Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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f*rieb, «ol au* an *riftti*e Sefer leinet «Irbcit geba*t; liefe aber,
übrigen« fie f*«erli* allein, «erben bcbauern, baß er nicbt eingeljenb
bargelegt hat, «arum er fR. Weit „a!8 ben Weifter ber Staleftit unb
als ben beroorragenbften sßcrtretcr einer na*, ben ©rünben ber ©efeße
fudjenben S*riftforf*ung" 98) bejeicb,net. Ser erforberli*e (Raum
hätte, «enn nötbjig, (ei*t bur* rürjere Raffung ber 9lngabcn übet bie
©ef*i*te ber geit t,cS iE. SReir gewonnen «erben fönnen. gm Einzelnen
fei no* golgenbe« bemetft. 2ln ben ©.81, Ättm., angeführten ©teilen
ift bie ri*tige Se«art nicbt o-asta iau (Sternenanbeteri. Sßie lange
«erben «ir no* auf ba« Erf*einen einer uncenfirten Shalmubau8gabe
«arten muffen! Sien guben*riften wirb Senunciantentbum zweimal
(S. 39, ©. 6; ©. 44, Q. 6) borge«orfen, aber ni*t na*ge«iefen. ©. 33,
vlnm., bie Iiier aufammengefteüten Eitatc finb bom «erf. nur tfaei(«eife
na*gef*lagen; beim Seup erflärt yi-mm nicht bnr* ba« perfif*e
„Witpra", foubern „etwa (isTOwipotwov*., unb «iijriorf'8 tpalmubijdje«
Sejifon banbelt bon biefem SBorte ni*t ©. t>06, fonbern ©Balte 1191—
1193. 2Boper auf ©. 39 „ber «arnaba«brief be« «aulu«"? Ser
@*«iegeroater be« SR. Weir führte «at)rf*einli* ben SEamen ©bananja
ben Stjerabjon, ni*t Ebanina b. 3*. (@. 44. 45. IIb). S. 79, «um. 3
mar ju ©*abbatb 25t> bie altere «aratlele 9Ibotb 4, 1 (93en Zoma) an»
Zugeben. ©. 111 fehlt «a« ©ema*oth 12 unb Wibraf* zu ben Silage-
liebern 3, 15 bon «eruria erzählt «irb (ihre Söorte bei «eerbigung ihre«
«ruber«). S. 115 ift ftatt „.frieromaj" ju lefen „^ierornbceS". <Ei*t
nur S. 5, fonbern au* S. 33. 45. 47. 67. 73. 79. 84. 97 ift „Seutorono-
mium" gebrurft. S8on anbeten Srurf- ober ©*teibfehlern «ollen «ir
hier berichtigen: ©. 28, «htm. I. „$af*a*ar"; ©. 70, g. 18 l. „bir" ftatt
„mir"; auf berfelben Seite lie« zweimal, be«glei*en ©. 76, Witte: 9lbotg
4, 10; S. 102 fflnm , lebte geile, l. „SBolf" ftatt „Söme"; ©. 117, 9Inm. 2,
g.3,1. „11,231" ftatt „23"; ©.125 ift zweimal ,,«etb-©*ean" zu
lefen. — Wöge ber «erf. feiner flcifjigen Erftling«arbeit «eitere ähnliche
Schriften folgen laffen!

©roß»Si*terfetbe bei «erlin. 5Ejtrm. % 3tradt.

SBJilbelmt, Somprebiger (in ("nfttorol, Jlatf)olif*c ober t»angelif*e ©itt-
(i*trit? Ein «ortrag. ©üftro« 1888, Opiß & So. (40 ©. gr. 8).
60 «f.

