenbung auch Roma 6, 7 Bnrmm „bie pr 93erbrennung
beftimmten". — S. 16, R. 25 war burd) 93eifpicte ju erläutern,
„ber fortjufenbenbe" Roma 6, 1. — ©. H, pafftBeö 9IitßpaeI, aueß ntjjipi
9tbotß 5, 3; rtfwn '9lboba zara 3, 9. 9luf berfetben Seite war ^nsappj
loading ...