Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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Hr. 3. %t\vm, kn 18.Januar 1889.

iljeologifdies fttmturblatt

(3nrEr!tDttsciEbviI)r pr. rtEfp. iMifjEtlE 30 pf. ' *

(ExpEbifion:
KönißspEraBe Hr. 13.

gut Ehiglenung bea KSümetßrtcJeS.
»Holet, Kuno, Ucbct bic menfcfiliec'C 7|frciS;ett.
Cnrrent Diacuasiona in Theology.
SSftirmann. ®co., CStufübruna in bic Schrift,
(«üljlcr, (pcucl, Stuä ber fiacobiflcmrinbe.

fc-ranct, S., Sta« beiben Sßetten. I Sleiieftc incologifdbe atteratitr.
ftulrr Sonrab, fionbbud) jum ttcincn Stntcä)iä= Uniberfität»(d)riftcn.

mai. fteit)ci)riften.
Xfllerfäi, 6. SB. 3., Ucbct cf»rifttid)eä ?jamilicn» !8er)cbiebenc8.

leben Slnticiuarifdjc Kataloge.

4>ur Äuelegung öes Uömerbriefeß.

©I panbelt fiep im fyolgenben um niept mepr unb ntdjt weniger all
um bie Pewaprung eine! ooKftänbigen grünblicp unb fleißig gearbeiteten
Kommentar! »im (Römerbrief Bor ber ®efapr eine! niept nerbienten
Ueberfepenmerbenl. Scpon finb mebrere Satire feit feinem ©rfepeinen
Berfloffen, unfere! Söifjen! ot)ne baß eine nennenlmertpe Pefprecpung
befjelben Bortäge. Urfadie ift niept irgenbmelcpe Parteifteflung bei Verf.
ibetfelbe ift fieb bemußt ni orthodoxe ni heterodoxe gu fein), mitbin and)
nid)t ein Vavtcigcfidjtlpunft auf ber Seite bei tefenben unb bcurtt)eilenben
tpeolcgifcpcn Vubtifum?: mennfdjon fotd)e Sdjriftmerfe, meldje in irgenb»

ftarter ©eltenbmacpung bei jübifeben 9lulganglpunfte! ber d)rift(id)en
Verfünbigung all bie natürlichen ergeben unb bie berjetbe anberWeit (in
Strad» Rödler'! Kurggefaßtem Kommentar, 91, %„ III, 214) getegentlid)
mit Pegug auf ben (Römerbrief furg gufammengefaßt pat. Pefonberel
®eroid)t legt ber SSerf. auf feine SBürbigung Bon Kap. B—11 all unber»
äußerlichen Peftanbtpeil bei Priefe! unb auf feine Verweubung ber 91u!»
fagen ber 9lpoftelgefd)icpte.

91ucß bei ber ©ingelaullegung roirb ein natbbenfenber Sefer, fonber»
lid) roenn er bie piftorijcp»fritifcpen Voraulfefeungcn bei neuen Kommen»
tatorl im ganten tpeilt, burcp feine unb grüublidie 91ulfüpruugeu erfreut
unb überrafept Werben, Wennfcbon fid) naturgemäß fjier bie (Differeng»

einel Bon ben ftreitenben Sägern fid) (teilen unb Bon ba au! irgenbeine \ punfte nieprcn. 50cit ftarfem Selbftänbigfeitlbcmußtfein gebt ber SSerf.
ffrage beleudjtenb gegen bie anberen fämpfen, naturgemäfi mehr Peadjtung fjier Bielfad) eigene Söege. jjuroeilen mag ipnt babei all Bötlig neu unb
finben Werben all ein lebiglid) gelehrt fein woüenbe! SSerf, fo wirb boep | eigentl)ümlid) fdjeinen, mal er oiefleicht nur in eigenthümlidjer SSeife

niept aul folchen ©rünben ein Kommentar abgelehnt Werben. 9leußere
©rünbe fdjeinen, fonberlid) in ®eutfcblanb, Borguliegen: man ift bort
febon mit ber beutfeben Siteratur im Streit ber SOIeinungcn fo befepöftigt,

aulbrüdt. Pefonber! wichtig ift iprn bie (faffung unb ®eltenbmad)ung
ber leitenben „religiöfen 3been". Sein Kommentar ift in biefer .sjinficbt
ein mirflid) einpeitlicpel Sffierf, Bon innen perau! gearbeitet. ®ie gloffe»