Siefer «ortrag beb,anbe!t ein Sbema, «el*e« neuerbing« «ieberholt
©egenftanb ber Erörterung geworben ift. ©*ul»e, Uhlhorn u. a. haben
barüber gef*rieben, unb wenn ©urp'8 berüchtigte^ Worafleprbu* ober
bie jefuitif*e SDRorat überhaupt mehrfa* ber öffentlichen Sfritif unter-
zogen roorben ift, fo hanbelt e« fi* im ©runbe um baffelbe Sbema.
Wan hat erfannt, baß ber ©egenfaß j«if*en ebangelif*em unb römif*.
fatl)olif*em Shriftenthum ni*t bloß ein bogmatif*er, fonbern au* ein
ethif*er ift unb bie ganze 9lnf*auung Pom fittli*en Seben«oerf)alten be-
trifft. Unfere geit ift für fol*c «etra*tung »ieHeicht zugäug(t*er al«
für bogmotif*e. Unb fo ift e« «ohlgethuu, oon biefer ©eite au« jenen
©egenfab bem ©ef*Ie*t ber ©egenroart beutli* zu ma*en, «obei man
nur immer eingeben! bleiben mag, baß alle Stfnf in ber Scgmattf
»urjelt. ge mehr „ber gauberer in SRom" bie ©eifter unb ©emüther
in ber ©egenwart zu bezaubern brolft, um fo nötiger ift e«, fie gegen
bie Säuf*ungen jener oerfül)rerif*en 2Beltma*t zu J*fißen. Wan «irb
el baher als nerbieuffli* bczei*nen müffen, baß 5B3ilhelmi zur Erfüllung
biefer 2lufgabe in bem angegebenen «ortrag einen fo «ertb,Bouen Sienft
geleiftet hat. gft e« au* für bie Jfunbigen nichts fEeue«, «a« er fagt —
gewiffe 2Bagrpeiten muß man immer roieber fagen, unb nieten feiner
$örer hat er ge«ifi man*e« SEene gejagt unb «irb e« au* ni*t «enigeu
feiner Sefer fagen. Er geht Bon ber grage ber guten SBerfe unb ber
Berf*iebencn «eant«ortung biefer grage bei ben Eoangelif*en unb bei
ben 5RBmif*en aus. UnS gaben bie guten äßerfe ba« ©nabenoerpältniß
unb bie feiige ©emeinfdjaft mit ©Ott zur «orauSfefung, bei ben SRömi-
f*en zu« g«ed. .fjier alfo finb eS bie Apanbluugen als fol*e, bie ge-
«erthet «erben, loSgelöft bon ber SfJetfon. S)aS ift, hatte er hinzufügen
Tonnen, ber bribnif*e ©auerteig in jener ÜEoral. Seit hierin liegenben
Unterfdjieb Perfolgt ber «erf. na* ben brei SEi*tungen: ber «orauS-
febungen, ber formen unb beS gnhalts ber *rift(i*en ©ittli*feit. 3S3enn
bie «orauSfebung ber ©laube ift, fo heifs1 biefer bo* etroaö" ganz
anbereS bei ben SEömif*cn unb bei unS. «ei jenen ift er ber SföillenS«
aft, ber bie gntelligenz ben S!ebrentf*eibungen ber Stir*e, b. i. beS «apfteS
unterwirft. Ein fol*er ©laube bat nad) unferer 9lnf*auung feine fitt«
Ii*e «ebeutung. Samit fteht in gufammenhang, ba6 bie römifdje Slir*e
befonbeve gönnen für bal «ahrhaft *riftli*e Sehen auffrellt (im SLEön*»
thum u. bgl.), «el*e, weil fie an fi* bloS äuher(i*e SebenBorbnuugen
finb, feinen fittli*en SSJertf) haben, «ähreitb «ir bie fittli*e Erweifung
bec? ©lauben« gcrabe in ben gc«ähnli*ften SebeneBerhältniffen, in bie
wir hineingefteflt finb, forbern. Siefen Unterf*ieb führt ber «erf. in
trcffenber 9Inf*auli*fcit im Einzelnen au§. Serfelbe Unterf*ieb ma*t
fi* beim au* für ben gnbalt ber ©ittli*feit geltenb. Unä ift er be-
ftimmt bur* ba>? freie 9EotiP ber Siebe, jenen bur* ben ©eborfam gegen
bie ftir*e beä «apfte* Unb «aS bad heiflt, wirb ani ber gefuiten-
moral in braftif*eu eifpieleti beutli* gcma*t. SBenn ber «erf. biefe
überhaupt üno infonberheit ©urp fleißig herbeizieht, fo ift baä fo«ol
bur* bie Umwaublung bcB mobernen SiatholiciSmuS in ben gefuitiemiu«

al^ bur* bie weite «erbreitung beB ©urp'fdien Sehrbu*4 bcredjtigt.
Unb «ir fönnen nur feine Empfinbung Boll theilen, wenn er bie 4>err-
f*aft bicfeö Sehrbud)§ «ie in *rifrli*em fo au* in nationalem gntereffe
gerabezn al§ oerhängnifjBoll Bezeichnet. Unb fo fei benn biefer «ortrag
ber «ea*tung aufs" hefte empfohlen. (S. f.

Jensen, Gustav (Pastor, Lehrer am proktlsch-thcol. Seminar in Christian!»(,

Indledning i Pi-estefjenesten (Einführung in den kirchlichen
Dienst). Christiania 1888, Gröndahl & Sohn (143 S. 8).
Eo gibt feßr Biete *riftli*e 9lnba*teibüd)er, aber nur «enig fir*li*e,
b. h- foldje, »el*e ben Sefer ui*t aU blofeä gnbitribunm, fonbern al*
©lieb einer *riftli*cn ®emeinf*aft belehren, ftrafen unb tröften. ©in
9lnba*t^bu*, »el*e§ bie befonberen «ebürfniffe best ®ciftli*en, in erfter
Sinie beö angehenben, bann aber aud) beö f*on mitten im Stampfe ber
«eruföarbeit ftehenben, berüdfkhtigte, ift urtä bisher ni*t befannt geworben.
Sie BorliegenbeSdjrift be? bur* eine Sammlung Bon praftif*-tb,eologif*en
ülbhanblungen f*on befannt geworbenen «aftor genfen «iß bie Sücfe
auäfüßen, inbem fie zugleich mehr bietet als ein blofeö vlnba*t«bu*.
fEi*t nur baS ©emüth be8 Seferd «irb bewegt, fonbern Bor allem fein
©eift angeregt, feine ©rfenntniß Bertieft. Sie Ueberf*riften ber fieben
©ruppen Bon je et«a fe*0 «etra*tungen beuten ben reichen gntjalt beä
«u*eb an: I. Ser heilige Sienft ift Bom 4>errn. IL See) heiligen Sienfteä
4>errlichfeit unb «erannuortung. III. Ser berufene Siener. IV. Ser
prieftcvli*e «Janbcl. V. Ser ritterliche Stampf. VI. ©otte« ©emeinbe —
meine ©emeinbe. VII. Sa« SBJerf be« Stenfte«. gebe «etra*tung geht
Bon einem ©*riftroorte au«. Ein ©ebet, in «el*em ber Sefer ben re*ten
©tanbpunft gewinnt zu innerli*er Aufnahme unb «erarbeitung be« ©e-
botenen, fteht zW'fdjen Sejt unb «etra*tung. 9Ber bie ©*reib«eife
be« «erf. fennt, weiß, baß ni*t« 9llltftgli*e« Bon ihm zu erwarten ift.
28er lernen «iß, für feine ©emeinbe unb in Uhr Wahrhaft priefterli* ju
«irfen, ber mag «ol in feine ©*ule gehen, gu ber §anb be« Stanbi«
baten, ber bie ^öße be$ ergriffeneu «erufe« erft innerli* erfaffen muß,
fönnen «ir un« feine beffere vlnweifung beuten. Sie nü*terne fir*li*e
©teHung be« «erf. mag ber ©. 18 Bon ihm au«gcfpro*ene ©aß *araf«
terifiren: „E§ Wäre ü*erli* nicht baS f*Ie*tefte gei*en für einen treuen
Siener be« $»errn, «enn bie 28eltmenf*en ihn einen «ictiftenpaftor nennten,
bie übertriebenen „^eiligen" aber einen 2Beltpaftor. 28ie ging e« gefu
unb feinem «orläufer (SEattb. 11, 18 f.)! ©« ift fehr natürli*, baß biefe
beiben Urtheile einen re*tf*affenen ©eiftli*en treffen, ©o muß e« fein.
Er muß jenen zu ftreng f*einen, biefen zu milbe". genfen ift aber au*
fern baöon, ben Wann be« 2(mte§ in falf*er SBeife über bie ©emeinbe
Zu ftcHeu. Er fagt ©. 82; „Sßie gut unb nötljig ift e§ oft, ben Sßaftor
ZU Bergeffen, um beim Ehrifteu zu BerWeiten. 5Ei*t al« ißaftoren «erben
«ir feiig, fonbern al« Ef)riften. Dbcr, «enn bii lieber «itlft, Ehrißenfinn
ift ber eigentliche ,,«riefter"-©inn. ge na*bem biefe ©efinnung in ber
eigenthümli*en «ethätigung be« fir*li*en 9lmte« fi* entwidelt unb formt
fommt e« zu einem wahrhaften «aftor unb zu einer «irfli*en geiftli*en
Shätigfeit". ©uflaf Jwlman.