baff frembfpracptge SKJcrfc wopl ober übel gurüdtreten müffen; unb, i matifepe SWetpobe wirb tu ©runbe gelegt, aber burd) tiefgepenbe biblifdj»
panptfäditicb : Verfaffer unb Verleger fepeinen an bie Siteraturbtätter t tpeologifcpe Arbeit burepbrungen unb burdjbrocpen. (Ratürlid) nicht überaß
lein jhecenfionleremplar eingefanbt tu paben. SBenigften! ift biel bie j mit bem gleichen guten Erfolge. ®enauer ift gu fagen, baf) ber SSerf.
ÜS02ie-_fi v!.if.ien? 6ci 6em »Speot. Siteraturbhitt", bal nunmepr J gefunbe piftorifepe unb ppilologifepe ®eficptlpunfte mit 'Umfiept unb ©rünb»

licpteit in anregenber Söeife geltenb maept, manchen feiner anfprucpl»
Bolleren äRitarbeiter übertreffenb. Qnlbefonberc ftept ber Kommentar
nape baran, bie eingigartige Xpatfacpe bei Uebergangel bei ©bangeliuml

auf SBuiifcp bei 9lutorl Bon beut untergeiepneteu (Referenten fid) gern
Willig pat finben (äffen, bie Unterlaffung norp jeßt gut tu maepen.

®emcint ift ber gmeibänbige „Commentaire sur l'öpitre aux Romains"

par Hugues Oltramare, pasteur et professeur de theologie ä l'univer- ! Bou pen ^uben tu ben Reiben in iprer SBebentung für bic ülnllegung

Site de Geneve (Geneve 1881-82, A. Cherbuliez et Cie. [XI, 530 n. ! bei 9f. %. gu Würbigen unb gu Berwertpen. ®eunod) panbelt el fiep bei

VIII, 02) p. gr.8| . ®er erftc 93anb umfaßt eine 114 Seiten lange 93e» , einem gewiffen fDcangel an «erftänbniß für bal jübifepe ®emütp (bal»

fpreepung ber irmlettunglfragen unb bie 2lullegung ber erften fünf ! jenige unter bem ©efepe unb baljenige aul bem ©tauben) unb an Kennt»

Kapitel; ber gweite bal ubngc. Warb «oraulfenbung eine! umftänb» j feiner Steußerungen bod) wot nod) mepr um Slpnung unb ©efüpl all

lidien Siteraturoergeichniffel, welche! über bie umfid)tige Vorbereitung i um eine tlare ©tfcnntnif) bei SacpBerpaltl, fobaf) Sief, gwar pier mepr

unb 93elefcnpeit bei übrigenl in tpeologifcper vlrbeit fepon ergrauten
Verf. mepr all pinreidjenbe Verupigung gu gewähren geeignet ift, be»
panbelt Bie Einleitung in fünf Paragraphen ben SSrief felbft: ©eptpeit
unb Integrität (Kap. 15 nnb 10 (äffen fiep all eept erWeifen, p. 13—38),
Reit, Ort (9lnfang 58 in Korintp) unb Spradfe, SSeranlaffung unb ©egen»
ftanb (ber SSrief ift an! bem bamaligen Staube ber großen ülrbeit Pauli
mit innerer Diotpwcnbigfcit, alfo aul feiner Bollen ftreipeit perBorgegangen,
fein ©rgebnif) bei Kampfei), Plan unb Pefcpaffenpeit (Paulnl leprt,
uiept all profeffor, aber wie ein prebiger, inbem er feine balbige 9ln»
fünft burcp (Darlegung ber obfeltiBen, Kap. 1—5, wie ber fubjeftißen
Seite Kap. 6—8 ber ©atpe barlcgt, fiep mit ber feinblidien Stellung
Sfrael! auleinanberfepl Kap. 0—11 nnb enblid) ermahnenb ben ^rieben
befeftigt) unb Rwcd be! Priefe! (niept rein polemifcp, niept polemifcp»
fonci(iatorifd), niept bogmatifcp, niept apotogetifcp, fonbern einfach
berjenige einer feprifttiepen Prebigt: gu gewinnen unb gu befeftigen). ®ie
§§ 6-8 fobann finb ber ©emeinbe gu SRom gewibmet. 3m abfiepttiepen
©egenfaf) gu tjerrfdjenbcn ainfcpauungen fann ber Perf. niept finben, bie
©emetnbe fei Berpältnifjmäfjig alt, gaplreicp unb wopl organifirt: einer

all fonft gumeift, aber bod) nod) nidjt ptnreicpeub be! ©efüpl! eine! ge»
Wiffen Scpwebenl in ber Suft unb wiUfürlicpen Verfahren! beim 9Iu!»
legen lol geworben ift. 9Jtan fann bod) beifpieüweife gewifj niept rieptig
befdpreiben, wal Paulul unter Sixatooövr] Bsoü ober iciaxie Berftepc, wenn
mau fiep niept, natürlich an ber fjanb ber fcpriftlicpen Duellen, in ba!
©emütp einel bormaligcu pparifäerpauptel unb nachmaligen (peiben»
apoftel! mit piftorifepem Sinn, mit religißfem Verftänbnifi unb pfpcpo»
logifepem Scparffinn (iebenb Berfenft pat. SSSa! aber pier noep feplt, bal
ift nidjt bem Borliegenben Pucpe für fiep atiein gur Saft gu legen: bie
©rünbe liegen noep in bem Stanbe ber tpeologifdjen 91rbeit überhaupt.
Sebenfatl! würbe ber (Raum, ber pier gur Verfügung ftept, nicht au!»
reichen, um in biefer Oficptung ben anregenben 9lu!füprungen be! DItra»
mare'fepen Kommentar! beipflicptenb ober fritifirenb unb etwa ergängenb
unb berbeffernb im eingelnen naepgugepen. Pur auf einige! fei pin»
gewiefen, unb gwar gumeift an ber (panb eigener Potigen be! Verf., fo»
baf) im gangen folepe Punfte perborgepoben werben, an benen biefem
felbft gelegen ift.

(Put, genau unb fein finb fepon bie Erörterungen gu ben erften

foldjen würbe paulnl niept eine „Prebigt" fenben; unb alle äußeren j Verfen, wiewol bort eine KlarfteÜnng bei Verpältniffe! Bon x^töc, gu

unb inneren (Daten, geigt ber betr. intereffante unb gebiegene SIbfcpnitt i dxdoro^cx: (all PrübifatlnominatiB) Bermißt wirb, ©iner unBermittelten

(p. 78—92), ftimmen nur unb gerabe gu ber Pnnapme, bie ©emeinbe , ©egenüberfteKung Bon odpS in 1, 3 unb itveSua in 1, 4 wirb man niept

fei noep im fjluffe, fo fepr, baß Paulul „fut en realite, avec l'aide j beipflichten müffen (Bgl. S. 123 mit S. 128). Pei ber Paulinifcpen

d'Aquilas et de Prisca, le vrai fondateur de l'eglise de Rome". PI! i §auptwenbnng oucaiooövr] btoö faßt ber Verf. (f. gu 1, 17) frsoö ajg

Paulul bapin fd)rieb, feploß biefe junge ©emeinbe in fiep ©priften peib» gen. autoris, Bcxatoauvr) all perfection morale, alfo eine fittlicpe Dualität,

nifepen wie folepe jübifepen Urfpruugl; el mar aber im gangen eine
peibendjriftlicpe ©emeinbe, nur eben mit einem nidjt unwichtigen juben»
eprifttiepen ®peil, welcher fadj» unb naturgemäß in bem Schreiben gu
berüeffieptigen war. SPitpin gepörte bie ©emeinbe im großen, gegen
bie Paur'fcpe Dpeologie beg. inlbefonbere fbcangolb ift el feft gu be»
paupten unb gu bemeifen, ber paulinifcpen SRicptung an (a la tendance
de Paul).

9Rit wadjfenber 3renbe ift (Ref. ben 9lu!füprungen biefer Einleitung
gefolgt. (Denn mit gefunbem Plid entpält fie tüchtige Peiträge gur lieber»
Winbung anfprucpiooller moberner 9lnacpronilmen unb entfpriept im
iDefentlicpen gerabe ben 9lnfd)auungen, meldje fiep bem llntergeicpneten bei

Witt aber babei fo Wenig bon einer eingeflößten wie Bon einer imputirten
©ereeptigfeit wiffen, fonbern bleibt ßinficptlid) bei „Rritmortel Sixco.oüv
einfach bei ber Ueberfefeung justifier, c'est declarer juste, inbem er Ber»
fiepernb pingufügt (S. 164), baß gmei ©lemente, ein objeltiB»negatiBel
unb ein fubjeftiB-pofitiBel, bei ber fperfteKung ber oixaiooövr) gufammen»
Wirten, ©ine innere Verarbeitung feplt pier. SRef. fdjlägt bagegen Bor,
JixoioöiivT] all Verpältnißbegriff unb bennoep heoü all gen. subj. in bem
Sinne ber inneren fjugepörigfeit gu faffen, wie g. P. 10, 3; 1, 16
(oövainc tkoö); ©pp. 4, 18 (Ccorj fhoü); fBpil. 4, 7 (üprn Psou) U. Ö.
®ie gefunben 9luleinanberfepungen über 1,18 bürften bem unterrichteten
Sefer gegenwärtig gu formlol unb alfo nidjt pinreiepenb erfepeinen, ba
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