«ebenfen, Ehrißli*e, übet mobern *riftli*c« 2Beftn. «on einem
SorgenBoüen. ©üteroloß 1888, «ertelömann (148 S. 8). 1.80.
Ser „©orgenboHe", «el*er u. E. BieKei*t bo* beffer gethan b,äüe
au« ber vlnoupmität herau«- unb mit feiner «erfon für feine Uluf-
ftellungen einzutreten, ift nicht ein £*po*onber, ober ein bon franf-
haftet Sorge um bie gegenwärtigen guftänbe be« ©hriftenoolf« «e«
fatlener. IBielmehr zeigt et fi* im «efiß zweier Eigenf*aften, «el*e
*n befonber« befähigen, alle Erf*einungen nnb «ewegungeu be« reli-
giöfen, focialeu, cti)if*en unb äfthetif*en Sehen« Bor feinen «lugen bie
Wufterung paffiren zu laffen. Er tritt nämli* erftli* mit großer «e«
f*eibenheit unb ©elbftfritif, zweiten« aber au* mit einem bur* ba«
lautere Eoangelium unb bur* gefunb lutherif*e Entwicfelung geflärten
9luge an bie «enrtheilung ber guftänbe heran. 2Benn bem ©anzen
babei ein jeremianif*er Eharafter aufgebrüdft ift, fo ift ba« cbenfo Wohl-
thuenb al« förbernb. Ser ungenannte «erf. finbet in bem mobern-
*riftli*en SBefen nun namentlich folgenbe Eharafterzei*en: er bebauert,
baß fi* bei benen, «el*e no* an ber alten Sogmatif feßhalteu, auf
biefen ur«ü*figen ©tamm eine moberne Ethif eingepfropft hat. Er be-
flagt in ber «rebigt- fowie in ber 2Birfung««eife unferer geit ba«
methobiftif*e, treiberif*e 28efen nnb babei bie «erfennung ber $ierrli*-
feit unb «ebeutung be« täglichen, irbif*en «ernf«. Er fiept mit ©*merz
ben fEiebergang eine« ehrwürbigen, mit §eiligung«ernft au«gerüfteten,
alten Rjietisimue? unb ba« .Cpereitttreten eine« feftirerif*en franfpaften
«ieti«mu«. «efonber« f*arf beurtheilt er bie bebenflt*e Entwidelitng
be« «eibli*en 28efen« im mobernen Ehriftentpum unb geißelt nament»
Ii* ba« «ielf*reiben unb «iellefen unferer grauen unb Sö*ter. Sief»
ergreifenb finb bie 9lu«fül)rungen über ben «iß z*if*en ben üllt- unb
fEeu-®läubigen, über ba« theologtf*e ©tubium unb ganz befonber? über
bie traurige jEioetlirung unb gnbifferentiirung ber flaffenben Unter-
f*iebe zwif*en Eßriftu« unb «elial, zwif*en Stir*e unb 28elt. Unb
ob «ir bem „©orgenbollen" BieUei*t au* nicht in allem ba folgen
fönnen, «o er ba« Waffen*riftentbunt, bie «erföhnung Bon Ehrifteu-
thum unb Stultur, ben f. g. *riftli*en ©taat unb ba« «erein««efen in
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